The Big Moon - Walking Like We Do

Rezensiert von Elena Schiff

Selbstsucht, Burn-out, politisches Chaos und Perspektiven für die Zukunft. All das behandelt die britische Band „The Big Moon“ in ihrem zweiten Album „Walking Like We do“. Ihr Debüt Album „Love in the 4th Dimension“ erschien im April 2017 und brachte ihnen sofort die Nominierung für Mercury Prize. Doch beide Alben könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die Songs aus dem ersten Album sind meist Liebeslieder und harmonisieren die Welt. Die aktuellen Texte dagegen sind durchdachter, ernster, kritischer und zweifellos professioneller. Für ihr zweites Album beschreitet das Quartett aus London einen ganz anderen Weg als noch vor knapp 3 Jahren. Sie scheinen nachdenklicher und deutlich erwachsener. Ihnen ist es wichtig, mehr zu sein als nur die „All-Famale-Band, wie sie oft deklariert werden.
Schon der Opener Song des Albums „It´s easy then“, geht in die Tiefe. Er handelt von den Gedanken und Ängste der Frontfrau Juliette Jackson, um das Erschöpft-Sein von der Welt und seinen Problemen. Jackson sagte dazu: „Music has this incredible way of helping us see with a new perspective, and ties up our feelings in a way that language by itself never could.“ The Big Moon haben es durch die Klänge und den Gesang geschafft, Hoffnung und zugleich Freude zu vermitteln. Der fröhliche Refrain von „Your Light“ und „Take a Piece“, der einen so guten Tag beschreibt, dass man für einen Moment die eher traurige Grundstimmung des Albums vergisst.
Auch die politischen Umstände in ihrer Heimat thematisiert die Band in ihrem neuen Album. Besonders die jetzige Situation rund um dem Brexit leitet zu eher düsteren und komplexen Texten, wo Optimismus eher wenig Platz hat. Der Song „Dog eat Dog“ befasst sich mit der sozialen Ungerechtigkeit in Zeiten des sozialen Wandels. Die Band möchte Menschen wachrütteln und zum Nachdenken anregen. Inspiriert waren die Sängerinnen bei diesem Song von der Grenfell-Tower Tragödie, bei dem 71 Menschen durch einen Brand ums Leben kamen, welche mit besserer Regierung verhindern hätte können. „But we only see the things we wanna see“ und „"You only felt the fire when you felt the heat", singt Jackson. Die Band nutzt die Ängste und Form sie zu einer positiven Kraft mit der Botschaft nach vorne zu schauen.
Die Atmosphäre der Lieder, das langsame Tempo und die ansteckenden Beats sind perfekte Kulisse für die kraftvolle Stimme von Jackson. Der Chor besonders im Song „A Hundred Ways to Land“ hat so eine Energie, dass sich das mitsingen kaum vermeiden lässt.
Den Sinn für musikalisches Feingefühlt haben The Big Moon dennoch nicht verloren. Durch den Klang der Flöten im Lied „Barcelona“ nimmt es einen mit auf eine Reise, wo man durch schmale Gassen im warmen Spanien läuft. Jackson schafft es, temperamentvoll und einfühlsam zu klingen, während sie über ihre Ängste spricht im bittersüßen Barcelona zurückgelassen zu werden und einsam zu sein.
Trotz der deepen Texte macht die Band klar: „ Es geht einfach darum, dass man in all diesem Chaos, das heutzutage herrscht, seinen Weg nicht aus den Augen verliert. Man darf den Glauben und die Hoffnung nicht verlieren. Und man sollte sich und seinen Ansichten treu bleiben, egal wie schwer es einem gemacht wird."
„The Big Moon“ wollte was Neues erschaffen, mit ihrem Album „Walking Like we do“, haben sie die Chance genutzt und mit ihrem Album ihre musikalische Vielfalt bewiesen. Meiner Meinung nach haben die vier eine perfekte Brücke zwischen einzigartigen Melodien und politischer Ernsthaftigkeit geschaffen.

 


Label: 
Fiction Records
VÖ: 
10.01.2020
Herkunft: 
London