MGMT - Little Dark Age

Rezensiert von Amélie Becker

Warum die New Yorker Indietronic Band MGMT so viel mit uns Studierenden gemeinsam hat? Ganz einfach: weil sie aus unseren Dunstkreisen stammt. „Little Dark Age“ ist unser Album der Woche und könnte wohl der ideale Campussound für Studierende dieser Generationen sein. Ben Goldwasser und Andrew Van Wyngarden, die Urväter MGMTs, treffen erstmals auf dem Campus der Weleyan University in Middleton, Connecticut aufeinander. So wie AnnenMayKantereit – so wie viele andere auch – freunden sie sich an, machen Musik auf den Wiesen der Universität und spielen sich ihre Lieblingssongs gegenseitig vor. Bald schon beginnen die beiden eigene Musik zu machen, stets mit der Devise Formate zu sprengen, Genregrenzen auszuloten. Keine Scheu vor Irritationen. Das Duo, damals noch unter dem Namen „The Management“ scheint die KommilitonInnen zu erreichen, schnell baut sich eine studentische Fanbase auf. Diese reicht sogar so weit, dass sie ein Label für die beiden gründen: Cantora Records – der Beginn. „The Management“ erreicht immer mehr Menschen und letzten Endes wird ein Talentscout von Sony Music aufmerksam auf die beiden Freunde. Mit dem Erlass der künstlerischen Freiheit gehen Ben Goldwasser und Andrew Van Wyngarden bei dem Major unter Vertrag. Der weitere Werdegang ist bekannt, frisch im Postfach unserer Redaktion: das vierte Studioalbum „Little Dark Age“!

„Little Dark Age“: das kleine dunkle Zeitalter/Mittelalter. Auch MGMT sind Kinder der Zeit und bleiben von den schattigen Momenten unserer Generation nicht verschont. Das Album ist eine Gesellschaftskritik, das Brechen des Schweigens nach 5 Jahren Stille. Doch auch hier gibt es treibende Samples, den Optimismus und die Zuversicht beim Blick in die Zukunft hat die Band sicherlich nicht abgelegt. Das Licht am Ende des Tunnels.
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Sphärische aber auch kecke Synthie-Melodien sind unterlegt von dicken Basslinien, die treiben. Sind sie als Live-Band doch von vielen im Nachhinein nicht allzu vergöttert, lassen sich diese Studioaufnahmen sehr gut hören.  Ohne ohrwurmverdächtige Megahits wie „Kids“ ist „Little Dark Age“ ein sehr gelungenes und verschlüsseltes Album. Wer versucht, die Verse und Vertonungen logisch zu entschlüsseln wird wohl kläglich scheitern. Romantisch, isoliert, zynisch – 10 Songs, die alle über drei einhalb Minuten lang sind und damit dem Hörer die Zeit geben, wirklich Zugang zu der Musik zu finden. Allesamt haben einen positiv-dunklen Sound und vermitteln eine bittersüße Düsterheit.

Kritik an der immerwährenden Smartphone- und Like-Gesellschaft findet sich etwa auf ironische Weise im Song „She Works Out Too Much“ oder in „TSLAMP“, die Kurzform für „time spent looking at my phone“. Wir werden Willkommen geheißen zu der „Shitshow“, man wundert sich darüber, wie eigentlich die ganze Zeit so schnell vergangen ist („I'm wondering where the hours went“).
Der Albumtitel „Little Dark Age“ ist textlich inspiriert an der Präsidentschaftswahl Trumps. Wut schwingt mit, während der Ton eher an Kavinskys Nachtruf erinnert: „Bring a stone. All the rage. My little dark age“.
Der lyrische Leitfaden des Albums, der Tod, versteckt sich in einigen Songs, ist das immer wiederkehrende Moment. „When You Die“, geschrieben von Ariel Pink beispielsweise, präsentiert ebendiese zynisch bizarren Texte, die sich mit dem Tod auseinandersetzen. Die rau verschlüsselten Lyrics, die leichten Dissonanzen, das Brechen mit den musikalischen Konventionen, so wie die Wechselhaftigkeit der Melodien. Mit „Days That Got Away“ gelangt man zu einer instrumentalen Verschnaufpause - lethargisch, sphärisch.
Während „Hand It Over“ noch an den eingängigen Sound von Tame Impala erinnert, geht das Album „Little Dark Age“ weit darüber hinaus. Unbequem und doch unglaublich wohlklingend, haben MGMT ein großartiges viertes Album produziert. Manchmal scheint sich lange Stille auszuzahlen.


Label: 
Columbia Records
VÖ: 
09.02.2018
Herkunft: 
New York