Say Yes Dog

Sophia Kisfeld: Ihr macht im Moment so ein bisschen Städte- und Interviewhopping glaube ich, ne?

Paul: Ja, wir sind auf Tour gerade und ja, Städtehopping, Radiohopping… wir haben so ein paar Stationen.

S: Nur in Deutschland oder auch darüber hinaus?

Paul: Die Tour geht auch darüber hinaus. Wir sind jetzt die nächsten Tage in Deutschland, dann gehts rüber nach Österreich und von dort nach Frankreich, Belgien und dann wieder so zurück nach Deutschland.

S: Wo liegen eure musikalischen Ursprünge? Ich sag mal, einer von euch ist Jazzschlagzeuger.. wo kommen sonst eure musikalischen Urpsprünge her?

Aaron: Wir haben alle mal in verschiedenen Projekten mitgespielt. Paul und ich wir haben ne Band gehabt in der Schule zusammen, haben überwiegend Gitarrenmusik und Rockmusik zusammen gemacht. Und dann haben wir uns irgendwann in eine Richtung entwickelt, wo es einfach elektronischer wurde. Und das kam aus so einer Zeit wo wir in Berlin einfach viel unterwegs waren in den Clubs und auch angefangen haben so Tanzmusik zu machen, reine Feiermusik. Und daraus ist dann wiederum irgendwie, wir haben das dann weiter geführt, wir wollen einfach das machen, aber auch im poppigen oder richtig im Bandkontext bringen. Und dann haben wir halt aus diesen Clubsongs, -tracks richtige Songs bestaltet und das ist eigentlich richtig so der Werdegang der Band.

S: Wenn man euch dann aber auch auf der Bühne sieht, sieht man auch, dass ihr aktiv Instrumente spielt. Meint ihr, dass das auch davon kommt, dass ihr aus diesem klassischen Stil sozusagen kommt?

Aaron: Auf jeden Fall, oder? Würde ich sagen. Es war uns immer wichtig, dass wir dieses Live-Ding auch wirklich beibehalten. Und dass wir auch unsere Sachen komplett selber und live zu spielen und dass dann nicht alles aus der Box kommt, aus dem Computer kommt.

S: Aber macht es einem das auch manchmal schwierig? Dieses Umdenken, auf der Bühne, dieses Interagieren? Abgesehen davon, dass ihr es auch so produziert.

Paul: Ja, auf jeden Fall. Wir spielen jetzt seit drei, dreieinhalb Jahren zusammen. Und das hat auch auf jeden Fall eine Weile gedauert, bis wir das Live-Set hatten, das wir jetzt auch haben. Also auch einfach so technisch, vom Aufbau, wie wir zusammenspielen, wie wir gesyncht sind, aufeinander abgestimmt sind. Und da haben wir viel viel in den letzten zwei Jahren ausprobiert und umgestellt, mit dem wir alle irgendwie zufrieden sind und wo wir trotzdem genügend Freiheit haben in dem System, dass wir richtig als Band spielen können und trotzdem immernoch, einfach weil wir nur zu dritt sind, brauchen wir noch kleine Sachen, die dann vom Computer kommen. Aber das Grundgerüst ist einfach cool für uns, dass wir darin einfach frei spielen können. Und das ist ja, das es gut für uns so ist.

S: Ich habe gelesen, dass ihr, beziehungsweise ich zitiere es lieber, nicht dass ich es hinterher falsch übertrage. “Wie durch muss man eigentlich sein, wenn man eine Band gründet, nur um an Tickets für die Fusion zu kommen?

[Eure Antwort war:]
Ziemlich durch. Wir bereuen es auch bis Heute. Lieber hätten wir uns alle ein Jahr lang von Bananen ernährt für die Tickets, als auf die dumme Idee zu kommen, eine Band zu gründen.”Ich habe mich gefragt, bereut ihr es, auf diese Art und Weise ne Band geworden zu sein oder an die Tickets gekommen zu sein?

Alle durcheinander: Ja, ach nein.. das war.. äh…
Aaron: …eher eine sarkastische Antwort.
Paul: …auf eine sehr komische Frage…
[lachen]
Paul: wo wir uns so ein bisschen geärgert haben, beziehungsweise ein bisschen komisch fanden und wir dachten, ok, dann kriegt er auch so eine Antwort zurück.
Aaron: Aber, nein, bereut haben wir es nicht. Und bisher ist es auch so cool für uns gelaufen, dass es auch gar keinen Grund dafür gibt. Wir haben großen Spaß und wir touren irgendwie durchs Land und verdienen irgendwie ein bisschen Geld dabei… ja, also besser kann man es sich eigentlich nicht wünschen, was wir so haben. … Na, also, es geht immer besser natürlich.. aber ich glaube nicht, ich weiß nicht, ob wir uns das hätten vorstellen können, so vor drei Jahren, dass wir mal so viel unterwegs sind mit der Musik.

S: Ihr seid ja dann auch ziemlich schnell von den Festivals von a nach b gehüpft eigentlich, und euer Album ist ja aber danach viel mehr entstanden. Und in diesem Prozess, meint ihr dass das einen positiven oder negativen Effekt auf eure Musik hatte oder was ihr auch vom Touren mitgenommen habt auf die Platte?

Aaron: Ich glaube, als wir angefangen haben so viel zu spielen, hatten wir noch nicht so viel Musik, was wir unserer Meinung nach auf eine Platte hätten packen können. Weil das wirklich viel gejamme war, so halbfertige Sachen, so clubbige Sachen, die wir wiederum nicht als runde, fertige Songs gesehen hatten. Deswegen hat das Touren der Musik nur gut getan, weil wir uns wirklich auch danach gedacht haben: Das können wir machen auf der Bühne, wir wollen aber auch ein richtiges Album schreiben. Und haben uns dafür entschieden, noch mal eine andere Richtung einzuschlagen und haben begonnen uns anders zu sehen, richtige Songtexte zu schreiben und wirklich Lieder zu machen, die unserer Meinung nach es wert sind, auf einem ganzen Album stattzufinden.

S: Achtet man denn dann immernoch darauf, was man selber noch für ein Empfinden hat oder auch, was das Publikum für Reaktionen gibt?

Paul: Das würde ich nicht unbedingt sagen, sondern dass einfach Zeit vergangen ist und dass wir uns alle drei weiter entwickelt haben. Die Songs, das was am Anfang einfach viele Ideen waren und was dann ziemlich schnell live auf der Bühne waren, weil wir es einfach mussten, weil wir Programm brauchten. Mehr als diese vier Songs, die auf der EP waren, brauchten wir ja trotzdem mehr Bühnenprogramm… und dadurch, dass dann einfach so viel Zeit vergangen ist, haben sich Songs angesammelt und das war super wichtig. Es ist auch super wichtig, Songs rauszuschmeißen, die man mag und naja…
Aaron: ..auszuwählen.
Paul: Ja, genau. 14, 15 Songs zu haben, die theoretisch aufs Album könnten und dann wirklich einfach die 12 stärksten zu haben. Und ja, das kommt dann einfach.

S: Habt ihr einen starken Unterschied gemerkt, von vor der Veröffentlichung und danach?

Aaron: Was so die Resonanz angeht? Ja, also ich glaube, hauptsächlich, dass wir vielleicht ernster genommen werden von der Presse. Also auch so von Leuten wie dir, wahrscheinlich?! Ich habe das Gefühl, dass wir mehr wahrgenommen werden als Gesamtband, jetzt da wir ein Album haben, wo wir das Gefühl haben, wir zeigen uns aus allen Richtungen und so wie wir es wollen, unsere Bandbreite. Aber ein Hauptmerkmal ist auch, dass die Konzerte, die wir spielen, dass die Songs gekannt werden, dass die wirklich viele Songs auch mitzusingen. Das merkt man einfach, das war vorher nicht so. Da hatten wir einfach immer Songs, die noch keiner kannte und das ist schon was anderes, ja.

S: Also meinst du, dass ihr nicht ernst genommen wurdet, da es eine “Spielerei für die Fusion” war?

Aaron: So ein bisschen vielleicht ja, oder?
Paul: Ja, letztendlich ist es generell einfach schwer als Band, wenn man eine EP draußen hat und die relativ lange draußen hat, über zwei Jahre und da nichts nachkommt in der Zeit… klar, kann man relativ viel schaffen und bei uns hat sich auch ein bisschen gezeigt, dass man mit vier Songs relativ weit rum kommen kann. Aber letzendlich bist du dann immernoch eine Band, die kein Album draußen hat und nur vier Songs draußen hat. Und das ist schon einfach ein Uterschied, eine andere Aufmerksamkeitsspanne…
Aaron: Es ist ja auch eigentlich nicht der normale Werdegang, dass eine Band mit einer EP schon auf Festivals spielen darf. Es gibt ja eigentlich so eine Regel, dass die großen Festivals nur buchen, wenn eine Album da ist und einen Reifestatus hat, ein Album gemacht zu haben. Und das gilt auch bis heute und das finde ich auch eigentlich gut, dass man eine Band wirklich auch erst bewerten kann und wahrnehmen kann, oder wahrnehmen ja nicht, aber greifen kann und musikalisch wirklich einschätzen kann, wenn sie ein Album gemacht haben. Und das finde ich auch weiterhin super wichtig, dass Alben entstehen.

S: Unter dem Aspekt fand ich es ganz interessant, dass ihr mit Junip zusammgenspielt habt. Das war 2013. Ist es irgendwie verrückt für euch gewesen, solche Angebote zu bekommen, auch aus einem Stil, der anders ist, als euer eigener?

Aaron: Total… Das war für uns auch was ganz besonderes, weil wir riesen Fans waren einfach schon seit langer Zeit von José [Gonzalez]… Und dann mit ihm mitzufahren und mit ihm zu chillen einfach [lacht]… das war schon großartig für uns. Ich glaube, das war so eine zeit, da ging alles sehr sehr schnell und haben noch gar nicht gecheckt, was so alles passiert. Das hat sich so angefühlt, als wären wir von heute auf morgen auf der Bühne mit großen Bands und wir gehören da noch gar nicht so richtig hin oder müssen unseren Platz noch finden… aber ja, das war krass…

S: Im Prinzip ist so mit dem Album “Plastic Love” der erste Reifegang der Band überwunden. Die Pubertät der Band ist überwunden…

Paul: [lacht] noch nicht ganz…

S: Arbeitet ihr stetig weiter nebenher, neben dem Album oder ist erst mal Touren angesagt und die Eindrücke sacken lassen?

Aaron: Ich glaube, es ist erst mal Touren angesagt. Wir schreiben jetzt nicht sau viele neue Songs gerade oder so, wir wollen jetzt dieses Album erst mal da sein lassen. Und auch an den Songs die auf dem Album sind, an der Liveshow arbeiten, denn die haben wir auch noch nicht alle komplett so umgesetzt, wie wir das vielleicht wollen. Wir wollen uns da auch ein bisschen Spielraum lassen. Und dann wahrscheinlich im Dezember, wenn wir durch sind mit der Tour, gehts wieder ins Studio und dann wird wieder neues Zeug entstehen.

S: Produziert ihr noch immer selbst?

Aaron: Wir machen alles selbst, ja.

 


Von:
Sophia Kisfeld