Filmrezensionen

Filme, die man gesehen haben muss... oder eben nicht...

Hier besprechen wir die vielversprechendsten, aktuellen Filme. Die Filme wählen wir nach verschiedenen Kriterien aus. Sei es, dass gerade alle über den Film sprechen, sei es weil der Film die krassesten Preise des Filmbiz abgeräumt hat, uns auf einem Filmfestival unglaublich gut gefallen hat oder wir den Trailer mochten und uns in den Film gesetzt haben.

Natürlich laufen alle Filme im Cinema, im Cineplex oder im Schlosstheater.

  • O beautiful Night

    Rezenssiert von Paul Sattler

    Der Protagonist von "O Beautiful Night" Juri, ein junger Musiker wird von Albträumen über den eigenen Tod und ein stechen in der Brust geplagt. Um sich abzulenken geht er in eine völlig abgerockte Spielhalle. Dort wird er von einem schrägen Typen angesprochen, der von sich behauptet, er wäre der Tod. Anfängliche versuche vor ihm wegzurennen, scheitern. Auf die Frage ob er vor seinem Tod noch etwas erleben möchte, antwortet Jury mit Ja, worauf der Tod ihn mit nimmt durch die Nacht.

    Und mit den beiden versinkt man als Zuschauer in der in Neonfarben getränkten Stadt Berlin und durchstreifen die verlassenen und abgelegenen Ecken. Die wunderschönen Bilder werden ergänzt von stiellebenartigen Einstellungen und einen tollen und treibendem Sountrack. Die Geschichte selbst ist nichts besonderes. Vielmehr sieht man den Beiden Personen beim Treiben durch die Nacht zu. Später wird das Gespann noch von der schönen Nina erweitert. Die Figuren ergänzen dabei einander wirklich schön.

    Aber auch wenn ich "O beautiful Night" und seine Art möchte, ist er natürlich sehr speziell.  Die Figuren sind schräg und  neben der Stimmung selbst hat der Film wenige tragende Elemente. Er ist auch gerade am Anfang etwas langsam, dabei in Fahrt zu kommen. Man muss also wissen, ob man sich darauf einlassen möchte, aber wer es tut, für den  ist "O beautiful Night" durchaus eine Empfehlung.

  • Tolkien

    Rezenssion von Paul Sattler

    Früh wird der Junge John Ronald Reuel Tolkien eine Waisenjunge. Er und sein Bruder werden daraufhin von einer wohlhabenden Frau aufgenommen, die ihre Ausbildung unterstützt. Tolkien kann dadurch auf die Eliteschule und seiner Begabung nachgehen. Dort lernt er drei andere Jungs kennen, die zu seinen engsten Freunden werden. Außerdem lebt in dem Haus seiner Gönnerin auch noch die nahezu gleichaltrige Edith, in die sch Tolkien unsterblich verliebt. Und natürlich begeistert sich der junge Tolkien für Sprachen.

    Der Film Tolkien hat eine eher konventionelle Geschichte: Die eines Außenseiters, der es in die Bildungselite Englands schafft, von Freunden, die ihn unterstützten und von der Großen Liebe. Der Film Tolkien macht dabei nichts wirklich neu. Das alles erzählt er zwar ziemlich konventionell und etwas kitschig, aber auch sehr schön.

    Was den Film wirklich besonders macht ist aber seine Bild- und Tongewalt, die ihn unglaublich märchenhaft werden lassen. Dabei hilft es ungemein den Herrn der Ringe zu kennen. Immer wieder tauchen zwischendurch andeutungen auf, wenn auch die eine oder andere leicht gezwungen ist. Dadurch ist der FIlm Tolkien ohne das Kennen des Herr der Ringe Universums nur ein neuer konventioneller, wenn auch schön gemachter Film. Etwas revolutionär neues wird der Film auch für jene nicht, die die Geschichten aus Mittelerde kennen, aber er hat doch eine zusätzliche Ebene.

    Man kann dem Film durchaus vorwerfen unkritisch gegenüber der Figur Tolkien zu sein, aber ich finde das nciht so schlimm. Er verbreitet einfach gute Laune und verwebt die magische Welt von Mittelerde mit ausschnitten aus dem Leben seines Schöpfers. Jenen Herr der Ringe begeisterten, die sich auf die  magisch leicht kitschige Geschichte einlassen können kann ich Tolkien also durchaus empfehlen.

  • The Dead Don´t Die

    Rezenssiert von Paul Sattler

    In Centerville einer kleinen Stadt im mittleren Westen der USA ist einiges aus dem Gleichgewicht. Das hat bei the Dead don't aber wenig mit den Zombies zu tun, um welche die eigentliche Geschichte kreist. Centervilles Gesellschaft ist irgendwie kaputt und die Figuren allesamt Karikaturen der amerikanischen Gesellschaft. Aber irgendwas ist ungewöhnlich in Centerville.

    Durch Fracking an den Polen hat sich die Erdachse verschoben. Jetzt bleibt es ungewöhnlich lange hell und bei Nacht kommen Zombies aus ihren Gräbern. Dass davon eine Gefahr ausgehe, wird von offizieller Seite natürlich dementiert. Zunächst kommen die Zombies langsam gespielt von Iggy Pop und dann schnell mit ganzen Zombiehorden. Sie haben sich aber alle  ein Stück Menschlichkeit - ihre ureigenen Verlangen - bewahrt haben.

    Der Film ist dabei alles andere als ein Actionfilm. In manchmal geradezu zu quälend langen Einstellungen wandeln die Protagonisten durch die Apokalypse. Keine der Figuren ist wirklich in der Lage etwas zu ändern. Und sie scheinen sich mit dem Chaos abgefunden zu haben, bevor dieses wirklich über ihnen hereinbricht. Überhaupt verharren die Charaktere in einer auffälligen Passivität und wirken fast schon wie Beobachter ihrer eigenen Geschichte. Man kann diesen neuen Film von Jim Jarmusch großartig finden. Seine Kritik an der Gesellschaft und seinen Humor. Gerade Bill Murray und Adam Driver in den Hauptfiguren schaffen es einen auf eine sehr absurd lethargische Art zu begeistern. Und dann gibt es noch Tilda Swinton als Bestatterin. Sie ist schwer zu beschreiben aber großratig. Außerdem weiß der von Adam Driver gespielte Ronald Peterson auch irgendwie mehr: Immer wieder sagt, dass dies alles kein gutes Ende nehmen werde. Auch den Song "The Dead Don’t Die" von Sturgill Simpson erkennt er treffsicher als Titelmusik des Films in dem er ist. 

    Man kann den Film allerdings auch langweilig und belanglos finden. Er hat lange Einstellungen in denen nahezu nichts passiert und die Handlung kommt nur äußerst schleppend in gang. Man muss sich schon darauf einlassen wollen. Auf seinen doppelten Boden und Anspielung auf aktuelle Ereignisse - allen voran dem Klimawandel. Aber wenn man es macht hat ist the "Dead Don’t Die" ein sehr guter Film. Mit einer ziemlich fatalistischen Botschaft: Die Welt ist gefickt!

  • Trautmann

    Rezensiert von Philipp Moser

    Bernd oder Bert, wie ihn die Engländer aussprechen, Trautmann war ein deutscher Fußballtorhüter, der 1956 mit Manchester City den FA Cup gewann, obwohl er sich in dem Spiel das Genick brach. Einen Film über so eine Karriere  klingt also erst einmal wie ein Heldenepos. Doch schon in den ersten Minuten merkt man dem Film an, dass hier viel mehr drin steckt. In Trautmann geht es nicht nur um Fußball, sondern auch um Liebe, Vorurteile, Vergebung, den Umgang mit alten Wunden, um Kampfgeist und Aufrichtigkeit.

    Bernd Trautmann landet nach dem zweiten Weltkrieg in britische Kriegsgefangenschaft. Im Lager sorgt er aber schnell durch seine großartigen Leistungen beim Fußball für Aufsehen und wird vom damaligen St.Helens-Trainer in sein Drittliga-Team geholt. Doch die Wunden des Krieges sind noch lange nicht verheilt: Bernd stößt auf blanke Ablehnung, die er nur langsam durch gute Leistungen auf dem Spielfeld abbauen kann. Trautmann ist für alle nur der Deutsche, ein Nazi, ein Kriegsverbrecher. Der Film baut dann aber eine Liebesgeschichte auf, die die Hülle der Vorurteile zerbricht und den Menschen Trautmann zeigt, ganz individuell und unabhängig von seiner Nationalität. Abgerundet wird das durch die sportliche Karriere Bernd Trautmanns, die im FA Cup-Finale 1956 ihren dramatischen Höhepunkt erreicht. Trautmann bricht sich in einem Zweikampf mit einem Gegenspieler das Genick - eine Verletzung, die erst einige Tage später diagnostiziert wird - und spielt trotzdem weiter. Spätestens hier avanciert Trautmann auch für die Engländer zu einem Helden.

    Der Fußball ist in “Trautmann” aber nicht das Hauptthema, sondern eher ein roter Faden, an dem sich der Film orientiert, während er ohne zu dick aufzutragen die Traumata der Nachkriegszeit offenbart. Es ist ein bewegender Film mit zahlreichen Thematiken, die behandelt werden und das genau in dem Maß, das dem Film gut tut. Oben drauf kommt noch die starke schauspielerische Leistung von David Kross als Bernd Trautmann. “Trautmann” ist ein echter Geheimtipp für das Kinojahr 2019.

  • Capernaum

    Rezensiert von Paul Sattler

    Der Junge Zein sitzt in einem Gerichtssaal im Libanon und klagt seine Eltern an. Weil weder er noch seine Eltern sein genaus Alter kennen wird er auf 12 geschätzt. Von dieser Gerichtsverhandlung aus zeigt der Film das Leben von Zein. Sein Leben bei seinen Eltern und sein Leben auf der Straße. An sich passiert nicht viel, aber der Film zwigt eindrücklich und klar das Elend in dem der Junge aufwächst. Und er sich durch diese Welt schlägt, in die er nicht wollte. 

    Capernaum ist ein unglaublich starker Blick auf den Rand der Gesellschaft. Nicht umsonst wurde er mit dem Preis der Jury in Cannes ausgezeichnet. Keine leichte Kost, aber eine absolute Empfehlung.

  • Gegen den Strom

    Rezensiert von Paul Sattler

    "Gegen den Strom" ist eine Komödie über eine fiktive Umweltaktivistin in Island. Sie heißt Halla und ist mit Pfeil und Bogen unterwegs, um Stromtrassen zu sabotieren. Sie kämpft gegen das Aluminiumwerk in ihrem Ort  und die Umweltzerstörung weltweit. Neben ihrem Leben als radikale Umweltaktivistin ist sie dann eigentlich noch Chorleiterin in ihrem Ort.

    Der Film spielt mit diesem absurden Gegensatz und dieser etwas rücksichtslosen aber starken Frau.  Sie ist eine ziemlich spannende Figur, wie  sie einfach gegen alles und jeden kämpft.  Ihr kampf hat aber auch etwas absurdes und der Film zelebriert das auch.Der Film hat dabei diesen speziellen skandinavischen Humor. Das beste Beispiel dafür ist die Musik. Die wird nämlich nicht bloß aus dem Hintergrund eingespielt, sondern die drei Musiker sitzen einfach mitten im Bild und spielen den Soundtrack.Sie sind dabei nich in die Handlung eingebunden, sonder nur für den Zuschauer sichtbar.

    Hellas Kampf als Umweltaktivistin und die Inszenierung sind einfach urkomisch, aber der Film verliert seinen Roten Faden in der Handlung gegen Ende hin, welshalb ich ihn nur eingeschräkt empfehlen kann.

  • Sauvage

    Rezensiert von Paul Sattler

    Sauvage heißt ins Französiche übersetzt  “wild” und ist der Name eines Filmes über den 22 jährigen Stricher Leó. Er hat keinen festen Wohnsitz und schläft bei den Typen, die ihn bezahlen oder auf der Straße. Ansonsten lässt er sich durch die Nächte mit Party und Drogen treiben. Leó möchte ungebunden sein und ist so, mit der Art wie er lebt, irgendwie glücklich. Auch wenn er immer wieder krank ist und auch von seinen Freiern zum Teil schlecht behandelt wird. Man merkt Leó aber an, dass er sich nach jemandem sehnt, der ihn liebt.

    Leó ist eine sehr verletzliche Figur und der Film nimmt sich dafür sehr viel Zeit. Er ist alles andere als perfekt, aber in jedem Fall sehr natürlich, was auch für die anderen Figuren im Film gilt.Man fühlt und leidet mit ihm mit und hofft, dass er jemanden findet, der ihn liebt. Das liegt auch daran, dass Leó unglaublich gut von Félix Maritaud gespielt wird. Am Ende schafft der Film leider keinen komplett runden Abschluss, ist aber ansonsten ein sehr starker kleiner Film.

  • Cold War - Breitengrad der Liebe

    Rezensiert von Paul Sattler

    Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges werden zwei polnische Künstler beauftragt in einem alten Herrenhaus ein Gesangs- und Tanzensemble zusammenzustellen. Das soll, ganz nach der Idee der neuen sozialistischen Regierung die Musik und Kultur der polnischen Bauern repräsentiert.Für das Ensemble casten die beiden aus dem eifachen Volk Sänger und Sängerinnen. Eine der Kandidatinnen, Zula, beeindruckt einen der Leiter des Ensembles Wiktor. Dadurch wird sie nicht nur aufgenommen, sondern zwischen den beiden entwickelt sich auch eine Liebschaft. 

    Das Ensemble beginnt zunächst damit auf den großen Bühnen Polens zu spielen und tourt bald durch die sozialistischen Bruderstaaten. Als sie für ein Auftritt nach Berlin fahren, ergreift Wiktor die Chance, den Osten zu verlassen und nach Paris zu gehen und bittet Zula ihn zu begleiten. Doch Zula kommt nicht mit und so verlieren sich die Beiden für eine Zeit wieder. Cold War ist ein zarter Liebesfilm über eine Liebe, die sehr stark ist und doch nie Funktioniert. Der Film wirkt streckenweise etwas konstruiert, beeindruckt aber dennoch durch diese tragische und starke Liebesgeschichte. Der Film kann einem sehr gut gefallen, ist aber durch seine Schwächen sicher nicht jedem zu empfehlen.

  • Leto

    Rezensiert von Paul Sattler

    Es ist der Beginn der 1980er Jahre. An einem Strand in der Nähe von Leningrad sucht der junge Musiker Viktor Zoi zusammen mit seinem Kumpel den Star der leningrader Musikszene Maik Naumenko auf, um ihm etwas vorzuspielen.

    Maik ist schnell begeistert, erkennt Viktors Talent und setzt sich für die jungen Künstler ein. Durch Maik bekommt Viktor zugang zur Underground-Rockszene. Die jungen Künstler wollen das Korsett der sowjetischen Regulierung abstreifen und tauschen die Alben von Iggy Pop, Lou Reed und David Bowie.

    Der Film folgt auf unglaublich gute Art und Weise dem Leben der jungen Künstler und fängt ihr Lebensgefühl ein. Den Sound liefern die großen Künstler der Zeit. Eben Iggy Pop, Lou Reed und David Bowie. Dazu Kommen die Songs von Maik Namenko und Viktor Zoi. Der Film ist eine Hymne an die Underground Rock Szene in der späten Sowjetunion. Der Flm ist teilweise leicht abgedreht. Das mag natürlich auch den ein oder anderen abschrecken, aber mir hat es gefallen. 

    Den Film gibt's im Cinema zu sehen.

  • Der Trafikant

    Rezension von Philipp Moser

    “Der Trafikant” - das ist die Geschichte vom 17-jährigen Franz Huchel gespielt von Simon Morzé. Franz arbeitet in Wien in der Trafik, einem Zeitungs- und Zigarrenkiosk, von Otto Trsnjek. Der lebt nicht nur von seiner Arbeit, er lebt mit ganzem Herzen für seine Arbeit. Ein Stammgast der Trafik ist der Professor Sigmund Freud, welcher genial von Bruno Ganz gespielt wird. Obwohl Freud vom bekanntesten Schauspieler gespielt wird, agiert er im Film eher im Hintergrund und steht als Ratgeber zur Seite. “Der Trafikant” ist nämlich ein Film über die Liebe. Der junge Franz verliebt sich in der großen Stadt und findet in Sigmund Freud den wichtigen Halt, um sich nicht zu verlieren.

    Doch das Entdecken und Erforschen der Liebe steht unter keinem guten Stern. Wir befinden uns im Wien der 30er Jahre. Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich unter den Nationalsozialisten verdrängt jegliche Freiheiten, die in der Liebe doch so wichtig sind. Der Film macht dem Zuschauer ohne Umschweife klar, welch großen Einfluss die Politik selbst auf die Kleinigkeiten im Leben haben kann. Franz wird in eine neue Welt geworfen, er entdeckt die Liebe und das alles unter dem Druck der wandelnden politischen Verhältnisse. Es ist daher keine große Überraschung, dass dieser Film einem kein Lachen ins Gesicht zaubert. “Der Trafikant” ist ein sehr ruhiger und langsamer Film, versteht es durch seinen österreichischen Charme aber nicht zu schwermütig zu werden. Denn in dieser bedrückenden Atmosphäre gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, die Mut machen. Es ist einer dieser Filme, die nicht viel Spaß machen, aber dennoch verdammt stark sind.

  • 303

    Rezensiert von Paul Sattler

    Unabhängig voneinander begeben sich Jule und Jan auf die Reise. Als Jan von seiner Mitfahrgelegenheit sitzen gelassen wird fragt er an der Tankstellen Leute, ob sie ihn mitnehmen können. Jule nimmt ihn schließlich in ihrem alten Wohnmobil (Mercedes 303) mit. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten beginnen sich die beiden immer besser zu verstehen. Anfangs wollte Jan nur bis Köln mitgenommen werden, um von da den Bus nach Bilbao zu nehmen. Doch in Köln angekommen, nimmt Jule ihn doch den ganzen weg mit. Schließlich möchte sie nach Portugal ihren Freund besuchen.

    Jule und Jan sind sehr schöne und glaubhafte Charaktere. Sie reden über Themen, wie Gesellschaftliches Zusammenleben und Beziehungen. Was ist besser Kooperation oder Konkurrenz und warum findet Jan keine langfristige Beziehung? Jule und Jan sind ein Reisepaar, bei dem es Spaß macht zuzuschauen und ab der ersten Begegnung ahnt man: Da könnte mehr passieren. Und während der Reise lernen sie sich richtig kennen, sie streiten auch mal, aber erleben vor allem eine wunderschöne Zeit. Und der Film nimmt einen nicht nur mit auf diese Emotionale Reise, sondern auch auf die echte Reise. Man sieht kleine Französische Orte und man ist als Zuschauer selbst beeindruckt, als sie schließlich das Meer erreichen.

    Die Geschichte selbst ist zum Teil stark von Zufällen geprägt und die Inszenierung ist ein wenig kitschig. Doch das stört nicht allzu sehr. Der Film möchte einfach schön sein und ist das auch. Er ignoriert schwierige Themen nicht, aber er macht in erster Linie Spaß.

    Ein wahnsinnig schöner Film. Er ist darüber hinaus auch ein guter Film, aber in erster Linie einfach schön.

  • Foxtrot

    Rezensiert von Paul Sattler

    Ein Soldat der israelischen Armee steht bei der Familie Feldmann vor der Tür und berichtet vom Tod ihres Sohnes. So beginnt der Film Foxtrott. Um einem als Zuschauer des Films diese tiefe Trauer begreifen zu lassen nimmt sich der Film viel Zeit. In ruhigen Szenen fokussiert sich der Film auf das Gesicht des Vaters.  Lior Ashkenazi spiel intensiv die geradezu versteinerte Trauer eines Vaters, der seinen Sohn verloren hat.

    In der zweiten Hälfte des Films nimmt sich Foxtrott in einer Rückblende auch Zeit für den Sohn der Familie und seines Dienst an einem Israelischen Checkpoint. Sie bewachen eine derart abgelegene Straße, an der so Gut, wie nichts passiert und der Film macht deutlich, wie es die jungen Männer zermürbt.

    Der Film ist wahnsinnig eindringlich. Dabei regelt er extrem wenig über Worte, sondern eher die Gesichtsausdrücke der Figuren. Für seine Figuren bietet er wenige Lichtblicke. Die wenigen Lichtblicke und Momente der Hoffnung verbindet der FIlm mit dem Tanz Foxtrot.

  • Am Strand

    Rezensiert von Paul Sattler

    Edward und Florence sind frisch verheiratet. Das glückliche Paar verbringt seine Flitterwochen in einem kleinen Hotel am Strand. Während sie gemeinsam etwas essen, erfährt der Kinobesucher in Rückblenden, wie aus diesen beiden unterschiedlichen Menschen ein Paar wurde.  An diesem Abend der Hochzeitsnacht wird aber auch deutlich, dass zwischen ihnen etwas unausgesprochen ist. Insbesonder Florance hat Angst vor der Hochzeitsnacht. Weil beide in einer Zeit aufgewachsen sind, in der nicht über Sexualität gesprochen wird,platzt es jetzt aus den Beiden heraus. Das Thema Sex wird zum Knackpunkt der frischen Ehe.

    Den Kern des Films bilden die beiden Protagonisten Edward, gespielt von Billy Howle, und Florence, gespielt von Saoirse Ronan, und ihr Zueinanderfinden. Beide spielen diese unsichere Beziehung sehr überzeugend. Untermalt wird das Ganze stets stimmungsvoll von Musik und dazu passenden Bildern. Auch die tragischen Szenen des Streits kommen so gut zum Ausdruck. Die Figuren am Rande, wie die Familien der Beiden, treten dagegen eher in den Hintergrund. Sie sind leider auch etwas klischeehaft geraten.

    Ein sehr stimmungsvoller und durchaus auch ergreifender Film, der allerdings recht lange braucht, um in Fahrt zu kommen. Die Unsicherheit von Florence und Edward inszeniert der Film gut, aber abseits davon ist er ein wenig zu klischeehaft und kitschig. “Am Starnd” ist kein schlechter Film, er bleibt aber zu flach, um ihm eine Empfehlung auszusprechen.

    Den Film gibt's im Cinema zu sehen.

    Prokino Filmverleih, 110 Minuten.

    Kinostart: 21.06.2018/ 28.06.2018 in Münster

    Regisseur: Dominic Cooke

    Mit under anderem: Saoirse Ronan und Billy Howle

  • Djam

    Rezensiert von Paul Sattler

    Djam läuft einen Zaun entlang und beginnt zu singen. Sie tanzt und albert die ganze strecke am Zaun. So lernen wir im Film Djam die gleichnamige Protagonistin kennen. Die junge Djam wird von ihrem Onkel beziehungsweise Stiefvater nach Istanbul geschickt, um ein Ersatzteil für ein Boot zu kaufen. Mit auf den Weg bekommt sie eine Reihe von Belehrungen, wie sie sich zu verhalten hat, doch Djam kümmert sich wenig darum. Sie ist ein Mädchen das offen und extrovertiert das Leben genießt und nur Quatsch im Kopf hat.

    In Istanbul angekommen und den ersten Besuch in einer Bar hinter sich, trifft sie auf die noch jüngere Französin Avril, welche von ihrem Freund ausgeraubt und in Istambul sitzen gelassen wurde. Mit Djam und Avril treffen zwei ganz unterschiedliche Personen aufeinander. Avriel folgt Djam und so beginnt eine schräge Reise der beiden jungen Frauen. Begleitet von Musik, dem Rembetico.

    Der Film ist ziemlich zpeziell. Seine Protagonistin Djam hat einfach einen ander Waffel. Aber auf eine sehr Lebensfrohe und positive Art. Und spiegelt sich auch im Film wieder.  Er macht durchaus Freude und ist doch ziemlich schräg. Im Hintergrund des Films schweben die durchaus ernsten Themen Flüchtlings- und Finanzkrise auf Djams Heimatinsel Lesbos. Aber auch in Griechenland und der Türkei begleiten die Themen den Film, bleiben dabei aber sehr dezent am Rande.Gerade, wenn der Film seine Lebensfreude abwechselnd mit dem Abgrund der Finanzkrise in Griechenland inszeniert, ist er besonders stark. Zu oft verliertsich der Film aber, doch spätestens am Ende findet er sich wieder. Ein sehr gewöhnungsbedürftiger Film mit einer charmant Hoffnungsvollen Art in Anbetracht von Not und Leid. In keinem Fall eine Empfehlung, aber durchaus mit seinem eigenen Charm.

  • Isle of Dogs

    Rezensiert von Philipp Moser

    Der neueste FIlm von Wes Anderson spielt im Japan der Zukunft.  In der fiktionalen Stadt Megasaki geht die Hundegrippe um. Als die Krankheit droht, auf die Menschen überzugreifen, werden per Dekret alle Hunde ins Exil auf Trash Island gebracht. Die Handlung beginnt, als ein zwölfjähriger Junge sich in einem zusammengebastelten Flugzeug auf den Weg nach Trash Island macht, um seinen geliebten Hund Spot zu retten. Auch wenn die Grundhandlung sich nach einem Film für die gesamte Familie anhört, entpuppt sich als gesellschaftskritischer Film sondergleichen. Eine gesellschaftliche Gruppe, hier sind es die Hunde, wird unschuldig ausgeschlossen und auf einer Insel festgehalten. Die Bevölkerung wird durch gezielte Falschmeldungen und Propaganda manipuliert. Die Opposition wird unterdrückt. Am Ende plant die Regierung von Megasaki City sogar die Ausrottung aller Hunde. Hier werden Parallelen zu Diktaturen und dem Faschismus deutlich. 

    Doch Wes Anderson belässt es nicht bei der schwere des Themas, sondern strickt  darum einen humorfillen Film. Neben der Story ist Isle of Dogs auch ein visuelles Erlebnis in Stop-Motion. Die dadurch entstehenden Bilder bilden zusammen mit der Ernsthaftigkeit der Story und den immer wieder auftauchenden Gags einen passenden Rahmen. Wie für Wes Anderson typisch hat er heir einen Visuell und stilistisch besonderen Film geschaffen.

  • Lady Bird

    Rezensiert von Paul Sattler

    "Lady Bird" ist nicht nur der Name des Films, sondern ist auch jener Name, den sich die 17-Jährige Protagonistin Christine McPerson selbst gegeben hat. Sie ist eigenwillig und ziemlich forsch. Dabei etwas rücksichtslos, aber eben ein Teenager. Damit ist "Lady Bird" zwar im Kern ein amerikanischer Teenie-Film aber ein ganz besonderer. Der Film hat den Blick für das alltäglich und beschreibt es mit trochenem Humor.  Er ist aber auch keine reine Komödie und zeigt auch die Probleme des Erwachsenwerdens. Dabei ist "Lady Bird" niemals bitter, sondern eher ironisch gebrochen und ins positive gewendet.

    Vor allem das Zusammenspiel zwischen Protagonistin Lady Bird genannt und ihrer Mutter ist großartig. Eine ehrliche Liebe zueinander und doch fliegen immer wieder die Fetzen. Es gibt Szenen in denen die Beiden sich kaum näher sein könnten und kurze Zeit später reden sie nicht mehr miteinander. Die Beziehung wird toll von Saoirse Ronan und Laurie Metcalf gespielt. Beide waren für ihre Rolle für den Oscar nominiert.

    Lady Bird ist ein sehr Film, der das Leben mit seinen Macken feiert. Es läuft vieles nicht  nach dem Plan der Teenagerin Lady Bird, aber auch ihr Plan wirkt auf den Zuschauer nicht immer sinnvoll. Sie rennt gegen Wände. Aber all diesen Themen begegnet der Film mit der Einstellung: So ist das Leben und es ist auch gut so. Nicht kitschig aber, aber dem Leben mit all seinen Macken zugewandt. Ein absolut empfehlenswerter Film.

  • Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

    Rezensiert von Martin Heuchel

    Die Geschichte von drei Werbetafeln Three Billboards draußen vor Ebbing in Missouri tragen einen ganzen Film. Und was für einen.

    Auf den Werbetafeln ist in schwarzer Schrift auf knallrotem Grund  die Wut einer Mutter gedruckt, deren Tochter Vergewaltigt und ermordet wurde. Angela Hayes Mutter, Mildred Hayes, ist die Protagonistin von “Three Billboard out of Ebbing Missouri”. Man kann ihre unkontrollierte Wut verstehen. Ihre Mittel aber weniger. Der ganze Film ist voll von Figuren Bevölkert, die schräg sind, aber ihren ganz eigenen Charm versprühen. Der Ganze Film kommt mit einem verhältnismäßig kleinen Set an Figuren aus. Die drei Figuren die im Fokus stehen sind allesamt Oscar nominiert und zwei davon haben schon einen Golden Globe gewonnen. Und sie überzeugen.

    Und wer sich jetzt fragt, ob das der Film ist, von dem er den Trailer gesehn hat. Ein Trailer geprägt von witzigen Szenen. Ja das ist er und der Film hat diese Momente. Einige sogar. Stilvolle momente, Momente mit Charme und Momente mit ihrem eigenen bösen Humor. Aber die Geschichte ist nicht lustig an sich. Der Humor bricht eher die Verzweiflung einer Mutter, die ihre Tochter unter den schlimmstmöglichen Umständen verloren hat. Wie ein Held im Wilden Westen macht Mildred Hayes in Three Billboards out of Ebbing Missouri alles, - doch wofür eigentlich - Es ist eher ungerichtete Verzweiflung. Und genau an diesem Moment fügt der Film der eher klassischen Rachegeschichte eine interessante Note hinzu. Einem wird die Sinnlosigkeit dieser Rache Bewusst und doch gibt sie unglaubliche Befriedigung. Das ganze wird noch untermalt von einem extrem Stimmungsvollen Soundtrack. 

    “Three Billboard out of Ebbing, Missouri” ist eine klare Empfehlung. Man sollte sich auf die Geschichte einlassen, auch wenn euch der Trailer einem nicht zusagt.  Denn im Kern ist es ein Drama. Ein stilvolles Drama mit eigenen Humor, aber ein Drama.

  • Rogue One: A Star Wars Story

    Rezensiert von Sebastian Rotter

    Der Film spielt zeitlich zwischen der dritten und vierten Episode der Star Wars-Saga. Er bildet den Prolog für „Eine neue Hoffnung“ und erzählt, wie die Rebellen in den Besitz der Baupläne des Todessterns kommen konnten.

    Im Mittelpunkt der Handlung steht dabei die junge Frau Jyn Erso, Sie schlägt sich seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr allein durch den täglichen Irrsinn des imperialen Bürgerkriegs. Eigentlich will sie mit dem schwelenden Konflikt nichts zu tun haben, doch ihr Vorstrafenregister macht sie verwundbar. Die Rebellenfraktion macht sich dies zu Nutze und engagiert sie, zunächst gegen ihren Willen, für die eigene Sache. Ihr Vater soll angeblich an einer Superwaffe des Imperiums bauen. Sie soll die Rebellen zu ihrem Vater führen, herausfinden um welche Waffe es sich handelt und wenn möglich auch gleich in Erfahrung bringen, wie sie zerstört werden kann. Zur Seite steht ihr dabei das Team der „Rogue One“, so der Titel des Himmelfahrtskommandos. Gemeinsam mit Captain Cassian Andor, dem blinden Krieger Chirrut Imwe und dessen Kumpel Baze Malbus sowie dem umprogrammierten Ex-Sicherheitsdroiden K-2SO macht sich Jyn auf, ihren Vater zu finden und die sagenumwobene Waffe zu lokalisieren.

    Regisseur Gareth Edwards setzt in seiner Umsetzung des Star Wars-Universums auf viele neue Gesichter. Bekannte Schauspieler finden sich allenfalls in den Nebenrollen. Das hilft: Durch die Unvoreingenommenheit gegenüber den Schauspielerinnen und Schauspieler möchte man sich viel mehr auf die Charaktere einlassen als bei altbekannten Gesichtern. Leider fehlt der ein oder anderen Figur die Tiefe. Felicity Jones spielt die Protagonistin Jyn Erso glaubwürdig . Mads Mikkelsen und Forest Whitaker wissen in ihren Nebenrollen zu überzeugen. Alles in allem eine ordentliche Leistung der Schauspieler.

    Durch seine Position als Spin-Off fällt es schwer, den Film mit den beiden klassischen Trilogien zu vergleichen. „Rogue One“ geht, anders als Episode sieben aus dem Vorjahr, neue Wege in der Umsetzung des Star Wars-Kanons. Der Film ist weitaus komischer als die anderen Streifen, teilweise sind sogar ein paar Slapstick-Einlagen zu sehen. Auf den Einsatz von Laserschwertern wird weitestgehend verzichtet. Das ist der Chronologie der Saga geschuldet: Nach dem Ende des dritten Teils gelten die Jedi offiziell als ausgelöscht. Das ist konsequent und gibt deswegen Pluspunkte. Ganz außen vor bleibt die legendäre Waffe jedoch nicht. Stattdessen legt der Film den Fokus auf den Konflikt zwischen Rebellen und Imperium. Immer wieder sieht man Sabotageversuche der Widerstandskämpfer, die wenige Minuten später in einem wilden Blastergefecht blutig niedergeschlagen werden. Teilweise fragt man sich jedoch, ob es ein paar Stormtrooper weniger nicht auch getan hätten.

    Alles in allem eine guter Auftakt für eine Reihe von Spin-Offs, die Disney in den nächsten Jahren produzieren wird. Der Film ist sich seiner Rolle als Sidekick bewusst und nimmt sich dementsprechend nicht allzu ernst. Das gibt Pluspunkte, gerade im Vergleich mit der mäßigen Umsetzung von Episode Sieben. Durch die viele Komik mangelt es dem Film dadurch auch ein wenig an der zeitlosen Epik der ursprünglichen Sixtologie.

    The Walt Disney Company (Germany) GmbH, USA 2016, 134 Minuten

    Kinostart: 15.12.2016

    Regisseur: Gareth Edwards

    Mit under anderem: Felicity Jones, Forest Whitaker, Mads Mikkelsen, Ben Mendelsohn

    Läuft in Münster im Cineplex

  • Ben-Hur (2016)

    Rezensiert von Dennis Schwartz

    Jetzt hat es Ben Hur erwischt. Man könnte den Eindruck haben, dass Hollywood die Ideen ausgegangen sind. Reboots, Sequels und Remakes dominieren, neben den Comic-Verfilmungs-Straßenfegern, die Kino-Charts. Nachdem innig geliebt und manchmal vielleicht etwas nostalgisch verklärte Reihen wie Mad Max, Star Wars und Jurassic Park durchaus erfolgreich neu umgesetzt wurden, stürzen sich die Produzenten in LA jetzt auf jede Lizenz, die noch irgendwo eingemottet herumliegt. "Tarzan" wurde mit einer Art Sequel beehrt, "Point Break" neu aufgelegt, genauso wie "Ghostbusters" und das "Dschungelbuch". "Die Glorreichen Sieben", "Im Westen nichts Neues" und "Scarface" sollen folgen.

    Remakes müssen natürlich nicht per se schlecht sein, Christopher Nolan hat das mit seiner Batman-Trilogie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Bisher stellte sich aber das Gefühl ein, dass gewisse Klassiker von der Remakemanie ausgenommen wären. Filme, die als so gut betrachtet wurden, als so ikonisch, dass kein Regisseur ernsthaft annehmen sollte, er könne es besser machen. Timur Bekmambetow (der auch hinter "Abraham Lincoln: Vampire Hunter" steckt) war da wohl anderer Meinung und wagte sich an den Großvater aller Sandalenfilme, William Wylers 1959er Klassiker "Ben Hur".

    Wie im Original erzählt "Ben Hur" die Geschichte des Konfliktes zwischen zwei Adoptivbrüdern, dem jüdischen Adeligen Judah Ben Hur und dem Römer Mesalla Severus. Unschuldig des versuchten Mordes bezichtigt und von seinem Bruder verraten, wird er als Sklave auf eine Galeere geschickt. Nach seiner Flucht sinnt er auf Rache an seinem Bruder und an Rom.

    Doch Bekmambetows "Ben Hur" ist fast schon symptomatisch für alles, was mit den gefloppten Remakes der letzten Jahre nicht stimmt: Mit massenweise CGI-Effekten und hektischen Schnitten wird versucht, dünne und löchrige Plots, unglaubwürdige Schauspieler und wenig Gefühl für das Original zu kaschieren, selten mit Erfolg.

    Das beginnt schon bei den Schauspielern. Der Cast von "Ben Hur" ist seinen Rollen nicht gewachsen, selbst Morgan Freeman wirkt höchstens routiniert. Gerade die Entscheidungen der beiden Hauptcharaktere, Judah Ben Hur ( Jack Huston) und Mesalla Severus (Toby Kebbell )sind unglaubwürdig und so übereilt, dass selbst ein hyperaktives Eichhönrnchen nach vier Litern Red Bull von ihrer Sprunghaftigkeit überrumpelt worden wäre. Wirklich ans Herz wächst einem keiner der Charaktere, vor allem da ihnen der Film auch kaum Raum bietet, sich zu entfalten.

    Zwei Actionsequenzen dominieren den Film, eine zugegebenermaßen schön anszusehende und spannende Seeschlacht und das berühmt-berüchtigte, in Bekmambetows Version aber wenig beeindruckende Wagenrennen. Zwischen diesen beiden CGI-Feuerwerken ist der Rest der Handlung mehr schlecht als recht irgendwie hineingequetscht worden. Auch dass der Streifen mühsam auf knapp 120 Minuten heruntergeschnitten wurde, merkt man all zu sehr.

    Wer das Original mochte, sollte sich den Kinobesuch von "Ben Hur" lieber sparen, alle anderen eigentlich auch. Man kann nur hoffen, dass sich Hollywood nach dem Scheitern von Remakes wie "Ben Hur" und "Ghostbusters" wieder auf die Suche nach frischen Ideen macht. Es schaudert einen jetzt schon, wenn man daran denkt, was Bekmambetow, Bay, Scott und Konsorten "Casablanca", "Zwei Glorreiche Halunken" oder dem "Paten" antun könnten.

    Ben Hur, 2016, Paramount, 124 min.

    Regie: Timur Bekmambetow

    Land: USA

    Mit u.a.: Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Morgan Freeman

  • Looping

    Rezensiert von Alix Michell

    Looping von Leonie Krippendorff.

    Looping erzählt die Geschichte von drei Frauen, aus unterschiedlichen Generationen, die einander in einer psychiatrischen Klinik begegnen. Ohne viele Worte entwickeln sie schnell eine innige Beziehung zueinander, die sich irgendwo zwischen familiär, freundschaftlich und erotisch bewegt.
    Der Film wird durch die Vorgeschichten der Frauen gegliedert oder auch gebrochen. Da ist Leila, die Jüngste: Ihre Geschichte rahmt die Handlung des Films und macht sie so zur Protagonistin. Sie ist ein Kind vom Rummelplatz, ihr Aufwachsen ist von Verlust geprägt und davon, im Stich gelassen zu werden. Nach einer Nacht, die mit Sex, Gewalt und Schnaps heftig eskaliert weist sie sich selbst – vor allem aus Hilflosigkeit, so scheint es, in die Klinik ein. Dort trifft sie auf ihre Zimmergenossinnen Ann und Frenja. Frenjas Geschichte wird am klarsten erzählt. Mittdreißigerin, Ehefrau und Mutter einer kleinen, herzkranken Tochter und gutmütig bis zur Selbstaufgabe. Sie leidet unter einer Essbrechstörung und ist die einzige der drei Figuren, bei der explizit wird, dass es sich bei dem schönen Haus am Meer um eine Klinik und nicht um ein Ferienlager für Erwachsene handelt. Anns Geschichte erfährt man als Letztes und erfährt sie auch nicht. Auch sie scheint Verluste erlebt zu haben, die sie nicht verkraften kann, jetzt wirkt sie zwar stets verschlossen und unergründlich, nimmt Leila und Frenja aber bald mit auf ihre nächtlichen Streifzüge außerhalb der Klinik.

    Explizit wird überhaupt nur wenig im Film erzählt. Auch, dass sich die Handlung in einer Klinik abspielt, tritt in den Hintergrund. Man erlebt eine kurze Untersuchung und eine Yogastunde, der Rest des Klinikalltags wird ausgeblendet und diffus durch das nächtliche Miteinander ersetzt. Dialoge gibt es kaum, der Film erzählt größtenteils durch Bilder und hilft den Zuschauer_innen mittels Musik bei der Interpretation. Vielleicht rührt das daher, dass Leonie Krippendorff, die Regisseurin des Films, gelernte Fotografin ist. Sie versteht es, sorgfältig komponierte, oft traumgleiche Bilder zu setzten und sie anstelle von schwer Beschreibbarem sprechen zu lassen. Wofür sie stehen, bleibt allzu oft unserer Fantasie überlassen. Der Spielraum, der dem Verstehen bleibt, macht zum einen den Reiz des Films aus, so kann er das Publikum in einen Rausch aus Empfindung, Farben und Licht entführen. Daran, dass das rauschhafte Empfinden überwiegt, krankt Looping jedoch wiederum: Da alles im Vagen bleibt, erscheint der Film am Ende irgendwie austauschbar – wie so vieles während der 103 Minuten bleibt auch unklar, warum genau diese Geschichte genau so erzählt werden muss. Vielleicht einfach darum, weil Leonie Krippendorff das auf besonders schöne Weise tut.

    Deutschland, Edition Salzgeber, 104 min.

    Regie: Leonie Krippendorff

    Genre: Drama

    U.a. mit: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem

  • Maggies Plan

    Rezensiert von Melissa Faust

    Gehen Maggies Pläne auf?

    Manche Paare haben es schwer, ein Kind zu bekommen. Für Maggie (Greta Gerwig), 30, New - Yorker Freelancerin und Single ist das nicht das Problem. Wann das Kind selbst gezeugt werden soll, weiß sie auch schon - dafür hat sie schon den perfekten Plan. Was ihr hingegen fehlt? Eben der Vater des geplanten Kindes.
    Nach sauberem Muster sucht die chaotisch, sympatische Maggie ihn aus. Am Besten soll er gute Gene haben und sich später nicht in die Erziehung einmischen wollen. Bald findet sich schon ein geeigneten Samenspender, der schüchterne Gurkenfabrikant Guy (Travis Fimmel). Guy, ein einfacher Typ (englisch: guy) eben, steht als bloßer Bechersamenspender zur Verfügung, obwohl er Maggie eigentlich reichlich attraktiv findet und den herkömmlichen Geschlechtsakt vorschlägt. Maggie lehnt dieses Angebot jedoch ab. Während der häuslichen Befruchtung, die Maggie in der Badewanne vollziehen will, taucht plötzlich der Universitätslehrer John (Ethan Hawke) auf und sie schlafen miteinander. John kennt sie schon seit einigen Wochen. Sie sind sich über Johns neues Buchmanuskript näher gekommen. Für Maggie verlässt John sogar seine Familie und seine heißblütige Frau Georgette (Julianne Moore) und schenkt Maggie das Kind, dass sie sich wünscht.
    Zu viel gespoilert? Nicht ganz, denn das war erst der Anfang. Bald hat Maggie einen neuen Plan.

    Während man am Anfang wirklich denkt, die Geschichte sei zu vorhersehbar, wird noch mächtig überrascht, wie sich die Geschichte im Film hin und her biegt. Der Film ist herrlich komisch und sorgt für viele Lacher. Trotzdem fragt man sich hin und wieder wer sich eine solche fast schon unglaubwürdige Story ausdenkt und wohin das alles noch führen soll. Etwas langatmig aber mit tollem Ende und einer genialen Julianne Moore.

     

    Q - Film - Bewertung: 3 von 5 Q's
    MFA+, USA, 99 min.
    Filmstart: 4. August 2016
    Regie:  Rebecca Miller
    Mit u.a.:   Greta Gerwig, Ethan Hawke, Julianne Moore mehr
    Genre: Komödie

    Den Film gibt's im Cinema zu sehen.

  • Nur wir drei gemeinsam

    Rezensiert von Dennis Schwartz

     

     

    Nur wir drei gemeinsam

    Im Film „Nur wir drei gemeinsam“ erzählt Regisseur Kheiron die wahre Geschichte seiner Eltern, der marxistischen iranischen Dissidenten Hibat und Fereshteh Tabib.

    Hibat und Fereshteh leisten, zusammen mit Freunden und Verwandten, Widerstand gegen das Regime des Schahs und gegen die islamistische Regierung des Ajatollahs. Nach einer abenteuerlichen Flucht aus dem Iran gelangen sie schließlich ins Exil nach Frankreich. Dort versuchen sie, sich ein neues Leben als Krankenschwester und Leiter eines Jugendprojektes aufzubauen und gleichzeitig die Balance zwischen dem Familienleben im Exil und dem Wohl ihres Kindes auf der einen, und der Fortsetzung des Kampfes gegen die Herrschaft des Ajatollah im Iran auf der anderen Seite zu finden.

    Der, unter seinem Künstlernamen aufgeführte Regisseur Kheiron, der auch die Rolle seines Vaters Habit spielt, hat es mit „Nur wir drei Gemeinsam“ geschafft eine bewegende und trotzdem fröhliche und vor allem hoffnungsvolle Geschichte zu erzählen. Obwohl der Film im Prinzip eine Komödie ist, werden die Ereignisse des Widerstandskampfes gegen den Schah und den Ajatollah nicht beschönigt oder verkürzt. Das einer zum Brüllen lustige Szene direkt eine folgt, die dem Zuschauer die Tränen in die Augen treibt ist allgemeiner modus operandi des Filmes. Da leiden wir gerade noch mit Habit, der im Gefängnis des Schahs gefoltert wird, um in der nächsten Szene über das peinliche Gespräch des Widerstandskämpfers mit seinem Schwiegervater in spe zu lachen. Der Vergleich zum tiefschwarzen Komödie „Vier Löwen“ über vier muslimische Selbstmordattentäter in England ist nicht ganz abwegig. Beide Filme befassen sich auf mehr oder weniger heitere Weise mit ausgesprochen dramatischen Themen. Der Humor in „Nur wir drei gemeinsam“ bleibt dabei allerdings etwas braver und weniger bissig und ist fast immer fein säuberlich von ernsthafteren Szenen getrennt.

    Die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten sind durchweg auf hohem Niveau. Man schließt die Charaktere schnell ins Herz und fühlt mit ihnen mit. Besonders Gérard Darmon, der Fereshtehs Vater spielt, liefert eine ausgesprochen überzeugende Performance ab und sorgt sowohl für Heiterkeit als auch Mitgefühl. Alexandre Astier erinnert als Schah von Persien fast schon an Chaplins großen Diktator.

    Nahezu einziger Kritikpunkt des Filmes ist sein Tempo. Aufgrund der abgedeckten Zeitspanne und der Vielzahl an Ereignissen wirken einige Szenen und Zeitsprünge etwas gehetzt, gerade in der zweiten Hälfte der Spielzeit wünscht man sich manchmal, Kheiron hätte sich etwas mehr Zeit genommen oder sogar einen Zweiteiler veröffentlicht. Besonders schade ist das bei offensichtlich wichtigen Figuren, die im Prinzip aber nur vier Sätze Dialog und drei Einsätze vor der Kamera haben.

    „Nur wir drei Gemeinsam“ ist absolut sehenswert, die Zuschauer können sich auf eine oft heitere, oft dramatische und auch rührende Geschichte freuen, mit der Regisseur Kheiron nicht nur seinen Eltern ein Denkmal setzt, sondern an die täglichen Kämpfe von Menschen erinnert. Die Charaktere des Filmes zeigen auch in Angesichts widrigster Umstände Standhaftigkeit, Humor und Mitgefühl. Sie geben die Hoffnung auf ein besseres Leben, nicht nur für sich selbst sondern gerade auch für andere nie auf. Insbesondere jetzt ist solch ein Film nicht nur Balsam für die Seele, sondern vielleicht sogar bitter nötig.

     

    Filmwelt Verleih, Frankreich 2016, 102 Minuten

    Regisseur: Kheiron

    Mit unter anderem: Kheiron, Leïla Bekhti,  Gérard Darmon, Zabou Breitman, Arsène Mosca, u.a.

    Bewertung:  4 von 5 Q's.

  • La Belle Saison

    Rezensiert von Sinja Sircar

     

     

     Liebe als Zerreißprobe

     

     

    Unter der Regie von Catherine Corsini entstand 2015 ein Film über die Liebesgeschichte zweier Frauen im Frankreich der 70er Jahre. Die 23jährige Delphine (Izïa Higelin) flüchtet vom elterlichen Hof nach Paris. Dort möchte sie der Enge und den Moralvorstellungen des Landes entkommen.

    Während einer Demonstration trifft sie auf Carol (Cécile de France). Carol ist eine starke und unabhängige Frau, die sich in der Frauenbewegung engagiert.

    Beide verlieben sich ineinander. Diese Beziehung wird durch die Krankheit von Delphines Vater (Jean-Henri Compère) unterbrochen. Delphine zieht wieder zurück aufs Land, um ihren Eltern zu helfen und die Verantwortung für den Hof zu übernehmen.

    Delphine zuliebe, verlässt Carol ihren Mann und folgt ihr aufs Land. Allerdings wird die Liebe zwischen den Beiden zu einer Zerreißprobe. Und Delphine muss sich bald entscheiden zwischen ihrem Leben auf dem Land und ihrer Beziehung zu Carol.

    In ausdrucksstarken Bildern spiegelt Corsini die Zerrissenheit beider Protagonisten. Die beiden Hauptdarstellerinnen Higelin und de France bringen die Leidenschaft und das Chaos der Gefühle gut rüber.

    Zudem fängt der Film den Zeitgeist ein und stellt die Arbeit und Bedetung der Frauenrechtsbewegung mit in den Vordergrund.

    Verstärkt wird das Ganze durch eine schöne Szenerie vom Land und dem Paris der 70er Jahre mit warmen positiven Bildern was den Film sehr sehenswert macht.

     

    Alamode Film, Frankreich, Belgien, 106 min

    Regie: Catherine Corsini

    Genre: Drama, Romanze

    Mit u.a. : Cécile de France, Izia Higelin, Noemie Lvovksy

     

  • Hardcore

    Rezensiert von Daniel Meyer

     

     

     

    Schnell abgenutzter Perspektivwechsel

    Hardcore ist eine russische Medium Budget Filmproduktion, das Erstlingswerk von Ilya Naishuller Der durfte für seine Vision, einen 90 Minüter komplett aus der Egoperspektive zu erzählen, 10 Millionen Dollar auf den Kopf hauen. Die hat er unter anderem für Schauspieler wie Tim Roth oder Haley Bennett ausgegeben. Für ein experimentelles GoPro-Rig um die Egoperspektive zu realisieren und für mäßig glaubwürdige CGI-Explosionen und Bluteffekte. Ein passables B-Movie Niveau erreicht Harcore damit locker, zu viel mehr reicht es aber leider nicht wirklich.

    Und doch wagt Hardcore ein grundsätzlich interessantes Mashup von Elementen der Action-Unterhaltungsindustrie der letzten Jahrzehnte. Die Körpereffekte erinnern an Body Horror Filme wie Existenz, Blut spritzt wie in der Comicadaption 300. Die Story, die stark an den Plot von Crank 2 erinnert, wird erzählt wie in einem Call of Duty-Spiel, die Hauptdarstellerin, erinnert optisch an Jennifer Lawrence in den Hunger Games, der Bösewicht an Malcom McDowell in a Clockwork Orange. Die Action ist eine Mischung aus Mirror's Edge und Manhunt. Hardcore ist Parcour meets Snuff meets Ego-Shooter.Das funktioniert für ein paar Minuten lang ganz gut. Sehr schnell wiederholen sich aber die Abläufe:

    Hauptdarsteller Henry rennt, taumelt, rappelt sich auf, schießt, schlägt und sticht zu. Mal rudern seine Arme ins Bild, mal die Beine, dann wieder verschwimmt die Sicht in roten Blut- und Gehirnspritzern.Im Grunde vereint Hardcore also das Schlechteste aus den Welten Film und Videospiel. Ein stummer Protagonist, der nichts weiter tut als den Anweisungen der sonstigen Darsteller und ihren stereotypen, dümmlichen Monologen zu folgen. Zweitklassigen Effekte und die – mangels Story – leider sinnfreien Gewaltexzesse, die in ihrem B-Movie Stil höchstens belustigen, aber selten wirklich beeindrucken. Richtig ärgerlich sind zudem die penetrant homophoben Sprüche, die völlig ohne Not immer wieder abgespult werden. Eventuell sind die aber auch ironisch gemeint. Auf diese Idee kommt man allerdings erst, wenn der Showdown beginnt, Henry sich zu Queens „Dont Stop me Now“ Adrenalinspritzen in die Oberschenkel rammt und sich aufmacht, den Endgegner zu besiegen. Damit beginnt dann auch die stärkste Szene des Films, die ähnlich wie in vielen Ego-Shootern versöhnlich stimmt und die man sich gerne zurückgelehnt anschaut, denn man weiß, gleich ist es vorbei.

     

     

     

    Bewertung:

     

    2 1/2 von 5 Qs

     

    Kinostart: 14.04.2016

    Regie: Ilya Naishuller

    Genre: Action

    Musik: Darya Charusha

    Mit u.a.: Tim Roth, Haley Bennett, Sharlto Copley

     

     

  • Son of Saul

    Rezensiert von Melissa Faust

     

     

    Horror in 107 Minuten

    Auschwitz-Birkenau 1944. Der ungarische KZ-Häftling Saul ist Mitglied eines Sonderkommandos. Sonderkommandos waren mit Spezialaufgaben im Konzentrationslager betraut. Hieß: gewisse Privilegierung im Lager, die einem jedoch nicht versprach, sehr lange zu überleben. Mitglieder von Sonderkommandos wurden nach einigen Wochen selbst hingerichtet. Weil sie vielleicht zu viel gesehen hatten. So wie der Jude Saul Ausländer. Sauls Kommando ist dafür zuständig, die angekommenen Züge in die vermeintlichen Duschräume zu führen. Statt der versprochenen Dusche wurden die ankommenden Häftlinge jedoch mit Zyklon B vergiftet und umgebracht. Anschließend mussten die Körper in die Krematorien gebracht und verbrannt werden, die Gaskammern gesäubert und die Wertgegenstände der Toten gesammelt werden. Eine fürchterliche Arbeit. Den Opfern vorgaukeln, sie würden nach der Dusche in Arbeitsbereiche eingeteilt. Die Armen ins Verderben führen dem sie nicht entrinnen können. Die Türe schließen. Warten bis niemand mehr gegen die stählerne Tür klopft. Routine. Bis der sichere Tod eintritt. Der sichere Tod?

    Während einer der vielen üblichen Hinrichtungen ist da plötzlich doch noch einer der atmet. Ein Jugendlicher, ja ein Kind liegt unter den vielen toten. Bewusstlos aber doch noch atmend. Ein Mitglied des Sonderkommandos bringt ihn zum Arzt, der ihn von den Qualen erlöst. Auch natürlich um seine Leiche gleich zu untersuchen. Warum war er stärker, zäher als die anderen? Die Routine für die anderen geht weiter. Die Todeszelle muss geputzt werden. Saul jedoch ist völlig verwirrt. Er erkennt in dem Kind seinen Sohn. In ihm steigt das verlangen in zu nach der jüdischen Tradition zu beerdigen. Doch wie soll man jemanden im KZ nach jüdischen Ritual beerdigen? Wo soll Saul einen Rabbi herkriegen, der es macht? Wie bekommt er den toten Jungen aus den Räumen des KZ-Arztes?
    Hilfe von anderen Häftlingen kann Saul kaum erwarten, sind doch die meisten gerade damit beschäftigt den Aufstand der KZ-Häftlinge vorzubereiten und stellen ohnehin infrage ob es sich bei dem Jungen überhaupt um Sauls Sohn handelte.

    Das Drama „Son of Saul“ begleitet Saul bei seinen Problemen. Als Zuschauer folgt man Saul auf seinem Weg durchs KZ. In die Waschräume, über die Berge von Toten, durch die Krematorien, Baracken, zum See wo die Zwangsarbeiter Knochenpulver in den See schaufeln. Der mit dem Oscar und Golden-Globe als bester fremdsprachiger Film prämierte Streifen zieht seine Zuschauer in den Bann.

    „Son of Saul“ ist ein schwerer, schmerzhafter aber durchweg sehr spannender ungarischer Film, der das Leben eines Individuums im KZ sehr gut skizziert und wiedergibt. Sei es die schützende Hand des Kapos oder die die Darstellung der Vernichtung und des Lagers. Leichen werden nur verschwommen gezeigt und den Opfern des Holocaust damit auch in der Darstellung die Würde belassen.
    Die Darstellungen des KZ-Auschwitz-Birkenau und des Lebens im Lager entsprechen Schilderungen aus Biografien oder dem Art Spiegelman Comic „Maus“. Die Geschichte von Saul selbst ist fiktiv.

    Auch nach dem Abspann des Films hat man immer noch das Gefühl die Beobachterrolle einzunehmen. Wie abstrus es plötzlich dann erscheint, dass das Kino so bunt, die Menschen auf der Straße so fröhlich sind, wo man gerade so intensiv die Grausamkeit der Gaskammern erlebt hat.

    Hut ab, László Nemes. Hut ab aber auch für die Leistung des Protagonisten Géza Röhrig, dessen Leistung und Ernsthaftigkeit den Film so authentisch macht. Und das in seinem ersten Film.

    Bewertung:

    5 von 5 Q's

    Son of Saul, Ungarn 2015, Sony Pictures, 1 Std. 47 Min.
    Kinostart: 31. März 2016 (Münster)
    Regie: Lázló Nemes
    Genre: Drama
    Mit u.a.: Géza Röhring, Sándor Zsótér, Marcin Czarnik

  • Batman vs. Superman: Dawn Of Justice

    Rezensiert von Michelle Distelrath

     

     

     

    Gladiatorenkampf mit Abstrichen

    Held gegen Held – das scheint ein neuer Trend in der Filmindustrie zu sein. Bevor Marvel in „Civil War“ nächsten Monat seine Helden gegeneinander kämpfen lässt, ist jetzt aber erst einmal „Batman vs. Superman: Dawn of Justice“ in den deutschen Kinos angelaufen. Nachdem er in „Man of Steel“ seinen Mitkryptonier Zod besiegt und damit die Erde gerettet hat, lebt Superman (Henry Cavill) mittlerweile unter falscher Identität mit seiner großen Liebe Lois Lane (Amy Adams) in Metropolis und arbeitet wie sie als Journalist für den Daily Planet. Nebenbei zieht er wie gehabt verunglückte Schiffe durchs arktische Eis und rettet Familien bei Hochwasser von Häuserdächern. Er wird als Gott verehrt - aber auch gefürchtet. Die Menschheit streitet darüber, wie mit Superman umzugehen ist. In dieser aufgeheizten Stimmung setzt das exzentrische Genie Alexander „Lex“ Luthor (Jesse Eisenberg) alles daran, Supermans Ruf zu ruinieren und die Angst vor ihm zu schüren. Auch der Rächer Batman (Ben Affleck), der in der Nachbarstadt Gotham seinen Kampf gegen das Böse führt, sieht in der fast grenzenlosen Macht von Superman eine Bedrohung. Er hat mit eigenen Augen die Zerstörung und das Leid gesehen, das Supermans Kampf gegen General Zod angerichtet hat, und zieht in den Kampf gegen den Kryptonier. Andersherum billigt aber auch Superman die Methoden von Batman nicht, und will nicht länger tatenlos zusehen, wie der Rächer eigenmächtig Verbrecher jagt und richtet. Während Batman sich auf den Showdown vorbereitet, tüftelt Lex Luthor an einer Waffe gegen Superman, die eine Bedrohung für die gesamte Menschheit darstellt. Nur eine Allianz zwischen den beiden Helden scheint sie noch aufhalten zu können.

    Die insgesamt 153 Minuten Spielzeit von „Dawn of Justice“ sind voll von düsteren Szenerien, symbolträchtigen Bildern und bedeutungsschweren Dialogen. Regisseur Snyder scheint sich bemüht zu haben, jede einzelne Szene episch zu machen. Das ist gut gemeint, ist aber insgesamt einfach zu viel. Immer wieder werden zudem Traumbilder eingespielt, die leider weniger tiefgründig als vielmehr konfus wirken. Auch die vielen verschiedenen Handlungsstränge machen es teilweise schwer, der Handlung zu folgen. Neben Wonder Woman werden in „Dawn of Justice“ mit Aquaman, The Flash und Cyborg einige weitere Mitglieder der Justice League von DC kurz eingeführt – zweifellos als Vorbereitung für kommende Filme. Das wird vor allem für Kenner spannend sein, trägt ansonsten aber ebenfalls dazu bei, dass der Zuschauer oftmals kurzzeitig verwirrt ist.

    Besonders in der ersten Stunde kommt der Film einfach nicht richtig in Fahrt und zieht sich daher sehr. Als es dann endlich zum „größten Gladiatorenkampf der Weltgeschichte“ (zit. n. Lex Luthor) kommt, auf den man die ganze Zeit über mit Spannung wartet und der ja vermeintlich der Höhepunkt von „Batman vs. Superman“ sein sollte, fällt dieser ziemlich kurz und eher enttäuschend aus.

    Enttäuschend ist auch Ben Affleck als neuer Batman, auf den Fans von Christopher Nolans „Dark Knight“-Trilogie mit Spannung gewartet haben dürften. Seine Figur bleibt über den gesamten Film hinweg ziemlich eindimensional. Stets düster und ernst, wirkt der neue Batman – nicht nur durch seinen Panzeranzug – insgesamt schwerfällig. Der Charme und Witz, den man sonst von Bruce Wayne gewohnt ist, bleibt auf der Strecke. Wie zu erwarten bietet „Dawn of Justice“ zwar einige hochkarätige Actionszenen, doch auch hier vermisst man die Raffinesse der Kampfszenen von Christopher Nolans Batman. Man hat das Gefühl, dass sich Zack Snyder, der auch schon die Regie zu „Man of Steel“ führte, vor allem auf seinen Lieblingshelden Superman konzentriert hat. Ein tragisch missverstandener Superheld, ein vor Selbstgerechtigkeit triefender Rächer und ein ziemlich hibbeliges böses Genie inmitten einer düsteren Szenerie – „Batman vs. Superman: Dawn of Justice“ ist alles in allem ein recht langatmiger Film, der an vielen Stellen übertrieben wirkt und es leider trotz aufwändiger Kostümen und unzähligen Special Effects nicht schafft, die Zuschauer richtig mitzureißen.

     

     

     

    Bewertung:

     

    Zwei von 5 Qs

     

    Batman vs. Superman: Dawn Of Justice, USA 2016, Warner Bros., 2 Std. 33 Min.

    Kinostart: 24. März 2016

    Regie: Zack Snyder

    Genre: Action, Fantasy

    Mit u.a.: Ben Affleck, Jesse Eisenberg, Henry Cavill, Gal Gadot

  • X-Men : Apocalypse

    Rezensiert von Dennis Schwartz

    Die Rückkehr der Mutanten naht

    Im inzwischen neunten Teil der X-Men-Reihe (wenn man diverse Spin-offs mitzählen will) bleibt im Grunde genommen alles beim Alten. Zwar wurde 2011 mit dem quasi-Reboot des Franchises durch X-Men: Erste Entscheidung und dem Nachfolger Zukunft ist Vergangenheit die bis dato etablierte Geschichte gründlich auf den Kopf gestellt, Kinobesucher können sich aber nach wie vor auf Mutanten freuen, die Laserstrahlen aus ihren Augen verschießen, anderer Leute schmutzige Gedanken lesen oder ganze Gegnerhorden mit erschreckend kleinen Metallgegenständen niedermähen. Die Vorgänger gesehen zu haben, schadet allerdings nicht, X-Men: Apocalypse nimmt gerne und oft Bezug auf die Ereignisse aus den Vorgängerfilmen.

    Wie schon die Vorgänger ist auch X-Men: Apocalypse wieder hochkarätig besetzt, Neben Oscar-Preisträgerin Jenniger Lawrence und dem Oscar-Nominee Michael Fassbender sind unter anderem Game of Thrones Star Sophie Turner und der aus Star Wars VII bekannte Oscar Isaac zu sehen. Wie für Marvel Filme typisch, können sich Fans natürlich auch auf einige Cameo Auftritte freuen.

    Die Frage, wovon sich ein Superheldenteam, das sich bereits seit Juli 2000 durch Armeen korrupter Regierungsbeamter, fieser Schurken und wahnsinniger Mutanten prügelt noch schrecken lassen sollte ist nicht ganz unberechtigt. Regisseur Bryan Singers Antwort fällt bombastisch aus: Oberschurke Apocalypse ist ein uralter Mutant, der im alten Ägypten als Gott verehrt wurde. Nach einem etwas längerem und nicht ganz freiwilligem Winterschlaf, erwacht der Superschurke und fasst umgehend den Plan, die verdorbene Menschheit von ihrem Leid zu erlösen. Auftrag X-Men: Welt retten!

    Die Idee eines unvorstellbar mächtigen Mutanten, der periodisch in die Geschichte der Menschheit eingreift, hat etwas reizvolles und erinnert ein wenig an die Gesellschaft der Schatten aus Batman Begins. Der Bösewicht Apocalypse bleibt allerdings etwas hinter den Erwartungen zurück, sowohl er selbst als auch die meisten seiner Handlanger sind im Vergleich zu den schillernden X-Men eher blass. Die Motivationen der Helden und ihre Beziehungen untereinander werden allerdings gründlich, wenn auch genretypisch etwas pathetisch erforscht. Das Thema der Mutanten als ausgestoßene Gesellschaftsschicht, dass die vorherigen Filme prägte und nicht unwesentlich den Charme der Reihe ausmacht, tritt dieses mal etwas in den Hintergrund. An Tiefgang mangelt es X-Men: Apocalypse also etwas, aber mal ehrlich, den hat wohl auch niemand wirklich erwartet.

    Der Film selbst kommt leider etwas langsam in Fahrt, was nicht zuletzt daran liegt, dass gleich der Helden-Werdegang mehrerer zukünftiger X-Men erklärt wird (inklusive der obligatorischen junger-Held-wird-von-Highschool-Bully-geärgert-Geschichte). Auch die große Anzahl an Neben- und Vorgeschichten an einer Vielzahl von Handlungsorten (unter anderem das alte Ägypten, das moderne Ägypten, polnische Käffer, Ost-Berlin, amerikanische Bunker und Mutantenschulen und sogar Auschwitz) trägt nicht unbedingt zu einem knackigen Start der Story bei. Ab der Hälfte der Spielzeit zieht Regisseur Singer das Tempo aber deutlich an.

    Trotzdem kann für X-Men: Apocalypse eine klare Empfehlung ausgesprochen werden. Wer ins Kino gehen möchte, und nicht weiß, was für ein Filmgenre im heute in den Kram passen würde, ist hiermit mehr als bedient. Hier ist für jeden etwas dabei. Action, Slapstick, nicht zu wenig Drama und Science-Fiction nebst einem Hauch von Katastrophenfilm. Sogar surreale Traumsequenzen fehlen nicht. Die Special-Effects sind von aller erster Güte, die Actionsequenzen perfekt ausgeführt und viele Kulissen und Kamerafahrten schlichtweg atemberaubend, gerade in 3D. Die Gewalt ist dabei, im Gegensatz zu den doch eher braven Avanger-Filmen, recht drastisch.

    X-Men: Apocalypse ist ein Film fürs Auge der sich in den Recht gewohnten Bahnen des Genres bewegt. Dabei macht er aber auch nichts grundlegend falsch und weiß hervorragend zu unterhalten. Jeder, der nicht erwartet bahnbrechende Storywendungen oder all zu tief gehende Dramaturgie zu sehen, kann sich auf über zwei Stunden Action, Spaß und die eine oder andere Überraschung freuen.

     

    20th Century Fox, USA 2016, 47 min.

    Kinostart: 17.03.2016

    Regie: Bryan Singer

    Gerne: Action, Sci-Fi

    Mit u.a.: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Sophie Turner, u.a.

    Bewertung: 3 von 5 Q's

  • Die Bestimmung 3: Allegiant

    Rezensiert von Elena Morawin

     

     

     

    Liebe, Rebellion und Nahkampf

    Das vom Krieg gezeichnete Chicago ist nicht mehr, wie es früher einmal war – die Gesellschaft ist geteilt in fünf Fraktionen: Ferox – die Mutigen, Altruan – die Selbstlosen, Ken – die Intelligenten, Candor – die Ehrlichen und Amite – die Freundlichen. Regiert und unterdrückt von Anführerin Jeanine leben Menschen in Gefahr, die sich nicht genau einer Kategorie, sondern mehreren gleichzeitig zuordnen lassen. Als sogenannte Unbestimmte bedrohen sie das Kategoriensystem und somit Jeanines Herrschaft.

     

    Zwei Unbestimmten – Tris und Four – gelingt es zusammen mit weiteren Bewohnern Chicagos eine Rebellion zu starten, Jeanine zu stürzen und das bisherige System aufzulösen. Dabei erfahren die Menschen in Chicago, dass sie jahrelang bloß ein soziales Experiment waren und es neben ihnen noch weitere Menschen auf dem Planeten gibt. Während Chicago in Machtkämpfen ehemaliger Fraktionen versinkt, fliehen Tris und Four aus der Stadt und müssen sich dort einem völlig anderen System und neuen Gegnern stellen. Denn auch jenseits von Chicago werden die Menschen kontrolliert und benutzt. Als das Experiment "Chicago" beendet werden soll, müssen sich Tris und Four entscheiden - helfen sie ihren Freunden in der Stadt oder bekämpfen sie das Unrecht jenseits des Zaunes...

     

    Nach Divergent und Insurgent ist „Allegiant“ nun der dritte Teil der Reihe „Die Bestimmung“ nach den Büchern von Veronica Roth. Allerdings ist Allegiant noch nicht der letzte Film: Das Studio Lionsgate entschied sich, aus dem finalen Buch zwei Filme zu machen - Ähnlich wie bei der Twilight-Reihe, den Harry Potter Filmen oder den Tributen von Panem. Womit wir auch beim Thema wären:

     

    Die Liebesgeschichte von Tris und Four, die von der Heldin angezettelte Rebellion gegen eine kaltherzige Anführerin und die Einteilung der Gesellschaft in Fraktionen – all das erinnert stark an die Tribute von Panem. Trotz allem unterscheiden sich die Film-Reihen in einem Punkt: Während in Allegiant im Nahkampf fast pausenlos die Fäuste fliegen, wirkte Katniss in der Tributen von Panem durch Pfeil und Bogen wesentlich eleganter als Tris. Alles in allem ist jedoch auch die Geschichte von Allegiant zu einem gewissen Grad actiongeladen, abwechslungsreich und unterhaltsam. Der nächste und letzte Teil der Reihe - besonders einfallsreich „Allegiant Part 2“ genannt - soll dann im Sommer 2017 in den USA starten.

     

    Bewertung:

     

     

    The Divergent Series - Allegiant, USA 2016, Concorde Filmverleih GmbH, 2 Std. 0 min.

     

    Kinostart: 17.03.2016

     

    Regie: Robert Schwentke

     

    Gerne: Sci-Fi, Abenteuer, Action

     

    Mit u.a.: Shailene Woodley, Theo James, Miles Teller und Ansel Elgort

     

  • Birnenkuchen mit Lavendel

    Rezensiert von Melissa Faust

     

     

    Seichtes französisches Kino

    Obstbauerin Louise hat es nicht einfach. Nach dem Tod ihres Mannes muss sie ihre beiden Kinder alleine aufziehen. Der Verkauf von Lavendelhonig und Birnen reicht nicht aus um ihren Kredit zu bedienen. Immer näher rückt die Gewissheit, dass sie den Hof so nicht länger halten kann. Zu allem Übel läuft ihr auf dem Land dann noch urplötzlich ein Mann, Pierre, vors Auto. Zwar hat Pierre eine Platzwunde, ist nach dem Unfall aber nicht bereit, sich im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Louise kann den gutaussehenden Fremden schließlich überreden, wenigstens mit zu sich zu kommen um sich dort um seine Platzwunde zu kümmern. Louise lässt Pierre dann auch im Wohnzimmer übernachten. Der träumerische, liebeswürdige, zurückhaltende aber ordnungsliebende Fremde beklebt dort erst mal alles mit kleinen, bunten Punkten und ordnet über Nacht die Küche neu. Er scheint sich schon einzuleben. Louise ist aber zunächst darauf bedacht den jungen Mann loszuwerden, kann sie einen Mann in ihrem Leben doch scheinbar erst mal nicht brauchen. Zwischen Louise und Pierre entwickelt sich schließlich eine Symbiose. Schafft es Louise den Hof zu retten und wie geht es mit Pierre und Louise weiter?

    In der Rolle der Louise liegt allgemein reichlich Melancholie und Resignation. Der Tod ihres Mannes belastet Louise schwer. Regisseur und Drehbuchautor Eric Besnard schreib „Birnenkuchen mit Lavendel“ selbst nach einem Moment der Trauer. Hauptsächlich wollte er sich jedoch dem Thema Asperger widmen und hatte dafür gründlich das Syndrom erfasst. Benjamin Lavernhe, gelingt es, den Pierre glaubwürdig zu spielen und die Rolle in all ihren Facetten mit Leben zu (er-)füllen.

    „Birnenkuchen mit Lavendel“ ist ein französischer Feel-Good-Film mit vielen Vorhersehbarkeiten. Erklärt der Antiquar Jules, bei dem Pierre eigentlich lebt, Louise zunächst, dass Pierre Menschen zwickt die er liebt, so wartet man doch eher gelangweilt darauf, dass Pierre Louise im Laufe des Films noch zwickt. Dadurch fehlt dem Film die eigentliche Spannung. Im Film liegen auch viele Details, die sich dem Zuschauer nicht vollkommen offenbaren. Beinahe slapstickartig reißt Louise zum Beispiel in einem Moment der Wut einfach ihre Birnenbäume mit dem Traktor nieder. Warum die beiden Kinder von Louise, den etwas eigenartigen Fremden auch einfach so schnell akzeptieren bleibt fraglich.

    Höhepunkte des Films sind vor allem die wunderschöne Landschaft der Provence, in der der Film spielt und die Filmmusik von Christophe Julien, mit dem der Regisseur nach „mes héros“ und „600 Kilo pures Gold!“ nun zum dritten Mal zusammengearbeitet hat.

     

    Bewertung:

     

     

    2 von 5 Q’s

     

    Kinostart:10.03.2016

    Regie: Éric Besnard

    Gerne: Komödie

    Musik: Christophe Julien

    Mit u.a.: Virginie Efira, Benjamin Lavernhe, Lucie Fagedet

  • Zoomania

    Rezensiert von Melissa Faust

     

    Der neue Disney Animationsfilm „Zoomania“ hat den besten Animationsfilmstart aller Zeiten hingelegt. Kein Wunder, beim wahrscheinlich auch witzigsten Trailer aller Zeiten. Die Promo für den Film funktioniert fantastisch und schon seit Monaten sind Sticker für die Nachrichten-App Telegramm vom Zoomania-Fuchs zu haben.

    Häufig muss man leider einsehen, dass in den meisten Filmen die besten Stellen schon im Trailer abgefrühstückt werden, was bei Zoomania zum Glück nicht der Fall ist. Aber erst einmal zur Handlung. Zoomania ist DIE Megacity der Tiere. Besser gesagt der antropomorphen Tiere. Heißt: Sie sprechen, sind gekleidet und gehen normalen Berufen und Aktivitäten nach. Genau hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht.

    Zoomania selbst besteht aus verschiedenen Vegetationsstufen in denen die jeweiligen Bewohner mehr oder weniger friedlich zusammenleben. Neben den normalen Bewohnern gibt es leider auch den ein oder anderen Dieb, Halunken oder Falschparker, um den sich die Polizei Zoomanias kümmern muss. Neuste Rekrutin der Polizei: Judy Hopps, erstes Kaninchen mit Polizeimarke neben Bären, Tigern, Nashörnern. Hartnäckig hat sie es durch die schwere für sie fast unmögliche Aufnahmeprüfung geschafft und eine Stelle in der Megacity bekommen. Polizeichef und Stier Chief Bogo hält jedoch nicht viel von den neuen Rekruten. Statt der Aufklärung eines Vermisstenfalls bekommt Judy leider nur die Aufgabe zugeteilt Falschparkern Strafzettel zu verteilen. Listig und von der zweiten Bürgermeisterin unterstützt schnappt sie sich doch noch einen Vermisstenfall. Es gilt den Otter Emitt wiederzufinden. Um das zu tun holt sie sich den Fuchs Nick White ins Boot, ein im wahrsten Sinne des Wortes ausgefuchster Ganove mit erstklassigen Kontakten in die Unterwelt Zoomanias. Schnell wird klar, dass hinter den Vermisstenfällen mehr steckt und die Zukunft Zoomanias auf dem Spiel stehen könnte.

    Der detaillreiche computeranimierte Disneyfilm begeistert. Obwohl die Tiere in Kleidern stecken, wurde bei den Bewegungen trotzdem darauf geachtet die Tiere abzubilden. Sei es die Schnauze des Fuchses die sich beim Sprechen kräuselt oder das Näschen des Kaninchens Judy. Alle Figuren sind eigenständige Charaktere mit unterschiedlichen Biografien und Eigenarten. Doch Zoomania ist nicht nur ein unterhaltsamer Kinderfilm, sondern regt auch durchaus Erwachsene zum Denken an. Ist ein friedliches Miteinander verschiedenartiger Lebewesen möglich, was machen Vorurteile mit uns?

    Besonders hervor sticht die Leistung der Synchronstimmen bekannter deutscher Schauspieler wie zum Beispiel Josephine Preuss, die die Stimme der Protaginistin Judy Hopps spricht. Es gelingt ihnen, die Komik des Films wunderbar zu transportieren und das Publikum zum Lachen bringen. Komplettiert wird das Kinoerlebnis durch den von Shakira gesungenen Titelsong “Try everything”, den die singende Popdiva Gizelle, natürlich eine Gazelle im Film aufführt und die Tiere anheizt. Wem schon alleine der witzige Trailer des Films zusagt, dem sei unbedingt ein Kinobesuch geraten. Zwar tobt, lacht und klatscht während des Films das Kino-Publikum bei der schon aus dem Trailer bekannten Stelle auf der KFZ-Zulassungsstelle, der Film ist jedoch noch für viele weitere große und kleine Kracher gut.

    Zoomania ist ein sehr gelungener und vor allem sehr witziger aber auch spannender Animationsfilm, bei dem viele Lacher garantiert sind.

     

    Kinostart: 03.03.2016

    Regie: Rich Moore

    Gerne: Animation

    Mit den Stimmen von: u.a. Josephine Preuss, Rüdger Hoffmann, Frederick Lau uvm.

  • The Forest

    Rezensiert von Melissa Faust

    “(...)Es stört nicht den Vogel, auch nicht den Baum,/ dass die Menschen vergingen wie ein nächtlicher Traum./ Und wenn am Morgen der Frühling erwacht,/ hat er kaum an unser Verschwinden gedacht.”

    Sara kennt dieses Gedicht. Es ist ein Gedicht der Dichterin Sara Teadale, der Lieblingsdichterin ihrer Zwillingsschwester Jess. Sie findet es in Jesses Zelt auf den Bucheinband des Gedichtsbands “Flame and Shadow” geschrieben. Jess ist verschwunden und Sara ahnt, dass ihr etwas schreckliches zugestoßen ist und sie in Gefahr schwebt. Schon immer verband sie mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Jess eine Seelenverwandtschaft. Doch schlimmer ist was Jess mit ihrer Lieblingsautorin verbindet: die romantische Einstellung zum Suizid. Schlimmer noch. Jess ist im berüchtigten Selbstmordwald Aokigahara in Japan verschwunden. Wer dort reingeht, möchte sich in Ruhe das Leben nehmen. Am Liebsten nicht gefunden werden. Jess hat schon öfter mit Selbstmord geliebäugelt. Sara ist jedoch überzeugt, dass dass nicht Jess’s Absicht ist, sondern diese in Gefahr schwebt.

    Sie macht sich auf die 6000km Reise nach Japan um nach ihrer Schwester zu suchen und ihr zu helfen. Doch der Wald ist nicht nur ein Wald, in dem sich Leute umbringen. Er selbst ist voll mit unheimlichen Geistern, die einen in den Selbstmord treiben wollen. Sara ignoriert die Hinweise der Einheimischen und begibt sich auf die Suche nach ihrer Schwester. Hilfe bekommt sie von dem amerikanischen Journalisten Aiden, dessen Absichten jedoch weiter erscheinen als bloße Hilfsbereitschaft.

    Der neue Horrorfilm von Regisseur Jason Zada schickt den Zuschauer auf die Reise an den Fuß des Mount Fuji, nach Aokigahara, dem berüchtigten Selbstmordwald. Die Geschichte um den Wald selbst ist nicht fiktiv. Viele Mythen ranken sich um ihn. Und wir kennen sie losgelöst von der Geschichte des japanischen Waldes selbst - die Geschichten der dunklen Wälder. Von Hexengeschichten der Gebrüder Grimm über Filme wie Blair Witch Project oder den Mythen von mittelalterlichen Schlachten. Das Thema Wald birgt immer etwas mystisch-mysteriöses. Jason Zada nahm sich nun dem speziellen Aokigahara Wald an und begleitete Sara auf ihrer Suche nach ihrer Zwillingsschwester. Dazu werden verschiedene Kamaraeinstellungen verwenden. Die Kamera folgt Sara. Mal direkt folgend, mal hinter einem Baum, aus dem Dickicht oder hinter einer Wurzel versteckt. Mal aber von oben auf den Wald. Waldgeräusche sollen den Zuschauer ebenfalls in den Bann ziehen.

    Das gelingt dem Film nur sehr bedingt. Vor allem, weil der Film selbst nicht nur im Wald spielt sondern auch noch in Saras Wohnung vor ihrer Abreise, im Hotel, im Dorf vor dem Wald. Schon dort passieren unheimliche Dinge. Der Zuschauer weiß also nicht, ob Saras Vorstellungen nur in ihrem Kopf sind oder ob der Wald über die Verbindung zu ihrer Zwillingsschwester sie schon in den Wahnsinn treibt. Passiert doch ohnehin alles im Wald nur in der Vorstellung des Besuchers, nicht in real, wie der Förster Michi anfangs erklärt. Zwar birgt der Film einige vorhersehbare aber harmlose Schockmomente, es hätte ihm jedoch gut getan mehr im Gewand eines Thrillers als im Horrorgewand daherzukommen. Die Geschichte des Waldes ist ohnehin schon gruselig genug, als dass gefühlt alle 10 Minuten ein Geist Sara erschrecken muss. Gänsehaut ist leider Fehlanzeige. Aus einer eigentlich guten Story macht der Film leider zu wenig um wirklich sehenswert zu sein. Vielleicht schaffte es der Drehort Serbien leider nicht die wirkliche Intensität von Aokigahara abzubilden.

    The Forest, USA 2016, Splendid Film GmbH, 94 min.

    Kinostart: 04.02.2016

    Regie: Jason Zada

    Drehbuch: Nick Antosca, Ben Ketai, Sarah Cornwell

    Gerne: Horror

    Mit u.a.: Natalie Dormer, Taylor Kinney, Eoin Macken, Yukiyoshi Ozawa

  • Ein Atem

    Rezensiert von Elena Morawin

    Ein Atemzug und die hübsche junge Griechin Elena sitzt im Bus nach Frankfurt in Deutschland.
    Aus dem Fenster sieht sie ihren Freund Costas, der ihr winkend hinterherläuft. In Griechenland hat sie keine Zukunft mehr, denn sie wurde entlassen. Costas bleibt in Athen, denn im Gegensatz zu ihr spricht er kein Deutsch.
    Szenenwechsel – Ein Atemzug und Elena sitzt vor einer freundlichen deutschen Ärztin. Diese
    entschuldigt sich, sie könne ihr keine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis ausstellen. Denn Elena ist schwanger. Schwanger und alleine in Deutschland. Der Freund tausende Kilometer entfernt in Athen. Sie entschließt sich, vorübergehend Geld als Babysitterin zu verdienen und findet sich in der Familie von Tessa und Jan wieder. Dort passt sie von nun an auf deren kleine Tochter Lotte auf. Nach und nach stellt sich das Babysitten aber als größere Verantwortung heraus als gedacht,denn die Mutter Tessa ist gestresst und anspruchsvoll.
    Zu allem Unglück und dem Stress den Elena durch ihre fehlende Krankenversicherung bereits
    hat, kommt am Ende auch noch ein tragischer Unfall hinzu. Einen Moment ist Elena unaufmerksam und schon ist Lotte spurlos aus dem Kinderwagen verschwunden. Wird sich Elena
    ihrer Verantwortung gegenüber Tessa stellen? Lässt ihr Freund Costas sie im Stich? Und werden die Eltern ihre kleine Tochter Lotte widerfinden?

    Bereits das Plakat mit der Aufschrift „Zwei Frauen ­ ein vermisstes Kind“ macht deutlich, dass es nicht die Vielfalt an Aktionszenen oder Hollywood­Schauspielern ist, die den Film sehenswert machen. „Ein Atem“ erzählt eine lebensnahe Geschichte die in Deutschland und Griechenland gedreht wurde. So lebensnah, dass man den Kinosaal am Ende mit einem flauen Gefühl im Magen verlässt.

    Beängstigend und doch angenehm realitätsnah erhält man Einblicke in das wahre Leben der Griechen. Überteuerte Privatkliniken und überfüllte Krankenhäuser – Griechenland scheint kein Ort zu sein um ein Kind zu bekommen und großzuziehen. Das junge Paar Elena und Costas
    sehnt sich außerdem nach etwas schwer Greifbarem – sie wissen nur eins: Sie sind jung und
    etwas sollte passieren in ihrem Leben.

    Trotz der düsteren Thematik bleibt der Film auf eine gewisse Art und Weise lebhaft. Dies gelingt vor allem durch die beiden Hauptdarstellerinnen, Jördis Triebel und Chara Mata Giannatou. Sie erwecken die tiefgründige und emotionale Geschichte über wahres Glück im Leben und die europäische Debatte über Griechenland zum Leben. „Ein Atem“ ist insgesamt ein dramatischer und anspruchsvoller Film, der am Ende vor allem aufgrund der Leistung der beiden Schauspielerinnen sehenswert ist.

    Kinostart: 28. Januar
    Regie: Christian Zübert
    Mit: Jördis Triebel, Chara Mata Giannatou, Benjamin Sadler, Isaak Dentler, Jasmin Rischar u.a.

     

  • The Hateful 8

    Rezensiert von Melissa Faust

    In aller Munde ist ja gerade der neue Film von Quentin Tarantino “The Hateful 8”. Der nun achte Film des Kultregisseurs Tarantino. Nach Django Unchained hat sich Tarantino wieder an den Western Film gewagt.

    In The Hateful 8 wird die Kutsche des Kopfgeldjägers John „Der Henker“ Ruth im Schneesturm zum Zwischenstop in Minnies Miederwarenladen gezwungen. Unterwegs ist er mit der Gefangenen Daisy, dem zwielichtigen Anhalter Major Marquis und dem neuen Sheriff der Stadt auf dem Weg nach Red Rock um die Gefangene abzuliefern. In Minnies Miederwarenladen treffen die vier dann auf vier weitere Fremde, nicht jedoch auf die Lodge Besitzer Minnie und Sweet Dave. Irgendwann merken alle, dass das Zusammentreffen nicht ganz so zufällig ist und für einige tödlich enden könnte.

    Witzig beim Film ist unter anderem die Entstehungsgeschichte. Tarantino hatte das Projekt The Hateful 8 eigentlich vor 3 Jahren an den Nagel gehängt weil das Drehbuch unauthorisiert an die Öffentlichkeit gelangt war. 2014 hatte er sich doch entschieden zumindest das Drehbuch in Los Angeles vorzulesen. Die Lesung war komplett ausverkauft, das Publikum flippte aus. Mit auf der Bühne war ein großer Teil des heutigen Ensembles. Unter anderem Samuel L. Jackson und Kurt Russell. Tarantino hat sich dann entschieden den Film doch umzusetzen.

    Tarantino Filme sind ja meist schon so ein must-see, dem man sich nicht entziehen kann. Für manche mag die Brutalität und das Gemetzel im Film abschreckend und überflüssig wirken. Schließlich ist das Filmkonzept in sich schlüssig und die Story, die Tarantino in sechs Kapitel verpackt schon spannend genug. Herausragend gut ist die Filmmusik von Ennie Morricone, der dafür schon einen Golden Globe und einen Oscar abgesahnt hat. Kaum jemand verlässt das Kino ohne die Filmmusik noch im Ohr zu haben.
    Unbedingt aber im Original ansehen!

    Bewertung:

     

    4 von 5 Q’s

    The Hateful 8, USA 2015, Universum Film, 2 Std. 48 min.
    Kinostart: 28.01.2016
    Regie: Quentin Tarantino
    Genre: Western, Drama, Triller

     

  • Anomalisa

    Rezensiert von Jannes Tatjes

    Charlie Kaufman ist zurück und lässt die Puppen tanzen. „Anomalisa” heißt sein neuer Film – bei dem er zusammen mit Duke Johnson Regie führt. Die Figuren wurden teilweise im 3D-Drucker erzeugt und der Film im aufwändigen Stop-Motion-Verfahren gedreht. Wobei die Figuren nur ganz normalen Alltagstätigkeiten -wie beispielsweise duschen- nachgehen, wozu der Aufwand, den Stop-Motion erfordert, fast zu groß ist. Bekannt geworden ist Charlie Kaufman unter anderem durch die Drehbücher zu „Being John Malkovich“ oder „Adaption“. Insgesamt habe er über 10 Jahre an dem Film gearbeitet. Die Mühe scheint sich gelohnt zu haben: „Anomalisa” wurde erst jüngst für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert.

    Die Handlung ist dabei relativ simpel gehalten: Der erfolgreiche Ratgeberautor Michael Stone muss für einen Vortrag über guten Kundenservice nach Cincinnati reisen. Michael ist unglücklich verheiratet und wirkt einsam. Er ist auf der Suche nach etwas Besonderem. In seinem Hotel angekommen, ruft er seine Ex-Freundin Bella an. Das Treffen endet aber im absoluten Chaos. Später am Abend hört er eine glockenhelle Stimme auf dem Flur. Er trifft Lisa, die anders zu sein scheint als alle Anderen. Sie wirkt wie eine Anomalie auf ihn und Michael tauft sie gleich Anomalisa.
    Hierin liegt nämlich der Clue des Films, abgesehen von Michael und Lisa, haben alle anderen Figuren des Films ähnliche Gesichtszüge und obendrein immer die gleiche monotone Stimme. Dadurch nimmt man vor allem das wahr, was die Menschen sonst ausmacht. Der Film beobachtet sehr genau die Kleinigkeiten des menschlichen Alltags und lässt damit teilweise die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Michael ist von Anfang an von der Magie der Stimme Lisas und ihrem charakteristischem Gesicht entzückt. Er sieht in ihr das offensichtlich Besondere, womit gezielt die Wahrnehmung des Zuschauers gesteuert wird. Aber ist Lisa wirklich so besonders?

    Ein Mensch zu sein; am Leben zu sein; Schmerzen zu haben – was bedeutet das ? Diese Fragen werden im Film behandelt. Aber auch wie peinlich es sein kann das erste Mal miteinander zu schlafen. „Anomalisa” zeigt wie austauschbar Individuen sind und wie unzuverlässig unsere Wahrnehmung ist.
    Eine Anomalie ist die Abweichung vom Normalen. „Anomalisa” ist in jedem Fall seit langer Zeit mal wieder etwas Neues im Kino. Es ist ein Film mit viel mühevoller Detailarbeit und großartiger Stop-Motion-Technik, weshalb es sich allein schon lohnt, sich diesen Film anzusehen. Aber „Anomalisa” ist auch ein sehr verkopfter Film. Die vielen kleinen Beobachtungen können auf Dauer für manche auch sehr zäh wirken. Insgesamt ist zu sagen, dass dieser Film sicherlich nicht jedem gefallen wird, aber darin liegt ja auch die Abweichung vom Normalen.

    Anomalisa, USA 2015, Paramount, 92 Minuten
    Kinostart: 21. Januar
    Regie: Charlie Kaufman & Duke Johnson
    Drehbuch: Charlie Kaufman
    Animation: Dan Driscoli
    Mit den Stimmen von: David Thewlis, Jennifer Jason Leigh & Tom Noonan

     

  • Die dunkle Seite des Mondes

    Rezensiert von Melissa Faust

    “Jeder Mensch ist ein Mond, der eine dunkle Seite habe, die er niemandem zeige”. So beschrieb schon Mark Twain den Menschen. Auch die britische Rockband Pink Floyd haben diese “Dark side of the moon” in ihre Songs aufgenommen. Seit heute ist “Die dunkle Seite des Mondes” die Romanverfilmung des Schweizer Schriftstellers Mark Suter im Kino.
    Moritz Bleibtreu verkörpert den jungen Frankfurter Wirtschaftsanwalt Urs Plank. Erfolgreich, durchsetzungsfähig, skrupellos, berechnend.
    Dass er damit seine Geschäftspartner knallhart in der Hand hat, schreckt ihn nicht zurück.
    Eiskalt bringt er eine Haftungsklausel in einen Vertrag, obwohl er weiß, dass sie seinen Geschäftspartner Dr. Fluri der mit seinem Vermögen haftet damit ruiniert. Dass dieser Dr. Fluri jedoch vor seinen Augen in seinem Büro selbst erschießt, damit hätte er nicht gerechnet. Nach dieser Schreckenstat wirkt Plank verloren, verstört und verängstigt.
    Nach der Beerdigung von Dr. Fluri entdeckt er einen Wolf am Waldesrand, der an den Friedhof angrenzt. Plank folgt dem Wolf in den Wald, bis er ihn verliert. Er amtet die Frische des Walde ein, genießt die Stille der Natur. Verliert sich selbst und im Raum. Als er aus dem Wald findet, trifft er auf einen kleinen alternativen Flohmarkt, wo er die junge Frau Lucille anspricht. Sie trägt ein T-Shirt von Pink Floyd und bringt ihn zurück zu seinem Auto und sie verabreden sich in einem Club.
    Die Begegnung mit Lucille bewegt den jungen Anwalt. Lucille beginnt ihm eine neue Welt zu zeigen. Eine junge, wilde Welt in die er mit seinem teuren Anzug etwas befremdlich erscheint. Sie kiffen und begeben sich auf einen Pilztrip. Mit fatalen Folgen. Der Trip verändert Plank. Er wird im Alltag aggressiver, schlägt impulsiv um sich, trennt sich von seiner Frau und zieht zu Lucille. Getrieben tötet er ihre Katze mit bloßen Händen, begeht unvorstellbare Straftaten. Seine dunkle Seite kommt zum Vorschein. Er versucht sich zu wehren und die langfristige Wirkung der Pilze rückgängig zu machen. Dabei richtet er jedoch immer mehr Unheil an.
    Im Wald wird er zu Jäger und Gejagtem.
    Beeindruckende Wald und Tieraufnahmen ziehen den Zuschauer in den Bann und lassen ihn den Puls des Waldes spüren. Die Kamera fängt Waldbilder sehr authentisch ein, sei es im Sonnenschein oder im Nebel. Man begleitet den Protagonisten. Sieht rauschende Wasserfälle, hört das Laub knistern. Die Bilder und die atmosphärische, orchestrale Musik des Filmes wären jedoch nichts ohne die großartigen Schauspielleistungen von Moritz Bleibtreu und dessen Gegenspieler Pius Ott, der im Film von Jürgen Prochnow gespielt wird.
    Regisseur Stephan Rick nimmt sich in “Die dunkle Seite des Mondes” der Romanvorlage von Martin Suter an. Diese galt bisher als unverfilmbar. Suter suchte mit seinem Roman die Atmosphäre und schrieb eine Geschichte über jemanden, der in den Wald getrieben wird, obwohl er nicht dorthin gehört. Dies zu verfilmen gelingt Stephan Rick eindrucksvoll, auch wenn er dafür die Story etwas verändern musste.
    Bis zum Schluss bleibt offen, wie die Geschichte ausgeht. Ein beeindruckender deutscher Film, nach dessen Genuss eine unsichtbare Hand einen auch am liebsten in die Natur leiten will. Wo das Laub knistert und die Natur sie selbst sein kann. In den Wald.

    Bewertung:

    5 von 5 Q’s

     

    Kinostart: 14.01.2016
    Regie: Stephan Rick
    Gerne: Drama, Thriller
    Mit: u.a. Moritz Bleibtreu, Nora von Waldstätten, Jürgen Prochnow