Interview mit Spaceman Spiff


©Andreas Hornoff

Auf dem Peak seiner Karriere eine Pause machen und nicht direkt nachliefern? Das würde manche wohl schon Genickbruch der Karriere bezeichnen. Hannes Wittmer alias Spaceman Spiff hat es trotzdem getan - und ist jetzt wieder mit ganzem Herzen dabei! Über Auszeiten, Reisen, Inspirationen und neue Projekte: Wir haben mit Spaceman Spiff gesprochen - jemandem, dem Musik noch vor Karriere geht.

Wann hast du begonnen, Musik zu machen? Erzähl uns doch von deinen Anfängen und ersten Begegnungen mit der Musik.

Da muss ich ganz schön weit zurückgehen, wahrscheinlich bis zur musikalischen Früherziehung, mit drei Jahren oder so. Oder vielleicht dahin, als ich daheim auf dem Klavier meiner Schwester rumgedrückt habe. Aber so richtig Musik im Sinne von "auf Bühnen stehen und in Bands spielen", habe ich so mit dreizehn oder vierzehn Jahren in einer Schulband angefangen. Da hat man dann Green Day oder Oasis gecovert. Das waren wohl so meine blutigen Anfänge.

Würdest du sagen, dass dein Umzug nach Hamburg die "Geburt" des Spaceman Spiff möglich gemacht hat?

Vielleicht nicht unbedingt die Geburt, aber wahrscheinlich hat es der Umzug ermöglicht, dass etwas draus geworden ist, dass ich dann hauptberuflich machen konnte. Spaceman Spiff gab es ja vorher schon. Ich habe aber kurz vor dem Umzug nach Hamburg mein erstes Album aufgenommen und rausgebracht. Mit meinem Umzug dorthin habe ich dann beschlossen, mich dem komplett zu widmen – ich wollte dort eigentlich keine Musik machen. Es ging vor allem darum, in der Branche zu arbeiten. Ich habe vorher Sport in Würzburg studiert, was Quatsch war. Ich wollte also Konzertveranstalter werden – da gibt es in Hamburg natürlich eine sehr große Szene. Ich hatte aber kurz davor das Album aufgenommen und es kam sehr gut an. Dann dachte ich: Naja gut, probieren wir das wohl einfach erst mal mit der Musik. Und seitdem bin ich darauf hängen geblieben (lacht)!

2015 hast du eine Auszeit bekanntgegeben – gesagt, getan! Was hast du in der Zeit bis heute getan?

Ich war reisen – in Vietnam, in Griechenland und Italien. Außerdem habe ich ein anderes Musikprojekt gegründet, das OTAGO heißt. Ich habe auch noch ein Album aufgenommen, 2016 war das, in einem sehr langen und schönen Prozess. Sonst habe ich wieder damit angefangen, Fußball im Verein zu spielen. Also viele schöne Sachen!

Hast du zu den Reisen eine besonders erlebnisreiche Geschichte auf Lager, die du gerne mit uns teilen würdest?

Ich habe ein oder zwei Jahre keinen Song mehr geschrieben, weil mir einfach nicht danach war und auch die Notwendigkeit nicht bestand. Unterwegs habe ich dann innerhalb einer Woche an einem wunderschönen Strand fünf bis sieben Lieder geschrieben! Da haben sich die Leute gefragt: "Was macht der Typ mit der Gitarre am Strand immer?" Ich habe ihnen erzählt, dass ich Musiker bin und habe anschließend in einem Hostel, in einem Schlafdorm, ein Konzert vor internationalem Publikum gespielt. Das war auch der Moment, in dem mir auffiel, dass ich Lust habe, mal eine Platte auf Englisch aufzunehmen.

Man könnte sagen, dass du dich auf dem bisherigen Höhepunkt deiner Karriere damals zurückgezogen hast. Ein sehr mutiger Schritt. Was waren deine Beweggründe?

Ich hatte Spaceman Spiff zu dem Zeitpunkt acht Jahre lang hauptberuflich gemacht. Ich war sehr viel auf Tour. Ich habe schon mal zwischendurch Pause gemacht und war mal raus - reisen zum Beispiel – aber im Hinterkopf war dabei trotzdem immer eines: Wenn ich zurückkomme, wird zunächst mal die nächste Platte aufgenommen, dann geht's weiter! Und ich hatte irgendwann einfach das Bedürfnis, das nicht durchgängig im Hinterkopf zu haben. Wenn man selbstständig ist, nimmt man seine Arbeit ja mit nach Hause. Man könnte immer mehr machen. Dadurch hat man quasi nie richtig Freizeit, weil man immer noch eine E-Mail schrieben kann, oder eben einen Song. Da war es wirklich schön zu sagen: Ich lege das jetzt erst mal auf Eis und weiß noch nicht, wann oder ob es wieder was Neues gibt. Es war schon klar, dass ich immer Musik machen würde, aber vielleicht nicht als Spaceman Spiff. Mal schauen, dachte ich – und das hat dann wirklich total gut getan, da hat sich Einiges gelöst. Ich habe auch direkt gemerkt, dass ich auf einmal wieder ganz viele Lieder schreiben konnte. Es war einfach mal notwendig, den Acker Brach legen zu lassen, um wieder neu starten zu können.

Wie war der Rückzug für deine Fans? Gab es viel Rückmeldung auf diesen Schritt?

Total! Ich habe tatsächlich wahnsinnig viele nette E-Mails bekommen. Teilweise auch Leute, die sich Sorgen gemacht haben und fragten, ob alles in Ordnung sei. Es hat aber niemand gesagt: "Du Idiot, du sollst mal weiter Musik machen!" – so war's nicht! Es war total nett.

Du hast es eben schon angesprochen: Du hast ein neues musikalisches Projekt OTAGO mit vor Kurzem veröffentlichten, gleichnamigen Album. Man könnte es als eine Art Bandprojekt beschreiben, da du ein gemeinsames Ding zum Beispiel mit Felix Weigt und Anne de Wolff gemacht hast. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Anne de Wolff und Felix Weigt haben beide mitgespielt, aber vor allem ist das ein Bandprojekt mit Jonny König, der auch schon Schlagzeug bei Spaceman Spiff gespielt hat, Clara, die auch heute hier mitspielt, Kilian Brand, der Tontechniker bei Spaceman Spiff war, und mir. Im Prinzip ist es so gelaufen, dass Kilian und ich uns über ein Jahr hinweg in Würzburg im Jugendkulturhaus Cairo eingesperrt haben und dort immer wieder neue Songs aufgenommen haben. Wenn Ferien in dem Laden waren, sind wir einfach in den Konzertraum gegangen, weil der sehr schön klingt und haben ganz viele Gitarren und Instrumente und sonstigen Klimmbimm hochgestellt. Wir haben dann einfach angefangen zu basteln. Irgendwann haben wir begonnen, für Instrumente, die wir nicht spielen konnten, andere Leute einzuladen. Zum Beispiel Felix für den Bass und Anne hat mit Clara die Streicher aufgenommen. So ist das langsam aber sicher gewachsen. Es ist total schön! Ein bunter Blumenstrauß an Freunden, die ich so in den letzten acht bis zehn Jahren – Kilian kenne ich schon seit zwanzig Jahren – gewonnen habe, die dann zusammen diese Platte ermöglicht haben.

Wie kommt es zu der Namensgebung?

Otago ist eine Region in Neuseeland auf der Südinsel, die ich atemberaubend schön finde. Es ist einfach eine wahnsinnig schöne Landschaft. Man muss das mal in der Bildersuche angeben, dann versteht man wahrscheinlich warum ich mir das ausgedacht habe! Und ich fand, es klingt irgendwie schön. Ich habe mal Leute gefragt, was sie sich darunter vorstellen und da hat jemand gesagt, es höre sich an wie ein Riese. Die Leute konnten sich nicht konkret was darunter vorstellen. Das war eigentlich ein gutes Zeichen, dann ist der Begriff nämlich noch nicht so belegt und man kann selber was reininterpretieren, wenn man die Musik hört.

Du hast mit OTAGO von Deutsch zu Englisch gewechselt. Bevorzugst du eine der Sprachen für deine Musik?

So kann man das nicht sagen. Der größte Unterschied ist einfach, dass im Deutschen die Leute viel krasser auf die Texte hören. Ich glaube, dass die Fans von Spaceman Spiff vor allem auch die Texte geschätzt haben. Das hat man auch in allen Rezensionen und Reviews gesehen, da ging es immer sehr viel um die Texte. Es ist auch so, dass, wenn man dann so einen Text schreibt, oft auch Kompromisse eingeht, was die Musik betrifft, weil man doch irgendwie noch die paar Wörter darein bringen will. Ich habe das Gefühl, im Englischen konnte ich mich mal viel mehr auf die Musik konzentrieren – also auch viele mehrstimmige Gesänge machen. Das funktioniert im Deutschen zwar auch, aber nicht so gut, wie ich finde. Deutsch ist nicht so eine melodische Sprache, weil wir allein schon so viele Konsonanten haben. Es war mal eine schöne Abwechslung, in der Musik mehr machen zu können. Ich hätte auch als Spaceman Spiff eine Platte auf Englisch herausbringen können, aber das hätte ich ein bisschen komisch gefunden. Ich hatte das Bedürfnis, mal was ganz Anderes zu machen und auszuprobieren. Etwas, das getrennt von Spaceman Spiff gesehen werden kann.

Felix Weigt mag einem unter Anderem durch "Die Höchste Eisenbahn" ein Begriff sein. Wo und wann habt ihr euch kennengelernt?

Das war, als ich frisch nach Hamburg gekommen bin. Da habe ich an einem sogenannten "Popkurs" teilgenommen, wo Leute, die gerne Musik machen und andere Musiker kennenlernen würden, aus ganz Deutschland aufeinandertreffen. „Wir sind Helden" haben sich zum Beispiel dort gegründet. Peter Fox hat den Kurs auch gemacht, glaube ich. Also viele Leute, die man so kennt haben sich in diesem Umfeld kennengelernt. Dort habe ich neben Felix auch Jonny König getroffen. Da haben wir aber noch nicht zusammen Musik gemacht. Später haben wir uns dann mal in Hamburg getroffen.

Wie beginnt es bei dir? Ist da zuerst der Text oder die Musik? Variiert das?

Das ist total unterschiedlich. Oft fallen mir irgendwelche Textschnippsel ein. Die tippe ich dann in mein Handy oder schreibe sie auf irgendwelche Post-Its. Das schaue ich mir jedoch nie wieder an, weil ich mir das, was ich gut finde, sowieso direkt merke. Manchmal fange ich mit einem Riff an, das dann gut zu einer Textzeile passt, die ich schon länger im Kopf hatte. Oft ist es aber auch ganz einfach so, dass ich eine Idee habe, oder etwas, was mich in der letzten Zeit bewegt hat und ich verarbeiten will, und dann kotze ich halt 'n Song auf's Blatt Papier – mehr oder weniger in einer Stunde. Ist auch schon passiert.


Von:
Amélie Becker