Greta Van Fleet - Anthem Of The Peaceful Army

Rezensiert von Max Hengesbach

Ist Greta van Fleet die Reinkarnation von Led Zeppelin?
Mit dieser Frage musste sich die Band aus Michigan (USA) nach ihrer Double EP “From the Fires” konfrontiert sehen. Und ja, hört man sich den Sound der Rockband an, stellt man gewisse Parallelen zur legendären Rockband fest. Auf den zweiten Blick entpuppt sich die Ähnlichkeit aber eher als Inspirationsgrundlage. Mit ihrem ersten Album “Anthem Of The Peaceful Army” schaffen es Greta Van Fleet ihre Musik als den eigenständigen Classicrock darzustellen, der er ist. Durch die Reduktion von harten Gitarrenriffs, kreieren Greta Van Fleet eine Lagerfeueratmosphäre und einen echten Soundtrack für die “Peaceful Army”.

Die drei Kiszka-Brüder Joshua (Gesang), Jacob (Gitarre) und Samuel (Bass) sowie Danny Wagner (Schlagzeug) wissen wirklich, wie man die Massen für sich gewinnt. Nach dem Release ihrer EP wurden sie unter anderem zu Rock am Ring und Rock im Park geladen, wo sie auch ihre genialen Fähigkeiten als Liveband demonstrieren konnten. Kleinere Konzerte in Deutschland und Europa waren im Frühjahr schon vorangegangen.
Mit der Veröffentlichung des ersten Albums haben Greta Van Fleet wieder eine Europa-Tour geplant. Das Konzert im Kölner Palladium ist schon jetzt ausverkauft.

Trotz des ruhigeren Sounds sticht ein Song besonders aus der Platte heraus. “When The Curtain Falls” ist ein echtes Masterpiece der Band. Knallende Drums, wildes Bassgezupfe, ein virtuoses E-Gitarrenspiel und eine nahezu zerreißende Stimme von Leadsänger Joshua Kiszka machen die Singleauskopplung zu dem Song des Albums.
Die wohl größte Weiterentwicklung der Band besteht aber wohl in den schon angesprochenen ruhigen Klängen des Albums. Durch den Griff zur Akustikgitarre entsteht bei Songs wie “You´re The One” oder “Mountain Of The Sun” eine echte Lagerfeuerstimmung.
Eine Kombination aus dem treibenden Sound der ersten Werke und den neuen ruhigen Klängen ist “Watching Over”. Nicht umsonst schaffte es der Song in unsere XXL-Rotation. Eine musikalische Komposition die sich über eine Minute aufbaut, um dann in einem Refrain mit Ohrwurmpotential  zu gipfeln.

Aber nicht nur musikalisch haben es die Jungs drauf. Auch die Texte, so simpel sie auch scheinen, bieten stets Interpretationsspielraum. Die Singleauskopplung “When The Curtain Falls” ist auf den ersten Blick betrachtet eine Hommage an einen Star. “When the curtain falls [...] girl you light it all”. Da der besungene Star aber nirgends benannt oder charakterisiert wird, lässt sich auch die “Theorie des gespiegelten Blickwinkels” aufstellen. Greta Van Fleet wären in dieser der besungener Star und der Song existiere aus der Perspektive eines Fans. Die abgöttische Verehrung eines Stars im Moment eines Auftritts würde so thematisiert. Vor allem die Verabschiedung des Songs mit der Textzeile “Goodbye baby, goodbye” würde so die Wendehälsigkeit einer Fanszene dokumentieren und den Vorhang (the Curtain) wieder schließen.

Das schöne bei Greta Van Fleet ist, es bleibt vorerst eine Theorie. Jeder Song bietet Spielraum für Interpretationen und subjektive Hörweisen.
Mit "Anthem of the Peaceful Army" schaffen Greta Van Fleet ein Debutalbum dass sich sowohl zum träumen als auch zum abrocken eignet. Lagerfeuermusik und Classic-Rock gehen hier Hand in Hand.

 


Label: 
Republic Records
VÖ: 
19.10.2018
Herkunft: 
Frankenmuth