Kommentar: Diskussion um Track Limits

Eine tolle Aufholjagd von Max Verstappen führte den Niederländer nach einem Überholmanöver gegen Kimi Räikkönen drei Kurven vor Schluss aufs Podium. Freuen konnte er sich darüber jedoch nicht lange, da er wegen Abkürzens eine 5-Sekunden-Strafe erhielt. Die Wellen schlugen hoch, und es kamen hitzige Debatten über die Rechtmäßigkeit der Strafe auf. Doch die Frage sollte eine ganz andere sein, meint zumindest QMotors-Reporter Philipp Moser. Ein Kommentar.

Was war das für ein Rennen von Max Verstappen? Eine tolle erste Runde, eine mutige Strategie und dann überrumpelt er Kimi Räikkönen drei Kurven vor Schluss. Mit einem furiosen Finale fährt der Niederländer auf das Podium - tolle Story, oder? Leider gab es dann die 5-Sekunden-Strafe, die von nahezu allen Seiten als falsch eingestuft wurde. Aber wie sieht die Regellage eigentlich aus? Man darf mit maximal 2 Rädern die weiße Linie, also den Streckenrand, überfahren. Es gibt aber vor jedem Rennen im Drivers Briefing gemeinsam abgesprochene Ausnahmen - also Stellen, an denen auch mit 4 Rädern über den Streckenrand hinausgefahren werden darf. Das führt in erster Linie dazu, dass kein Zuschauer nachvollziehen kann, warum in Situation A bestraft wurde und in Situation B nicht. In diese Richtung zielten auch die Argumente von Red Bull - warum wurden nicht auch andere Situationen bestraft? Ein Argument, das insofern nicht greift, da es an der Rechtmäßigkeit von Verstappens Strafe nicht ändert. Tolles Manöver hin oder her, Verstappen war mit 4 Rädern neben der Strecke.

Ein bisher nicht beachteter Punkt in dieser Debatte ist jedoch, warum Verstappen überhaupt abkürzen konnte. Warum werden Strecken so gebaut, dass man durch das Verlassen der Piste einen Vorteil erlangen kann? Man könnte das gesamte Thema “Track Limits” für immer ad acta legen, indem man die Strecken so umbaut, dass ein Verlassen der Bahn automatisch einen Nachteil mit sich zieht. Warum wird das nicht getan? Das Hauptargument ist Sicherheit. Ein gutes Argument, denn sollte ein Fahrer zum Beispiel mit Bremsdefekt mit 300 Sachen auf einen hohen Randstein treffen… genau, das brauchen wir alle nicht. Auf Kurveninnenseiten ist dieses Risiko nicht vorhanden, also könnte man die Track-Limit-Diskussion auf Kurveninnenseiten mit hohen Randsteinen beenden. Bleibt die Außenseite. Kiesbetten sind nicht erwünscht, da sie ähnlich wie die hohen Randsteine die Autos aushebeln könnten. Ein ein paar Meter breiter Grasstreifen tut dies jedoch nicht, und bremst die Autos zum einen ein wenig aus, zum anderen verliert man aufgrund schmutziger Reifen in den nächsten Kurven Grip und damit auch Zeit.

Die Folge solcher Umbaumaßnahmen wäre eine sofortige Beendigung der “Track Limits”-Debatte. Ein Verstappen hätte einen Räikkönen nicht so überholen können, weil er sich sonst an dem hohen Randstein Frontflügel oder Unterboden beschädigt hätte. Ein Bottas hätte gegen Verstappen nicht außerhalb der Strecke voll auf dem Gas bleiben können, weil er sich durchs Gras zurück auf die Strecke hätte kämpfen müssen. Anstatt die Regeln für die Track Limits weiterhin kompliziert und intransparent zu gestalten und so komplizierte Diskussionen, die den Fan vertreiben, zu erzeugen, sollte man doch lieber die einfache Lösung wählen: Einen Umbau der Strecken, die ein Verlassen der Piste automatisch bestraft. Und dies geht auch ohne Sicherheitseinbuße.

 


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