Nachbericht zum Haldern Pop 2015

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Allgemeines zum Festival
Zeitraum: 13. Aug. – 15. Aug. 2015

Ort: Rees-Haldern (ganz grob zwischen Bocholt und Kleve)

Preis: Frühbuchertickets für 85,00 €, sonst 90,00 € (**siehe Zitate!)

Parken: auch neben deinem Zelt, wenn du denn rechtzeitig kommst

Besonderheiten: es ist gar nicht weit in die Stadt, um noch mal Lebensmittel/frischen Kaffee/belegte Brötchen etc. zu kaufen; in die andere Richtung befindet sich auch ein See; gezahlt wird mit Wertmarken (1,30 €/stck — Umtausch nicht möglich)

Online: http://haldernpop.com/

Festivalgelände
Als Festivalgelände sollte man nicht nur den klassischen Platz mit seinen verschiedenen Bühnen nennen, sondern darüber hinaus auch die Stadt. Denn sowohl die Haldern Pop Bar, als auch die Kirche befinden sich im Herzen der Stadt.

Es gibt jeden Tag vier Bühnen, die den verschiedenen Konzerten ihre unterschiedlichen Schwingungen verleihen. Es sind jedoch nicht jeden Tag die gleichen Bühnen.

Tag eins Tag zwei Tag drei
Spiegeltent (Spiegelzelt) Spiegeltent (Spiegelzelt) Spiegeltent (Spiegelzelt)
Byzanstage ⇒ Mainstage Mainstage
Kirche Kirche ⇒ Keusgen Tonstudio
Haldern Pop Bar Haldern Pop Bar Haldern Pop Bar

Das Spiegeltent (niederländisch für Spiegelzelt) bleibt an den drei Tagen stehen, genau so wie die Haldern Pop Bar ihre Funktion beibehält. Die Byzanstage wird jedoch ab dem zweiten Tag durch die größere Hauptbühne ersetzt. Die Kirche, die sich wie auch die Haldern Pop Bar im Zentrum der Stadt befinden, wird am letzten Tag abgelöst durch das Keusgen Tonstudio. Das Tonstudio befindet sich direkt am Zeltgelände.

Essen/Versorgung
Auf dem Gelände selbst befinden sich verschieden Essensstände, die dem ein oder anderen schon von anderen Festivals bekannt sein können:
Es gibt das Handbrot, selbstgemachte niederländische Pommes oder auch Steinofenpizza, Crêpes, Kuchen und Pralinen und und und… alternativ kann man sich auch in die Stadt begeben und dort morgens schon das Haldern Pop-Frühstück verzehren: ein belegtes Brötchen, Croissant, Kaffee und zwei Eier-Hälften mit Remoulade. Ein herzhafter Start in den Tag! Wenn das Wetter passt, stehen am Bierpilz neben der Haldern Pop Bar ein paar Bierbänke, um das Frühstück in der Sonne zu genießen.

Zelten
Durch eine Besucherzahl von ca.6500 Leuten, ist das Festival nicht so überlaufen, wie manch andere.Das heißt auch, dass der zeltplatz kleiner ist, jedoch groß genug, um sein Auto auch neben dem Zelt abzustellen – auch wenn man dafür pünktlich ankommen sollte! Der Zeltplatz öffnet donnerstags schon um acht Uhr, die Bändchen gibts dann ab 12 Uhr abzuholen.

Musikalische Highlights

Tag eins
Public Service Broadcasting, Byzanstage, 1:25-2:25:
Die zweiköpfige Band aus London brachte ein elektronisches Set mit, das schon beinahe ironisch war, denn: sie haben nicht wirklich mit dem Publikum geredet. Verschiedene Sätze wurden übers Pult abgeschossen, um sich zum Beispiel beim Publikum oder beim Haldern Pop zu bedanken. Doch das ist auch ihr musikalischer Stil: die Texte und Stimmen in ihrer Musik sind Zitate aus verschiedenen (dokumentarischen) Filmen. Kombiniert wurde ihre Musik mit Filmsequenzen, die auf einer großen Leinwand abgespielt wurde. Klingt abstrus, aber dadurch, dass sie auf der etwas kleineren Byzanstage gespielt haben, näher am Publikum waren und es Nacht war, war das ein beeindruckendes Set.

Tag zwei

Soak, Kirche, 12:15-12:45
Soak, eigentlich Bridie Monds-Watson aus Irland, stand zuerst solo in der Kirche auf dem Podium und später am Abend noch mal mit Band im Spiegeltent. Schon solo in der Kirche ist sie überzeugend gewesen. Es war eigentlich draußen schon beinahe zu heiß und drinnen schwitzte man auch, doch die Kirche saß und stand voll von Menschen. Gleichzeitig herrschte andächtige Stille, während sie dort beinahe schüchtern stand und ihre leicht-düstere Musik spielte. Dass sie noch jung ist, mag man ihr noch angemerkt haben, ihre Musik brachte sie dennoch durchdringend rüber. Mit einem Ohrwurm im Kopf streunerte man von diesem einnehmenden Konzert wieder aus der Stadt zum Festivalgelände zurück…

Savages, Mainstage, 21:45-22:45
Der Auftritt überhaupt! Die vier Frauen aus London haben die Bühne auseinander genommen! Als ich mich auf den Weg dort hin machte, wusste ich nicht, dass sie so eine krasse Show hinlegen würden. Jenny Beth hat sich ins Publikum geschmissen, die Band hat einem die Musik ins Blut und in die Knochen getrieben. Das beste Beispiel dafür ist das folgende Video und das gibt nicht im Ansatz wieder, wie es sich angefühlt hat, in dem Publikum zu stehen:
Savages – Husbands (Haldern Pop 2015 präsentiert vom WDR Rockpalast)

 

Nils Frahm, Mainstage, 23:15-00:15
Er hat es geschafft, klassiche Musik auf Festivals zu etablieren. Nils Frahm kommt aus Deutschland und arbeitet als Komponist und Pianist. Auf der Bühne hat er kaum geredet, und sich mit Verbeugungen bedankt. Dennoch ist es ihm gelungen, die Brücke zwischen sich und dem Publikum aufzubauen: durch seine Musik. Er verbindet klassische Instrumente, wie seinen Flügel oder eine Windorgel, mit elektronischen Klangelementen und Synthesizern. Zwischendurch verwendet er auch Klobürsten, um einen speziellen Klang zu erreichen. Es ist nicht nur entspannend, sich in seine Stücke fallen zu lassen, sondern auch spannend ihm beim Musizieren zu zu schauen. Und es wird ein Vergnügen zu sehen, wie viel Spaß er hat, wenn sein Freund Ólafur Arnalds (u.a. Kiasmos) dazu kommt.

Tag drei

Father John Misty, Mainstage, 17:55-01:45
Sarkasmus pur! Schwer zu urteilen, ob der Amerikaner Josh Tillman überhaupt Spaß hatte, als er auf die Bühne musste. Sein Sarkasmus ist aus Interviews bekannt und auch von verschiedenen Internetauftritten, seine Musik bleibt davon nicht ganz frei. Und auch wenn das Publikum nicht all zu groß war, da es in Strömen goss, hat das Konzert dann irgendwie doch auch allen Spaß gemacht, sogar dem Typen im Guns’n’Roses Shirt (s.u. ab Minute 33) und auch Josh Tillman mit seinen sexy moves… definitiv auch was fürs Auge.

Tillman on stage: “Oh it cleared up a little bit. You’re welcome!”

Father John Misty (Haldern Pop 2015 präsentiert vom WDR Rockpalast)

Empfehlung: The Ideal Husband (letzter Song des Auftritts)

The Slow Show, Mainstage, 19:30-20:30
Das Zitat “Für uns ist es ein Erfolg wenn uns die Leute wirklich zuhören.“ beschreibt den Auftritt der britischen Band ziemlich gut. Sie hören sich echt und in sich als Band gefestigt an, vor allem sind sie sehr dankbare Musiker. Das Zusammenspiel mit dem Orchester und dem Chor bei einigen ihrer Lieder führte zum Verstummen des Publikums, vielmehr noch zur Gänsehaut. Sie wissen es, ihr Publikum mit Emotionen und großen musikalischen Gefühlen in den Bann zu ziehen!

The War on Drugs, Mainstage, 00:30-01:45
Rock vom Feinsten! Und glühende Wut, bis Kopf der amerikanischen Band Adam Granduciel vor lauter technischem Frust seine Gitarre in seinen Amp schmettert. Es sind auch hier die Echtheit der Band, die prächtige Gitarre Granduciels, das Baritonsaxophon gespielt durch Jon Natchez, die das Publikum, vor allem zu später Stunde und in der Dunkelheit, in sphärischen Ebenen verweilen lassen. Denn vor allem die Dunkelheit und irgendwie auch das regnerische Wetter passen zu diesen psychedelischen Songs.

Trotz einiger Unwetterwarnungen wurde das Haldern Pop 2015 nicht abgebrochen. Die ersten zwei Tage war auch prächtiges Wetter, erst Samstag hat es unglaublich stark geschüttet und ziemlich viel unter Wasser gesetzt. Das hat der Musik jedoch keinen Abbruch getan und auch der Stimmung nicht.

Vielen Dank Haldern Pop 2015.

 

Handbrot

Und hier noch ein paar Zitate der Festivalbesucher

“Das Haldern ist von der Stimmung her einfach das netteste, was ich jetzt so kennen gelernt habe. Und die Musikauswahl… man weiß ja meistens nicht was kommt und das macht es interessant. Man wird immer positiv überrascht!”

“Wir kommen jedes Jahr! Es ist klein, entspannt und einfach sehr gemütlich. Nicht so voll und groß wie zum Beispiel das Lowlands und das gefällt mir sehr gut… Außerdem sind wir alle Fans von deutschen Festivals. Die Deutschen bekommen das mit den kleinen Festivals doch etwas besser hin.”
[Gruppe aus Amsterdam]

“Wir finden das Programm einfach echt gut! Es ist ziemlich klein, auch kleine Bands, zumindest ist das mein Eindruck und doch ist immer wieder etwas neues dabei und das finde ich richtig gut!”
[Gruppe aus Wageningen, NL]

“Ich finds so ein geiles Festival als solches, weil es so friedlich ist, harmonisch. Ganz tolle Leute, links und rechts. Überall wo du dich mit hin stellst… ich könnte jetzt da hinten hingehen, zeig mir einen Platz und ich komme mit den Leuten gut klar. Nicht, weil ich so ein toller Mensch bin, sondern einfach nur, weil ganz ganz viele nette Leute hier sind.”

**“Das fand ich auch immer ganz schön, dass das so klein gehalten wird. Obwohl die Tickets irgendwie schon nach drei Sekunden ausverkauft sind, im Oktober des Vorjahres schon und der Server bricht seid zwei, drei Jahren zusammen. Aber das macht man irgendwie mit, das ist Haldern.”
[Gruppe aus Berlin]

“Wenn schwanger und ein Festival, dann Haldern. Weils hier harmonisch ist und man weiß, dass die Leute hier korrekt sind.”

Zum Konzert von Nils Frahm: “Fantastisch! Ich bin im siebten Himmel gewesen!”

Fandest du es kontrovers, dass Nils Frahm auf einem solchen Festival auftritt?
“Das finde ich halt gerade richtig, dass alles da ist. Ich fände es langweilig, wenn nicht ein paar Überraschungsacts dabei wären, die aus dem ganzen Indiegejaule ausbrechen [lacht]. Das ist schon wichtig, die Abwechslung. Dadurch bleibt man ja auch frisch als Zuhörer.”

Zum Auftritt von Kate Tempest:
“Das ist eigentlich absolut nicht die Musik, die ich mir zu Hause anhöre… aber der Auftritt war echt besonders… ein Gänsehautmoment!”
[Gruppe aus Wageningen, NL]


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