Fahrradklima-Test: Münster entthront

Schlechte Nachrichten: Münster ist nicht mehr die fahrradfreundlichste Großstadt in Deutschland. Der Fahrradklima-Test 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC hat ergeben, dass Karslruhe Münster von Platz 1 verdrängt hat. Der Fahrradklima-Test wird alle zwei Jahre ausgeführt. Beim aktuellen Fahrradklima-Test nahmen 170.000 Bürger und Bürgerinnen an der Befragung teil. Die Teilnehmer konnten Noten in verschiedenen Kategorien vergeben, zum Beispiel: Sicherheit, Sauberkeit oder eigene Radwege. So wurde insgesamt 683 Städte ausgewertet. Beides sind bisherige Höchstwerte. Das zeigt: Das Interesse an sicherem und guten Fahrradverkehr steigt.

Beim Test wurden die Städte nach Größe unterteilt. So entstanden sechs Kategorien. Münster landete hinter Karslruhe in seiner Kategorie auf dem zweiten Rang. Steinfurt liegt in seiner Größenkategorie nur auf Platz 52 (Notenschnitt: 3,53). Deutschlandweit notenbeste Fahrradstadt ist Reken mit einem Schnitt von 1,97. Im bayrischen Hof besteht großer Verbesserungsbedarf: Mit einem Schnitt von 4,76 ist man die schwächste getestete Fahrradstadt in Deutschland. Auch wenn Münster den Spitzenplatz in seiner Kategorie verlor, so sieht die Situation im Münsterland dennoch positiv aus: Die vier notenbesten Städte findet man allesamt im Münsterland. Ein kleiner Überblick:

Mehr als 500.000 Einwohner: 1. Bremen 3,55, 2. Hannover 3,77, 3. Leipzig 3,85

200.000 - 500.000 Einwohner: 1. Karslruhe 3,15, 2. Münster 3,25, 3. Freiburg im Breisgau 3,42

100.000 - 200.000 Einwohner: 1. Göttingen 3,35, 2. Erlangen 3,39, 3. Oldenburg 3,54

50.000 - 100.000 Einwohner: 1. Bocholt 2,39, 2. Nordhorn 2,62, 3. Konstanz 3,10

20.000 - 50.000 Einwohner: 1. Baunatal 2,67, 2. Ingelheim am Rhein 2,71, 3. Rees 2,95

Weniger als 20.000 Einwohner: 1. Reken 1,97, 2. Wettringen 1,98, 3. Heek 2,37

Deutlich erkennt man an den jeweiligen Noten, dass kleinere Städte bessere Noten holen als größere. Logisch, da dort auch das Gesamtverkehrsaufkommen geringer ist. Zu den Gesamtnoten gab es noch zwei Sonderkategorien: Als "Bester Aufholer", also der Stadt, die im Vergleich zum letzten Test die größte Verbesserung erzielt hat, wurde Berlin ausgezeichnet. Familienfreundlichste Stadt ist Wettringen.

Warum liegt Münster nicht mehr auf dem ersten Platz? Während Karlsruhe seine Noten halten konnte, hat sich Münster verschlechtert. Im Vergleich zu Karlsruhe verliert Münster besonders in den Bereichen Reinigung der Radwege, Winterdienst und Breite der Radwege. Insgesamt sind die Noten aber schlechter geworden. Im Schnitt alle teilnehmenden Städte ergibt sich eine Note von 3,9. Beim letzten Test lag der Schnitt noch bei 3,8, davor bei 3,7. Auch die Sicherheit wird schlechter bewertet. Um 0,3 Notenpunkte ist sie beim aktuellen Test auf 4,2 gesunken. Die größte Forderung der Teilnehmer ist die Errichtung von vom Straßenverkehr getrennten Radwegen.

 

 

Kommentar: Jetzt ist die Stadt gefragt

Münster ist nicht länger Fahrradhauptstadt, musste die Spitzenposition im Fahrradklima des ADFC an Karlsruhe abgeben.

Nur eine 3,25 in Schulnoten geben die Münsteraner ihrer Stadt in der Umfrage. Das ist wenig schmeichelhaft für eine Stadt, die sich selbst so gern mit dem Fahrrad identifiziert und inszeniert.

Woran hat’s gelegen? Auch die Detailanalyse schmerzt. Der Stellenwert des Radverkehrs wird nur mit einer 3,7 bewertet – in der Schule wäre das eine 4+. Die Sicherheit beim Radfahren erhält eine glatte 4,0, der Komfort beim Radfahren eine 3,9.

Die Gründe für diese schlechten Bewertungen liefert der Fragebogen gleich mit: Die Fahrradförderung in letzter Zeit wird mit einer 4,0 abgestempelt, ebenso die Falschparkerkontrolle auf Radwegen und die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Noch schlechter bewertet ist die Breite der Radwege (4,1). Auch die Ampelschaltungen erhalten nur eine 3,6.

Damit lässt sich etwas anfangen. Der Appell an die Stadt lautet: Verbreitert die Radwege, erklärt Autospuren zu Radwegen wo das möglich ist und kontrolliert Falschparker! Wo es Parkstreifen für Autos gibt, baut auf einen dieser Parkplätze Fahrradständer. Dann klappt es im nächsten Jahr auch wieder mit dem Titel beste Fahrradstadt.

Sebastian Stachorra


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