Interview mit The Phrasers

Eine Sängerin, die wie die nächste Punk-Prinzessin klingt, aber eigentlich nichts mit Punk zu tun hat, sondern viel lieber Charts hört; eine Band, die immer noch dabei ist, das Schülerband-Image abzuwerfen - die Alternative-Band The Phrasers bietet schon jetzt reichlich Diskussionsstoff. Wir haben Jonas Kirsten, Lisa Limmroth, Hendrik und Steffen Schmalenberg und Jonah Pelkowski zum Interview getroffen und uns mit ihnen unter anderem über ihre Debüt-EP "Run Run" unterhalten.

Ihr seid wortwörtlich eine sehr junge Band – schleppt ihr noch das Schülerband-Ding mit euch rum? Werdet ihr darauf minimiert?

Lisa: Ich habe es schon ein paar Mal gehört und auch gelesen, aber wir versuchen, uns davon zu lösen.

Steffen: Gerade in der Anfangsphase hieß es nach Shows häufiger mal, dass es zwar ganz cool gewesen sei, aber auch noch ein bisschen unkoordiniert – Schülerband-Attitüde quasi. Das hat natürlich auch gestimmt, weil wir da noch im Prozess waren, zu gucken, wie wir Songs schreiben und alles machen. Aber mittlerweile versuchen wir uns davon zu lösen – und schaffen es auch. Zumindest dem Feedback zufolge.

Lisa: Ab EP-Release etwa. Vielleicht auch schon ein bisschen davor, aber ich finde, mit dem EP-Release ist der Knoten wirklich geplatzt und die Leute haben bemerkt, dass sie sich vertan haben.

Hat das Schülerband-Image am Anfang dann auch das Booking erschwert?

Steffen: Ja, auf jeden Fall! Wenn man verschiedene Leute angeschrieben hat, die einen vielleicht schon mal bei einer Show gesehen haben, kam häufiger die Antwort, dass wir noch warten oder ihnen neue oder andere Aufnahmen schicken sollten oder sie uns vorher erst noch einmal sehen wollen. Mittlerweile ist es nicht mehr so stark. Wenn wir jetzt eine Mail schreiben, kommt dann auch schon mal die Antwort, dass wir schon auf der Liste stehen würden – was echt ein schönes Gefühl ist.

Weil euch noch nicht so viele Leute kennen, müssen wir leider auch diese schrecklichen Basic-Fragen einmal abklappern – quasi als eine Art Bandvorstellung. Wie hat bei euch alles angefangen?

Jonah: Steffen und ich haben vorher schon in einer Band gespielt, die sich dann aber aufgelöst hat, weil immer irgendwer nicht konnte oder gerade das Abi anstand oder so. Wir wollten aber noch weiter Musik machen und haben uns umgeguckt, nach Leuten gesucht und hatten auch ein paar Anfänge, die aber alle nicht so toll waren.

Steffen: Dann habe ich irgendwann Hendrik gefragt, weil ich dachte, er kann nett Gitarre spielen (alle lachen). Nein, es war eher so, dass wir echt total viel gesucht hatten und auch immer ein paar Leute bei den Proben da waren aber es war nie so, dass wir gesagt haben "jetzt starten wir mal richtig was". Mit Hendrik hat das aber relativ gut funktioniert. Dann haben wir uns noch einen Drummer dazugeholt und am Anfang drei, vier Monate zu viert gespielt.

Jonah: Allerdings ohne Gesang. Wir hatten eigentlich erst überlegt, nur männlichen Gesang zu nehmen, aber da war hier im Umkreis einfach die Auswahl nicht so groß – du findest hier keine Leute, die vernünftig singen können! Wir haben uns dann überlegt, Lisa zu fragen, weil wir schon wussten wie sie singt und das auch echt gut fanden. Der alte Drummer war erst nicht so überzeugt, aber das hat sich dann auch geändert. Danach ging es dann damit los, eigene Lieder zu schreiben.

Steffen: Im September 2016 kam Jonas als neuer Drummer dazu und seitdem sind wir so vollständig.

Jonas: Ich finde es schön, dass ich die Vollendung bin (alle lachen)!

Fühlst du dich dann nicht mehr wie der Neue, obwohl du das theoretisch noch bist?

Jonas: Ich habe vorher mit Hendrik zusammen in einer Band gespielt, parallel dazu, und haben, seitdem wir in der fünften oder sechsten Klasse waren, auch immer wieder was zusammen gemacht. Deswegen habe ich auch am Rande mitbekommen, wie sich The Phrasers so entwickelt haben. Irgendwann haben sie zunächst einen Aushilfsdrummer gebraucht, dann bin ich miteingestiegen, hatte die Songs direkt drauf und habe noch meine eigene Note mitreingebracht. Weil ich Hendrik schon kannte und Steffen eben auch, weil die beiden ja ständig im selben Haus rumlaufen, fühle ich mich eigentlich nicht wie der Neue.

Was hat euch eigentlich zum Punk gebracht?

Steffen: Ich komme eigentlich mehr aus der Indie-Ecke, hatte mit Punk aber auch schon immer Berührungspunkte, aber nie selber geschrieben. Ich habe mich erst in den letzten Monaten drangewagt. Zeitgleich haben wir aus der Szene auch immer mehr Bands gehört und sind dann quasi reingerutscht. Es hat sich dann einfach ergeben, dass wir gesagt haben, wir versuchen mal, in der Richtung etwas zu schreiben.

Hendrik: Früher hat man halt so Bands wie Green Day oder Blink-182 gehört, aber nicht diese Underground-Punk-Bands, die sind erst im letzten Jahr dazugekommen – auch mit Shoreline zum Beispiel. Dadurch haben wir viel mehr Bands kennengelernt und das auch ins Songwriting einfließen lassen.

Steffen: Und sind auch in die Szene reingekommen, was echt super schön ist und super viel Spaß macht, weil wir das Gefühl haben, dass wir sehr offene Menschen treffen und alle Bock haben, einem zuzuhören. Vor allem in dem letzten halben Jahr und mit der EP-Produktion hat sich das im Songwriting so durchgezogen.

Jonah: Es ist aber auch echt schwierig, die Musik von uns auf den Punkt zu bringen, weil wir alle ganz unterschiedliche Einflüsse haben. Manche von uns hören super viel Indie-Rock, Jonas eigentlich nur Metal und Lisa Charts.

Lisa: Ich höre eigentlich gar keinen Punk. Also Billy Talent oder so höre ich auch zwischendurch, bin aber nicht so in der Szene drin – ich mache die Musik allerdings selber gerne! Ich finde die Energie, die da drin ist, einfach geil. Zuhause singe ich auch viel und covere Songs dann in meinem eigenen Stil – da ist Punk für mich auch gar keine Option.

Das hätte ich echt nicht gedacht! Als ich deine Stimme zum ersten Mal gehört habe, war es für mich wie das Paradebeispiel einer female fronted Punk-Band.

Lisa: Ich habe einfach Energie, die ich da reinknallen will, und ich glaube, das klappt auch ganz gut. Aber eigentlich ist das gar nicht meine Musikrichtung (lacht). Es macht Spaß – gar keine Frage – aber privat höre ich das gar nicht.

Vor einigen Wochen habt ihr eure Debüt-EP "Run Run" veröffentlicht. In welchem Zeitraum ist sie entstanden? Sind da auch Songs oder Ideen aus euren Anfangstagen dabei?

Hendrik: Der Titeltrack "Run Run" ist in den ersten Monaten entstanden, da waren wir sogar noch zu viert, noch ohne Lisa. "Hymns" war der erste, den wir mit Lisa zusammengemacht haben – dann haben wir auch gemerkt, dass es passt! "Take Care" stammt noch aus der Zeit mit unserem alten Drummer, aber war noch nicht in der Form, wie wir ihn dann gespielt haben. Bevor wir den aufgenommen haben, haben wir vieles auch nochmal überarbeitet.

Lisa: Ich finde, dass sich unsere Songs mega von dem abgewandelt haben, was ihr früher gemacht habt als ich noch nicht dabei war. Auch mit Jonas ist jetzt nochmal eine komplett andere Energie drin. Kleine Änderungen passieren auch jetzt immer noch – wenn Steffen zum Beispiel mal eine andere Stimme klingt und wir das so gut finden, dass wir sagen, er soll das einfach immer so machen. Die Songs wandeln sich und bekommen immer mehr.

Steffen: Am Anfang haben wir Sachen geschrieben, die wir cool fanden, haben uns aber nicht die Gedanken gemacht, wie das eigentlich auf Platte klingt oder warum man sich das überhaupt anhören soll. Dieser Prozess ging eigentlich erst los als Jonas dabei war und wir uns auf die Vorproduktion konzentriert und geguckt haben, was und wie wir spielen können, was den Song vielleicht nochmal besser macht. Von Martin Reckfort von Shoreline und Dressed In Black, der die ganze Sache aufgenommen hat, haben wir dann auch nochmal viel Feedback bekommen. Seitdem ist alles routinierter geworden und wir wissen viel eher, was wir vielleicht auch vermeiden können. Es ist bei allem jetzt viel gesetzter als noch vor einem halben Jahr.

Seid ihr mit der EP denn immer noch zufrieden oder verändert ihr schon wieder Sachen?

Steffen: Bei den EP-Songs an sich nicht. Ich glaube aber, dass uns die Songs, die danach gekommen sind, vom Songwriting wesentlich näher sind. Vielleicht würden wir jetzt eine andere Auswahl treffen, aber wir sind trotzdem super zufrieden!

Bei "Take Care" habt ihr Hansol Seung von Shoreline und Dressed In Black als Vocal-Support dabei. Wusstet ihr von Vornherein, dass es ein Feature geben soll oder hat sich das tatsächlich einfach so ergeben?

Steffen: Es war schon geplant, dass wir ein Feature machen, um es noch besonderer zu machen. Und Hansol hat einfach eine fantastische Stimme. Bei den Aufnahmen war er dann auch da und eigentlich hatten wir das Feature für "Sailor's Tragedy" geplant.

Lisa: Wir hatten am Anfang für uns alle Songs roh aufgenommen, um zu gucken, wo es mit Hansol am besten passen würde, wo er die richtige Stelle trifft. Tobias Wiethölter, der ja auch bei Shoreline und Dressed In Black ist, meinte dann, dass "Take Care" doch viel besser zu Hansol passen würde und "Sailor's Tragedy" auch so einfach ein rundes Ding sei und Hansol hat ihm zugestimmt. Es hat dann auch nur drei, vier Takes gedauert und das Ding war im Kasten.

Wenn ein Außenstehender die Zeile "take care of your real loved people" singt, wird der Song ja auch nur noch emotionaler.

Steffen: Total schön!


Von:
Leonie Wiethaup