Wo sind all die Wähler/-innen?

Es gibt Hochschulen, an denen liegt die Wahlbeteiligung bei den StuPa-Wahlen bloß im einstelligen Bereich. Im Vergleich dazu, schneidet die Uni Münster also noch relativ gut ab. Trotzdem sind 18% Prozent Wahlbeteiligung nicht viel. Wie lässt sich diese mangelnde Beteiligung erklären?

(von Fabiola Heynen)

Was tut der AStA gegen die schlechte Wahlbeteiligung?

Dieses Jahr soll alles besser werden, das plant zumindest der AStA. Deshalb hat dieser nämlich mit dem Öffentlichkeitsreferat ein neues Konzept überlegt. Roxanne Camen vom Öffentlichkeitsreferat steckt sich für die Wahlen ein großes Ziel: „Wir haben uns überlegt, dass wir dieses Semester eine generelle Wahlkampagne fahren wollen, um die Wahlbeteiligung  zu erhöhen.“ Diese sei in den letzten Jahren nämlich immer „beschämend niedrig“ gewesen. Deshalb hat man zusammen mit der Projektstelle Layout ein ganz neues Design und Wahlwerbung entworfen. Ein helles rot, was sich von anderen AStA-Publikationen unterscheiden soll. Dieses helle rot findet sich in verschiedenen Flyern oder Bannern wieder.

Und was kostet (mich) das? Dazu will der AStA keine Auskunft geben, denn der Finanzplan sei aktuell noch nicht abgeschlossen. Eine feste finanzielle Obergrenze habe es jedoch nicht gegeben. Wie teuer die Wahlkampagne also für jeden einzelnen Studi war, wird sich erst später zeigen.

Eigene AStA-Kampagne „Geh wählen!“

Es gibt vier Banner. Eins hängt am Schloss und drei kleinere am Juridicum, der Mensa am Aasee und der Mensa am Ring. „Also überall dort, wo viele Studis zusammenkommen“, sagt zumindest Camen. „Wir dachten, dass das Motto und das Design so zeitlos ist, dass wir die Banner auch jedes Jahr für die Wahlen benutzen können.“ Zwar steht auf den Bannern das Datum der jetzigen Wahl drauf, aber das könne man ja mit Stickern überkleben.  Teil der Werbekampagne ist außerdem ein ausführliches Social Media-Konzept, was mehrere "gesponserte Posts" auf Facebook und Instagram enthält, die jeweils auch Geld kosten.  

„I voted“-Buttons

Durch einen weiteren „Coup“ des Öffentlichkeitsreferats soll sich trotz fehlender Campusuni die Wahl herumsprechen. Mit 1000 hellroten „I voted“-Buttons soll die Nachricht „spread the word-mäßig“ durch Münster laufen, erklärt Camen. Die 1000 Buttons werden an den Urnen ausliegen und an begeisterte Wähler/-innen verteilt werden. Immerhin hat diese Invention 215€ gekostet.

Anmerkung der Redaktion: Am Mittwoch (21.6.) scheinen noch einige Buttons übrig zu sein. So sprechen die Wahlhelfer/-innen im Juridicum, im Fürstenberghaus und der Mensa am Aasee davon, dass die Buttons von nur wenigen Studierenden angenommen werden.

Die Zusammenlegung der Wahlen zur Superwahl

Die Zusammenlegung der Wahlen zum Studierendenparlament, zur Ausländischen Studierendenvertretung, der Fachschaftsvertretungen sowie der Vertretung der Belange studentischer Hilfskräfte mit der Senatswahl findet dieses Jahr erstmals statt. Der Einfachheit halber sollen die Wahlen von nun an immer zusammen stattfinden und die studentische Partizipation erhöhen. So verspricht sich auch der amtierende AStA-Vorsitzende Julian Engelmann davon eine höhere Wahlbeteiligung – vor allem bei der Senatswahl, bei der die Wahlbeteiligung 2016 bei 8,9% lag. 

Verantwortung der Fachschaften & Listen

Die Fachschaften haben laut Camen vom Öffentlichkeitsreferat eine zentrale Rolle in Bezug auf die Wahlbeteiligung: „Ich glaube, es kommt jetzt alles darauf an wie die Fachschaften mitspielen.“ Diese sollen nämlich mit einer vom Öffentlichkeitsreferat vorbereiteten Powerpoint-Präsentation Vorlesungen besuchen und Werbung für die Wahl machen. Ob und wie stark dies angenommen wird, sowohl von Seiten der Fachschaften, als auch der Studierenden, ist bisher nicht abzuschätzen.

Und damit ist es dann getan? Nein, erklärt uns der Wahlleiter Stefan Bracke, der für die Ausführung der Wahl zuständig ist: „[Es] sind auch die Listen in der Verantwortung auf die Wahlen aufmerksam zu machen und vor allem den Studierenden zu erklären, was überhaupt gewählt wird, weil nun ja zwei Stimmzettel mehr dazukommen.“ Wenn die Listen nämlich einen starken Wahlkampf betreiben würden, beispielsweise durch viele Wahlplakate, sei die Wahl generell präsenter in der Stadt. In diesem Zusammenhang schreibt sich beispielsweise auch die Liste „Die LISTE“ die Steigerung der Wahlbeteiligung auf die Fahne. Durch ihr satirisches Potential hätten mehr Studierende Lust auf die Wahl und Platz für eine Stimme. Es ist also auch Aufgabe der Listen, mehr Studierende zu mobilisieren.

Online-Abstimmungen als Gegenmittel?

e-Learning, Vorlesungen online streamen aber keine Wahl Digitale?!

Schnell kommt die Idee auf, dass in Zeiten des technischen Wandels gerade bei jungen Leuten der Weg zur realen Urne beschwerlich wirkt wenn es doch die vermeintliche Alternative einer Online-Wahl gäbe. Eine solche ist jedoch kaum umzusetzen. Die Organisation der StuPa-Wahlen ist an jeder Uni bereits ein riesiger organisatorischer Aufwand. Die Einführung eines rechtlich einwandfreien und fehlerfreien Wahlsystems ist bisher kaum stemmbar. Viel zu groß sei die Gefahr der Manipulation, so der ZWA.
Trotzdem gibt es bereits Universitäten, an denen die Wahl inzwischen online stattfindet.
Ein Beispiel hierfür ist die Uni Gießen. Letztes Jahr fanden dort erstmals die StuPa-Wahlen online statt. Und prompt liegt die Wahlbeteiligung bei 21,8% und ist damit deutlich gestiegen. 2015 sind dort nur 17,5% der Studierende zur Wahl gegangen, wie die Uni Gießen schreibt.  

Anmerkung der Redaktion: Die Uni Gießen taucht in der Statistik zur Wahlbeteiligung verschiedener Universitäten nicht auf, da nicht ausreichend vergangene Daten bis Redaktionsschluss zur Verfügung standen.


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