Audis Ausstieg aus der WEC (Kommentar)

Audi verkündet überraschend den Ausstieg aus der World Endurance Championchip. Ein Kommentar dazu von QMotors-Redakteur Philipp Moser.

Überraschende Meldung am Nachmittag: Audi beschließt den Ausstieg aus der World Endurance Championchip, WEC,  schon zum Ende diesen Jahres. Dass Audi aussteigt, ist keine Überraschung - der frühe Zeitpunkt schon. Der Ausstieg ist in erster Linie eine Folge des Abgasskandals der Konzernmutter VW. Durch das daraus entstandene finanzielle und mediale Erdbeben kann man sich recht einfach ausrechnen, dass ein konzerninterner und millionenschwerer Wettbewerb mit Porsche nicht lohnenswert ist. Nachdem Porsche sich sehr schnell nach dem Einstieg im Jahr 2014 in der Serie etabliert hat, behält VW trotz des Audi-Ausstiegs wahrscheinlich die wichtigsten Titel im eigenen Konzern. Audi selber hat im Langstreckensport und speziell in Le Mans alles gewonnen, was man gewinnen konnte. Seit dem Jahr 2000 gewann Audi 13 mal in Le Mans, nur 4 Rennen gingen an einen anderen Hersteller. Das Projekt Langstrecke war für Audi die Erfolgsgeschichte des Konzerns schlechthin. Nun ist also nach den letzten beiden Saisonrennen Schluss. Audi will sich hauptsächlich auf die Formel E konzentrieren, in der man das Abt-Schaeffler Team unterstützt. 

Für die WEC ist der Ausstieg von Audi ein Schlag in die Magengrube. In den letzten Jahren erlebte die Serie einen großen Aufschwung. Drei Hersteller stritten sich auf Augenhöhe um die Siege, zeitweise wurde die WEC schon mit der Formel 1 vergleichen. Die WEC als Königsklasse des Motorsports? - Das war durchaus ein realistischer Gedanke.

Ab dem kommenden Jahr kämpfen also nur zwei Hersteller um den Titel. Laut Statuten des internationalen Automobilverbandes FIA würde der Serie somit der Weltmeisterschafts-Status aberkannt werden. In der Folge gäbe es geringere Unterstützung durch die FIA, weniger Werbung, weniger TV-Sendezeiten, weniger Anreize für Hersteller an der Serie teilzunehmen. Ein Teufelskreis. Wichtig ist für die Serienchefs nun, einen Ersatz für Audi zu finden. Das heißt einen großen Konzern zu finden, der auch an der Spitze mitkämpfen kann. Ford stieg Anfang 2016 zumindest in den kleineren Klassen der Serie werksseitig ein, und Peugeot bekundete immer wieder mal Interesse an einer Rückkehr in die WEC. Der Ausstieg von Audi war für die WEC ein Tiefschlag, aber noch nicht der K.O. Zumindest wenn man jetzt schnell handelt. Tut man dies nicht, sieht die Zukunft der Serie sehr schwarz aus.

 

Philipp Moser


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