Halcyon Drive - Elephant Bones

Rezensiert von Jan-David Wiegmann

Es mag purer Zufall sein, dass beim Schreiben der Rezension plötzlich der Himmel aufklart und die Sonne nach Wochen mal wieder zum Vorschein kommt. Denn Halcyon Drive aus Melbourne vertonen dieses Gefühl sehr gut. Was die drei jungen Musiker mit “Elephant Bones” auf die Bühne stellen ist ein Album voll bis zum Anschlag mit guter Laune.

Den Beginn macht das sich langsam aufbauende “The Birds”. Zunächst wird eine pulsierende Bassline reingefahren, dann gesellen sich die lockeren Vocals von Sänger Michael dazu, bis sich der Song nach dem Refrain komplett in ein treibendes Synthie Feuerwerk morpht. Das Ganze erinnert an den poppig eskalativen Sound der Crystal Fighters.
Jeder Song des Albums ist auf seine Art sehr eingängig. “Loosen Up”, der zweite Song des Albums, kann einem schon mal den ganzen Tag im Ohr bleiben. Das Highlight des Albums findet sich allerdings an Stelle Nr. 3. “Silver Ray” mit dem schönen Vergleich “Swim along you're slippery like a silver ray”. Das macht mich als Rochen-Freund doch sehr glücklich! Bei dem Song kann man sich tatsächlich in den flutschigen Körper eines kleinen Stechrochens hineinversetzen, der vor einem australischen Traumstrand seine Bahnen zieht, denn alles, wirklich alles an diesem Album klingt nach Sommer. Selbst einem melancholischen Post-Punk Liebhaber wie mir überkommt da irgendwie die Lust die Badehose rauszuholen und sich mit ein paar saftigen Pina Colada einen schönen Tag zu machen.
Im Laufe des Albums wird das Tempo dann hier oder da doch noch runtergefahren. “Reach” ein Song über das Verlieben, startet mit melancholischem Gesang, bis im Refrain die treibende Melodie einsetzt mit einer Orgel, die die Jungs wohl aus dem Proberaum von The War On Drugs geklaut haben müssen. Einfach eine schön positive Indie Hymne!

Irgendwann wird das Gute Laune Sommeralbum dann aber doch zu klischeehaft. Wenn Michael bei “Only Youth” das “Youth” in ein viel zu hohes, poppiges “Yoooooouuuuuuuuth” überzieht, möchte man schnell die Lautstärke runterdrehen.
Da sind wir bei einem großen Manko, welches das Album besitzt. Dieses hört auf den Namen Millenial Whoop. Für alle die nichts mit dem Begriff anfangen können, hier ein kurzes Wikipedia Zitat: “Als Millennial Whoop wird in der Popmusik eine Tonfolge bezeichnet, die zwischen dem fünften und dem dritten Ton einer Dur-Tonleiter wechselt”. Unkompliziert erklärt ist das jenes “who-oh-ohh”, das in keinem poppigen Indie Song von 2000-heute fehlen durfte (z.B. zu hören in Boy - Little Numbers). Kennt man ihn einmal, bemerkt man ihn immer wieder. Dieses musikalische Stilmittel kommt in nahezu jedem Halcyon Drive Song vor. In erster Linie erzeugt es zwar eine positive Stimmung, Halcyon Drive übertreiben es allerdings und spätestens beim vierten Song mit dem Whoop überlegt man sich, ob nicht eine vernünftige Textzeile eine bessere Wirkung gehabt hätte...

So ist “Elephant Bones” ein Album, bei dem man jetzt schon weiß, wo es am besten zum Einsatz kommt: Autofahrten in den Urlaub, Lange Nächte am Aasee und andere Sommernachtspartys. Einfach schöner verpoppter Indierock a la Passion Pit oder Matt and Kim zu dem man sich entspannt wegtanzen kann. Schön, dass so ein Album bereits im März veröffentlicht wird, dann hab ich selbst bei der aktuellen Kaltfront immerhin im Kopf schon die Badehose an!


Label: 
Sony Music Australia
VÖ: 
08.03.2019
Herkunft: 
Melbourne, Australien