L.A. Salami - The City Of Bootmakers

Rezensiert von Lennart Knebel

L.A. Salami? Da fragt man sich natürlich erstmal, ob hier eine besondere Vorliebe für Fleischwaren aus Kalifornien ausgedrückt wird. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um die Initialen eines Namens. Komplett heißt der Mann nämlich Lookman Adekunle Salami (ob “Lookman Salami” besser gewesen wäre, ist wohl fraglich). Dem Londoner mit nigerianischen Wurzeln scheint sein ungewöhnlicher Name glücklicherweise nicht geschadet zu haben. Bereits mit seinem 2016 erschienen Debütalbum “Dancing With Bad Grammar” hat er gezeigt, dass er die gesellschaftlichen Probleme seiner Heimatstadt mit akustischer Gitarre und bis zu 8 Minuten langen, textlich dichten Songs verarbeiten kann.

Vergangen Freitag hat Salami jetzt seit zweites Album mit dem Titel “The City of Bootmakers” veröffentlicht. Hier kontrastiert er zwar wieder ernstzunehmende Gesellschaftskritik mit musikalisch eingängiger Leichtigkeit, dabei erinnert der Sound der Platte allerdings weniger an den simplen Gitarrenfolk von Bob Dylan oder Donovan, als an die rotzige Rockmusik der Kinks oder der Libertines. Während sein erstes Album noch von akustisch gezupften Balladen gelebt hat, setzt er jetzt auf den Sound einer kompletten Band - und das Ergebnis kann sich hören lassen.

Der Opener “Sunrise (Intro)” klingt noch fast träumerisch, mit einem gemächlichen Tempo und nur begleitet von einem locker improvisierenden Piano und einer gezupften Gitarre. Dabei sind fröhliche La-La-La Chöre zu hören und es kommt eine im allgemeinen ziemlich entspannte Stimmung auf. Bis man auf den Text achtet. Hier holt Salami direkt zur poetisch-verstörenden Keule aus und singt Sätze wie "The Queen of Spades digs me a grave” und “God points a shotgun at my eye". Spätestens jetzt wird klar, dass der Engländer die eingängigen Melodien und tanzbaren Rhythmen benutzt, um seine durchaus tiefsinnigen Texte ohne Ablenkung rüberzubringen und den Hörer dabei vielleicht sogar in falscher Sicherheit wiegen möchte.

Dieser Kontrast wird in dem Lied “Terrorism (The Isis Crisis)” besonders deutlich. Hier beschreibt Salami den Terroranschlag auf die Westminster-Brücke und das Londoner Regierungsviertel im März 2017 mit bissigem Text - und unterlegt das ganze mit einer lockeren, fast poppigen Melodie. Die wird zwar periodisch von einem rockigen Refrain mit der wiederholten Zeile “The Isis Crisis” unterbrochen, bildet aber dennoch den Großteil des Songs. Die deutliche Schilderung der Schreckenstat nimmt durch die Leichtigkeit der Musik eine besonders zynische Note an, die es vielleicht auch benötigt, um so ein Thema künstlerisch aufzuarbeiten. Mit typisch britischem Understatement beschreibt er in "England Is Unwell" die Situation von Migranten und besorgten Bürgern zugleich. Der Kommentar kann hier schon mal etwas schwerfällig rüberkommen, aber auch das gehört zum Charme des postmodernen Singer-Songwriters.

L.A. Salami behandelt auf dem Album allerdings auch weniger politische Themen. Die Schwierigkeiten des stilvollen Lebens in London und ein Trip nach Berlin werden auf humorvolle Art und Weise in “Brick Lane” wiedergegeben und das Highlight des Albums ist der komplett unpolitische Rock-’n’-Roll-Song "You're Better Off Alone", in dem es um die Wirren und den (vermeintlichen) Nutzen von Liebesbeziehungen geht.

Insgesamt bietet Salami hier eine ausgeglichene Platte, die ihre moralische Botschaft nicht versteckt, aber trotzdem musikalisch auf eigenen Beinen steht. Das Einstreuen der unpolitischen Songs bietet dabei Erholung und regt dazu an, das Album durchzuhören, ohne von der reinen Masse an Statements erschlagen zu werden. Einen Vergleich zur Salamitaktik könnte man an dieser Stelle wohl durchaus erzwingen - muss aber auch nicht sein.

 


Label: 
Sunday Best Recordings
VÖ: 
13.04.2018
Herkunft: 
London