Turbostaat
15. DEZ 2009 | Gleis 22, Münster | ausverkauft
Draußen ist es bibber-kalt, die Zähne klappern, das Fahrrad quietscht und friert fast auf dem Radweg fest: Vätterchen Frost hat sein Gichtgriffel („Endlich!“ schreit der eine - der sich weiße und kalte Weihnacht wünscht, damit der Glühwein endlich nach Glühwein schmeckt und man nicht an Ballermann-verkehrt denkt, wenn man die rote Flüssigkeit die Kehle runter stürzt - „Oh nein!“ denkt sich der andere - der sich an die milden und fast frühlingshaften Winter in Münster gewöhnt und sie fast schon zu schätzen gelernt hat) so fest es geht um Münster gekrallt und mag nicht mehr los lassen und die Straßen sind bei der Kälte fast leer.
Im Gleis angekommen, das komplette Gegenteil, es ist – noch - muckelig warm, die Vorband spielt und der Laden ist ordentlich gefüllt. Die Vorband spielt weiter – ohne groß Eindruck zu hinterlassen – ihren Mix aus Escapado und kalifornischem Melodycore. Ganz nett, bleibt aber – zumindest bei mir – nicht hängen. Dann – nach kurzer Bierpause – gehts endlich los.
Turbostaat kommen auf die Bühne, begrüßen die Anwesenden im restlos ausverkauften Gleis und gehen ans Werk. Sie spielen alte, neue und neueste Songs, wobei die Songs von der „Vormann Leiss“ am Besten angekommen bzw. am lauthalsesten mitgesungen und abgefeiert werden. Die Temperatur ist mittlerweile von muckelig warm auf höllisch heiß gestiegen und mit ihr exponentiell die Stimmung, die bei „Haubentaucherwelpen“, „Am Ende einer Reise“ oder „Insel“ - bei dem das ganze Gleis kollektiv „Husum verdammt!“ skandiert – nahe dem Höhepunkt ist. Herrlich.
Zwischendrin werden einige Songs des im Frühjahr erscheinenden neuen Album gespielt bevor mit „Vormann Leiss“ das reguläre Set der Nordlichter sein Ende findet. Nach der 3 Songs umfassenden Zugabe gibt’s ein kurzes „Wir waren Turbostaat und ihr wart Münster“ und nach weiteren „Zugabe“-Rufen ein „Vielen Dank, aber wir sind alt“ zur Verabschiedung. Gott sei dank ist mir jetzt – wo ich durch die bitterkalte Münsteraner Nacht muss - warm ums Herz und ich denke so bei mir: „Jeder Zeit wieder.“ Hoffentlich bald.
Steffen Lehmann



