FM Belfast - Island Broadcast

Rezensiert von Anneliese Jankowicz

Gut gelaunte Disko-Beats mit Perkussionsinstrument, klaren Keyboardsounds und der entspannt klingende Gesang machen FM Belfast aus. So hat die bunte 4er-plus-x-Elektro-Pop-Band aus Island ihren ganz eigenen Weg gefunden, gut tanzbare Musik zu produzieren. Auf ihrem mittlerweile fünften Album "Island Broadcast" ist das nicht anders. Wie gewohnt fühlt man sich auch bei den elf neuen Tracks mit ihrer Musik direkt wohl, der Fuß wippt mit und die dicken Bässe jagen direkt durch den Körper.

Ihrem verspielt-glücklichen Sound sind sich FM Belfast treu geblieben, doch besonders mit dem Album "Don't Want To Sleep" (2011) verglichen, fällt ein Unterschied auf, der sich auf dem Nachfolger 2014 schon ganz sanft bemerken ließ. Die vielen Festivals, das Touren rund um die Welt und vor allem das Älter werden macht auch vor FM Belfast keinen Halt. Aber statt krampfhaft an ihrem Jungbrunnen festzuhalten, akzeptieren die vier ihr Älterwerden. Ihre Texte schlagen privatere, fast intime Töne an. Es geht darum, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen ("Follow Me"), aber trotz allem nicht zu vergessen im Jetzt zu leben und es zu genießen ("Enjoy"). Nur um dann in "You Are So Pretty zu erzählen, wie es ist, sich rastlos zu fühlen und nicht ankommen zu können. In "Agent" machen sie mit "keep your head above the water" ihrem Hörer Mut und zeigen, dass es auch vermeintlich unfehlbare Menschen schwer haben können. Dass eine Talfahrt zum Leben dazugehört.

Ihre Basis bestehend aus ihrem typischen Synth-Aufbau von Árni Rúna mit der sanften und doch kraftvollen Stimme von Loa funktioniert nach wie vor sehr gut. In "Up All Night" findet der Hörer vor allem volle und tragende Beats. Im mittleren Teil des Albums zeigen sie dann die eher ihre nachdenkliche Seite - sie wirkt nicht aufgesetzt oder gezwungen intellektuell, sondern glaubhaft. Da der reife Prozess der Band durch das Album "Brighter Days" davor schon etwas eingeleitet ist, ist es schlicht die sinnvolle Fortsetzung ihrer Arbeit von vor drei Jahren.

In "Agent" oder "Pretty" tritt die Musik derweil etwas in den Hintergrund, bleibt aber dennnoch präsent. Spannend aufgebaut und durch die starke Stimme von Lóa Hlín Hjálmtýsdóttir großes Kino. "The Game" schließt das neue Werk schlussendlich euphorisch und mit voller Energie ab.

"Island Broadcast" erinnert an einen Abend mit Freunden aus der Schulzeit. Man hat - sinnierend über die Jugend den Quinoa Salat essend - festgestellt, dass die ersten im Freundeskreis den Weg zum Traualtar gefunden haben und macht anschließend die gleichen Ecken wie damals in der Stadt unsicher. Ein bisschen nostalgisch, aber dennoch voller Erwartungen und Hoffnung an die Zukunft.


Label: 
World Champion Records
VÖ: 
03.11.2017
Herkunft: 
Reykjavík, Island