Razz

Niklas, der Sänger der Band mit der Bariton-Stimme, hat uns besucht. Im Gespräch ging es um den Konflikt Band- Privatleben zu kombinieren, den Prozess zu einzelnen Songs und auch um ihr Debütalbum – das nach über einem Jahr Ankündigung am 30.10 erscheint und das wir für euch drei mal zu verschenken haben.

Dazu müsst ihr uns eine Frage beantworten: Razz kommen aus dem Emsland und haben dieses Jahr im Ausland gespielt und zwar gar nicht so weit weg von zu Hause. Welcher Auftritt war gemeint und wo fand er statt? Schreibt eine Mail an musik@radioq.de

Ihr könnt das Interview sowohl nachhören, als auch nachlesen und außerdem hat Niklas live im Studio gespielt .

Niklas: Ich bin Niklas von Razz, wir kommen aus dem Emsland und machen jetzt schon seit so zwei, drei Jahren Musik.

Sophia Kisfeld: Und ihr seid im Moment alle noch in der Ausbildung und du hast dein Abitur dieses Jahr gemacht?

N: Genau, ich habe mein Abitur dieses Jahr gemacht, studiere im Moment. Die anderen sind noch in der Ausbildung und wir machen quasi so nebenbei ein bisschen Musik. (lacht)

S: Ja, “nebenbei ein bisschen” ist ja so ein Ding. Da ihr eigentlich ja schon einige Festivals gespielt habt, jetzt ab Dezember eure eigene Tour mit eurem Album startet. Gestaltet sich das schwierig das mit dem Alltag zu koordinieren?

N: Es geht. Natürlich hat man manchmal Probleme, wenn man unter der Woche irgendwohin muss, so wie jetzt zum Beispiel Radio-Promo-Sachen. Aber sonst haben wir das Glück, dass wir relativ oft und häufig nur am Wochenende unterwegs sind. Und wenn es da zum Beispiel um die Tour geht im Dezember und Januar, muss man sich dann mal frei nehmen. Meistens klappt das auch ganz gut. Bis jetzt lässt es sich noch einigermaßen kombinieren.

S: Ich habe in einem Interview den Satz gelesen, “Musik nicht zum Beruf machen zu wollen, sondern als Hobby zu behalten.” Aber irgendwie strebt ihr ja jetzt, mehr vielleicht auch unbewusst oder bewusst, in eine andere Richtung gerade.

N (lacht): In welchem Interview hast du das gelesen? …glaube nie den Medien! Nein… wenn wir die Möglichkeit hätten, es zum Beruf zu machen, man kann es ja immer versuchen, würden wir das auf jeden Fall annehmen. Natürlich ist das auch ein Hobby und eine Leidenschaft. Jetzt kommt wieder das Gelaber: “Was ist Musik für euch?” – “Leidenschaft!” (lacht). Aber warum nicht, wenn man die Chance dazu hat, wenn das klappt, dann kann man das ja sehr gut zu seinem Beruf machen und damit Geld verdienen… wenn es klappt.

S: Aber ist es denn im Moment eher so, dass ihr im Moment der Zeit lebt, im Moment der Musikentwicklung, der Bandentwicklung?

N: Ja, wir lassen es im Moment auf uns zukommen. Machen halt nebenbei noch so studium-, ausbildungmäßig, touren hauptsächlich am Wochenende und sobald das dann alles durch ist, wollen wir es zumindest mal ausprobieren. Also mal nur ein Jahr, zwei, drei, vier, fünf, sechs, siebzehn Jahre nur Musik machen und einfach mal schauen, wie das klappt.

S: Was sagt die Familie dazu? Unterstützt sie das von Anfang oder war da ein Zweifeln, als sie gemerkt haben, ihr spielt immer öfter Konzerte?

N: Ja, es war zwischendurch immer so ein bisschen “macht doch was Vernünftiges, Brotlose Kunst”, dieses klassische Zeug. Aber natürlich stehen die auch hinter uns und sagen, “das klappt ja doch irgendwie so ein bisschen, macht das mal ruhig, aber passt auf, dass ihr den Rest nicht vergesst.” Ich meine, wenn wir das jetzt so in ein, zwei Jahren machen würden, dann sind wir in vier Jahren, wenn es nicht klappt immernoch sehr jung. (lacht) Man kann immernoch mal eine Ausbildung oder ein drittes oder ein fünftes Studium machen. Da sollten unsere Eltern sich nicht so viele Sorgen machen.

S: Im Prinzip würdet ihr euch also als Realisten bezeichnen, was das angeht.

N: Ja so eine kleine Mischung. Bisschen Realist, bisschen auch Träumer.

S: Wenn man jetzt ein bisschen mitverfolgt, was in den Medien teilweise geschrieben wird “die Indie-Newcomer”, “das nächste große Ding” – wie fühlt sich das für euch an? Setzt euch das unter Druck, haltet ihr das von euch fern oder ist es einfach eine Bestätigung, Lob für euch?

N: Ich glaube Druck ist zu übertrieben. Es heißt nicht, nur weil wir als die Newcomer des Jahres angepriesen werden, dass wir uns selbst Druck machen und dem nachkommen wollen. …Ja das ist so ein kleines Lob, man freut sich halt, das sowas über einen geschrieben wird… das schmeichelt einem schon.

Niklas und Sophia im StudioS: Gabs denn, als ihr vergangene Konzerte und Festivals gespielt habt, so einen Moment, bei dem ihr gedacht habt “krass, das könnte echt was werden!” Das könnte doch in eine Richtung führen, mit der ihr nicht gerechnet habt?

N: Das hat sich so langsam entwickelt, man hat das nicht auf ein mal gemerkt. So ab dem Zeitpunkt oder dem Verlauf als wir große Festivals spielen durften, wie zum Beispiel das Hurricane und das Zelt war wirklich voll… oder andere schöne große Festivals, wie das Deichbrand oder sowas, das hat dann super viel Spaß gemacht und irgendwann kam dann dazu, dass wir bei gewissen Radiosendern gespielt wurden, sowohl Campusradios wie hier in Münster aber auch Sender wie Radio Fritz in Berlin. Das kam so langsam hinzu und da freut man sich, dass das alles so klappt. Wenn man eine Band gründet, glaubt man ja erst mal nicht an so viele Sachen oder an so schöne Sachen, die so passieren.

S: Macht euch das manchmal noch unsicher? Wenn neue Herausforderungen kommen oder ist es so, da ihr euch zum Teil aus Kindheitstagen kennt, dass ihr euch gegenseitig den Halt gebt? Oder gibt es schon mal Momente, wo einer mal total daneben ist und sich fragt “was passiert hier gerade?”

N: Nee, ich glaube, so schlimm ist es nicht. (lacht) Natürlich sind da immer neue Sachen, die auf einen zukommen. Wir haben zuletzt zum ersten Mal im Ausland gespielt in den Niederlanden, das ist mal auch was neues. Man muss Ansagen auf Englisch machen, man kommuniziert nur auf Englisch, das ist was anderes, aber nichts schlimmes. Man ist sich da nicht unsicher, man freut sich eher auf neue Sachen und denkt “lass uns das auch mal machen”. Deswegen ist es eher Freude und nicht Unsicherheit.

S: Lösen denn solche Situationen auch in der Band manchmal Spannung aus, an der ihr dann zu kämpfen habt. Oder ist es, dadurch, dass ihr euch so lange kennt ein Nachteil, ein Vorteil?

N: Ich glaube, ohne Spannung gibt es keine Freundschaft und keine Band. Man zankt sich immer mal und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Aber gerade dadurch, dass wir uns relativ lange kennen, weiß man, wie die anderen ticken. “Hey ja, lass ihn mal, dass ist einer seiner täglichen Ausraster…” Das klappt aber schon ganz gut.

S: Habt ihr selber einen Ansporn von Perfektionismus an euch selbst?

N: Ja, natürlich. Ich glaube, man kann sich nicht stetig weiterentwickeln, wenn man mit allem zufrieden ist. Manchmal ist es vielleicht doof, alles perfekt zu haben, weil es einen ein wenig runterzieht “das muss besser, das muss besser…”, vor allem bezüglich Aufnahmen, Studio und Album aufnehmen und so weiter.. man kann nicht wirklich damit abschließen. Aber ich glaube, dass gehört irgendwie auch dazu. Wenn man immer perfekter sein will, es perfekt haben will, entwickelt man sich auch und ich glaube, dass gehört zum Prozess dazu.

S: Euer Prozess zum Album hin, war ja schon länger als erwartet. Es gab zwischendurch immer wieder Ankündigungen, im Frühjahr kommts, ja im Sommer und dann im Herbst…

N (lacht): Ich habe heute noch überlegt. Ich habe gerade bei einem Interview bei einem anderen Sender gesagt, wir haben es im April aufgenommen. Aber ich glaube, es war im April letztes Jahr, das ist mir dann so eingefallen. Also es war schon relativ lang, mit dem Hin und Her-Geschiebe. (lacht) Ja, es war relativ schwierig. Gleichzeitig Schule, Ausbildung, Abitur, am Wochenende mal aufnehmen, dann mal freinehmen für Aufnahmen.. deswegen hat es sich auch ein bisschen gestreckt. Und dann welcher Song kommt mit drauf und dann kamen wieder Zankereien “nein, ich will den Song mit drauf haben..!”

S: Und letztlich habt ihr eigentlich eine sehr ausgewogene Mischung. Naja, man kann nicht sagen, dass es wirklich ruhige Songs sind, da ja noch sehr viel Energie dahintersteckt.

N: Ja, also, wir haben uns dabei gedacht, dass man dieses Tanzbare beibehält.. diesen Rock, zu dem man auch auf Festivals tanzen kann, im Club noch tanzen kann. Das haben wir immer dabei. Wollten aber trotzdem auch ein paar andere Sachen probieren. Haben zum Beispiel mit “The Blood Engine”, dem letzten Song des Albums, eine elektronischere Richtung eingeschlagen und ein bisschen ruhiger, das Experimentelle mit eingebracht. Oder diese alternativ-klassik Sachen, der langsame Song, der anfängt…so ein mittleres Tempo. Da ist von allem so ein bisschen dabei, aber hauptsächlich bleibt es im großen und ganzen tanzbar. Und das haben wir uns vorgenommen.

S: Die Texte kommen hauptsächlich von dir?

N: Ja, genau. Meistens entsteht ein Song einfach so: entweder habe ich eine Melodie, einen Text oder eine grobe Gitarren-Line und dann komme ich damit in den Proberaum und wir probieren ein bisschen rum und das baut sich wie ein Haus auf. Gitarre, Bass und dann entsteht ein Song.

S: Denkst du manchmal darüber nach, dass du zu viel von dir preisgeben könntest, wenn du Texte schreibst? Oder denkst du auch, dadurch dass du Englisch benutzt, es metaforischer machen kannst und dadurch andere Leute mehr Bezug kriegen können?

N: Ich glaube, dadurch, dass man Englisch schreibt, hat man ein universelles Publikum. Man kann sich auch ein wenig dahinter verstecken. Wenn ich in Deutsch reden würde, würde es direkt jeder verstehen. Man zieht sich auf Deutsch irgendwie komplett nackt aus. Dadurch, dass wir Englisch singen und es dadurch ein bisschen verschleiern kann, glaube ich nicht, dass man zu viel von sich Preis gibt. Es sei auch dahin gestellt, ob das alles biographisch ist oder ob auch Fiktion dabei ist. Von daher klappt das schon…

S: Und in Bezug aufs Publikum: Was war einer der Momente, der dir am prägensten im Kopf geblieben ist. Nach einem Konzert oder währenddessen…

N: Oh, schwierig, einen einzelnen Moment da raus zu ziehen. Es gibt sowohl kleinere, als auch größere Auftritte, wenn man auch größere nennt, letztens waren wir in Berlin auf dem Lollapalooza… ich könnte mich nicht auf einen Moment festlegen. Aber beim Lollapalooza, wir haben Soundcheck gemacht, es war super heiß, es saßen so hundert, zweihundert Leute vor der Bühne und wir haben uns schon gedacht “ok, die bleiben vielleicht sitzen.” Und wir sind von der Bühne runter gegangen, und als wir wieder drauf kamen, waren da auf einmal so zwei, dreitausend Leute, die vor der Bühne standen. Solche Momente sind immer ganz witzig. Auch cool ist einfach, egal ob kleine oder große Show, wenn man sieht, dass es den Leuten einfach gefällt. Wie sie die Texte mitsingen können. Das ist immer cool, vor allem als Sänger, wenn man aufhören kann zu singen und dann das Publikum singen lassen kann. Das ist immer einer der schönsten Momente.

S: War es schwierig für dich, dieses Zepter sozusagen zu übernehmen? Derjenige zu sein, der vorne steht und wirklich Kontakt aufnehmen muss zum Publikum?

N: Nö, nicht wirklich.

S: Bist du so ein Entertainer?

N (lacht): Ich bin glaube ich nicht der geborene Entertainer. Aber so ist es auch gar nicht bei uns ausgelegt, dass wir einen Frontman haben, der als Entertainer auf der Bühne steht. Wir sind eher als Band formiert. Das war nicht so “oh Gott, wie mache ich das nur.” Auch wenn man sich manchmal fragt, was für Ansagen man machen muss, um das Publikum zu kriegen. Aber nicht so, dass man darüber nachdenkt “was für eine Last lastet auf mir?”

S: Das ist eine Frage, sollte man die stellen, kurz bevor das Album überhaupt raus ist oder gerade raus ist. Aber denkt ihr schon an zukünftige Alben?

N: Ja, wir schreiben im Moment an unserem vierten Album. (lacht) Das kommt auch vor dem ersten raus, machen nicht viele. Das kommt glaube ich ganz gut an. Nee aber, wir haben natürlich das Album aufgenommen und sind fleißig am Schreiben. Neue Songs, probieren ein bisschen rum und haben den ein oder anderen Titel schon fertig. Wir arbeiten natürlich auch schon auf das zweite Album hin… vielleicht kommt das dann schon vor dem ersten raus. Nach langem hin und her mit dem ersten Album kommt das dann davor.

S: Habt ihr manchmal die Befürchtung, dass es vielleicht auf einmal schlagartig einknicken könnte? Dass man sich dran gewöhnt, dass man viel gefragt ist und es plötzlich wegbricht? Oder ist das für euch Zukunftsmusik, dunkle Träume, die man sich nicht wünscht?

N : …Darüber habe ich mir noch nie richtig Gedanken gemacht. Ich glaube nicht, dass man da Angst vor hat, “was wenn nicht.” Aber wenn ich darüber nachdenke, wenn wir keine Musik mehr machen würden, dann wäre es irgendwie langweilig. Das gehört ja irgendwie zu unserem Leben dazu. Wir machen das ja nicht nur als Hobby sondern mehr, wir sind jedes Wochenende quasi unterwegs. Man ist ja mit Freunden andauernd unterwegs und das gehört schon als fester Bestandteil des Lebens dazu. Und wenn das wegfallen würde, würde was fehlen. Aber nicht so, dass man sich da schon Sorgen drüber macht.

S: Nervt es dich, dass du es manchmal mit dem Privatleben kombinieren musst?

N: Es ist ja an sich nicht wirklich eine Anstrengung. Es ist schön, sowas machen zu dürfen, sowas so einem breiten Publikum zu zeigen. Und manchmal so schönes Feedback auch zu bekommen. Sowas macht ja auch Spaß. Und wenn man einmal auf der Bühne war, will man auch nie wieder runter.. das ist wie so eine Sucht. Deswegen könnte ich mir schwierig was anderes, einen Büro-Job oder so vorstellen. Kann man auch mal machen, aber wenn man ein mal auf der Bühne war, ist glaube ich alles langweilig. Aber… was war deine Frage? (lacht)

S: Privatleben!

N: Ach, genau. Aber trotz alledem, Freunde gehen feiern am Wochenende, man sieht sie nicht mehr so oft, man ist viel unterwegs und wenn man dann so eine schlechte, traurige Phase hat, dann nervt einen das schon. Dass man denkt, ich würde gerne mit meinen Freunden feiern gehen. Aber man hat das Glück, mit anderen Freunden unterwegs zu sein und manchmal vor großem Publikum zu stehen. Das ist auch schön und im Moment sind wir ja noch nicht zwanzig Wochen am Stück unterwegs, deswegen ist alles noch aushaltbar.

S: Worauf freust du dich am meisten in der nahen Zukunft?

N (lacht): Natürlich dass das Album jetzt diese Woche am Freitag, am 30.10. raus kommt.

S: Was auch noch verschenkt wird bei uns…

N: Echt? Dann verschenkt die mal schön. (lacht)


Von:
Sophia Kisfeld