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Mit Witz und Ernst zugleich – „Ein Rosenkavalier“ im Interview zu seiner neuen EP “Immer Mehr”

Geschrieben von am 28. April 2023

“Ein Rosenkavalier” ist einer der Neuzugänge bei Radio Q. Bei diesem Kavalier handelt es sich um einen Musiker namens Dominik aus Köln. Aus dem Schlager kommend, hat er nun seine erste eigene Solo-EP im Electro Pop Sound veröffentlicht. Kurz vor dem Releaseday am 28.04.2023 hat der Rosenkavalier mit Radio Q-Musikredakteur Simon Schoo über die neue Platte gesprochen. Und über die Schwierigkeit von Politik in Musik, über die Namensgeberin für seinen Song “Flipperfachfrau” und über eine schicksalshafte Karnevalsparty.

Hier das Interview zum Hören…

…oder zum Nachlesen:

Q: Heute ist der 28. April 2023 und heute ist Release Day. “Ein Rosenkavalier” bringt heute seine erste Solo-EP mit dem Namen “Immer mehr” heraus. Der Rosenkavalier heißt eigentlich Dominik, ist 26 Jahre alt, kommt aus Köln und ist noch ganz neu in unserem Programm bei Radio Q. Und ich freue mich, dass er sich heute zum Release Day mit uns zum Interview getroffen hat.

Moin Dominik!

Dominik: Servus. Alles gut?

Q: Auf jeden Fall. Ich würde gern zu Anfang locker rein starten mit einer kleinen Runde “Entweder oder”. Hast du Bock?

Dominik: Auf jeden Fall!

Q: Sehr gut! Gitarre oder Gesang?

Dominik: Poah. Gesang.

Q: Neu kaufen oder Second Hand?

Dominik: Kommt mega drauf an, was es ist. Aber generell Second Hand.

Q: Rosen oder Tulpen?

Dominik: Rosen.

Q: Deutscher Pop oder deutscher Schlager?

Dominik: (überlegt) Deutscher Pop.

Q: Geld oder Liebe?

Dominik: Liebe.

Q: Gym oder Couch?

Dominik: Couch.

Q: Flipper oder Air Hockey?

Dominik: Flipper.

Q: Lieber “immer mehr” oder “passt so”?

Dominik: Immer mehr!

Q: (lacht) Habe ich mir gedacht. “Immer mehr” ist auch der Name deiner EP, die du heute rausgebracht hast. Wovon hättest du denn am liebsten immer mehr?

Dominik: Wow, das sind gleich tiefgehende Fragen.

Q: (schmunzelt) Das ist die Qualität bei Radio Q.

Dominik: Ich hätte gerne immer mehr Fokus, merke ich in letzter Zeit. Ich habe so viel Kram, der ansteht und es ist sehr schwierig, den Fokus zu finden. Ich find´s total nervig, dass ich wie viele andere wahrscheinlich auch abhängig bin, irgendwie. Zu viel Zeit darauf verbringe und ich hätte gern Fokus auf die Dinge, die wirklich wichtig wären. Dann muss ich natürlich aber erst mal checken, was ist dann der Fokus?

Q: Aber Fokus hast du irgendwie gehabt, um diese EP zu produzieren. Vier Songs sind darauf. Seit wann hast du denn schon daran gearbeitet?

Dominik: Also der älteste Song ist Workout Wonderland, der ist tatsächlich schon zweieinhalb Jahre alt. Aber der lag auch rum und da war man sich nicht sicher “Ist es das noch oder ist es das nicht?” Dann habe ich ihn aber irgendwann mal live gespielt, damals noch unter dem alten Namen „Zwei Kavaliere“ mit meinem Kumpel Frank. Und da habe ich gemerkt, die Leute finden ihn gut. Und dann waren wir auch selbst ein bisschen mehr überzeugt und haben das Ding weiter produziert. Also vor zweieinhalb Jahren hat es gestartet, aber andere Songs sind deutlich jünger – vor einem halben Jahr erst entstanden oder so.

Q: Aber so eine Produktionsphase zieht sich tatsächlich schon manchmal so ein bisschen länger?

Dominik: Genau. Es ist auch immer so ein bisschen komisch, wenn Leute was rausbringen, denn für die anderen, also für die Leute außen drum herum, wirkt das wie “Das ist jetzt das Neue, das definiert jetzt die Person” und man ist manchmal schon gedanklich bei einem neuen Projekt beziehungsweise bei neuen Liedern, weil man die Produktionsphase schon vor mehreren Monaten abgeschlossen hat und die Songs schon fertig rumliegen. Aber ich habe trotzdem Bock und bin on fire, das jetzt gerade als Neuheit darzustellen und zu würdigen.

Q: Produzierst du das eigentlich alles alleine? Machst du dein ganzes Zeug alles selber?

Dominik: Ich hab’s alles selber aufgenommen. Es passiert auch viel über Computer, auch aus Geldgründen. Ich kann mir das jetzt nicht leisten, für alles ins Studio zu gehen und finde auch gerade für die Art von Musik funktioniert es. Also da muss jetzt gar kein perfekt produziertes Schlagzeug sein oder so, das ist okay. Und es ist auch sinnvoll, wenn es dann für die Ästhetik von Drum Machine kommt. Ich mach das selber, Ich nehme es selber auf, Ich mische es selber. Das ist aber alles so mittelmäßig gut. Das kann man auch merken, wenn man sich so die alten Sachen von mir anhört. Die sind teilweise echt richtig räudig produziert, denn das war das Beste, was ging, und es wird jetzt immer besser. Aber auch da habe ich mir dann fürs Mastering gute Leute geholt. Dann wird es am Ende nochmal aufpoliert und alles, was so an Fehlerchen da ist, die ich beim Mixen gemacht habe, kann dann noch mal retuschiert werden. Dazu habe ich mir Hilfe geholt, weil ich das alleine nicht mehr geschafft hätte.

Q: Vielleicht hört man schon mal ein bisschen raus: Du machst jetzt Musik gerade nicht hauptberuflich oder so, bist – wie die meisten unserer Hörer*innen wahrscheinlich auch – selbst noch Student. Du studierst im Master Spanisch und Musik mit dem Hauptfach Jazz/Pop-Gesang. Ich habe mich gefragt: Hilft dir dein Studium eigentlich auch bei den eigenen Songs?

Dominik: Ja, schon, aber ich finde, das, was ich mache, ist sehr weit weg von dem Leben an der Musikhochschule. Und das tut mir auch sehr gut. Also ich merke, ich mach das alles mit so einem gewissen Witz oder Augenzwinkern, was ich aber trotzdem sehr ernst nehmen möchte. Und das ist sehr weit weg von der Hochschule. Also wenn sich das Leute da anhören würden, gerade Dozierende, die würden das vielleicht nicht so toll finden oder die fänden es sehr albern oder sehr bescheuert oder so. Ist mir relativ egal und sehr wichtig, dass man den Spaß am Musikmachen nicht verliert, sondern mit so einer… ja, vielleicht auch kindlichen Einstellung da den Zugang zu gewinnt. Das finde ich sehr wichtig.

Q: Du meinst, es würde vielleicht auch einer Hochschule guttun, mal in solche Musikwelten abzudriften?

Dominik: Ja, also ich merke, dass man, wenn man an der Hochschule ist, sehr davon beeindruckt ist, was viele anderen machen. Und dann fängt man an, Musik zu machen, die einen aber gar nicht mehr so krass selber beschreibt. Also angenommen ich mache jetzt Popmusik und ich gehe an die Hochschule und dann merkst du so “Oh, die machen aber alle Jazz. Jetzt muss meine Popmusik mehr nach Jazz klingen!” Und dem will ich mich so ein bisschen entziehen. Und das mache ich mit “Ein Rosenkavalier”.

Q: Genau das machst du jetzt und das alles ist jetzt geendet – oder nicht geendet, sondern vielmehr kulminiert – in der Veröffentlichung deiner EP. Wie sehr fiebert man denn da auch selbst auf die Veröffentlichung hin? Gerade weil du ja selbst schon sagst, manche Sachen liegen halt schon lange rum.

Dominik: Gerade weil es meine erste EP ist, habe ich mega Bock drauf. Es ist halt erst das erste Mal so ein größeres Konzept. Mich nervt mittlerweile total dieses Algorithmus-Leben, dass die meisten Leute, ich auch, erstmal nur Singles rausbringen, weil es eine Verschwendung wäre, eine EP rauszubringen oder noch viel krasser ein Album. Du bringst eine Single raus, hoffst, dass sie gehört wird, in Playlisten kommt und dann kannst du noch mal raus und das nervt mich alles. Und dann war klar: Ich möchte jetzt auch mal eine EP rausbringen, irgendwas mit Konzept und dann war die Idee für die “Immer mehr” EP geboren. Und da habe ich natürlich Bock drauf, dass das jetzt das Licht der Welt erblickt.

Q: Du hast es eben schon ein bisschen angedeutet: “Ein Rosenkavalier” gibt´s jetzt vielleicht noch gar nicht so mega lange, hatte vorher aber einen ähnlich verführerischen Namen: “Zwei Kavaliere” habt ihr da geheißen und du hast unter dem Namen vor fünf Jahren angefangen, in dieser Konstellation mit einem Kumpel Musik zu machen. Und dann kam vor Kurzem die Umbenennung zu “Ein Rosenkavalier” und du machst alleine weiterhin die Mukke, die ihr gemacht habt. Wie kam es zu diesem Schritt?

Dominik: Also wir haben gestartet, weil wir eine Karnevals-Party organisiert hatten und haben gesagt, irgendwer muss Mukke machen. Und dann war die Entscheidung entweder Frank macht das oder ich mach das. Und dann hat Frank gesagt: “Dann machen wir das einfach zusammen!” Dann kam die Idee, ja klar, gründen wir ein Schlager-Duo, ist doch klar! Logisch! Und das hat erstaunlich gut funktioniert. Und dann war das immer so sehr spaßig. Bis ich dann aber gemerkt habe, dass mir das immer wichtiger geworden ist und ich auch finde, dass das mich immer mehr selber darstellt. Also nicht so dieses Schlager sein, aber ich finde es total wichtig, dass man in der Musik darstellt, was man so möchte. Und ich glaube, dieser spaßige Ansatz, das bin auch einfach sehr ich als Person und deswegen hatte ich immer mehr Bock, immer mehr Engagement und es hat nicht mehr so ganz funktioniert, weil Frank Jurist ist und viel arbeitet. Er hat einfach nicht die Zeit, die ich jetzt noch als Studi habe. Und deswegen hat sich das herauskristallisiert, dass ich das weitermache als “Ein Rosenkavalier”. Heißt aber nicht, dass wir im Schlechten auseinandergegangen wären. Also beim nächsten Live-Konzert wird Frank auf jeden Fall auch am Start sein und mitspielen.

Q: Du hast jetzt gerade erzählt, ihr habt euch irgendwie durch eine Karnevals Party gegründet und dann macht ihr ein Schlager Duo auf und so. Das zeigt schon, so ein bisschen, dass es ja vielleicht auch so eine spezielle Musikrichtung gibt, die ihr oder du seit jeher bedienst. Man findet in eurer Diskografie dann auch so Lieder, die man eher dem Schlager zuschieben würde, oft auch mit offensichtlichem Witz im Musikvideo und im Song. Ich denke da zum Beispiel so an deine Songs “Wolkentanz”, “Dynamit für mein Herz” oder “Bella Ragazza”. Die neue EP ist eher so Richtung Elektropop. Wie würdest du denn letztendlich deine Musik überhaupt einordnen?

Dominik: Boa ja, sehr schwierig. Genau wie du gesagt hast, gibt es ein paar Sachen, die gehen in die Schlager-Richtung, andere gehen in so eine Elektropop-Richtung, so ein bisschen 80s oder so. Ich glaube, mir ist es eigentlich relativ egal, was für ein Genre es ist. Ich möchte halt irgendwie versuchen, ein guten Song zu schreiben, der eingängig ist und der recht schnell bei einem Publikum ankommen kann und der weiß, wo er hin will. Das ist so die Überlegung. Und dann, welches Genre das ist, kann man dann im Nachhinein irgendwie gucken. Am Ende des Tages ist es alles Popmusik, würde ich sagen. Die Schlager-Songs sind sehr direkt, aber am Ende des Tages Popmusik und wie man es dann auch einteilen möchte, das überlässt man dann den Rezipierenden.

Foto: “Ein Rosenkavalier”

Q: Ich musst gerade so ein bisschen schmunzeln, weil du quasi direkt meine nächste Frage aufgegriffen hast. Ich habe nämlich beim Hören der EP genau das auch irgendwie so gespürt, was du gerade erzählt hast. Diesen 80s Vibe, dieses viele Arbeiten mit Synthies. Irgendwie musste ich an Stranger Things denken, aber ich meine, es hat ja auch schon eine Connection irgendwie.

Also es ist auf jeden Fall irgendwie beabsichtigt, da so ein kleinen 80s Vibe rüberzubringen und es ist nicht nur so, dass nur ich das so wahrnehme?

Dominik: Ne, genau das ist schon beabsichtigt. Ich glaube, das passiert jetzt ja schon seit den letzten fünf Jahren gefühlt in jeglicher Musikrichtung, dass also Sounds aufgenommen werden, weil einfach diese ganzen Synthesizer, die ganzen Keyboards wieder genutzt werden und auch ich interessiere mich dafür und arbeite viel mit Logic, mit dem Computerprogramm, mit dem ich es aufnehme, und da gibt es ja super viele coole Synthesizer, die diesen 80s-Sound so ein bisschen definieren. Und die habe ich dann dafür genutzt. Ob es jetzt wie die Achtziger klingt, weiß ich nicht, aber es sind die gleichen Instrumente wie in den Achtzigern. Das ist, glaube ich, so die Nostalgie, die man dann schnell verspürt.

Q: Im Vorgespräch hast du mir auch schon erzählt, dass deine Musik durchaus mit einer gewissen Portion Witz daherkommt. Inwiefern ist sie denn als Witz und inwiefern ernst gemeint?

Dominik: Also ich glaube, das hatte ja auch schon ein bisschen gesagt, es ist total angenehm, sich nicht immer so ernst zu nehmen – in jeder Version, aber auch beim Musik machen, damit man den Spaß nicht verliert. Und deswegen finde ich es auch wichtig, wenn Musik Witz haben kann. Es ist schwierig, wirklich Witze auf den Song zu bringen, weil da muss ich sagen, ob der dann auch beim zehnten Mal funktioniert, weiß ich nicht. Es ist auf jeden Fall witzig gemeint, aber ich möchte mich nicht nur so dahinter verstecken, dieses Gefühl zu haben, das ist jetzt gerade nur ein Witz. Also wenn ihr es jetzt nicht gut findet, dann habt ihr den Witz nicht verstanden. Es gibt ein paar Leute, die machen das so sehr ironisch, Schlager oder so und es ist vielleicht auch eine Portion Ironie dabei, aber ich möchte das trotzdem irgendwo ernst meinen, um mich nicht dahinter nur zu verstecken. So dieses “Ich mache jetzt ironisch Schlager, das kannst du finden, wie du willst, aber eigentlich kann man es nicht schlechtreden, weil es ist ja ironisch.” Das finde ich irgendwie schade. Dafür meine ich das dann zu ernst und habe zu viel Spaß an dem, was ich tue.

Q: Also einfach noch den Anspruch zu haben, musikalisch qualitativ gut zu sein?

Dominik: Absolut, genau.

Q: Ich finde auf jeden Fall, man kann deine Musik auch ernst nehmen. So auch die neue EP. Hängt dir von diesen vier Songs, die du jetzt rausgebracht hast, eigentlich einer besonders am Herzen?

Dominik: Also beim letzten Song auf der EP – “Crescendo der Liebe” – da habe ich mir besonders viel Mühe gegeben bei der Aufnahme. Da sind auch mehr echte Instrumente dabei. Was heißt, dass es für mich auch mehr Arbeit war und der Song wirkt auch recht ernst oder mit weniger Witz. Funktioniert aber für mich, weil halt die anderen auch mit Witz daherkommen. So ein bisschen so wie bei einer Scrubs-Folge, wenn du 20 Minuten hast und am Ende die letzten drei Minuten, da kommt immer irgendein Satz, den kannst du sehr deep und ernst meinen. So, und das war jetzt nicht direkt das Konzept, aber ich finde, daher funktioniert das irgendwie ganz cool, wenn der Song am Ende kommt und man das auch sehr ernst nehmen kann. Deswegen “Crescendo der Liebe”. Weil ich aber auch weiß, dass die Leute, den nicht so krass feiern werden. Weil der nicht drei Minuten lang ist, nach 30 Sekunden kommt der Refrain und so, weißt du? Ist nicht so poppig und Hit-dienlich geschrieben wie die anderen.

Q: Wir haben ja bei Radio Q jetzt vor allem „Kaufrausch“ als Song aufgenommen und ich meine, es ist viel auf dieser EP. Es ist ein bisschen was zum Nachdenken am Ende. Ich finde auch irgendwie noch was zum Lachen: “Workout Wonderland”, “Flipperfachfrau” sind einfach so die coolen Songs, wo man irgendwie mitnickt und so, aber gerade bei dem Song “Kaufrausch” und dem EP Namen “Immer mehr” hatte ich das Gefühl, Du willst auch irgendwie gewichtige Themen wie Konsumkritik, Kapitalismuskritik oder auch dieses typische “Eat the Rich”-Narrativ bedienen. Wie viel Platz gibst du solchen Dingen in deiner Musik?

Dominik: Ich merke, das startet gerade so ein bisschen. Ich finde es super schwierig, politisch zu sein in Musik, ohne zu plakativ zu werden. Und es ist eigentlich erst mal super plakativ zu sagen “Kaufrausch” und “Immer mehr”. Das wurde ja schon keine Ahnung wie viele Millionen Male formuliert. Aber ich finde es interessant: Innerhalb von “Kaufrausch” wird dieses “Immer mehr”, immer wiederholt und dann auch bei Konzerten ist es dann das Publikum, das immer, immer mehr wie bescheuert am Singen ist. Das fand ich und finde ich so herrlich, dass es dann alle mitmachen, dass es auch in dem Moment gar nicht groß hinterfragt wird, dass man diesen Konsum, dieses “Immer mehr” mitmacht. Aber ich finde, das kann man rezipieren oder wahrnehmen, wie man möchte. Das ist auch das Schöne. Also ich versuche gar nicht so direkt zu sagen, so ist es und das ist blöd und lass mal nicht so viel kaufen oder was auch immer, sondern ich gebe da eine Version vor von mir, von der Person, die im Kaufrausch ist, die dem im Rausch verfällt. Und dann können die Leute, die es hören, damit machen, was sie wollen. Ich glaube, das beschreibt es ganz gut.

Q: Das, was du gerade angesprochen hast. Diese Stellen im Lied, an denen einfach so total viel Stuff gleichzeitig passiert und so, das sind finde ich neben so ein paar anderen Dingen einfach echt so “Hinhörer”. Vor allem fand ich auch, du sprichst ja viel von Gegenständen in dem Kaufrausch, von Konsumgütern und so weiter. Und ich finde, wo ich persönlich zumindest mal so ein bisschen aufgehorcht habe, ist bei: “Ich kauf, ich kauf, ich kauf, ich kauf dich auch!”

Du sprichst auf einmal eine Person an. Im Deutsch LK würde man jetzt sagen, das lyrische Du. Steckt da ein Clou hinter dieser Zeile?

Dominik: Weiß ich nicht. Das würde ich den Leuten, die es hören, überlassen. Es ist halt einfach diese verrückt gewordene Person vielleicht. “Ich kauf dich auch!” ist dieser absolute Größenwahn. Ich kann mir alles kaufen, ich kauf dich einfach auch. Das war so die Überlegung dahinter, dass es der Refrain ist, dass das die Kulmination des Stückes ist.

Q: Du hast gerade eben noch von “Crescendo der Liebe” geredet. Das ist nämlich dann wieder genau eine andere Seite von dir, die du auf der EP aber auch noch zeigst. Als ich einmal über die Tracklist drüber gelesen hab, ohne die EP vorher zu hören, hab ich erst gedacht: “Crescendo der Liebe” – gut, das ist jetzt wieder so ein typischer “Zwei Kavaliere”, kitschig rühriger Schlager oder so. Was folgt, ist dann aber eigentlich ein sehr nicer, entspannter Song, mit Wohlfühl-Gute-Laune-Vibes. Du singst: “Brauche mich, aber verbrauch mich nicht! Wähle mich aber verwähl dich nicht!” Und man merkt irgendwie, da steckt mehr hinter, als vielleicht der Titel vermuten lässt. Gibt es zu dem Song eine Hintergrundgeschichte?

Dominik: Ne, nicht direkt tatsächlich. Es kam tatsächlich so raus. Ich fand diese Überlegung gut. Dieses mit “Brauche mich, aber verbrauch mich nicht!” Dann habe ich versucht, noch andere Wortpaarungen zu finden. Es gab keinen Hintergrund. Ich habe es erstmal einfach so geschrieben. Ich finde, in einer Beziehung hast du nicht immer dieses Gefühl von “Pam, was für ein Wahnsinnsmoment!” Das ist gar nicht möglich. Das ist so dieses Dargestellte aus Filmen oder auch aus Musik oder anderen Medien, wie toll die Liebe doch sein kann. Aber es gibt manchmal diese Augenblicke, diesen Moment, wo man es dann doch wieder spürt und über diesen Moment, wo dann dieses Crescendo der Liebe genau zu hören ist. Oder, “Crescendo” ist vielleicht auch total aus der Musikwelt, also dass etwas immer lauter wird. Das war so die Überlegung, es gibt eine keine direkte Situation.

Q: Wenn wir vielleicht mal über Hintergrundgeschichten zu anderen Songs reden. Ich glaube, du hast mal in einer Instagram-Story eine Freundin markiert und gesagt, sie wäre die Inspiration für “Flipperfachfrau” gewesen. Kommt die Inspiration für deine Musik tatsächlich immer aus dem Alltag oder wie war das zum Beispiel bei “Flipperfachfrau”?

Dominik: Also bei “Flipperfachfrau” war es ganz stumpf. Wir waren in der Kneipe und da stand ein Flipper in der Ecke und sie hatte schon gesagt, flippern sei echt cool, müssten wir mal machen. Und dann haben wir gespielt und ich war sehr beeindruckt. Ich bin mittlerweile auch leicht Flipper-abhängig geworden. Ist auch ein großartiger Sport. Und dann meinte ein Kumpel so zu mir “Was würdest du denn jetzt für einen Song schreiben?” Und dann habe ich einfach so dumm mit Alliterationen – also Flipper, Fach… Fachmann hatte ich erst. Da dachte ich so ne, ist ja total bescheuert, weil eine Freundin von mir, die Leni hat es mir gezeigt. Also Flipperfachfrau, na klar, ist noch eine viel bessere Alliteration! Und so war der Gedanke da und das ist auch ganz angenehm, denn für “Ein Rosenkavalier” kann ich häufig Songs schreiben, bei denen ich erstmal so ein Konzept habe und wo dieses Konzept schon einrahmt, was es denn werden könnte. Und es ist nicht so, dieses “Ich muss erst mal gucken, wie geht es mir gerade, welche Gefühle habe ich gerade, was will ich damit ausdrücken?” Sondern ich habe schon so einen gewissen Rahmen, in dem ich dann Songs schreiben kann. Und das heißt, die Ideen kommen im Alltag, aber müssen nicht unbedingt was mit dem Alltag zu tun haben. Bei “Workout Wonderland” war es zum Beispiel so: Ich fand die Überlegung lustig, dass ich als offensichtlich sehr unmuskulöser Mensch dauerhaft das Gym besuche. Genau das fand ich unterhaltsam.

Q: Vor kurzem kam bei dir auf Insta dann auch noch gut Content, wo du die neuen Lieder schon auf einem Konzert gespielt hast. Am 19. Mai spielst du auch beim MTC in Köln, später im Juli noch beim Neue Wellen Festival. Welcher Song von der neuen EP macht denn live am meisten Bock?

Dominik: Ich glaube schon “Kaufrausch”. Ist halt cool, da kann ich diese viel zu verzerrte E-Gitarre immer spielen. Das macht natürlich Laune, aber der kam auch bis jetzt sehr gut an bei den Leuten. Ist auch recht repetitiv. Also allgemein bei den Songs. Wenn du den hörst, dann kannst du beim zweiten oder dritten Mal schon dabei sein. Und da muss ich sagen, waren die Leute bis jetzt immer sehr, sehr gut dabei, obwohl der Song ja noch gar nicht veröffentlicht wurde. Und da freue ich mich natürlich jetzt auch drauf, wenn der Song jetzt veröffentlicht ist, dass die Leute ihn dann noch besser kennenlernen.

Q: Würdest du sagen Moshpit Material?

Dominik: Doch ja, ist durchaus möglich. Also man muss sagen, wenn ihr Lust habt am 19. Mai, genau wie du angesprochen hast, geht zum MTC Konzert. Meine Fanbase ist jetzt echt nicht groß, also überhaupt nicht. Aber es gibt so eine eingeschweißte Gruppe von Menschen, überwiegend auch einfach meine Freunde, die unfassbar supporten, wirklich alles mitsingen können. Das ist sehr absurd und da ist die Laune so gut, dass es auf jeden Fall einen Moshpit gibt, auch bei den anderen Songs teilweise. Also bei den krassesten Schlager-Songs ist Moshpit-Potential gegeben beim richtigen Publikum und das wird im Mai hoffentlich am Start sein.

Foto: “Ein Rosenkavalier”

Q: Diese Auftritte sind so die offiziellen Dinger. Wenn man in die Zukunft guckt, kann man das auch auf deinen Socials abchecken. Was planst du denn selbst noch? Wo soll es mit dem Rosenkavalier hingehen? Oder konzentrierst du dich jetzt nach Release erst wieder auf andere Projekte?

Dominik: Nein, ich hab schon Bock mehr zu machen. Ich habe auch gemerkt, dass das echt Potenzial hat. Ich habe jetzt letzte Woche gespielt, beim Rocket Festival in Moers, bei mir in der Heimat. Ich dachte, dass es echt so ist, die Leute müssen vorher wissen, wer ich so bin als Person oder was ich mache und wie das vielleicht gemeint sein könnte, damit das funktioniert. Aber es war so toll, weil es gab 18-Jährige, die kamen auf mich zu und meinten Schlager finde ich furchtbar, aber das hat ich alles unterhalten. Und es gab 70-Jährige, die das komplett ehrlich und ernst gut fanden und das fand ich sehr interessant. Und ich wurde jetzt angefragt, noch auf einem 40. Geburtstag zu spielen oder auch bei einer Karnevals-Session was zu machen. Und da habe ich gecheckt, das hat schon Potenzial. In was für einem Kontext muss man dann sehen. Aber dass ich einfach mehr live spiele und gucke, wo das hingehen kann und wie Leute das wahrnehmen. Genau deswegen habe ich eigentlich Bock, viel live zu spielen und freue mich dann immer wieder auf diese größeren Auftritte. Aber im Mai, jetzt beispielsweise mit MTC, das habe ich selber organisiert und das ist dann einfach mehr Aufwand als irgendwo zu spielen, wo ich mich nicht organisieren muss.

Q: Und auf dem 40. Geburtstag oder bei der Karnevals-Session wollen die dann aber auch nicht nur die Schlager Lieder hören?

Dominik: Nee, das geht, die können auch die anderen Lieder hören. Also diese ganzen Elektropop-Lieder oder so, also beim dritten Refrain kannste die auch mitsingen. Also das funktioniert glaube ich… Mal schauen, vielleicht ja auch nicht. Es wäre auch vollkommen okay, wenn, die das scheiße finden, das ist ja auch eine Reaktion. Besser als wenn es einem egal ist.

Q: Okay, ja, das bleibt dann wohl noch abzuwarten. Aber um für uns zum Schluss zu kommen, vielleicht mal als Abschlussfrage: Für deinen weiteren musikalischen Weg – Wenn du dir ein Feature aussuchen könntest, egal ob tot oder lebendig, wer wäre das?

Dominik: Feature? Wow, das ist eine gute Frage. Viele Leute würden ja so was wie Alexander Marcus fordern.

Q: Würde doch gut zu dir passen.

Dominik: Würde gut passen, finde ich aber auch sehr stumpf teilweise. Noch irgendwas Gutes, was man nicht erwarten würde? Man muss ja schon im deutschsprachigen Bereich bleiben…

Ich bin natürlich ein großer Bilderbuch-Fan.

Dominik: Hier aus Münster können wir sonst auch Roland Kaiser gut empfehlen.

Dominik: Oder Roland Kaiser? Mhh, kann man das noch machen oder ist er nicht gecancelt? Ich weiß nicht.

Q: Oh, ich habe da auch den Überblick verloren. Ich glaube, er hat irgendwas irgendwann beim Stadtfest gespielt und wird noch sehr viel vermemet.

Dominik: Der wird bestimmt irgendwann mal problematische Texte gehabt haben, das ist sicher. Aber vielleicht auch Roland Kaiser, ja. Eigentlich ganz cool.

Q: Damit hättest du auf jeden Fall eine Bank hier in Münster.

Dominik: Christian Steiffen wär auch super natürlich! Irgendwie sowas.

Q: Oder so. Aber schon irgendwie ein kultig-witziger Schlagerstar?

Dominik: Ja, wahrscheinlich schon. Wie gesagt, ich fände es auch geil, wenn es Bilderbuch machen würden oder so, also wenn es dann in eine ernste Richtung geht. Fänd ich auch cool, aber weiß ich nicht, ob das funktioniert. Ich weiß es selbst noch alles nicht. Es muss die Zeit ein bisschen zeigen, wen ich dann einladen würde.

Q: Wir sind auf jeden Fall gespannt, wer dann als dein Traum-Feature auf dem nächsten großen Album erscheint. Danke dir, dass wir heute sprechen konnten!

Dominik: Danke dir! Sehr schön war´s!

Q: “Ein Rosenkavalier” bei Radio Q. Hört mal rein!