Interview mit PUP

Steve Sladkowski (zweiter von links), der Gitarrist der Punkrock-Band PUP, hat uns sich und seine Band vorgestellt - und allen, die Musik für Zeitverschwendung halten, seinen verbalen Mittelfinger gezeigt.

Zu Anfang: In Europa schien PUP immer mehr ein Insider-Tipp zu sein. Für die, die euch auch jetzt noch nicht kennen sollten, wie würdest du eure Band beschreiben?

Wir machen laute, kratzige, verschwitze Punk-Musik, würde ich sagen. Wir haben nicht nur "den einen" Sound, wir versuchen mehr zu machen. Irgendjemand meinte mal, wir klingen wir ein Mix zwischen Taking Back Sunday, Modest Mouse und The Dillinger Escape Plan. Wir machen alles zwischen Heavy, Pop und Punk und versuchen, alles irgendwie zusammenzubringen. Wir haben zu viele Ideen (lacht).

Ihr habt eure Band noch unter einem anderen Namen gestartet: Topanga. Warum habt ihr euch umbenannt?

Als wir angefangen hatten, das erste Album zu schreiben, gab es Songs mit Akustikgitarre und für eine gewisse Zeit hatten wir auch jemanden, der Piano oder Trompete gespielt hat. Es war komplett anders. Und je länger wir zusammen Musik gemacht, Songs geschrieben und geprobt hatten und wir zu diesem Quartett wurden, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug, ist es auch immer mehr zu Punkrock geworden - und wir sind alle mit Punkrock aufgewachsen! Und als das erste Album dann soweit fertig war und auch nach einem Punk-Album klang wussten wir, dass es etwas Anderes ist als das, womit wir angefangen hatten. Deswegen haben wir auch den Namen verändert.

PUP steht für "Pathetic Use of Potential". Hast du das auch jemals von dir gedacht?

Nein (lacht). Viele Leute denken, dass es Zeitverschwendung ist, in einer Band zu spielen, zu Shows zu gehen, Festivals zu organisieren, Alben zu kaufen oder auch Bands zu interviewen. Es ist aber extrem wichtig für uns, genau das zu tun - deswegen machen wir Witze über die Sachen, die manche sagen.

Quasi eine Art - verzeih' mir die Wortwahl - "Fuck You" zu allen, die jemals an einem gezweifelt haben?

Ganz genau! Absolut.

Wie auch zum dem Arzt, der gesagt hat, dass ihr wegen der Zyste an den Stimmbändern eures Sängers Stefan Babcock nicht mehr weitermachen könnt? Der "the dream is over" gesagt hat?

Ganz genau (lacht), und hier sind wir - und machen es immer noch. Es ist immer noch total verrückt (lacht).

Ich habe gelesen, dass ihr euch schon relativ früh einig wart, dass das neue Album, "The Dream Is Over", wuchtiger, schwerer werden sollte als alles, was ihr jemals gemacht habt. Seid ihr denn wirklich genau diesem Konzept beim Schreiben gefolgt?

Ich glaube schon. Es fühlt sich schon so an, als sei es ein bisschen aggressiver geworden. Wir haben uns viel mit dem beschäftigt, was wir vom ersten Album mochten - ein paar der schwereren Songs, ein paar der komplexeren Songs - und das dann so gut wie möglich noch verbessert. Aber es gibt auch immer noch dieses Fröhliche und Lustige, was wir auch schon hatten. "If This Tour Doesn't Kill You, I Will" ist ja ganz offensichtlich ironisch gemeint.

Wir haben das Album in einer viel kürzeren Zeit geschrieben und dadurch fühlen sich die Songs auch viel zusammengehöriger an. Bei dem ersten Album hatten wir ja zwei oder drei Jahre Zeit, alle Songs zu schreiben. Jetzt ist alles prägnanter geworden, fokussierter.

Ich habe mir "The Dream Is Over" sehr oft angehört und ganz offensichtlich haben eure Texte keinen Disney-artigen Plot mit Einhörnern und Regenbögen überall. Denkst du, dass die harten Zeiten, durch die ja jeder früher oder später muss, ein Album ehrlich machen? Zu mehr als nur einer Ansammlung von guten Songs?

Das stimmt (lacht). Ich glaube, dass man, um wirklich mit einer Sache abschließen zu können, ein Ventil jeglicher Art braucht. Etwas, dass es dir erlaubt, die negativen Gefühle abzulassen. Und wir vier haben das immer damit geschafft, Musik zu machen und Songs zu schreiben. Für uns ist es am einfachsten, so die schlechten Erfahrungen zu verarbeiten - egal ob sie nun etwas mit der Band oder der Tour zu tun haben oder mit dem Privatleben. Und wenn du versuchst, es so positiv wie möglich zu verarbeiten, hilfst du damit dann vielleicht auch noch anderen Menschen, dass sie selber mit der Negativität in ihrem Leben besser zurechtkommen.

Foto: SideOneDummy Records / Royal Mountain Records


Von:
Leonie Wiethaup