Art Brut - Wham! Bang! Pow! Let's Rock Out!

Rezensiert von Alina Vasseur

Außenseiter, psychisch Kranker oder verurteilter Straftäter - all das sind Wörter mit denen man eigentlich nicht gerne in Verbindung gebracht wird. Es sei denn man ist Teil der Band „Art Brut", von der unser Album der Woche stammt. Art Brut bezeichnet eine aus dem Jahr 1945 entstandene Kunstrichtung, die von dem Maler Jean Dubuffet ins Leben gerufen wurde und die Werke von Künstler umfasst, die sich selbst nicht als Teil der Gesellschaft sehen. Die Kunstwerke aus der Kunstrichtung Art Brut waren meist sehr naiv und verfolgten keinen bestimmten Zweck. Die Band, die aus insgesamt fünf Mitgliedern besteht, ist ein bunt zusammengemischter Haufen. Angefangen mit dem Sänger Eddie Argos, der dermaßen ins Lieder schreiben vertieft war, dass er einen miserablen Abschluss hinlegte, über den Gitarristen Chris Chinchilla, den der Sänger Eddie als Mitglied gewann, indem er ihm erzählte, er könne wie Aretha Franklin singen, bis hin zur deutschen Bassistin Fredie Feedback, die Eddie in einem Londoner Doppeldecker kennenlernte ist die Band in ihrerKonstellation schon sehr außergewöhnlich.

Am 23.11.2018 erschien das neue Album "Wham! Bang! Pow! Let's Rock out!" der Band „Art Brut“, das aus zwölf Songs besteht und sich selbst als „ordentlicher Rock-Punk Rotz" bezeichnet. Schon der erste Song ihres neuen Albums „Hooray" gibt dem Zuhörenden einen Einblick in die Atmosphäre, die sich das gesamte Album lang hindurchzieht. Die Songs sind alternativ, eine Mischung aus Sprechgesang und Gesang, dynamisch und laut. Obwohl es in dem Einstiegssong um das Ende einer Beziehung geht, zeigt der Sänger keinerlei Bedauern. Er ist optimistisch und freut sich auf seine Zukunft, von Trauer keine Spur. Auch wenn der Sprechgesang und die im Vergleich zur Lautstäke des Gesangs sehr laute Musik in den ersten Sekunden etwas ungewohnt ist, gewöhnt man sich schnell an das Zusammenspiel von Sprechen und Gesang.
Der Song „Good Morning Berlin" war für mich ein persönliches Highlight des Albums. Er veranlasst den Zuhörenden dazu, nochmal etwas genauer hinzuhören und sich von der Vorstellung eines 08/15 Albums vollends zu verabschieden. In ihrem Song „Good Morning Berlin" hat sich die Band dazu entschieden den ersten Satz im Refrain, anders als bei den beiden vorherigen, englischsprachigen Songs, auf Deutsch zu singen. Der Refrain lautet: „Kannst du bitte die Luft aus dem Glas lassen". Bei der Wahl dieses Effektes spielt vermutlich auch die Abstammung, der deutschen Bassistin, eine Rolle. Allerdings singt der englische Frontsänger und nicht die deutsche Bassistin den deutschen Refrain. Dadurch wirkt dieser Teil des Songs beim ersten Hinhören einerseits ein bisschen grotesk, andererseits aber auch witzig und ungewöhnlich.
Obwohl die Band auch ernstere Themen wie eine Lebensbedrohliche Krankheit des Sängers in Songs verpackt, geht das „Gute-Laune-Feeling" nicht verloren. Die außergewöhnliche Stimme des Frontsängers und das bunte Repertoire an inhaltlicher Vielfalt macht das Album „Wham! Bang! Pow! Let's Rock out!" zu Recht zum Album der Woche. Obwohl viele den Sänger aufgrund seiner größtenteils humorvollen Lyrics für ironisch halten könnten, sagt Eddie über sich selbst: „Die Leute denken immerzu, ich sei ironisch, aber das bin ich nicht. Ich bin bloß wirklich, wirklich enthusiastisch." Genau durch diesen hohen Grad an Humor und übertriebenem Enthusiasmus macht es einfach Spaß sich von der Musik berieseln zu
lassen und sich die Lyrics genauer anzuschauen.

Man kann letztendlich mit gutem Gewissen sagen, dass sich die Band selbst übertroffen hat. Nach einigen Veränderungen im Privateben des Frontsängers Eddie, hat es die Band 2018 geschafft ihr fünftes Album herauszubringen Das ganze Album ist voller Elan und man kann beim Hören einfach nur gute Launebekommen, ganz egal ob das Thema des Songs sowieso witzig oder ernst ist. Sowohl die Lyrics als auch die musikalische Umsetzung der Songs veranlassen den Hörenden zum Mitschwingen und es eignet sich perfekt, um die Lautstärke im Radio voll aufzudrehen.


Label: 
Alcopop!
VÖ: 
23.11.2018
Herkunft: 
London