Kilians

18. DEZ 2009 | Rosenhof, Osnabrück

Osnabrück liegt ja gleich um die Ecke – wenn keine Schneemassen den Weg dahin blockieren. Nach rund zwei (gefühlten fünf) Stunden Autofahrt komme ich endlich beim Rosenhof an. Vor dem Club hört man noch keine Gitarrenverstärker. Die Kilians haben also noch nicht angefangen. Dafür aber die Vorband, die hat nicht nur angefangen sondern ist schon fertig. Ob das also die nächste Hit-Kombo war, kann ich nicht beurteilen.

Das Konzert der Kilians geht um kurz nach neun los, eingeleitet mal wieder durch irgendeinen Trashhit. Der Laden ist voll, aber man kann recht weit vorne stehen, ohne Platzangst zu bekommen. Solange man nicht in der Mitte steht, denn da tummelt sich die Simon-Fraktion. Der will mal nicht so sein und schüttelt fleißig die Hände seiner Fans. Pech für die Eltern, das Geschenk kann an Heilig Abend wohl nicht getoppt werden.

Etwas weiter rechts und links stehen die Tanznerds. Neben mir ein ganz besonderes Exemplar. Er stampft seine Beine in den Boden als gibt’s kein Morgen mehr. So eine Tanzwut steckt an, mich jedenfalls. Also: Das Astra schnappen und rein ins Gewühl.

Während Simon wieder voll in seinem „Laber“-Element ist, bleibt der Rest der Band wie immer still, wenn man jetzt die Instrumente abzieht. Die sind dafür um so lauter. Locker wird sich von Song zu Song gehangelt und der abgenutzte aber nicht zu leugnende Vergleich mit den Strokes drängt sich immer mal wieder auf.

Wer schon mal auf einem Kilians-Konzert war, weiß das die Jungs auch immer ein paar Cover-Songs raushauen und damit nicht selten für eine kleine Überraschung sorgen. Diese Überraschung ist dieses Mal ein Eminem-Cover. Gar nicht so schlecht umgesetzt. Zudem gibt’s noch ein kurzes Phil Collins Medley.

Mein Highlight des Abends ist das überarbeitete „Something to arrive“ das die Dinslakener in eine Art Jazz-Kostüm gezwängt haben. Bei solchen Nummern merkt man ja oft, wie wandlungsfähig und auch wie offen eine Band für Neues ist. Ich würde sagen: Test mit 1- bestanden.

Aber natürlich sind auch Klassiker nicht vergessen worden. „Dizzy“ oder „Fight the Start“ sind ebenso wenig aus einem Kilians-Konzert wegzudenken, wie die etwas poppigeren Nummern des zweiten Longplayers. Davon gefallen hat besonders „Legally Fly“.

Da das Konzert ja im Rahmen der Kilians-Weihnachtstour stattfand, kamen die Jungs zur Zugabe in Nikolauskostümen auf die Bühne und verteilten stilecht Geschenke. Was da drin war, kann ich nicht sagen, hab keins gefangen. Nach rund 90 Minuten war’s dann vorbei, was bei einigen Fans eine gewisse Enttäuschung hinterließ, besonders, weil die Kilians im nächsten Jahr eine Pause einlegen.

Musikalisch hat das Konzert aber gefallen und mir war das frühe Ende auch ganz recht, schließlich hatte ich noch den Weg zurück durch den Schnee vor mir…

Daniela Herrmann