Interview mit Paul Wiszinski (Polaroit)

Eigentlich besteht die Band Polaroit aus vier Mitgliedern - seit Kurzem spielt Sänger und Gitarrist Paul Wiszinski aber unter diesem Namen alleine und akustisch. Wir haben vor seinem Auftritt beim B58 Fest in Braunschweig über den Unterschied zwischen Full-Band und Akustik-Projekt gesprochen.

Früher hattest du auf der Bühne eine Band im Rücken – wie ist es für dich, alleine zu spielen?

Viel besser! Ich komme viel besser klar und funktioniere viel besser. Es macht zwar total Spaß, mit Band zu spielen, aber es hat mich zum Beispiel letztes Jahr immer angepisst, dass man sich immer ein Auto organisieren musste, wenn man keins hat, dann noch eine Stunde einladen muss und dann erst losfahren kann. Jetzt komme ich eine halbe Stunde vor einem Gig mit meiner Gitarre dahin, muss keinen Soundcheck machen und kann einfach loslegen.

Wirken die Songs akustisch anders auf dich?

Sie funktionieren anders, aber die Wirkung ist dieselbe, denke ich mal. Es sind immer noch meine Songs und haben immer noch dieselbe Message.

Die ersten Songideen entstehen in der Regel auf der Akustikgitarre und wenn man dann mit der Band daran arbeitet, passiert mit ihnen noch sehr viel. Meinst du, es geht viel verloren, wenn du deine Songs auf die Akustikgitarre zurückbringst?

An sich habe ich es nie zurückgebracht. Das Grundgerüst war das, was ich daraus gemacht habe. Der Rest wurde einfach drum herum gebaut. Im Moment finde ich es total geil, Lieder mit Zug und Wucht auf die Akustikgitarre auszulegen. Dadurch, dass ich wirklich nur die Gitarre habe und Gradlinigkeit und Härte erzeugen will, entsteht nochmal ein ganz neues Spektrum an Möglichkeiten.

Schreibst du manche Songs auch bewusst nur für die Akustikgitarre?

Also momentan schon. Die ganzen neuen Dinger sind nur ich und so wird es auch erstmal bleiben. Es macht mir einfach viel mehr Spaß. Es klingt doof, aber man muss sich einfach auf keine Leute verlassen und kann sein Ding durchziehen. Für mich ist es dadurch auch sehr einfach, alles zu planen und in die Wege zu leiten.

Deutest du da gerade das Ende von Polaroit an?

Auf keinen Fall, ich bin ja Polaroit!

Du hast dich gerade schon quasi selber als Singer/Songwriter bezeichnet. Findest du manchmal, dass Leute Singer/Songwriter nicht ganz so ernst nehmen wie eine Band?

Schon, klar. Ich wüsste nicht, wie ich mich selber bezeichnen sollte, wenn nicht als Singer/Songwriter – obwohl das, was ich mache, nicht klassisch Singer/Songwriter ist. Ich probiere, alleine wuchtige Musik zu machen und das Prädikat des verschnulzten Singer/Songwriters irgendwie zu brechen. Es geht einfach viel mehr! Man kann auch alleine ziemlich krasse Sachen auf die Beine stellen. Ich bin gerade dabei, meinen Weg zu finden, um wirklich Powerakustikmusik zu machen.

Wer macht deiner Meinung nach denn Powerakustikmusik?

Auf jeden Fall Tigeryouth! Und auch Wood & Valley aus Osnabrück, mit dem habe ich gestern in Bremerhaven auf einem Festival gespielt.

In der Bandbeschreibung bei Facebook steht bei Genre sowohl Indie und Pop, als auch Punk und Post-Punk. Das Zeichen, dass du keine Lust auf Schubladendenken hast?

Ich habe versucht, das irgendwie zu kategorisieren, aber ich habe da selber keine Ahnung von (lacht). Am liebsten würde ich einfach gar keine bestimmte Musikrichtung spielen, aber mit Punk identifiziere ich mich am meisten. Ich weiß gar nicht, was ich spiele. Aber ich will es auch gar nicht wissen, weil mich das bestimmt in dem, was ich tue, beeinflussen würde.

Gibt es einen Song oder ein Album, das du gerne selber geschrieben hättest?

"Bohemian Rhapsody" von Queen. Oder irgendwas von Pur – ich bin absoluter Pur-Fan! Mein erstes Konzert war auch ein Pur-Konzert (lacht).

Stell dir vor, du würdest dich nachher auf dem Rückweg richtig böse verfahren und auf einer einsamen Insel landen. Welches Album würdest du mitnehmen?

Ich glaube gar keins, warum sollte ich denn ein Album mitnehmen? Ich würde meine Gitarre mitnehmen und selber eins machen!

Foto: Gideon Rothmann


Von:
Leonie Wiethaup