Albert Hammond Jr. – Momentary Masters

Die Vergänglichkeit des Moments und Augenblicks. In einem Moment ist man extrem glücklich, freut sich, dass man etwas vollbracht hat und nur ein paar Sekunden später ist dieses Gefühl wieder vergangen. Man realisiert, dass man etwas geschafft hat und sieht den Moment als gewöhnlich an. In solchen Situationen wandelt man zwischen unterschiedlichen Stimmungen.
Diese Stimmungen beschreibt Albert Hammond Jr. ebenso für die Musik: “I feel like the best songs I’ve written, as soon as I was done, I was like ‘Oh my God. I did it!‘ But in that split second that it comes, that feeling goes. [...] I feel like that’s what being creative is: It’s you bouncing with emotion and what you capture in those bounces. Accept where you are and use it.”

Bei seinem dritten Soloalbum hat der Gitarrist von The Strokes versucht das ‘Aufkommen‘ von Emotionen in bestimmten Momenten einzufangen. Sein Album heißt deshalb auch “Momentary Masters”. Jeder Triumph ist nämlich vergänglich. Zehn Lieder spiegeln einen anderen Moment wieder, den Albert Hammond Jr. einfangen und darstellen wollte.

Hört man sich die zehn Lieder an, ist Hammonds Affinität für Gitarren nicht zu überhören. Alle Songs überzeugen mit dynamischen Gitarren, sei es als Gitarrensolo oder einfach als wiederkehrendes Element. Direkt der Opener “Born Slippy” ist ein von Gitarren getragener Song mit einem einprägsamen und lebhaften Refrain. Er erinnert teilweise an Vampire Weekend. “Caught By My Shadow” klingt dagegen schaurig und angstbesetzt. Die Synthesizer und die Lyrics von Hammond Jr. unterstützen denn Eindruck. Hammond Jr. nutzt bei seinem Texten immer wieder Wortspiele oder Oxymorons. So singt er zum Beispiel in “Caught By My Shadow”: Two wrongs don’t make a right / three rights make a left.

In “Coming To Getcha”, einem der zwei ruhigeren Lieder auf dem Album, verarbeitet der Sänger den Verlust einer Freundin: One day soon you’ll have to leave / one day soon you’ll have to excuse me / they’ll coming to getcha. Die Emotionalität des Songs ist an seiner Stimme zu erkennen. Der Song wird von der Stimme bestimmt. Das instrumentelle Arrangement ist, im Vergleich zu den anderen Liedern, zurückhaltend.
Bei dem zweiten ruhigeren Lied, “Don’t Think Twice”, ergänzen sich Instrumental und Text. Hammond covert dabei Bob Dylans Song “Don’t Think Twice, It’s Alright” aus dem Jahr 1962, lässt jedoch einige Strophen weg.

Bei “Losing Touch” muss man automatisch an Jimmy Eat World denken. Ein gut durchdachter Song, der sich aufbaut, und im Refrain komplett zur Geltung kommt. Die hohe Stimme von Albert Hammond Jr. wird deutlich. Allerdings klingt sie im Vergleich zu den früheren Alben, “Yours To Keep” (2006) und “¿Cómo Te Llama?” (2008), schroffer und fordernder.
Lieder wie “Power Hungry”, “Razors Edge” oder “Touch” sind gut gemachte Songs, stechen bei dem Album jedoch nicht hervor und erscheinen nach mehrmaligem Hören nebensächlich oder belanglos. Die letzten beiden Lieder des Albums “Drunched In Crumbs” und “Side Boob” bieten eine rege und kribbelige Energie, kommen dabei aber zu selten auf den Punkt. “Side Boob” könnte ohne das abrupte Ende weitere zehn Minuten durchlaufen, ohne an Bedeutung zu gewinnen.

Albert Hammond Jr. hat in einem Interview mal gesagt, dass er gute Songs hätte und er der Meinung wäre, er sei zum Frontman geeignet. Dass er ein guter Frontman ist, hat er mit “Momentary Masters” bewiesen. Eine tolle Stimme, die sich in die Lieder einfügt. Ein paar gute Songs besitzt das Album ebenfalls. Obwohl hierbei Höhen und Tiefen zu erkennen sind, denn nicht alle Lieder haben das gleiche Niveau.
Für Hammond Jr. ist das Album eine Reflektion verpasster Möglichkeiten und Gelegenheiten. Man kann jedoch vielmehr das gesamte Album als eine verpasste Gelegenheit ansehen. In einigen Liedern zeigt sich nämlich das Potenzial, was Hammond Jr. besitzt, um ein noch besseres Album zu produzieren. Somit ist es eher ein durchschnittliches Album, das dennoch eine starke Tendenz nach oben aufweist.

VÖ: 31.07.2015
Herkunft: Los Angeles, Kalifornien (USA)
Label: Infectious Music
Online: Albert Hammond Jr.


Von:
Steffen Jöne
Label: 
Infectious Music
VÖ: 
31.07.2015
Herkunft: 
Los Angeles, Kalifornien (USA)