William Fitzsimmons – Pitsburgh

Der wohl bekannteste Bart der Musikwelt ist zurück: William Fitzsimmons! Zu Beginn seiner Karriere nur wenigen Leuten ein Name – und damit als Geheimtipp bezeichnet worden – wuchs die Anhängerschaft des Singer-Songwriters in den letzten Jahren stetig. Im Verlauf dieser Jahre veröffentlichte William Fitzsimmons sechs Alben. Waren die ersten beiden Alben (“Until When We Are Ghosts”, 2005 und “Goodnight”, 2006) noch Selbstproduktionen, ging es für das dritte Album (“The Sparrow And The Crow”, 2009) erstmals ins Studio. Nun ist es etwas mehr als ein Jahr her, dass der gebürtige Amerikaner sein letztes Werk “Lions” herausgebracht hat.

Bis er seinen nächsten Longplayer veröffentlicht, dauert es noch ein wenig. Die Wartezeit der zunehmenden Fans verkürzt er unterdessen mit zwei Minialben, die beide dieses Jahr erscheinen. Das erste Minialbum heißt “Pittsburgh” und gilt als Hommage an seine Heimatstadt und Stadt seiner Jugend. “Pittsburgh” schließt sich thematisch und musikalisch nahtlos an seine vorherigen Alben an. Es ist wieder ein Album mit persönlichen Themen und ein Nachruf für seine Großmutter. Der studierte Psychologe verarbeitet auf dem Werk, wie schon auf früheren Alben, die Geschehnisse aus seinem Leben. Denkt man bei “Pittsburgh” zuerst an eine erfreuliche Hommage, ändert sich dies beim Hören. Statt freudiger Huldigung ist es eine bedächtige Verarbeitung, verteilt auf insgesamt sieben Songs.
“Pittsburgh” handelt von Trauer und Verlust. So ist die Grundstimmung des Albums gedämpft und bedrückt.

Auf “Pittsburgh” bekommt man den vertrauten Klang William Fitzsimmons‘ zu hören. Direkt der erste Titel “I Had To Carry Her (Virgina’s Song)” lässt die fast schon zerbrechliche Stimme des Bartträgers anklingen. Das Lied könnte derartig auch auf seinen früheren Alben zu hören sein. Was er sich von der Seele singen muss, haucht Fitzsimmons‘ dabei zu Piano, Gitarren und dezenten Percussion. Sanft und leise singt er: I saw her lying there on the table / buried in flowers cross that I made for her / I’m sorry it took me two years to come home. Der intime Sound lebt vor allem von seiner gefühlvollen Stimme. Aber eben diese Stimme macht die Worte, die er singt, und seine Trauer glaubwürdig. Genauso passen bei “Falling On My Sword” Stimme und Text zusammen. Durch den Pathos und die Bedeutung des Textes treten jedoch die Instrumente in den Hintergrund. Insbesondere bei “Falling On My Sword” dümpeln Gitarre und Perkussion meist nur vor sich hin und versuchen sich gegen die Stimme zu behaupten. Das schaffen sie dabei nicht wirklich. Die Lieder besitzen eine beruhigende Wirkung, sind schön anzuhören und berühren einen eventuell. Sie ergreifen einen jedoch nicht komplett.

Zwischendurch werden die Lieder elektronischer – ein erprobtes Mittel Fitzsimmons‘ – wenngleich sie ihre melancholische Grundstimmung beibehalten. Dieses wendet er auch bei den Liedern “Better” und “Matter” des neuen Albums an. Beide Songs ähneln sich nicht nur vom Namen, sondern klingen fast identisch. Die Lieder haben einen sehr ähnlichen Takt, der nicht großartig variiert und schnell marginal erscheint. Dabei weiß man, dass Fitzsimmons das Mittel elektronischer Parenthesen eigentlich besser kann. Erinnert man sich etwa an “Afterall” von “Goodnight” oder “Psychasthenia” von “Gold In The Shadow”. Im Vergleich dazu wirken die weichen elektronischen Klangflächen auf “Pittsburgh” wenig ausgereift. Die elektronischen Stücke sind eindringlich, aber nicht eindrücklich.

Beim Titelsong des Albums zeigt Fitzsimmons sein ganzes Können und drückt die Verehrung für seine Heimatstadt in Worten aus. Er erzählt von seiner Jugend in Pittsburgh: Should you survive the fall from the branches we have climbed / lost yourself in years the ones we left behind. Ein Lied, dessen elegische und wehmutsvolle Stimmung man nachvollziehen kann, wenn man seine Heimatstadt besucht und sich dabei nochmals an einstige Kindheitserfahrungen- und erlebnisse erinnert. Ein melancholisches, von Gitarren getragenes Arrangement.
Beeindruckend ist die ehrliche Art und Weise, mit der er den Verlust seiner Großmutter musikalisch und textlich in “Beacon” und “Ghosts of Penn Hills” verarbeitet. Nachdenklich singt er dort Now my grandmother’s body is in the earth but I see her every night. Die Lieder lassen eine traurige, aber zugleich fesselnde Atmosphäre aus Ruhe und Hoffnung entstehen. Einem kommt die ganze Wucht der Emotionen entgegen.
Stilistisch zeichnet sich “Pittsburgh” durch keine große Weiterentwicklung aus und es gibt kein Lied das heraussticht. Das Minialbum ist als gesamtes Werk rund. Man muss sich jedoch auf Fitzsimmons’ Musik und deren doch meist gedrückte Stimmung einlassen. So nah an ihre emotionalen Wunden gehen nur die wenigstens Künstler. Dennoch fördert die Musik nicht den Wunsch den Sänger in den Arm zu nehmen. Vielmehr will man sich die Zeit nehmen, ihm zuzuhören. Dies muss man auch, denn hört man das Album nur nebenbei, verkommt es zu reiner Hintergrundmusik.


Von:
Steffen Jöne
Label: 
Grönland Records
VÖ: 
15.05.2015
Herkunft: 
Springfield, Illinois (USA)