Interview mit Teksti-TV 666

"Sie wollten, dass wir leiser spielen - wir wären zu laut. Wir haben einfach alle angefangen zu spielen, so wie immer, und der Soundtyp war total sauer, dass wir so laut waren. Ich dachte, es wäre klar gewesen: Wir haben fünf Gitarren!"

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Obwohl die finnische Band Teksti-TV 666 scheinbar der Horror vieler Soundtechniker ist, auf dem Eurosonic Festival gehörten sie mit zu den spannendsten Bands - wohl auch genau deshalb! Im Stile von Sigur Rós hämmern die Mitglieder teilweise mit Drumsticks auf ihre Gitarren ein, Melodien und Rhythmen werden minutenlang wiederholt und Stück für Stück spielt sich die Band in einen Rausch aus Krautrock, Shoegaze und Rock ‘n’ Roll - der Zuschauer ist eingeladen, sich in diesen Rausch fallenzulassen. In ihrer Heimat haben sie sich bereits einen Namen erarbeitet und versuchen nun, auch auf der großen europäischen Bühne Halt zu finden.

Teksti-TV 666 besteht aus acht Mitglieder, fünf bzw. teilweise sogar sechs Gitarren spielen gleichzeitig und kreieren einen druckvollen Sound. Was am Ende dabei herumkommt, würden sie selber als "repetitive, noisy and still pretty poppy in some way" beschreiben. Wobei sie repetetiv ganz klar eines ihrer Markenzeichen sehen: "Wir können eine Note für über 12 Minuten spielen und lieben es! Es ist keine Beleidigung für uns, wenn unsere Musik repetetiv genannt wird - es ist schließlich unsere Stärke". Neben den sich wiederholenden Elementen gibt es aber auch immer wieder catchy Melodien und spannende Einschübe. Wiederholungen ohne Langeweile!

Mit acht Mitglieder gibt allerdings auch jede Persönlichkeit ihren Anteil zu der Musik und vielleicht klingt Teksti-TV 666 gerade deshalb auch so spannend und frisch. Den Plan, so viele Mitglieder in die Band zu holen, gab es allerdings nie. Eigentlich hat es als Trio gestartet, nach und nach kamen immer mehr Freunde dazu. Sogar Mitglieder der finnischen Band French Flims traten der Band bei, ebenso wie der eigene Bandfotograf:

"Er begann eigentlich als Bandfotograf, aber er ist auch ein talentierter Gitarrist. Also dachten wir uns: Na komm, häng ab mit uns. Mach einfach zu Beginn der Shows die Fotos und dann komm mit auf die Bühne und spiel mit uns. Zuerst waren es ein paar Songs am Ende des Sets und dann hat er doch irgendwann ganze Shows mit uns gespielt."

Dass es keine Probleme mit den immer wieder neuen Bandmitglieder gibt, liegt wohl daran, dass jedes Mitglied nur Kleinigkeiten zum Sound besteuert. Im Interview wurde deutlich, dass niemand dem anderen in eine gutes Riff reinspielen oder sich zu sehr in den Vordergrund stellen möchte - jeder versucht durch und durch Band-dienlich zu spielen.

Schnell wurde auch klar, dass es für Teksti-TV 666 um die grundlegendsten Werte im Rock 'n' Roll geht - im Gespräch vorgeführt am Beispiel von David Bowie: "Rock 'n' Roll sollte immer diesen einen Faktor haben, der sich selber nicht zu ernst nimmt, den 'stupid factor'. Und ich glaube, dass Bowie eben diesen Faktor hatte - ebenso wie wir ihn hoffentlich haben. Rock 'n' Roll sollte nie zu ernst sein. Habe eine gute Zeit und liebe, was du tust." Dass sich die Band selber nicht zu ernst nimmt, wird wohl auch schon das Pressefoto oben gezeigt haben.

Allerdings können sie ganz Rock ‘n’ Roll-typisch auch austeilen und Stellung beziehen: "Die Regierung (in Finland) ist scheiße, es ist die schlechteste überhaupt. Es wird zu einem großen Witz - da sind Leute wie Trump, welcher nicht mal qualifiziert für diese Position ist. Und das Gleiche passiert in Finland, bloß auf einem anderen Level: Reality-TV Stars werden Politiker und regieren das Land. Die Medien zeigen den Leuten auch auf, wie schlecht sie sind und welche dummen Sachen sie machen, doch werden sie einfach wieder gewählt."

Leider gibt es aktuell keine Tourdaten der sympathischen Band aus Finnland - sie arbeiten aber stetig an neuem Material und veröffentlichen sicher auch bald schon wieder eine neue EP. Ein richtiges Album wird es wohl kaum von der Band geben. Sie mögen keine langen Album, zumindest nicht für ihre eigenen Songs. Die einzelnen Songs bekommen dadurch mehr Aufmerksamkeit.

 

Sören Heuer


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