Interview mit Oakhands

Im Juni letzten Jahres hat die Münchener Emo-/Post-Hardcore-Band Oakhands ihre EP "Age Of Swans" veröffentlicht, im September sind gleich zwei ihrer Mitglieder nach England ausgewandert. Keine guten Aussichten für eine Band. Für Sänger Niklas Benedum war nach einem Weekender im Dezember jedoch klar, dass er weiterhin Teil von Oakhands sein möchte – ganz egal, ob er nun in Brighton Musikjournalismus studiert oder nicht. "Bisher war es die richtige Entscheidung", gibt er bei uns zu Protokoll. Wir haben mit ihm und Schlagzeuger Jussi Urbach unter anderem über die Antikunst ihrer EP, Guilty Pleasure-Musik und ihren Weg zum Punk gesprochen.

Musikalisch gesehen hört man in letzter Zeit sehr wenig von eurer Band. Ist das auch durch deinen Umzug nach England bedingt, Niklas? Die Kommunikation muss dadurch doch erheblich schwieriger geworden sein.

Niklas: Genau deswegen hört man jetzt nicht unbedingt weniger, wir sind schon am Machen. Ich hatte es nicht so schwierig erwartet, aber es dann doch ein wenig kompliziert, wenn man Sachen übers Internet verschicken muss und immer irgendjemand nicht da ist oder ein Song über ein Video oder eine GuitarPro-Datei nicht rüberkommt. Aber es wird so langsam. Es bisschen hat es auch gedauert, weil wir ganz lange nicht wussten, was wir machen beziehungsweise wo wir hinwollten, aber in den letzten zwei, drei Wochen hat das an Form gewonnen. Bei den Sachen, die bisher schon stehen, kann sich aber natürlich auch noch viel tun, aber so langsam geht es in die Richtung, wo wir sagen, dass es funktionieren könnte.

Skypt ihr für das Songwriting dann auch oder schickt ihr euch nur Dateien hin und her?

Niklas: Also in den letzten ein, zwei Monaten haben unser Gitarrist Mux und ich viel zusammen gemacht. Er hat Sachen geschrieben und mir zum Beispiel ein Video oder eine GuitarPro-Datei geschickt. Ich habe mir das dann angehört und versucht, da irgendwie etwas raus zu machen, was ich dann aufgenommen und ihm dann wieder geschickt habe. Mux macht schon am Anfang relativ viel vom Song – dann wird eigentlich nur noch geschaut, was umgestellt wird und wie das dann passt. Geskypt haben wir glaube ich nur einmal vor dem Weekender, weil er mir noch irgendwas erklären musste, was ich nicht verstanden habe (lacht). Aber sonst läuft das eigentlich über Facebook und Dropbox und so.

Ist es tatsächlich so, dass hinter eurer "Age Of Swans"-EP ein riesiges Konzept steckt? Habt ihr darauf hingeschrieben?

Niklas: Erstmal ja, es folgt alles einem einzigen Konzept. Es war nur eher so, dass wir erst ein paar Sachen hatten und dann das Konzept gekommen ist. Wir haben jetzt nicht gesagt, "das ist unser Konzept und danach schreiben wir die EP", das hat sich eher natürlich daraus entwickelt, weil es ein paar Dinge gab, die im kompletten Prozess immer wieder aufgetaucht sind. Unser ehemaliger Gitarrist Felix, der auch die Designsachen gemacht hat und auch immer noch macht, hat mal so ein paar Anregungen gemacht, woraus sich das Brainstorming und dann eben das Konzept entwickelt hat. Wir haben dann geschaut, dass die Sachen, die noch nicht auf das Konzept passen, schlussendlich doch noch draufpassen und dann alles in sich schlüssig ist.

Das überrascht mich jetzt ein bisschen, weil die fünf Songs gar nicht zwanghaft nach Konzept klingen. Sie wirken tatsächlich auch nur wie ein Song.

Niklas: Die Reihenfolge der Songs war damals auch etwas, worüber wir uns sehr viele Gedanken gemacht haben. Wir sind aber generell eine Band, die sehr viel und sehr gerne über Sachen redet – über die Reihenfolge dann aber eben noch mehr. Wir wollten, dass alles sehr flüssig klingt, textlich aber auch noch Sinn macht. Wir hatten bei fünf Songs jetzt nicht so die großen Auswahlmöglichkeiten, aber wir haben drei, vier Sachen ausprobiert, bis wir dann gesagt haben, dass es passt und am meisten Sinn macht.

Ihr habt eure gesamte EP auch mit einem einzigen Video verfilmt. Bereut ihr das im Nachhinein, weil ihr euch so nicht ab und an mit einem neuen Video zurückmelden könnt?

Niklas: Ich persönlich bereue es gar nicht. Ich finde es immer noch gut, dass es alles ein Video ist und alles so in sich, dass man es als ein Ganzes anhören kann. Ich mag es auch nicht, wenn eine Band ganz lange nach Albumrelease noch ein Video auf Biegen und Brechen herausbringt, einfach damit sie nochmal ein Musikvideo haben. Von dem her finde ich es eigentlich ganz geil, dass das jetzt als ein Ganzes herausgekommen ist und immer noch steht. Für "Flower Of Stone" haben wir ja aber auch noch ein einzelnes Video gemacht – haben da aber auch geguckt, dass das noch in dem Videokonzept mit drin ist.

Jussi: Ich bereue es auch nicht. Es war ja auch gewollt und das Konzept, alles in einem und ein bisschen anders zu machen. Das war schon eine bewusste Entscheidung und ich glaube auch, dass es nachhaltig ist.

Niklas: Die ganze EP ist ja auch nur eine Viertelstunde lang. Hätten wir jetzt ein Album gemacht, was eine Stunde lang ist, wäre das nochmal komplizierter geworden, weil es einfach etwas Anderes ist, sich ein 15-minütiges Video anzuschauen als sich eine Stunde lang einen Film anzugucken. Da wäre bei mir bei Musik die Aufmerksamkeitsspanne auch nicht lang genug, glaube ich (lacht).

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurde das Video zu "Flower Of Stone" damals in der Promo-Mail als das "schlimmste Video, was man jemals gesehen hat" angekündigt – und es ist ja auch sehr künstlerisch. Soll dieser Aspekt auch Teil eures Image als Band sein?

Jussi: Ein Image ist es nicht, glaube ich. Unser Anspruch ist, nicht nur Musik zu machen, sondern auch visuell gut darzustellen. Ich glaube, es gehört auch zu uns, dass wir versuchen, unsere Musik anders darzustellen. Wir wollen ja auch versuchen, alles ein bisschen anders zu machen.

Niklas: Ich bin selber ein Fan von Musikvideos und schaue auch immer welche, wenn ich einfach nur so vor dem PC hänge. Ich weiß noch, dass ich damals, als das mit der Band angefangen hat, gedacht habe, dass es voll geil wäre, wenn man einmal in einem Musikvideo mitspielen würde. Und wie Jussi eben auch schon gesagt hat, gehört das für uns einfach immer irgendwie zusammen. Klar hat es etwas mit Anspruch zu tun, aber wir wollen nicht auf Teufel komm raus anders oder besser als andere Bands sein – wenn wir das versuchen würden, würden wir wahrscheinlich kläglich daran scheitern. Wir hatten jetzt dafür die Möglichkeiten und fanden auch, dass wir mehr aus der Musik herausholen können, wenn wir das so verbinden.

Jussi: Einfach auch mal andere Wege einschlagen, die man noch nicht kennt. Auch mit dem Rosa in dem Artwork. Einfach mal eine gewisse Antikunst mit reinbringen und dadurch visuell gesehen neue Wege öffnen.

Lasst uns gegen Ende nochmal eine kleine Reise in die Vergangenheit machen. Was hat euch eigentlich auf den Punk gebracht? Zu der Musik, die ihr jetzt macht?

Niklas: (lacht) Ich bin die volle Schiene mitgefahren. Mit zehn, elf Jahren habe ich Linkin Park entdeckt, was mich quasi zur Gitarrenmusik gebracht hat. Und wie man mit 13, 14 rebellisch im Vorort aufwächst, bin ich dann mit Vollgas in meine Scene-Phase gekommen und habe da auch eigentlich alles mitgenommen, was man so mitnehmen kann. Irgendwann bin ich dann da gelandet, wo ich jetzt bin. Ich habe viele Freunde, die sagen, dass sie mit Grunge aufgewachsen sind, weil ihre Väter ganz viel Grunge gehört haben – ich bin mit Céline Dion und Michael Bublé aufgewachsen, deswegen musste ich wohl auch noch so ein, zwei Detours machen. Nachdem ich meine Scene-Phase hatte, habe ich dann irgendwann Punk entdeckt. Und jetzt, ein paar Jahre später, bin ich hier.

Jussi: Als ich zwölf war, habe ich lustigerweise im Park im Schnee zwei CDs gefunden. Das war einmal Three Doors Down und einmal Pink (alle lachen).

Niklas: Das glaubt dir niemand! "Eines Winternachts habe ich zwei CDs im Schnee gefunden." (lacht)

Jussi: Jedenfalls habe ich damals viel Hip-Hop gehört beziehungsweise damit angefangen und ich wusste nicht, dass es auch sowas gibt. Dann habe ich sie mir angehört und fand es total geil. Und das hat dann so seinen Lauf genommen.

Niklas: Ich fand die immer kacke. Three Doors Down war eine Sache, die ich nie mitgenommen habe.

Gibt's denn etwas, was ihr mal gehört habt, und was euch jetzt richtig peinlich ist?

Jussi: Pink und Three Doors Down.

Niklas: Wenn es nach dem Rest der Band geht, ist bis heute die Hälfte meines Musikgeschmacks ein Guilty Pleasure. Also ich habe auch Asking Alexandria mal gut gefunden und die total gefeiert. Mein allererstes Konzert waren Vanilla Ninja, ich weiß nicht, ob es die noch gibt. Da war ich mit acht Jahren mit meinem Vater. Das war so eine estländische Girl-Band, die aber auch Gitarrenmusik gemacht hat.

Jussi: Kennst du Nevada Tan?

Niklas: Ja! Die haben sich zu Panik! umbenannt (fängt an zu singen: "Was würdest du tun, wenn heute das Ende ist?") - die waren so cool!

Jussi: Die haben mich geflasht!

Jetzt haben wir die Guilty Pleasure abgearbeitet, kommen wir jetzt noch zum Lieblingsalbum: Wenn ihr wie Tom Hanks auf einer einsamen Insel stranden würdet, aber keinen Wilson, sondern nur ein einziges Album dabeihättet – welches wäre das?

(überlegen lange)

Jussi: Ich glaube, ich würde das alte Lanscapes nehmen.

Niklas: Ich bin jetzt ganz das Klischee und darf das mit meinen langen Haaren auch eigentlich nicht sagen, aber ich nehme "Keep You" von Pianos Become The Teeth. Das ist aber nicht meine finale Antwort!


Von:
Leonie Wiethaup