Kettcar - Fliegende Bauten (Live)

„Mach immer was dein Herz dir sagt…“ singt Marcus Wiebusch in einer alten Halle am Kampnagel kurz vor Sonnenaufgang. Die meisten Bands schallen ihre Töne einer untergehenden Sonne zu, aber Kettcar waren 2009 mit einer kleinen Akustik-Tour durch Deutschland unterwegs, sangen Balladen und warteten auf den Morgen. Für die perfekte Untermalung von zum Beispiel „48 Stunden“, „Balu“ oder „Nacht“ durfte ein Streichersatz ebenso wenig fehlen, wie das Klavier, aber das ist bei den Hanseaten ja schon Standard. Beim ersten Hören enttäuscht die Ruhe ein bisschen, weil es im Gegensatz zu den Studienalben oder „normalen“ Konzerten zu langsam, eintönig klingt, fast schon langweilig. Aber bei jedem weiteren Hören öffnet sich das Album. Bei den Songs wurde nicht einfach (wie bei manchen MTV-Unplugged-Shows) die E-Gitarre durch eine Akustiklampfe ersetzt – um damit befindlichkeitsfixierte Lagerfeuermusik zu erzeugen – sondern die Songs wurden durch den minimalistischen Stromeinsatz intensiver und eindringlicher interpretiert. Jedes Wort von Wiebusch ist verständlich (akustisch und sinnlich) und die klassische Untermalung vermittelt die Emotionen unmittelbarer als im Original. Neue Hörer wird die Band durch das Album kaum gewinnen, dennoch: Fans werden die Band jetzt noch mehr lieben und die Kritiker haben neue Argumente. Und wollen Kettcar überhaupt jedem gefallen? Wohl nicht. Ein Beweis dafür ist auch, dass Kettcar „Fliegende Bauten“ auf ihrer eigenen Homepage mit dem Vermerk vorstellen, dass sie Live-Alben nicht geil finden. Nichts.desto.trotz war es auf jeden Fall eine richtige Entscheidung die Fans an diesem emotionalen, an manchen Stellen schon ins schnulzige abdriftende Erlebnis teilhaben zu lassen, und das nicht nur auf DVD sondern auch auf CD. Denn so begrüßt Wiebusch auch auf der Platte: „genau diese Band ist Kettcar“ – Mach‘ halt immer was dein Herz dir sagt.

Andi Weiland

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Kettcar - Fliegende Bauten (Live)
Label: Grand Hotel Van Cleef
VÖ 22. Januar 2010
Anspieltipps
48 Stunden
Fake for Real
Money left to Burn