Father John Misty - Pure Comedy

Rezensiert von Sophia Kisfeld

Mürbe und düster, gleichzeitig tanzbar und seltsam beschwingt. Album Nummer drei, "Pure Comedy", ist endlich da. Und schon wenn man dem Album lauscht, sieht man Father John Misty vor dem inneren Auge tanzen und ausrasten, während er mit einem ganz ernsten Gesicht seine Kritik und seinen Sarkasmus im Publikum ausbreiten lässt.

Father John Misty hat viele Namen und Bärte. Mittlerweile trägt er nur noch einen Moustache, seine Haare sind gestylt und gekürzt, er ist schon seit sehr langem nicht mehr Drummer der Fleet Foxes und macht auch keine Musik mehr unter dem Namen J. Tillmann. Als Father John Misty hat er sein Debut "Fear Fun" bereits 2012 veröffentlicht, "I Love You, Honeybear" folgte 2015. Die Titel verraten auf eine verschrobene Art den Inhalt, wenn man den Zynismus Mistys nicht außer Acht lässt. Zu "Pure Comedy" gehört jedoch auch der Zeitaspekt, erwähnte er selbst in einem Interview. Die Texte schrieb er bereits 2015 - sie riechen allerdings nach zeitgenössischer Kritik.

"Pure Comedy" klingt ernster als seine Vorgänger, obwohl es dem Titel vielleicht widersprechen mag. Der Titel ist auch der erste Anhaltspunkt für seine verworrene Humor-Spanne: Der Irrsinn steckt nämlich im Leben und so wie es von den Personen gestaltet wird, ist es eigentlich schon Irrsinn und "Comedy" genug - also gibt er musikalisch das Leben auf Platte wieder. Father John Misty strebt Perfektion in der Gesamtdarstellung seiner Projekte an, hier zu merken an der Vermarktung des Albums, seiner selbst in Interviews, der Musik im Allgemeinen - stets so, dass man es nicht nicht mögen kann, hat man sich damit auseinandergesetzt. Es ist die Zusammensetzung der vergrößerten Band, die aus den klassischen Elementen einer (Indie-/Folk-)Rockband besteht, hier jedoch durch orchestrale Elemente und die Sänger*innen im Hintergrund ergänzt wird.

Der Opener "Pure Comedy" durchfährt alle Stadia Mistys. Vom Basteln an der Elektronik, dem Übergang zu dem der-einsame-Sänger-und-sein-Piano-Prinzip, hin zur Chorbegleitung, um die Dimension schwerer zu machen und dann die Ausreizung. Band und Musiker rasten aus, um eben die Dramatik des Songs zu untermauern: "The only thing that seems to make them feel alive is the struggle to survive / But the only thing that they request is something to numb the pain with / Until there's nothing human left". Er klingt nicht mehr so ironisch-fröhlich, wie auf den vorherigen Alben, aber er hat noch stets diesen spannenden Kontrast zwischen Musik und Text, wie zum Beispiel in "Things That Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution". Misty klingt traurig, während er singt - weil er sich inhaltlich über die Art, wie die Menschen ihr Leben führen, beklagt (Konsum, Welterwärmung etc.) - doch die Musik klingt trotz der Balladenhaftigkeit zwischendurch aufhellend, da die Band und der Sänger auf eine Art spielen und die Ballade aus ihrer Tiefe zu heben, sie gleichzeitig jedoch sogar dramatischer machen.

Ebendies zieht sich durch das gesamte Album: Balladenartige, langsame musikalische Strömungen, die durch Dramatik oder euphorische Klänge durchbrochen oder aufgehellt werden und dementsprechend dem kritischen Blick Mistys auf die Welt gegenüberstehen. Es ist dann das Fazit in der letzten Zeile, das den Text umwandelt, Kritik ausübt und letztlich eben überraschend kommt. Die Musik jedoch ist und bleibt was sie war. Vollständig, rund, prachtvoll und vielschichtig. Außerdem ist Josh Tillmann ein ausgezeichneter Sänger, nur eben eine Hürde als Künstler zu verstehen.


Label: 
Sub Pop
VÖ: 
07.04.17
Herkunft: 
Los Angeles, USA