Florence + The Machine - High As Hope

Rezensiert von Sophia Kisfeld und Sören Heuer

Reduziert-romantisch. Die Glanzleistung des neuen Albums “High as Hope” von Florence + The Machine ist die Reduktion des Fantastischen in Kombination mit dem Volumen von Florence Welch und ihren Texten. Das heißt jedoch nicht, dass es reduziert an Dramatik ist, es lässt nur auf sich warten. 

Die englische Band Florence + The Machine findet seinen Wiedererkennungswert vor allem in ihrer Frontfrau Florence Welch. Bisher haben sich die Alben durch die fantastischen Welten ausgezeichnet, das heißt: fantastisch träumerische Geschichten und ihre malerischen Klänge und nie zu vergessen die Macht und den Wiedererkennungswert von Florence Welch. Sie strahlt durch die Spanne ihres Stimmvolumens und den einzigartig leicht wirkenden Übergang der Brust- in ihre Kopfstimme.

Schon von Beginn an war es eine bemerkenswerte Stärke von Florence + The Machine, die Dramatik des Lebens widerzuspiegeln, textlich als auch musikalisch. Das 2013 erschienene Album “How Big, How Blue, How Beautiful” bringt diese Mischung aus Selbstzweifeln, Angst, Wut, selbstzerstörerischem Handeln und Sehnsucht auf bedrückende Art und Weise zusammen. Mit dem dazugehörigen Kurzfilm (“The Odyssey”) wurde das letzte Album zu einem multimedialen Kunstwerk. Besonders der Film rückt das Album in ein anderes Licht und eröffnet (alb-)träumerische Ebenen.

Auf “High as Hope” besingt sie keine träumerischen Welten, sondern bleibt auf der Erde. Auch den Kummer des Vorgängeralbums lässt sie hinter sich und wendet sich den positiven Seiten des Lebens zu. Sie besingt die Abwendung von Drogen und sinnloser Flucht in Sex (“Hunger”) und wendet sich der Liebe zu - Liebe zu Leuten, die sie umgeben und stärken (“Grace”, ihre Schwester; “Patricia”, Patti Smith), Liebe zu sich selbst, und ihren Wurzeln (“South London Forever”).

Zwar sind einige der Songs langsamer als viele Stücke von dem Vorgänger, der Sound ist aber immer noch dicht gestrickt, eröffnet einen breiten Raum und bricht immer wieder mit voller Kraft über einen hinein. Jeder einzelne Song auf “High As Hope” fährt spätestens gegen Ende doch wieder alles an Dramatik auf, was möglich war. Mit prominenter Hilfe von u.a. Kamasi Washington, Josh Tillman (Father John Misty), Sampha, Emile Haynie (Produzent von u.a. Eminem, Lana Del Rey, Dua Lipa und Bruno Mars) und Tobias Jesso Jr. wurde jeder Song zu einem Feuerwerk produziert.

Bestes Beispiel ist “South London Forever”. Die verschiedenen Instrumente schleichen sich langsam aber stetig mehr und mehr in den Song hinein, geben diesem immer mehr Dichte und Fülle, die Intensität steigt unaufhörlich an. Ein paar kleine Breaks lassen kurz aufatmen - die leisen Passagen lassen die sich dann wieder entfaltende typische Florence Wucht im Kontrast noch größer wirken. Bläser geben dem Sound den letzten Schliff und wir haben wieder unser dramatisches Feuerwerk.

Florence + The Machine lassen nie die Dramatik los und können dabei sowohl getrieben beschwingt (“South London Forever”, “100 Years”) als auch schwer klingen (“Big God”, “The End Of Love”). Schwer und dramatisch steigt das Album schon mit “June” ein, das so schlicht einsteigt, in dem ihre Stimme auf der Melodie langsam schwimmt bis die Klangwellen mit voller Wucht aufprallen. Der Song “Hunger” schafft es sogar, nicht nur inhaltlich vom Hunger getrieben zu sein, sondern eben dies auch musikalisch umzusetzen. Florence singt schnell, getaktet. Sie vokalisiert scharf und deutlich und ihre Stimme ist dabei wuchtig und omnipräsent. Sie schafft eine Schwere, die man genießen kann (“South London Forever”), von der man sich nicht gelähmt fühlt, weil ihre Stimme eben doch so selig klingt, während sie ihre Geschichten erzählt.

Im Prinzip ist “High As Hope” weder innovativ noch überraschend - aber es wird abgeliefert. Punkt. Das Besondere ist nun, dass Florence + The Machine eine der wenigen Bands sind, bei denen dieser Stillstand alles andere als negativ ist. “High As Hope” ist deshalb so gut, weil die aufbrausende Verbindung von Florence und ihrer Maschine musikalische Momente schafft, die immer wieder aufs Neue mitreißen. “High As Hope” ist alles was sich Fans gewünscht haben werden. Stillstand scheint nicht ausschließlich schlecht zu sein.


Label: 
Virgin EMI
VÖ: 
29.06.2018
Herkunft: 
London