Interview mit Obey The Brave

Vergangenen Juni haben sich Obey The Brave mit ihrem neuen Album „Mad Season" zurückgemeldet – und klingen eingängiger denn je. Woran das liegt? Zum einen an ihrem neuen Gitarristen Terrence McAuley, doch ebenso an den vielen Tiefen und Rückschlägen, von denen sie sich immer wieder erholen mussten, wie uns Schlagzeuger Stevie Morotti im Interview verraten hat. Wir haben mit den beiden Mitglieder über den langen Weg zum neuen Album gesprochen.

Vor etwa einem Monat habt ihr euer neues Album "Mad Season" veröffentlicht – wie ist die Resonanz bis jetzt?

Terrence: Unglaublich gut. Wir sind den ganzen Weg über den großen Teich nach Europa gekommen und die Leute können die neuen Songs bereits mitsingen. Das ist fantastisch! Besser als wir es uns je hätten ausmalen können.

Stevie: Vor der Europatour haben wir in Kanada gespielt. Zu der Zeit hatten wir zwar nur zwei Singles vom Album veröffentlicht, die aber auch schon alle auswendig kannten. Doch jetzt auf der anderen Seite der Welt mitzuerleben, dass sie hier alle Songs kennen, ist richtig cool.

Meiner Meinung nach ist "Mad Season" eingängiger als die Vorgänger-Alben. Ist es die natürliche Entwicklung, habt ihr zu der Zeit andere Musik gehört? Woran liegt es?

Terrence: Es ist das erste Album, das auch ich geschrieben habe, und ich höre keine harte Musik, sondern Pop-Punk (lacht). Schon bevor ich in der Band war, waren die Jungs meine besten Freunde und weil John, der andere Gitarrist, und ich sehr nah beieinander wohnen, haben wir uns überlegt, dass es nicht cool wäre, das neue Album zusammenzuschreiben. Kurz darauf war ich Teil der Band und ich habe seitdem nie aufgehört, Musik zu schreiben – Musik, die ich selber gerne hören würde. Wenn ich etwas schreibe, zeige ich es John, Stevie und Cory und wir verändern es und arbeiten daran, dass es mehr nach Obey The Brave klingt. Ich glaube, es ist ein Schritt in die richtige Richtung, dass es jetzt eingängiger ist, weil es so mehr Menschen hören. Es ist nicht mehr nur Hardcore und Beatdown wie die alten Sachen – die waren einfach nur hart. Es gibt zwar noch immer Elemente davon und "Mad Season" ist auch definitiv ein Obey The Brave Album", allerdings fokussierter.

Stevie: Wir wollten reifer werden und bessere Songs schreiben und nicht nur eine Kopie des letzten Albums. Als Band wollen wir immer besser werden – das ist der Plan!

"Mad Season" ist – passend zu den Lyrics – ein sehr dunkler, aggressiver Albumtitel, wogegen die Musik poppiger als alles Andere ist, was ihr bisher gemacht habt. Um die Balance zu halten?

Stevie: Wir sind an dem Album mit einer sehr positiven Einstellung herangegangen, was vielleicht auch der Grund für die poppige Atmosphäre in der Musik ist. Als uns während des Aufnahmeprozesses unser gesamtes Album, unser Budget, einfach alles gestohlen wurde, kam die Negativität dazu. Strukturell waren unsere Songs zwar noch da, als wir sie aber erneut aufgenommen haben, hat das Negative zum Teil die Überhand genommen. Die Songs sind immer noch dieselben, aber die Art wie wir sie spielen, wütend und frustriert, stellt einen Gegensatz dazu dar. Das Album hat sowohl seine positiven, wie auch seine negativen Seiten.

Terrence: Der Titel spricht genau das aus, was wir auf dem Weg zum Album durchgemacht haben, wie oft wir in dieser ohnehin schon wahnsinnigen Zeit verarscht wurden. Lyrisch handelt das Album davon, wie wir trotz vieler Schwierigkeiten mit allem fertig geworden sind. Wie wir uns durchgeboxt haben.

Stevie: Die letzten beiden Jahre waren einfach scheiße. Vieles war super schwierig und wir manchmal einfach machtlos. Bis zu dem Tag, an dem wir angefangen haben, das Album erneut aufzunehmen, haben wir Sachen nochmal verändert. Riffs, aber auch Lyrics. Der ganze Mist, den wir durchmachen mussten, ist so auch tatsächlich zum Teil von "Mad Season" geworden.

Mit "Les Temps Sont Durs" habt ihr erneut einen französischsprachigen Song dabei. Unterscheidet sich der Arbeitsprozess von diesen Songs in irgendeiner Weise von den englischsprachigen?

Terrence: Alex' Muttersprache ist Französisch, das heißt, sein Vokabular ist größer als bei den englischen Songs. Er kann sich also besser und poetischer ausdrücken. Der Prozess ist aber so ziemlich derselbe. Die Lyrics kommen meistens erst, wenn der Song fast fertig ist und Alex sagt, er hätte das Gefühl, die Musik wäre für den französischen Song perfekt. So war es auch bei "Les Temps Sont Durs". Es liegt an Alex, welcher Song französischsprachig wird, wann er Lust hat, etwas auf der Sprache zu sagen. Für mich ist das cool – ich weiß zwar nicht, was es bedeutet, aber ich bin dabei (lacht).

Also spricht er nicht vorher mit euch über den Inhalt der Texte?

Terrence: Um ehrlich zu sein nicht, nein. Bei den Songs, die wir jetzt geschrieben haben, hat er ganz oft gesagt, sie sollten so und so heißen und hat uns damit auch Ideen für die Musik geliefert. Wenn wir einfach nur ein paar Riffs spielen oder rumjamen, bekommt er manchmal Ideen, die uns dann wiederum weiterbringen. So baut sich alles nach und nach auf. Je nach Stimmung wird es dann ein Hardcore-Song, eher poppig oder eben auch französischsprachig.

Ein anderer Song, der definitiv heraussticht ist "RIP", der Hip Hop-Track. War das Feature mit Loud Lary Ajust von Anfang an geplant?

Stevie: Hip Hop war eigentlich immer Teil von OTB, weil wir bei Shows zwischen den Songs auch immer Hip Hop spielen, um diese komische Stille zu umgehen. Auf dem ersten Album hatten wir dafür „Grim", aber bei „RIP" ist es wegen des Features anders, weil hier tatsächlich gerappt wird. Wir haben versucht, es mit unserem eigenen Sound zu kombinieren, was echt cool funktioniert hat. Der Song ist etwas ganz Anderes und sticht definitiv hervor, aber es funktioniert.

Terrence: Ich habe mich an einem Tag mit den drei Jungs von Loud Lary Ajust getroffen, aber gar nicht mal Gitarre gespielt – wir haben nur geredet. Darüber, wie der Song werden soll, was wir uns vorstellen und welchen Vibe er haben soll. Angefangen hat dann alles mit einem einzelnen Beat, auf dem wir aufgebaut haben. Wir saßen nach dem Gespräch nie wieder zusammen in einem Raum, sondern haben unsere Ideen nur via Internet ausgetauscht. Irgendwann hatten wir dann einen achtminütigen Song zusammen, den wir kürzen mussten (lacht). Es ist cool, wir haben so etwas noch nie in unserem Leben gemacht und wir werden den Song wahrscheinlich auch nie live spielen – wie könnten wir auch? – aber er ist einfach anders.

Auf "Mad Season" gibt es mit "Drama" noch einen anderen Song mit einem Feature. Hier stellt Steve Maois die Gastvocals – weil die Nähe zu Despised Icon durch Alex da war?

Stevie: Wir hatten in der Vergangenheit schon einige Features, fanden aber immer, dass es wegen des Despised Icon-Verbindung cool wäre, mit ihm eins zu machen. Aus irgendeinem Grund dachten wir bei dem Part direkt an Steve und wie gut das passen würde. Es war Zeit, Steve miteinzubringen und seine Stimme klingt an der Stelle einfach richtig gut!

Terrence: Wir spielen nicht dasselbe Gerne und sind bei Weitem nicht dieselbe Band, aber wir mögen die Band offensichtlich. Dass Steve bei dem Song, der so gar nicht nach Despised Icon klingt, mitsingt, ist super. Der Song ist erst nach dem Album entstanden – an einem Tag in meinem Keller und direkt bevor wir mit den Aufnahmen begonnen haben. „Drama" ist einer der unberührtesten Songs des Albums und der neuen Version von OTB am nächsten.

Dass Steve gerade bei dem Song mitsingt, der eigentlich absolut nicht seinem Genre entspricht, macht es zu etwas Besonderem.

Stevie: Es ist cool zu sehen, wie gut die beiden Stimmen in ihren unterschiedlichen Extremen funktionieren.

Auf "'97 Again" würde ich auch noch gerne eingehen. Was ist 1997 passiert?

Stevie: In dem Jahr hat Alex mit dem Touren angefangen, dann ist er wirklich Musiker geworden.

Terrence: Alex ist alt. Die meisten Leute, die das Album hören, sind wahrscheinlich dann erst geboren (lacht).

Stevie: Alex ist großartig darin, nostalgische Songs zu schreiben. Er wollte einen Song darüber schreiben, wie für ihn alles angefangen hat und es ist zu dem Song geworden, der mir persönlich vom Album am besten gefällt.

Terrence: "'97 Again" ist ebenfalls sehr spät entstanden. Wir waren in Japan auf Tour, das Album war eigentlich fertig, ich habe aber immer noch Songs geschrieben. Die Jungs fanden es dann so gut, dass es mit aufs Album gekommen ist. Es freut mich, dass es auffällt, dass die Songs anders sind. Ich finde, sie sind natürlicher, vielleicht sollten wir in Zukunft mehr auf diese Art schreiben.

Wann habt ihr denn mit diesem Lifestyle angefangen?

Stevie: Ich spiele seitdem ich 13 Jahre alt bin in Bands. Terry hat sogar mal Corys und meine alte Band aufgenommen – da war ich 14.

Terrence: Wir machen das seit mindestens 15 Jahren, würde ich sagen. Wir kommen aus einer kleinen Stadt, sind schon lange sehr gute Freunde und haben auch schon in den unterschiedlichsten Konstellationen in Bands gespielt. Deswegen war es für uns auch ganz natürlich, zusammen ein Obey The Brave-Album zu schreiben.

Erinnert ihr euch noch an das erste Album, das ihr euch gekauft habt?

Stevie: Bei mir war es das erste Slipknot-Album und etwas von D12 am selben Tag.

Terrence: Bei mir "From The Muddy Banks Of The Wishkah" von Nirvana und "Smash" von The Offspring.

Ihr seid momentan auf Tour. Stellt euch vor, das worst case-Szenario tritt ein, ihr verfahrt euch und landet auf einer einsamen Insel. Welches Album müsste dann bei euch sein?

Terrence: "The Mark, Tom And Travis Show" von Blink-182! Das Album ist perfekt! Gar keine Frage.

Stevie: Ich würde auf jeden Fall was von Whitesnake mitnehmen.


Von:
Leonie Wiethaup