Interview mit Robert Singerman (LyricFind)

“That’s the beautiful thing about the music industry, about music, that people can learn from songs and can grow and experience a different way of thinking.” (Robert Singerman, VP LyricFind)

 

 

Radio Q hat Robert Singerman den Vizepräsidenten von LyricFind, dem kanadischen Unternehmen zur weltweiten Lizenzierung von Songtexten, getroffen.

 

 

LyricFind schafft einen legalen Raum für Musik-Fans, Songtexte ihrer Lieblingsmusiker im Internet zu finden. Gleichzeitig ist es ihr Ziel, weltweit die Rechte der Liederschreiber und der Verleger zu sichern, deren Songtexte auf den über hundert verschiedenen Plattformen wie Google Search, Apple Music, Bing oder Shazam erscheinen. Es sichert nicht nur deren Rechte, sie werden auch für ihre Arbeit entlohnt - soweit die Plattformen eben mit LyricFind zusammenarbeiten.

 

Statistisch gesehen, sind lyrics “the number one search term” im Internet, wie Robert Singerman erzählt hat. In den letzten zehn bis zwölf Jahren wurden rund 15 Milliarden Songtexte gesucht, sowohl von aktuelle Songs als auch von Klassikern, davon allein fünf Milliarden in diesem Jahr, wie Singerman betonte.

 

“[...] the more lyrics are out, the more drives fan-engagement and the songwriters and artists are not only generating income through us on our agreement with the music publishers but also because every time somebody shazams a lyric [...] they would actually listen longer.”

 

Das heißt für den Fan nicht nur, dass die Möglichkeit besteht, näher an die Songs ran zu kommen. Es heißt auch, dass die Songtexte korrekt sind, egal ob es ernste, lustige oder vielleicht auch einfach schlechte Songtexte sind.

 

Für Facebook, Instagram oder Twitter beispielsweise gibt es diese Lizenzierung noch nicht. Wenn ein User also einen Text online stellt, zeigt er vielleicht seine Verbundenheit zur Musik oder dem Künstler, es ist eine Art Werbeplattform - der Künstler direkt wird jedoch nicht entlohnt. Im Prinzip ist es folglich ein illegaler Umgang mit den Texten, wie auch auf vielen Internetseiten, die Songtexte anbieten. Songtexte werden hochgeladen und der Host der Seite verdient daran, Texte unautorisiert und illegal ins Netz zu stellen, nicht jedoch der Künstler direkt.

 

Aktuell ist LyricFind auch auf der Suche nach einer Möglichkeit, deutsche oder französische Texte zu lizensieren - in Spanien ist es kürzlich erst gelungen, eine globale Partnerschaft mit Music.com einzugehen. Und Singerman findet es wichtig, auch die deutschsprachige Musikkultur weltweit bekannt zu machen. Er hält Musik für ein universales Kulturgut:

 

“You know, there’s universal themes in songs and if we can understand songs in different cultures, I believe then music will be real universal.”

 

Ein Problem ist, dass LyricFind auf der Suche nach einem Zahlungs-Mechanismus ist, der in Deutschland funktionieren könnte. Zu dieser Zusammenarbeit gehören aber auch die verschiedenen Verleger. Große Labels wie Warner Chappell, Universal oder Sony arbeiten bereits an diesem Konzept mit. Die Zusammenarbeit mit den Independent Labeln ist jedoch noch nicht so ausgebreitet, wodurch ein solcher Dienstleistungsservice in Deutschland noch nicht aufgebaut werden kann.

Dadurch, dass LyricFind auch die Rechte der kleineren Label noch nicht hat, können sie die illegalen Seiten, auf denen deutschsprachige Songtexte hochgeladen werden, noch nicht kontrollieren. Das heißt, sie können sie nicht effektiv bekämpfen oder dazu bringen, ihre Seiten zu legalisieren.

Seit mehreren Jahren arbeiten LyricFind und Singerman an einer Realisierung dieser Zusammenarbeit und er hofft, dass ihm das noch dieses Jahr gelingt. Das würde den Weg vereinfachen, an korrekte Songtexte zu kommen und die Rechte der deutschen Musiker auf einer weiteren Ebene sichern - und das macht vor Allem auf der Ebene Sinn, dass digitale Musik immer spannender werden und dadurch die Booklets fehlen, die früher eben genau das getan haben: den Fan den Worten der Musik näher zu bringen.

 

 

 

  

 


Von:
Manon Hütter