World War Me - World War Me

Seit Gründung 2001 haben My Chemical Romance begeistert wie kaum eine andere Alternative-Rock-Band. Ausgeklügeltes Songwriting mit hohem Hitpotenzial und noch mehr Konzept dahinter. 2013 war Schluss. Bekanntermaßen endgültig, doch nicht wenige Fans hoffen noch immer auf eine Reunion. Da hilft es dem Seelenfrieden auch nicht unbedingt, wenn (inzwischen Ex-) Gitarrist Frank Iero fleißig mit seiner Band The Patience Tonträger veröffentlicht und durch die Lande tourt.

Auch für Stephen Krypel dürfte damals mit der Bekanntgabe der Auflösung eine nicht zu kleine Welt zusammengebrochen sein. Waren My Chemical Romance doch der Grund, warum sich der heutige World War Me-Chef dazu entschied, sein Leben der Musik zu widmen. Vielleicht ist auch diese innere Verbundenheit zu den Königen der großen Dramaturgie ein tatsächlicher Grund, wieso World War Me nicht selten stark an sie erinnern. Nach dem Motto „was gefällt, das adaptiert man" – zumindest früher oder später. Wie eine Kopie klingen World War Me deswegen aber freilich nicht. Eher wie junge Musiker voller Leidenschaft, die bereits bei ihrem Debütalbum ganz genau wissen, in welche Richtung sie langfristig wollen.

Fast fünf Jahre hat Stephen Krypel mit Produzent Nicholas Matthews zusammengearbeitet. Etliche Songs sind in dem Zeitraum entstanden, unter anderem auch alle, die nun Teil von „World War Me" geworden sind. In den Jahren sind aber nicht nur Dutzende Lieder niedergeschrieben, umstrukturiert oder sogar verworfen worden, es wurde maßgeblich auch am Sound gearbeitet. Das Debütalbum sollte nicht nach irgendetwas klingen, sondern ganz unverkennbar nach einer bestimmten Band. Jetzt schwanken World War Me zwischen großartigen poppigen Melodien, die aber nicht wie so vieles in der modernen Poplandschaft total charakterlos sind, sondern kaum mehr von ebendiesem zeigen könnten, und harten Rock-Passagen, die keinen Zweifel daran lassen, dass Krypel und Co. in den vergangenen Jahren nicht nur Positives und Angenehmes erleben durften.

„The Good Enough" fängt dabei mit seinem sich immer weiter aufbauenden Intro beinahe episch an. Schon direkt zu Beginn zeigen die fünf jungen Männer ihr Talent für starke Riffs und Timing; eben die Dinge, die gutes Songwriting ausmacht. Sie holen ab und nehmen mit – und das immer und immer wieder. Kann man sich bei „Mr Misery" ob der obskuren Old School-Attitüde kaum ein Grinsen verkneifen, wurde bei „Break A Leg Kid" weniger Wert auf klassischen Pop-Punk gelegt. Hier stehen nicht die Melodien im Vordergrund, sondern starke Akzente. Zumindest in den Strophen.

Ob nun mal der Bass im Vordergrund stehen darf („Escape") oder sich gar am Sprechgesang probiert wird („Fire And Flames"), World War Me wissen, wie sie ihre Hörer bei der Stange halten können ohne dass auch nur ein Moment der Langeweile aufkommt. Mit „From The Fear" wird es gegen Ende mit einer verspielten, unschuldigen und schmerzvollen Ballade nochmal romantisch (obwohl sie sogar in demselben Sound gekleidet ist wie ihre Vorgänger), das Schlusslicht bildet der Akustiktrack „Color Me Sick". Über einen Mangel an Vielseitigkeit und Kreativität kann und darf man sich hier gewiss nicht beschweren.

Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum vereinen World War Me mit poppigen Melodien und harten Riffs gekonnt zwei sehr unterschiedliche Elemente und klingen dabei so, als würden sie das Ganze schon seit Jahren und etlichen Tonträgern machen. Sicher, die Ähnlichkeit zu My Chemical Romance lässt sich hier keinesfalls wegdiskutieren, allerdings stören die Gemeinsamkeiten nicht. World War Me sind freilich mehr als eine Tribute-Band, die es nie überwinden konnte, dass sich ihre großen Helden aufgelöst und sich anderen Projekten gewidmet haben. Sie sind kein Ersatz, sie sind etwas ganz Neues.


Von:
Leonie Wiethaup
Label: 
SharpTone Records
VÖ: 
13.10.2017
Herkunft: 
Chicago, USA