Gleichstellung in der Hochschulpolitik

Jedes Jahr ist am 8. März der internationale Frauentag. Radio Q hat das als Anlass genommen, um die Hochschulpolitik an der Uni Münster mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Redaktion vermutet: Gerade unter angehenden Akademiker/-innen müsste das Bewusstsein für Gleichberechtgung ja besonders hoch sein?

Der AStA - also der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Münster - steht quasi für die Regierung der Studierendenschaft. Dieser wird derzeit aus den zwei Listen Campus Grün, die LISTE sowie der Juso-Hochschulgruppe gebildet. Schaut man in den Koalitionsvertrag des Bündnisses, fällt auf: Im Kapitel 3.2 ist eine Quotierung des AStA und des Vorsitzes festgeschrieben. Und was festgeschrieben wurde, haben die Listen auch umgesetzt. Neun der 16 Referentinnen und Referenten sind weiblich.*

Ein weiteres, wichtiges Gremium der Studierendenschaft ist das Studierendenparlament. Man kann es grob mit dem Bundestag vergleichen. Hier sitzen 31 Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Die aktuelle Besetzung des Studierendenparlaments setzt sich aus folgenden Listen zusammen: RCDS, DIL, die LISTE, Campus Grün, Juso-HSG, LHG und sds.die Linke.** Hier zeigt sich ein anderes Bild:

Eigene Darstellung, Angabe in absoluten Zahlen, Datenquelle: Website des Studierendenparlaments.

Im Studierendenparlament sitzen also deutlich weniger Frauen als Männer. Nur ungefähr ein Drittel aller Parlamentarier/-innen sind weiblich. "Ob Männer oder Frauen drin sitzen, entscheiden ja die Wahlen."-  sagt man vielleicht. Das Ergebnis scheint aber symptomatisch zu sein, wenn wir auf die Geschlechteranteile in den Wahllisten blicken.

 

Eigene Darstellung, orange=weiblich, Angaben in absoluten Zahlen, Datenquelle: Website des Studierendenparlaments

Keine der Listen erreicht die 50-Prozent-Marke. Mit 45 Prozent kommt die Liste Campus Grün dem am nächsten. Am schlechtesten schneiden die LHG und die Juso Hochschulgruppe mit einem Frauenanteil von 29 Prozent ab - und das, obwohl letztere sich in ihrem letzten Wahlkampf mit am stärksten für die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Gremien eingesetzt hat. Alle anderen Listen bewegen sich zwischen 31 und 35 Prozent - also etwa einem Drittel. 

Dass sich dieses Ergebnis nicht auf die Anteile in der gesamten Studierendenschaft übertragen lässt, zeigt die folgende Grafik: 

Eigene Darstellung, orange=weiblich, Datenquelle: Website des Büros für Gleichstellung. 

Insgesamt zeigt sich: In der Hochschulpolitik sind wesentlich weniger Frauen vertreten als in der Studierendenschaft der Uni Münster. 

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*Anmerkung der Redaktion: Auf der Website des AStA stehen nur acht weibliche Referentinnen. In der vergangenen StuPa-Sitzung am 19. Februar wurde jedoch Kolja Rösener (Juso-HSG) durch Anna Holeck (Juso-HSG) ersetzt. Diese Aktualisierung wurde bisher nicht auf der Homepage vorgenommen.

**Weitere Informationen zum aktuellen Studierendenparlament und den Listen findest du hier und hier

 

Autorenteam: Philipp Saukel und Brigitte Lieb

 


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