Isle of Man TT 2017

Wir berichten für euch von der Tourist Trophy. Hier gibt's eine Vorschau und Berichte zu den einzelnen Rennen.

TT Zero, Seitenwagen-Rennen 2 und Senior TT:

Der finale Renntag ging mit einer Stunde Verzögerung los. Auf dem Programm standen das Elektrobike-Rennen, die Seitenwagen und die Senior TT. Das Elektro-Rennen ist sicherlich das Rennen mit dem wenigsten Prestige auf der Isle of Man. Man kann es eher als Anerkennung für zukünftige Antriebsarten verstehen. 8 Starter machten sich dann auf in das Rennen, das aufgrund der Energiemenge der Motorräder nur eine Runde lang war. So unspektakulär 8 Starter klingen, so unspektakulär war auch das Rennen. Bruce Anstey gewann easy mit einem Vorsprung von 40 Sekunden vor Guy Martin. Der fuhr nach seinem Sturz im Superbike-Rennen sein zweites Rennen dieser TT. Beim Senior war er jedoch nicht am Start. Für Martin ist die diesjährige TT damit ein ziemlicher Reinfall. Wenigstens hat er sich bei seinem Sturz im Superbike-Rennen nicht ernsthafter verletzt. Auf Rang 3 landete Daley Mathison, der ebenfalls fast eine Minute Rückstand auf Martin aufwies. Der letzte große Name des Elektro-Rennens, Dean Harrison, landete auf Rang 4. 

 Bei den Seitenwagen musste einer der großen Favoriten schon früh aufgeben. Molyneux/ Sayle schieden bereits in der ersten der drei Rennrunden aus. Vorne lagen Holden/ Cain und Birchall/ Birchall eng beieinander. Dann drehten die Birchalls aber wie schon im ersten Rennen richtig auf und fuhren sich einen sicheren Vorsprung heraus. Den gaben sie bis zum Schluss nicht mehr her und gewannen mit 25 Sekunden Vorsprung vor Holden/ Cain. Für die Birchall-Brüder (Foto: imott.com) ist es der 6. Sieg auf der Insel. Auf Rang 3 landeten Harrison/ Winkle. Conrad Harrison ist der Vater von Dean, mit dem er bis zum Vorjahr noch bei den Seitenwagen zusammen startete. Inzwischen konzentriert sich Dean aber voll auf die Einsitzer.

Und dann stand ganz zum Schluss noch “the big one” an. Wie bereits erwähnt, ohne Publikumsliebling Guy Martin am Start. Bei der ersten Zwischenzeit in Glen Helen konnte James Hillier seine starken Startphasen nicht bestätigen und lag nur an Rang 13. Vorne lag Hickman vor Michael Dunlop, Anstey, Hutchinson, Harrison und Rutter. Alle lagen noch unmittelbar beieinander, erst in Ramsey formierte sich das Feld. Hutchinson und Hickman zwei Sekunden vor Harrison, Dunlop und Anstey. 7 Sekunden dahinter dann Lokalmatador Connor Cummins. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen für Horst Saiger schon vorbei. Er stürzte im Gooseneck, einer langsamen Kurve, die auf die Mountain Straight führt. Schuld am Sturz war eine defekte Traktionskontrolle. Saiger überstand den Ausrutscher unverletzt. Vorne gab es dann einen klasse Schlagabtausch zwischen Hutchinson und Peter Hickman, die von Zwischenzeit zu Zwischenzeit immer wieder die Führung wechselten. Auch Dean Harrison blieb vorne dabei. Michael Dunlop und Bruce Anstey fielen da schon zurück und lagen 12 Sekunden hinter den Führenden. In Runde 2 schaffte es Ian Hutchinson dann nicht bis zur Zwischenzeit auf dem Mountain, am Bungalow. Kurz darauf kamen rote Flaggen raus. Vielen Fans der TT gefror das Blut: Rote Flaggen gibt es hier nur, wenn die Strecke derart blockiert ist, dass das Rennen nicht fortgeführt werden kann. Es dauerte einige Minuten bis bestätigt wurde, dass es sich beim Gestürzten tatsächlich um Ian Hutchinson handelte. Zum Glück wurde dann auch verkündet, dass er bei Bewusstsein ist und sich lediglich einen Oberschenkelbruch zugezogen habe. Das sind die Informationen, die bis zum jetzigen Zeitpunkt vorhanden sind.

Nach über einer Stunde Pause gab es dann den Restart, diesmal über 4 statt 6 Runden. Und mit genullten Zeiten. Hickmans gute Fahrt in den ersten beiden Rennrunden waren somit für die Katz. Und im zweiten Rennen zeigte Michael Dunlop seine ganze Stärke, führte von Beginn an und baute seinen Vorsprung sukzessive aus. Dahinter lagen Peter Hickman, Bruce Anstey, Dean Harrison und Alt-Champion Michael Rutter. Ebenfalls wieder dabei war Horst Saiger, der es schnell genug zurück ins Paddock schaffte und auf dem Superstock-Bike startete. Kurz vor den Stopps am Ende der zweiten Runde schied Anstey auf Rang 3 liegend mit einem kapitalen Motorschaden aus. Die Stopps verliefen für alle problemlos - vorne weiterhin Dunlop. Danach passierte in den letzten beiden Runden nichts mehr. Die Abstände blieben konstant. Und so konnte Michael Dunlop seinen 15. TT-Sieg feiern (https://twitter.com/MonsterEnergyUK/status/873249882009739267). Auf Rang 2 landete Peter Hickman mit 13 Sekunden Rückstand. Hickman fuhr in diesem Jahr die bisher beste TT seiner Karriere. Für seinen ersten Sieg reichte es noch nicht, dennoch kann “Hicky” sehr zufrieden mit sich sein. Rang 3 ging an einen ebenfalls formstarken Dean Harrison, über den man dasselbe sagen kann. Rang 4 ging an James Hillier vor Michael Rutter. Der Österreicher Horst Saiger wurde auf Platz 18 abgewunken. Er gehört definitiv zu den Gewinnern der diesjährigen Tourist Trophy. 

Foto: iomtt.com

Nun kehrt vorerst wieder Ruhe auf der kleinen Insel zwischen England und Irland ein. Was nehmen wir mit von der Tourist Trophy? Wir hatten klasse Racing und erneut atemberaubende Bilder. Vorne waren die Rennen eng, niemand konnte durchmarschieren. Außer die Birchalls bei den Seitenwagen. Hickman und Harrison sind die großen Sieger, obwohl sie kein Rennen für sich entscheiden konnten. Die Favoriten Michael Dunlop und Ian Hutchinson holten jeweils 2 Siege. Dunlop entschied dabei mit der Senior TT das wichtigste Rennen für sich und wird daher sehr glücklich mit seinem Debüt auf der Suzuki sein. Für Hutchinson endete die TT denkbar schlecht. In Führung liegend stürzte er und fällt nun mit einer schweren Verletzung lange aus. Hier müssen wir aber noch die weiteren Updates aus dem Krankenhaus abwarten. Die Vorgeschichte von Hutchinson sollte einem immer in Erinnerung bleiben. 2010 konnte eine Amputation seines Beines gerade noch verhindert werden - jetzt verletzte er sich wieder an den Beinen. Daher wollen wir Ian alles Gute wünschen, dass er wieder vollständig fit wird und beim nächsten Jahr wieder am Start ist. Für Bruce Anstey, Guy Martin und Connor Cummins verlief die TT ebenfalls enttäuschend. Anstey konnte wenigstens noch den Sieg bei den E-Bikes feiern. Horst Saiger war über die gesamte Woche gesehen der stärkste Privat-Fahrer und stellte mit einem Top10-Ergebnis sein bestes TT-Resultat ein. Leider blieben wir dieses Jahr wieder nicht von tödlichen Unfällen verschont. Mit Davey Lambert, Jochem van den Hoek und Alan Bonner verloren drei Fahrer ihr Leben. Die TT wird aber dennoch fortbestehen als das gefährlichste Rennen der Welt. Aber gerade das ist ein Hauptgrund, warum die Fans und auch die Fahrer die Tourist Trophy so sehr lieben. 

 

Superstock-Rennen und Lightweights:

Das Wetter spielt der Tourist Trophy in diesem Jahr übel mit. Auch am Donnerstag, kann aufgrund von Regen wie schon am Dienstag nicht gefahren werden. Dass zweite Supersport-Rennen muss somit ersatzlos gestrichen werden, das Elektrobike-Rennen wackelt. Zu eng ist der Zeitplan auf der Isle of Man, da morgen schon der letzte Renntag ansteht und dort schon das zweite Seitenwagenrennen und das Hauptrennen, die Senior TT, ausgetragen werden. Der Mittwoch ging mit dem Superstock-Rennen los. Die Superstocks sind näher an der Serie dran als die Superbikes und unterm Strich etwas leichter zu fahren. Auch in diesem Rennen startete man auf abtrocknender Strecke. Einige Stellen, besonders unter Bäumen und Büschen, waren noch feucht. Erneut nicht am Start war Guy Martin, den sein Sturz im Superbike-Rennen wohl doch härter getroffen hat, als zuerst angenommen. Hier das Video vom Zwischenfall mit anschließendem Interview mit Guy:  

 Der Mann der ersten Runde, James Hillier, kam in diesem Rennen nicht weit. Schon in Ballacraine Corner musste er mit technischen Problemen an seiner Kawasaki aufgeben. Davon profitieren konnte dann Michael Rutter - der 45-jährige Routinier fährt seit über 20 Jahren bei der TT mit. Seine Führung hielt jedoch nicht lange an - bereits nach der ersten Runde lag Ian Hutchinson in Front (Foto: iomtt.com). 

Knapp dahinter Peter Hickman und Michael Rutter. Das Padgetts-Honda Team mit Bruce Anstey und Connor Cummins gab geschlossen nach der ersten Runde auf. Cummins hatte Probleme mit seinem Handgelenk, Anstey ließ seine Aufgabe unkommentiert stehen. Von Seiten des Teams her soll es aber keine technischen Probleme gegeben haben. Für Anstey läuft diese TT überhaupt nicht rund - ihm bleibt nun lediglich die Senior TT, um etwas aus diesem Jahr mitzunehmen. In der zweiten Runde stabilisierten sich die Zeiten. Zum Stopp kam Hutchinson als Führender mit 7 Sekunden Vorsprung auf Peter Hickman, Dan Kneen, Michael Rutter und nochmal 12 Sekunden dahinter Dean Harrison. Nach den Stopps vergrößerten sich diese Abstände nochmal, lediglich Michael Dunlop profitierte. In den letzten beiden Runden fiel Dunlop dann aber wieder zurück - er war aber während des gesamten Rennens nicht schnell genug für eine Top-Platzierung. So konnte sich Dean Harrison im Laufe der letzten Runde wieder an Dunlop vorbeiarbeiten und hatte in Ramsey nur noch 1,5 Sekunden Rückstand auf Michael Rutter. Im Ziel jubelte derweil schon Ian Hutchinson über einen souveränen Sieg (Foto).

Sein 16. insgesamt, sein 5. Superstock-Sieg. Damit ist er der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten in dieser Klasse auf der Isle of Man. Peter Hickman hatte schon 22 Sekunden Rückstand, Dan Kneen dahinter ebenfalls mit 20 Sekunden Rückstand auf Hickman auf dem dritten Rang. Damit standen drei Suzukis auf dem Podest. Dahinter landeten Michael Rutter und Dean Harrison. Horst Saiger holte sein bestes TT-Ergebnis mit Platz 10.

Im Anschluss ans Superstock-Rennen gab es noch die Lightweights. Viele der großen Namen waren hier nicht am Start. Lediglich Michael Rutter, Peter Hickman und Michael Dunlop gehörten zu den großen Namen. Die Lightweights, zum Beispiel auch die Kawasaki ER6-N, haben insgesamt einen geringeren Topspeed mit knapp 250km/h. Nach Runde 1 von 3 führte Michael Rutter vor dem Italiener Bonetti, und insgesamt 4 Kawasakis mit Martin Jessopp, Ivan Lintin, Hickman, Cooper und Michael Dunlop. Ivan Lintin hatte beim Pitstop Probleme mit seinem Visier und verlor einige Zeit, die ihm am Ende auch das Podium kostete.

Am Ende gewann Michael Rutter mit 10 Sekunden vor Martin Jessopp. Vierzig Sekunden dahinter landete Peter Hickman. Mit Rutter konnte auch der italienische Motorradhersteller Paton seinen ersten TT-Sieg feiern.

Dann gibt es noch einige traurige News. Die Tourist Trophy zeigt sich mal wieder von ihrer härtesten Seite, denn auch dieses Jahr kommen wir leider nicht ohne Todesfall aus. Schon im Supersport-Rennen am Montag verunglückte Davey Lambert, der am frühen Mittwoch Morgen seinen Verletzungen erlag. Während des Superstock-Rennens verlor der Niederländer Jochem van den Hoek sein Leben. Nur wenige Stunden später starb auch der Ire Alan Bonner bei dem Sport, den die Fahrer alle so lieben. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der verunglückten Fahrer.

Wir wollen aber mit positiven Nachrichten enden. Am Mittwoch morgen machte ein Streckenposten seiner Kollegin direkt an der Strecke einen Heiratsantrag. Wir wünschen den beiden alles Gute für die gemeinsame Zukunft!

 

Supersport Rennen und Seitenwagen Rennen 1:

Mit 2 Stunden Verzögerung startete der zweite Renntag auf der Isle of Man. Grund dafür waren Regenfälle am frühen Morgen. Schwierig für die Fahrer wurde es im Rennen allemal, da einige Stellen auf dem Kurs noch feucht waren. Nicht am Start waren Steve Mercer und Guy Martin, der sich nach dem Sturz am Vortag noch nicht fit genug fühlte, um an den Start zu gehen. Beim Start zum vier Runden langen Rennen gab es das bekannte Bild. Hillier führte das Feld nach der ersten Runde an, knapp dahinter Michael Dunlop und Dean Harrison. Auf Rang 6 lag der Sieger von gestern Ian Hutchinson, bei dem man schon jetzt merkte, dass das heute wohl nicht sein Tag wird. In der zweiten Runde versagte dann das Motorrad von Dean Harrison seinen Dienst. Er musste das Rennen mit einem gebrochenen Schalthebel aufgeben. Dadurch rückte William Dunlop, der Bruder von Michael auf Rang 3 vor. Am Ende der zweiten Runde ging es zum einzigen Boxenstopp in diesem Rennen. Dunlop und Hillier kamen nahezu zeitgleich rein, und auch nach dem Stopp lagen zwischen den beiden Fahrern keine 3 Sekunden.

Dann drehte Michael Dunlop (Foto: iomtt.com) aber auf und zeigte seine ganze Klasse. In der dritten Runde baute er seinen Vorsprung von Zwischenzeit zu Zwischenzeit auf fast 10 Sekunden aus. Von da an fuhr er auch die letzte Runde sicher nach Hause und konnte nach dem ärgerlichen Ausfall gestern sein erstes Rennen in diesem Jahr gewinnen, und sein 14. insgesamt. Auf Rang 3 landete Peter Hickman, der seine starke Form bestätigte und in der letzten Runde noch William Dunlop abfing. Auf Rang 5 landete Ian Hutchinson. Horst Saiger war nicht ganz so stark wie gestern und wurde am Ende auf Platz 17 abgewunken.

Nach dem Supersport-Rennen stand der erste Lauf der Seitenwagen an (Foto: iomtt.com). Dort gingen mit den Birchall-Brüdern Ben und Tom die Top-Favoriten als erste an den Start. Zu den Favoriten zählten ebenfalls John Holden und Tom Cain sowie die Rekordsieger Dave Molyneux und Daniel Sayle. Die erste Runde beendeten die Birchalls mit einem Vorsprung von 12 Sekunden auf Holden/Cain und Molyneux/Sayle. In der zweiten Runde legten die Birchall-Brüder noch einen drauf. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 200km/h und einer Zeit von 19:19,746 legten sie einen neuen Streckenrekord für die Seitenwagen hin. Der Vorsprung auf Platz 2 lag zu Beginn der dritten und letzten Runde bereits bei 24 Sekunden. Den Vorsprung gaben die Birchalls auch nicht mehr her. Zweiten wurden Holden/Cain, wobei die beiden dieses Jahr das erste mal zusammen fuhren. John Holden war nach dem Rennen voll des Lobes für seinen Beifahrer Lee Cain. Die drittplatzierten Molyneux/Sayle waren am Ende auch ganz glücklich. Für Molyneux war es das 30. Podium beim 50. Start. Seinem Beifahrer Dan Sayle machte das Rennen aber ordentlich zu schaffen - er ließ sich nach dem Rennen erst einmal vom Arzt checken, wobei einige Prellungen am Rippen festegestellt wurden. Zitat des Tages kam von Rennsieger Ben Birchall, angesprochen auf den neuen Rundenrekord: "Die Runde war dann wohl ganz ok." So kann man das natürlich auch sagen!

 

 

Superbike Rennen:

Foto: imott.com

Endlich Rennzeit auf der Isle of Man! Bei bestem Wetter machten sich die Starter bereit. Nicht am Start waren, wie schon länger bekannt John McGuinness und Lee Johnston, der im Training am Freitag schwer stürzte. Mit einigen Knochenbrüchen ist für ihn die Tourist Trophy gelaufen bevor sie eigentlich richtig losging. Lee Johnston (Foto: iomtt.com) bezeichnet seinen Zustand selber als "gut", sein Motorrad sah nach dem Unfall im Training aber übel aus. 

Zum Rennen: Vorne weg startete die Norton von David Johnson mit ihrem herrlichen Sound. Vom Start weg lag James Hillier auf der Kawaski in Führung. Hillier ist bekannt für seine guten Renneröffnungen. Für Comebacker Guy Martin war das Rennen jedoch ziemlich schnell beendet. Er kam schon vor der ersten Zwischenzeit in Glen Helen zu Sturz, verletzte sich aber nicht. Neben Hiller waren sein Teamkollege Dean Harrison, sowie die beiden Favoriten Michael Dunlop und Ian Hutchinson vorne dabei. Die erste der 6 Rennrunden beendete Dunlop als Führender knapp vor Harrison, Hillier, Hutchinson und Hickman. In Runde 2 musste Dunlop in Führung liegend aufgrund von technischen Problemen aufgeben. Am Ende der zweiten Runden standen dann die ersten Boxenstopps an. Dabei verlor Lokalmatador Connor Cummins über eine Minute. Für ihn wäre es wohl ein sicheres Top10-Ergebnis geworden, so gab Cummins kurz nach dem verpatzten Stopp auf. Alles andere als ideal lief es auch für Bruce Anstey, der im ganzen Rennen nicht auf Speed kam. In Runde 4 stoppte er in Ramsey am Streckenrand, setzte die Fahrt nach einer kurzen Kontrolle aber wieder fort. Was genau der Grund fürs Anhalten war, ist nicht bekannt. Glücklich sah Anstey später im Ziel aber nicht aus. Nach dem zweiten Stopp am Ende der vierten Runde lag Hutchinson mit knapp 10 Sekunden Vorsprung vor Harrison und Hickman vorne. Und die letzte Runde sollte nochmal ein Thriller werden. Hickman holte immer weiter auf Hutchinson auf. Erst reduzierte er den Rückstand auf 8 Sekunden, in Ramsey lag er nur noch 1,5 Sekunden hinter Hutchinson. Grund dafür war, dass Hutchinson im Verkehr feststeckte. Sowohl einige überrundete Fahrer als auch James Hiller hielten ihn ein wenig auf. In den letzten Streckenabschnitten konnte Hutchinson dann aber nochmal seine Klasse zeigen und gewann am Ende mit einem Vorsprung von 5 Sekunden vor Peter Hickman das Auftaktrennen der diesjährigen Tourist Trophy! Auf Platz 3 landete der junge Dean Harrison vor James Hillier. Auf Rang 5 landete Dan Kneen, der eine 30-Sekunden-Zeitstrafe verkraften musste. Die handelte er sich beim ersten Stopp wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in der Box ein. Die Top10 komplettierten Michael Rutter, David Johnson, Josh Brookes, William Dunlop und Martin Jessopp. Auf Rang 11 landete der Österreicher und einzige Starter aus dem deutschsprachigen Raum Horst Saiger (Foto: iomtt.com). Für Saiger ist das ein fantastischer Auftakt zur TT. 

Morgen geht es weiter mit gleich zwei Rennen! Zuerst gibt es das erste Supersport Rennen über 4 Runden und am Nachmittag das erste Seitenwagen-Rennen über 3 Runden. Wir sind gespannt, ob Hutchinson den nächsten Erfolg einfahren kann oder ob Michael Dunlop zurückschlagen kann.

 

 

Vorschau:

Foto: Simon Williams Photography

Es ist, gemessen an “normalen” Standards, das verrückteste Motorsport-Event der Welt. Denn normal ist auf der Isle of Man gar nichts. Die Mentalität auf dem kleinen Eiland zwischen England und Irland ist grundverschieden von den größeren Nachbarinseln. Auf der Isle of Man gibt es außerorts keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Man kann auf der Insel also so schnell fahren, wie man will. Egal welche verrückten Geschwindigkeiten man dabei wohl wählt, mit den Startern bei der traditionsreichen Tourist Trophy kann man nicht mithalten. Die fahren im Durchschnitt weit über 200km/h. Die Tourist Trophy wird seit 1907 ausgetragen, bis 1976 gehörte sie auch zur Motorrad-Weltmeisterschaft. Dass sie dann aus dem Kalender gestrichen wurde, liegt unter Anderem an der enormen Länge der Strecke mit knapp über 60 Kilometern. Der Hauptgrund sind allerdings die vielen Todesfälle. Bis heute ließen 252 Fahrer ihr Leben beim Rennen. Im letzten Jahr verunglückten vier Fahrer tödlich. Dass dort Namen wie Paul Shoesmith und Seitenwagenfahrer Ian Bell dabei sind, zeigt, dass es jeden erwischen kann. Ob gestandener Profi oder Hobbyrennfahrer, ein Sturz birgt auf dem Snaefell Mountain Course enorme Gefahr. Das liegt daran, dass es sich hier um gar keine echte Rennstrecke handelt, sondern um abgesperrte Straßen. Die sind teilweise sehr eng, teilweise ist die Qualität des Asphalts schlecht, so dass die Fahrer zahlreiche Bodenwellen und Sprünge überstehen müssen. Trotz einiger Bemühungen von Seiten der Veranstalter ist Sicherheit bei der Tourist Trophy so gut wie nicht vorhanden. Es gibt keine Auslaufzonen - das einzige was einen bei einem Sturz bremst, sind Hauswände, Straßenlaternen und Bäume. Man kann das Rennen aufgrund der unfassbar hohen Gefahr für die Teilnehmer als modernen Gladiatorenkampf bezeichnen. Dem stellen sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Fahrer.

Die beiden großen Favoriten sind Michael Dunlop und Ian Hutchinson (Foto: iomtt.com). Michael Dunlop ist einer der auf der Isle of Man berühmten Dunlop-Familie. Sein Vater Robert gewann 5 mal die Tourist Trophy und verstarb 2008 beim Rennen auf der Insel. Sein Onkel Joey ist der berühmteste und vielleicht beste Straßenrennfahrer aller Zeiten. Er gewann sage und schreibe 26 TT-Rennen. Auch er verunglückte bei einem Straßenrennen. Der Tod von Joey Dunlop im Jahr 2000 war für den Straßensport wie der Tod von Ayrton Senna für die Formel 1 oder der Tod von Dale Earnhardt sr. für den Nascar-Sport. Mit Michael und seinem Bruder William Dunlop startet nun die nächste Dunlop-Generation auf der Isle of Man. Während William bisher noch ohne TT-Sieg ist, konnte Michael schon 13 mal auf der Insel gewinnen. Er startet dieses Jahr erstmals auf einer Suzuki. Die große Frage ist, wie viel Eingewöhnungszeit Michael braucht, um wirklich voll auf Tempo zu kommen. Ian Hutchinson hat dagegen schon Erfahrung auf der BMW sammeln können, die er schon in den letzten Jahren einsetzte.

Hutchinson hat mit 14 Siegen einen mehr als Michael Dunlop (Foto: iomtt.com), und hält den Rekord für die meisten TT-Siege in einem Jahr. 2010 gewann er 5 der 7 Motorradrennen (zusätzlich dazu gibt es noch 2 Seitenwagenrennen). Kurz darauf verunglückte Hutchinson bei einem Rennen der britischen Superbikes und zog sich zahlreiche komplizierte Beinbrüche zu. Während er das Bein nicht wieder vollständig fit bekam - Hutchinson schaltet nun mit dem rechten, statt dem linken Fuß -, hat er seinen ursprünglichen Speed wiedergefunden.

Neben Michael Dunlop und Ian Hutchinson könnte man ohne zu zögern auch den Altmeister John McGuinness hinzuzählen. Der ist dieses Jahr jedoch nicht am Start, da er sich bei einem Rennen im Mai mehrere Bein- und Wirbelbrüche zuzog. Er ist allerdings trotzdem auf der Insel, um seinen Kollegen zuzuschauen.  Dafür ist mit Guy Martin wieder jemand am Start, den man im Vorjahr vermisste. Martin ist aufgrund seiner lockeren Art der absolute Publikumsliebling der TT. Trotz zahlreiche Podestplätze, für einen Sieg reichte es bisher noch nicht. Die Auszeit im letzten Jahr hemmt aber noch seinen Speed. Martin ist in diesem Jahr nur Außenseiter. Siegchancen hat er im Elektrobike-Rennen, der TT Zero, die seit 2010 ausgetragen wird. Das Prestige für den Rennsieg kann aber mit den “klassischen” Rennen nicht mithalten. Ebenfalls auf dem Zettel haben muss man Bruce Anstey, Connor Cummins und James Hillier. Anstey kommt aus Neuseeland, sein Markenzeichen ist der Rübezahlbart und die Fahrweise auf alles oder nichts. Dass man sich auf der Isle of Man noch durch riskante Fahrweise von den Anderen abheben kann, ist eigentlich auch schwer denkbar. Anstey kommt seine große Erfahrung auf der Insel entgegen. Viele Trainings fielen bis jetzt wortwörtlich ins Wasser - bei Regen wird auf der Isle of Man nämlich nicht gefahren. Connor Cummins kommt gebürtig von der Isle of Man, hat also Heimvorteil. Der “Big Boy” - Cummins ist für einen Motorradfahrer mit 1,93m sehr groß - startet dieses Jahr auf einer Honda. James Hillier startet schon seit Jahren auf Kawasaki und es bekannt für seine großartigen ersten Rennrunden. Hillier verliert jedoch im Laufe des Rennens immer etwas an Boden.

Bei der Tourist Trophy laufen die Rennen etwas anders ab. Genau genommen ist es ein Zeitfahren. Mit 10 Sekunden Abstand voneinander starten die Fahrer ins Rennen. Los gehts in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man. Nachdem man den Bray Hill mit über 300km/h entlang rast, fährt man aufs Land hinaus. Ballagary-Corner ist die wohl berüchtigste Kurve der Strecke, von den Fahrern auch liebevoll “Ballascary” genannt. Es geht durch einen Rechtsknick durch eine kleine Ortschaft. Die Schwierigkeit dabei ist, den Scheitelpunkt an der inneren Bordsteinkante genau zu treffen. Bei Licht-Schatten-Wechsel und etwa 280 km/h. Kurz danach folgt die kurvige Glen Helen Sektion, bevor es durch die engen Straßen von Kirk Michael geht. Kurz vor dem Ort Ramsey lauert die Ballaugh Bridge, bei der die Fahrer trotz fast gerade Strecke stark verzögern müssen. Hier entstehen fantastische Fotos, da die Fahrer sehr hoch über die Kuppe springen.

 

Nachdem man den Ort Ramsey durchfahren hat, wartet der Snaefell Mountain, der der Strecke ihren Namen verleiht. Hat man den Berg überfahren geht es über Kates Cottage zurück nach Douglas. Die 60 Kilometer lange Strecke absolvieren die Fahrer dabei in knapp 18 Minuten. 

Aufgrund der vielen ausgefallenen Trainings, startet das erste Rennen am Sonntag, statt wie bisher geplant am Samstag. Dabei handelt es sich um das Superbike-Rennen, das über 6 Runden geht. Am Montag gibt es dann das Supersport-Rennen und das erste Seitenwagen-Rennen (Foto: iomtt.com). Dienstag gibt es das Superstock-Rennen. Am Mittwoch gibt es dann gleich 3 Rennen: Das zweite Supersport-Rennen, die Lightweights und das Elektro-Rennen. Nach einem Tag Pause gibt es am Freitag dann die letzten Rennen. Zuerst das zweite Seitenwagen-Rennen und zum Abschluss das Hauptrennen, “the big one” - die Senior TT. Wir werden für euch das Duell Michael Dunlop gegen Ian Hutchinson weiter verfolgen, oder gibt es am Ende doch einen Überraschungssieger? Wir sind gespannt und hoffen, dass das Wetter auf der Insel mitspielt. Und das wir vielleicht mal wieder ein Jahr ohne Todesfall erleben. Das letzte mal konnte man sich 2001 darüber freuen. In diesem Sinne: Viel Glück an alle teilnehmenden Gladiatoren!

 


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