Rezension: Ich werde nicht hassen

“Ich werde nicht hassen” ist das neu gestartete Theaterstück am Wolfgang Borchert Theater. Eine intensive und sehr persönliche Darstellung eines politisch Themas. Es lässt einen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, warum einige Palestinenser einen solchen Hass auf Israel pflegen. Trotzdem hat hat das Theaterstück stets einen lebensfrohe versöhnende Botschaft. Eine sehr reduzierte aber interessante Darbeitung.

(Paul Sattler)

Worum geht es?

In “Ich werde nicht hassen” wird das Leben des Palästinensischen Mannes Izzeldin Abuleaish beschrieben. Die Geschichte des Theaterstücks basiert auch auf seiner Erzählung.  Mit dem Leben von Izzeldin Abuleaish sieht man das Leben eines Aufsteigers der palästinensischen Gesellschaft, der trotz allem was ihm und seiner Familie widerfährt, versucht nicht zu hassen.

Als Izzeldin Abuleaish noch ein Kind war wurde seine Familie von den Israelis aus ihrem Land vertrieben. Aus wohlhabenden und stolzen Bauern wurden Flüchtlinge, die um ihr tägliches Überleben kämpfen mussten. Trotz alledem schafft er den Aufstieg durch Bildung und studiert Medizin in Kairo. Nach einem anfänglichen Engagement in Gaza Stadt wird er der erste palästinensische Arzt in einem Israelischen Krankenhaus. Er verdient genug Geld und kann seiner eigenen Familie und seinen Verwandten ein Haus bauen. Er schafft ihnen damit auch ein neues Zuhause.

Doch die Geschichte von Izzeldin Abuleaish hat noch eine zweite Seite. Seinen Bruder treibt Frust der Vertreibung und der Umstände im Flüchtlingslager in den bewaffneten Widerstand. Er scheitert und rutscht nach seinem Gefängnisaufenthalt ab. Auch das Leben von Izzeldin Abuleaish ist als Palästinenser von der Schikane an Israelischen Checkpoints geprägt. Dort ist er einer scheinbar gesichtslosen Macht ausgesetzt. Am eindringlichsten wird das in einer Szene, in der er zu seiner im Sterben liegenden Frau reist. Er wird an den Checkpoints immer wieder sinnlos warten gelassen und kommt zu spät. Seine Frau ist schon bewusstlos und stirbt wenig später. Kurz darauf ereignet sich der zweite Schicksalsschlag. Zwei Granaten schlagen in seinem Haus ein und töten vier seiner Töchter und eine Nichte. 

Doch noch immer möchte Izzeldin Abuleaish nach vorne gucken und nicht hassen.

Inszenierung der Geschichte als Theaterstück

Das Theaterstück basiert auf einem Buch und die Geschichte wird auch nur als Erzählung dargestellt. Jürgen Lorenzen spielt Izzeldin Abuleaish und steht die ganzen 90 Minuten allein auf der Bühne. Die Dialoge, die er führt, muss er alleine mit verteilten Rollen spielen. Er erzählt eigentlich nur diese Geschichte. Er erzählt von den Erfahrungen, die frustrieren und ihn wütend machen, und von dem Willen nicht zu hassen. Auch das ganze Bühnenbild ist auf kleinere Hilfsmittel reduziert. Doch trotzdem bringt Jürgen Lorenzen die Geschichte unglaublich stark rüber. Seine Darbietung macht aus dem sehr einfachen Erzählen einer Geschichte eine berührende Erfahrung.

Ist das Theaterstück empfehlenswert?

Das Theaterstück "ich werde nicht hassen" ist eine stark reduzierte Darbietung einer interessanten Geschichte. Sie passt zu diesem sehr persönlichen Blick auf einen bekannten Konflikt. Dessen sollte man sich bewusst sein. Doch die Geschichte ist interessant und stark von Jürgen Lorenzen rübergebracht. Wer aber mit dem Thema nichts anfangen kann, kann auch nichts mit dem Theaterstück anfangen. Denn es ist letztlich “nur” ein Erzählen der persönlichen Geschichte von Izzeldin Abuleaish. Dennoch wirft sie einen tollen Blick auf dieses Thema. Zerrissen zwischen dem Frust und der Angst des Alltags und dem unbedingten Willen die Hoffnung nicht zu verlieren und nicht zu hassen.

Möchte ich es mir ansehen?

Für Studierende der Uni Münster gibt es 25 Freikarten über das Kultursemesterticket und eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung Restkarten.


TEILEN: