Der Coffeeshop

Heute mit Studiogästen vom "Flashmob 800:10", einem Pilotprojekt zur Vorlesungsaufzeichnung an der Uni und dem Kunstprojekt "Skulpturen" in Münster.

Begriffe wie "Flüchtlingslawine" und "Überfremdung" vergiften die Stimmung in der Diskussion über Geflüchtete. Max und Lorenz Wielenga wollen dagegen angehen, dass der Anteil von Flüchtlingen in der Bevölkerung subjektiv als höher wahrgenommen wird, als er tatsächlich ist. Für morgen abend haben sie einen Flashmob geplant, bei dem sich die Teilnehmer im Verhältnis 80:1 auf dem Domplatz aufteilen. Das soll den tatsächlichen Anteil der Flüchtlinge in Deutschland verdeutlichen.

Das zentrale Element des Studiums erhält ein Update: Die Vorlesung. Künftig konnen Vorlesungen an der Uni Münster per Videokamera aufgezeichnet werden. Das Ergebnis würde ungefähr so aussehen, wie man es von Samstagabend-Fernsehshows her kennt: Im Fokus der Dozent auf der Bühne, im Hörsaal das Publikum aus Studenten. Was an anderen Unis wie in Cambridge, Standford oder Hamburg und München schon Standard ist, wird nun auch Stück für Stück in Münster eingeführt. Verantwortlich dafür ist Dr. Markus Marek von der Uni Münster: 

"Im Prinzip kann der Lehrende bei uns eine Aufnahme beauftragen. Dabei wird

halt der Dozent im Bild aufgezeichnet, dazu halt die Folien und natürlich der

Ton der Vorlesung. was gleichzeitig auch möglich sein soll, ist dass die Studierenden auch reinzoomen, da wir in einer höhren Qualität aufzeichnen

möchten. Es kann ja durchaus vorkommen, dass auch Tafelanschriebe

benutzt werden, ich sag mal jetzt in Matheveranstaltungen, und dann muss man natürlich auch erkennen können, wenn der Dozent die Tafel benutzt,

was darauf geschrieben worden ist." 

Die komplette Vorlesungen wird über das Learnweb abrufbar sein, so wie die Vorlesungsfolien auch zum Download bereitstehen. Ein Livestreaming der Vorlesung wäre ebenfalls denkbar. Smartphone raus und sich mobil in die Vorlesung einklinken? Dann kein Problem mehr. Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand, sagt Dr. Marek:

Ich glaube auch dass das zur Flexibilisierung des Studiums beitragen kann.

StichwortOrt und Zeitunabhängigkeit. Auch Möglichkeiten die Barrierefreiheit

zu erhöhen. Auch für Studierende die anderweiter gebunden sind. Ob das jetzt

durch Kinder ist oder durch Angehörige, die versorgt werden müssen, oder

auch die Notwendigkeit, dass man auch Jobs nachgehen muss. Ich glaube hier

liegen auch Chancen für die Studierenden im eigenen Tempo Sachen zu lernen,

gerade bei den Vorlesungsaufzeichnungen, hat man natürlich auch die

Möglichkeit, immer wieder anzuhalten, zu stoppen, sich Zusatzinformationen zu holen.

So schön das auch klingt, derzeit befindet sich das Projekt noch in der Pilotphase. Mit Technik ausgestattet sind bislang drei Hörsäle im Schloss, Fürstenberghaus und H1. Weitere sollen bereits nächstes Semester folgen. Bis Anfang 2017 soll die Testphase, die auf Initiative des Asta Fahrt aufgenommen hat, beendet sein.

 

Ein Risiko bleibt: Viele Professoren könnten befürchten, dass Hörsäle leer bleiben, wenn Vorlesungen auch online einsehbar sind. Bisherige Untersuchungen belegen diese Angst allerdings nicht. Um den Übergang von Testphase in die tatsächliche Umsetzung bestmöglich zu gestalten, arbeitet die Uni Münster auch eng mit Unis zusammen, die bereits Erfahrungen gesammelt haben.

Wir sind auch ganz gut in der gesamten deutsch E-Learning Community

vernetzt. Wir kennen auch die E-Learning Supportstellen an anderen deutschen Unis, da wird teilweise auch sehr viel aufgezeichnet, da findet ein reger Austausch statt und wir orientieren uns an guten Ergebnissen und Erfolgen.

Die Uni geht nun also den nächsten großen Schritt Richtung Digitalisierung. Bis das Update installiert ist, bleibt aber nichts anderes, als auch die Vorlesung um acht zu besuchen.

 

Die großen weißen Kugeln am Aasee gehören mittlerweile zu den Wahrzeichen der Stadt Münster. Aber das war nicht immer so. Die Giant Pool Balls wurden im Rahmen der ersten Skultpuren-Projekte 1977 aufgestellt – ein Kunstfestival, das seitdem alle 10 Jahre in Münster stattfindet. Damals war das Verhältnis der Münsteraner_innen zu den Aaseekugeln und den anderen Skulpturen des Festivals noch kein so gutes wie heute. Eine konservative Fraktion aus Studierenden und Bürger_innen kämpfte gegen die Verteilung von zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum.
Die Künstler mussten teilweise unter Polizeischutz arbeiten, manche Skulpturen wurden demontiert oder beschädigt. Erst im dritten Lauf 1997 veränderte sich das Verhältnis der Münsteraner_innen zu den Skulpturprojekten. Dass die ganz gut zu dem Image der für Münster so typischen breiten Schicht des Bildungsbürgertums passten, war sicherlich ein Grund dafür. Ein anderer, dass das Festival alle zehn Jahre Touristen und Kunstinteressierte aus aller Welt in die Stadt zieht.

Die Skulpturen werden aber nicht nur im öffentlichen Raum aufgestellt, sie sollen sich auch zu ihm verhalten und mit ihm auseinandersetzen. Dabei steht vor allem die Frage im Zentrum, wer sich wie im öffentlichen Raum bewegen kann und darf. Britta Peteres, eine der Kourator_innen erklärt, es sei das Anliegen der Skulptur-Projekte, ein kritisches Bewusstsein für Zugänglichkeiten zu schärfen. Es soll ein Finger darauf gelegt werden, dass Aufenthalt im öffentlichen Raum meist durch Konsum bedingt oder eben verhindert wird.

Öffentliches Leben ist aber schon längst nicht mehr ausschließlich das, was sich vor der Haustüre abspielt. Ein großer Teil unseres Lebens und unserer Kommunikation findet online statt; auch mit der dieser Form von Öffentlichkeit, der digitalen, setzen sich die Skulptur-Projekte auseinander. So beschäftigen sie sich beispielsweise mit der zunehmenden Digitalisierung, im Zuge welcher sich die als gesetzt angenommene Trennung von Öffentlich und Privat verschiebt. Vor allem die neue kritische Öffentlichkeit, die sich in sozialen Netzwerken herausbildet, steht hier im Vordergrund.

Die nächsten Skulptur-Projekte finden im Sommer 2017 statt. Die Veranstaltungsreihe dazu hat schon begonnen und bietet regelmäßig die Möglichkeit, sich zu dem Diskurs zu informieren und auszutauschen.


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