William Fitzsimmons – Charleroi: Pittsburgh Volume 2

Ein studierter Psychologe, der sich mithilfe seiner Musik anscheinend selbst therapiert – so könnte man William Fitzsimmons beschreiben. Auf seinem neuen Album “Charleroi: Pittsburgh Volume 2″ verarbeitet der Amerikaner dabei weiter seine Familiengeschichte. Es ist der zweite Teil der Pittsburgh Geschichte, die zwei Minialben (“Pittsburgh” enthält sieben, “Charleroi” sechs Lieder) umfasst. Auf beiden Alben erzählt Fitzsimmons von der Beziehung zu seinen beiden Großmüttern. Während “Pittsburgh” der Großmutter gewidmet war, die er noch zu Lebzeiten kennenlernen konnte, handelt “Charleroi” von seiner Großmutter, die er nie getroffen hat – sie kam aus Charleroi in Pennsylvania. Die Hintergundgeschichte des zweiten Minialbums ist dabei um einiges komplizierter: Fitzsimmons’ Vater wurde als Kind adoptiert und fand erst nach sechzig Jahren seine leibliche Familie wieder. Diese Geschichte arbeitet sein Sohn nun mit “Charleroi” auf.

Auf dem Album beschreibt William Fitzsimmons in gewohnt dezenter Gitarrenbegleitung ebenso intime wie autobiografische Erlebnisse der Familie. Dabei vereint er Melancholie mit betrübten Gefühlen und erschafft sechs Lieder mit durchgehend sanften Tönen. Dazu bedient sich Fitzsimmons schüchterner Gitarrenklänge, bedächtiger Keyboards, unaufdringlicher Percussion und vereinzelter Streicher. Bei allen Lieder wird er von einer weiblichen Harmonie-Stimme unterstützt.

Die Songs hören sich aufgrund der meistens einfachen Songstrukturen recht simpel an. Sie werden von Gitarrenklängen, zu denen oft Streicher (“People Change Their Minds”, “A Part”) oder Keyboards (“Hear Your Heart”) dazukommen, getragen. In “Hear Your Heart” singt Fitzsimmons mit zerbrechlicher Stimme: “Well I never saw your face / before Jesus took my eyes / and I don’t know what I’d say / if I’d found you still alive [...] / and I know it broke your heart, when they took away your son“. Beeindruckend ehrlich beschreibt er seine Gefühle und legt sie dem Hörer dar. Wenn er aber wie in “A Part” Zeilen wie “Wonder if she thinks of me / I was apart from her / but I am a part of her” singt, kann das auch mal ins Rührselige abdriften. Statt mit Texten fesselt “A Part” daher eher noch mit der etwas verzerrten Stimme Fitzsimmons.

Ausgerechnet der Titelsong “Charleroi” fällt jedoch gegenüber den anderen Liedern ab und klingt eintönig. Die beiden letzten Songs des Albums können hingegen überzeugen. “Fare Thee Well” erfreut mit einem tollen Zusammenspiel aus Streichern und Percussions und mal etwas lauteren Klängen, die sich aufbauen. “Nothing Can Be Changed” entwickelt sich durch Schlagzeug und sanften Percussions zum Höhepunkt des Albums, auch wenn es erneut ziemlich sentimental wird: “I was walking down the path she left [...] / that night I staid in that motel room she past along“.

In Anbetracht der Thematik von “Charleroi: Pittsburgh Volume 2″, die persönlicher kaum sein könnte, singt William Fitzsimmons meist mit unaufgeregter Stimme, wobei sie dadurch teilweise zu sensibel wirkt. So entwickelt sich aus einem Pathos der Betrübtheit vielmehr eine Art Wehleidigkeit. Dieser Eindruck wird durch einige Textzeilen unterstützt. Musikalisch betrachtet überzeugt das Album in höherem Maße. Zwar können nicht alle Lieder einen bleibenden Eindruck hinterlassen, Songs wie “Fare Thee Well” oder “Nothing Can Be Changed” beeindrucken dennoch mit einer Komplexität aufgrund der perfekten Arrangements, die sich hinter den simplen Songstrukturen verbergen. Nur leider zeigt sich diese feinsinnige Art der Komposition nicht in allen Liedern.


Von:
Steffen Jöne
Label: 
Grönland Records
VÖ: 
01.04.2016
Herkunft: 
Springfield, Illinois (USA)