Interview mit Snareset

Wenn es was zu feiern gibt, dann ist es das zehnjährige Bandjubiläum! Passend dazu haben wir die Grevener Punkrock-Band Snareset zum Interview getroffen und uns von ihnen erzählen lassen, was sie in den letzten zehn Jahren erlebt haben: Von gebrochenen Achsen und vermeintlich schiefen Bühnen bis hin zu ungewöhnlichen Schlafplätzen.

Ihr werdet dieses Jahr zehn Jahre alt – warum habt ihr Snareset gegründet?

Christoph: Der Grund war der damalige Freund, jetzt der Mann, von unserem Kindermädchen. Der hat mir immer Punkrock-CDs gebrannt – Use For A Name, Lagwagon und so – und auch mal seine E-Gitarre mitgebracht. Irgendwann zu Weihnachten habe ich auch meine erste E-Gitarre bekommen und dann Mama überredet, dass sie Felix ein Schlagzeug kauft (lacht). Ich war da 14, 15 und Felix elf.

Die beste Entscheidung: Seinem eigenen Kind ein Schlagzeug kaufen.

Christoph: Stimmt (lacht). Wir haben aber auch die ersten sieben Jahre bei unseren Eltern im Keller geprobt. Wir durften immer bis 20 Uhr proben – aber Mama fand das auch nicht immer gut (lacht).

Michael: Babsi hatte auch immer Angst, dass das Fundament durch die Schallwellen Schaden nimmt (alle lachen).

Christoph: Irgendwann gab es sogar tatsächlich Risse in der Wand.

War Snareset eure erste Band?

Felix: Christoph und ich haben vorher schon bei Accident Driver gespielt.

Christoph: Wir haben einen Song aufgenommen, aber nie eine Show zustande gekriegt. Snareset kam dann 2007.

Gerade, wenn man noch Anfang, Mitte 20 ist, sind zehn Jahre eine sehr lange Zeit. Was sind euch denn an schönen, blöden oder peinlichen Sachen aus den letzten Jahren im Kopf geblieben?

Michael: Ich erinnere mich noch daran, dass ich mich bei einer Show in Osnabrück mal auf der Bühne flachgelegt habe. Ich bin aber auch immer noch der Überzeugung, dass die Bühne schief stand (alle lachen)! Ich habe auch nur aufgehört zu spielen, weil die anderen lachen mussten!

Christoph: Wir sollten bei einem Jugendzentrum-Festival in einem Nebendorf von Osnabrück Headliner sein und um halb 1 spielen, als noch circa drei Leute da waren. Ich hatte auch noch den Überkater vom Tag vorher, wo wir eigentlich woanders eine Show hätten spielen sollten, die aber gecancelt wurde, weshalb wir einfach kurzerhand bei uns eine Proberaumshow gemacht haben. Wir haben es an dem Abend komplett übertrieben, am nächsten Tag habe ich mittags mit meiner anderen Band Under Hoods gespielt und danach sind wir mit Snareset weiter nach Osnabrück – das war nicht gut. Ich hätte fast auf die Bühne gekotzt.

Felix: In Berlin haben wir einmal in einem Stadtpark gepennt, weil wir keinen Schlafplatz hatten.

Christoph: Das ging auch klar – wir hatten frische Luft und nur ein bisschen Angst vor Drogendealern.

Was war die schlimmste Tour, die ihr bisher gefahren seid?

Felix: Wir sind mal für eine Show nach Konstanz gefahren, um da dann vor fünf Leuten zu spielen.

Christoph: Wir hatten damals noch kein eigenes Auto und mussten immer das von unseren Eltern leihen, konnten das an dem Tag aber nicht kriegen. An dem Abend vorher haben wir mit den Jungs von Idle Class, die damals noch Stand Fast hatten, auf einem Festival in Haltern gespielt und irgendwann meinte Tobi, wir könnten doch einfach deren Auto nehmen – die hatten damals noch einen alten Transit. Eigentlich sollte die Strecke bis nach Konstanz sechs Stunden dauern, hat dann aber zehn Stunden gedauert, weil ein Zylinder kaputt war, wie wir nachher herausgefunden haben. Deswegen konnten wir auch nur mit 20 km/h über die Autobahn – sogar die 40-Tonner haben uns überholt (alle lachen).

Michael: Es ist ein sehr ergebenes Gefühl, wenn du von LKW überholt wirst.

Christoph: Später haben wir meine alte Karre aber auch immer so überladen, dass man gerade so den kleinen Finger zwischen Radkasten und Rad gekriegt hat. Auf dem Rückweg von Neumünster sind wir dann auf die Raststätte Ostetal draufgefahren, weil wir tanken mussten. Als wir von dem Bordstein runter sind, hat es geknackt und die Karre hat sich hinten links abgesenkt – da wussten wir, die Fahrt ist zuende. In Cuxhaven ist das nochmal passiert, da allerdings schon auf dem Hinweg. Den Rückweg bin ich dann alleine und ohne Backline mit einer gebrochenen Achse bis nach Hause nach Greven gefahren. Ich musste währenddessen meine Nerven so beruhigen, dass ich anderthalb Schachteln Zigaretten geraucht habe (lacht).

Habt ihr zum Jubiläum was geplant? Kommt ein neues Album?

Christoph: Wir arbeiten gerade an einem neuen Album. Wenn man es realistisch sieht, könnte es im Herbst nächsten Jahres erscheinen; bisher steht etwa die Hälfte der Songs. Das Highlight des Jubiläums ist aber das DettenRockt Festival am 9. September.

Was hat euch neben dem Freund eures Kindermädchens denn eigentlich noch zum Punk gebracht?

Felix: Mein Bruder (alle lachen).

Michael: In der Grundschule hatte einer irgendwann mal ein Tape von den Ärzten dabei, hat mir das ausgeliehen und ich habe das rauf und runter gehört – dann aber jahrelang gar nicht. Ein anderer Schulkollege hatte mir dann Tapes von Dritte Wahl und Millencolin gegeben. Dritte Wahl fand ich so lala, aber bei Millencolin bin ich hängengeblieben.

Christoph: Ich habe damals auch ziemlich viel Metal gehört – mein Freundeskreis bestand aus typischen Wacken-Leuten – als Thorsten mir dann aber den Punkrock-Kram gezeigt hat, habe ich gemerkt, dass es viel authentischer ist und näher an dem, was ich mir unter ehrlicher Musik vorstelle. Ich habe mir angehört und gedacht: "Die machen das zwar schon etwas länger, aber im Endeffekt ist das Musik, die du auch so hinkriegen könntest". Das macht für mich auch immer noch die Faszination aus: Dass jeder Affe, der weiß, wie man eine Gitarre hält, Punkrock machen kann.

Was war die erste Platte, die ihr euch bewusst selber gekauft habt?

Michael: Meine Eltern haben eigentlich nur Schlager gehört, die erste LP, die mein Vater meinem Bruder und mir mitgebracht hat, war aber eine Greatest Hits von Michael Jackson – das war wiederrum sau geil!

Felix: Meine war "Life On A Plate" von Millencolin. Vorher hatte ich nur gebrannte Scooter-CDs.

Christoph: Ich war mit zehn oder elf der mega Hardcore-Scooter-Fan! Ich hatte fast alle Alben, kann aber nicht mehr sagen, welche das erste war. Danach kamen meine harten Bravo Hits-Zeiten (lacht).

Florian: In der zweiten oder dritten Klasse war ich mit der Big Band, in der ich damals Trompete gespielt habe, in Hannover und meine Eltern haben mir für die Verpflegung Geld mitgegeben. Davon habe ich mir aber eine CD gekauft (lacht) – müsste auch eine Bravo Hits gewesen sein.

Welche Songs müssten in eure Playlist?

Christoph: (fängt an zu singen) "Sie war 44 und ich war 13 einhalb"!

Michael: Auf jeden Fall Buddy Ogün – "Mozart Margarethe"! Und sonst was von den Beastie Boys und mindestens fünf Sachen von Phil Collins.

Christoph: "Bohemian Rhapsody" von Queen muss auch immer – dazu kann man schön gestikulieren! (lacht)


Von:
Leonie Wiethaup