Diagrams - Dorothy

Rezensiert von Ann-Kristin Zoike

Sam Genders und Dorothy Trogdon trennte ein Ozean und ein paar Jahrzehnte Lebenserfahrungen und doch, oder vielleicht gerade deshalb, haben sie mit "Dorothy" ein Album geschaffen, bei dem sich Musik und Poesie wie bei kaum einem anderen vereint und zu etwas Neuem wird. "Dorothy" ist das dritte Album von Genders Soloprojekt Diagrams und vertont die Werke der amerikanischen Dichterin Dorothy Trogdon. Zwei Jahre vor "Dorothy" hatte Genders ein Buch der 90-Jährigen gelesen. Ergriffen von ihren Worten und dem Wiederfinden seiner vertrauten Thematiken kontaktiere Genders die Dichterin und bat sie, mit ihm Songs zu schreiben. Die Harmonie zwischen den beiden stimmte auf Anhieb und so ist eine Sammlung aus inspirierenden Momenten und Beobachtungen der Wunder dieser Welt entstanden.

Ganz sanft baut sich das Album mit dem ersten Song "Under The Graphite Sky" auf. Begleitet von leichtem Meeresrauschen und Flöteneinspielern singt Genders zart die Zeilen "Let the kindness of rain and the darkness fall on your shoulders [...] there is no blame". Als Hörer dieses Albums kann man sich fallen lassen, denn man weiß, Genders wird einen in die Arme schließen und auffangen. Ab dem ersten Ton versprüht "Dorothy" versprüht eine Wärme, die in "It's Only Light" fortgesetzt wird. Ein Song über ein abstraktes Thema wie die Teilchenphysik und die Wahrheit hinter der Illusion. Passend zur textlich beschriebenen Morgenszene hört man ein Windspiel, wie es morgens in einem lauen Lüftchen weht. Später kommen Trompeten und Streicher dazu und vervollständigen die Szene.

Haben die meisten Songs auf diesem Album einen schmerzhaften Unterton, verbreiten "I Tell Myself" und "Motherboard" heitere Stimmung. In ersterem geht es ums Loslassen. Man kann nicht alles verstehen und wissen, denn selbst wenn man dies täte, würde sich auch dann nichts ändern. "I Tell Myself" motiviert einen geradezu dazu, seine Gedanken einfach mal ziehen zu lassen. "Motherboard" ist beispielhaft für die einerseits minimalen, andererseits aber sehr effektvollen Arrangements. Gesang, Gitarre, Streicher, Bläser und Klavier fügen sich perfekt zu einem Mix aus sanften Folk-Klängen und Electro-Elementen zusammen. Zum Abschluss trägt Dorothy Trogdon selbst in einer Art Field Recording ihr Gedicht "Under The Graphite Sky" vor und gibt dem Hörer erneut mit auf den Weg: "Let the kindness of rain and the darkness fall on your shoulders". Wer hätte gedacht, dass die Worte einer 90-Jährigen so stimmig zu modernen Folk passen würde?


Label: 
Full Time Hobby
VÖ: 
12.05.17
Herkunft: 
London, Großbritannien