Interview mit Moose Blood

Moose Blood sagen, die Angst vor dem gefürchteten zweiten Album käme von dem Druck, die einem die Erwartungen der Fans machen. Schlagzeuger Glenn Harvey und Bassist Kyle Todd haben uns im Gespräch ihren Trick verraten, wie man am besten damit umgehen sollte.

Am 5. August habt ihr euer neues Album "Blush" veröffentlicht und einen Monat später schon die Akustik-EP "Stay Beautiful". Warum direkt nochmal eine EP, warum haben euch die Songs nicht als Bonus-Tracks "gereicht"?

Glenn: Als wir das Album fertig hatten, hatten wir einfach nochmal die Gelegenheit, Songs akustisch aufzunehmen - wir wussten da aber nicht, wofür wir sie verwenden wollten. In Großbritannien haben wir die Sachen dann mit dem Album als eine Exklusiv-CD veröffentlicht und uns jetzt nochmal überlegt, dass es doch cool ist, wenn wir die Songs auch jetzt direkt nach dem Album-Release veröffentlichen und alle gleich noch etwas Neues von uns haben - straight away.

Also sind die beiden Tracks schon mehr für euch als bloße B-Seiten?

Kyle: Wir lieben was wir tun und als wir die Gelegenheit hatten, Songs auch akustisch einzuspielen, konnte uns einfach nichts davon abhalten. Wie Glenn schon gesagt hat, wir wussten anfangs nicht, was wir mit den Songs anstellen sollten, also haben wir einfach eine exklusive Album-Version daraus gemacht. "Knuckles" haben wir auch zum Beispiel komplett anders aufgenommen als es im Original ist - der Text ist immer noch gleich, die Struktur aber fast gar nicht. Es kann sein, dass dadurch die Lyrics für viele eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Gerade erst vor einer halben Stunde habe ich mit Josh McKenzie von Apologies, I Have None gesprochen (hier nachzulesen) und wir haben unter anderem darüber geredet, dass die Texte einfach unglaublich wichtig sind, aber manchmal doch von der Musik überdeckt werden. Meint ihr, die neue Version von "Knuckles" könnte noch andere Leute erreichen?

Glenn: Ich glaube, etwas Akustisches bringt neues Leben in einen Song. Man kann so viel besser auf die Texte achten und sie vielleicht auch zum ersten Mal richtig verstehen.

"Blush" ist ein sehr stimmiger Nachfolger zu "I'll Keep You In Mind From Time To Time". Habt ihr sehr viel darüber nachgedacht, dass "Blush" euer zweites Album wird? Das gefürchtete zweite Album?

Glenn: Man setzt sich auf jeden Fall schon selber damit unter Druck. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, dass es ein gutes Album wird und wir sind jetzt einfach nur stolz. Wir haben an jedem Song sehr viel gearbeitet.

Kyle: Wir haben uns wirklich sehr viel Druck gemacht. Das kommt wahrscheinlich davon, dass die Leute sehr, sehr hohe Erwartungen haben. Manchmal muss man das aber einfach verdrängen - man sollte im Studio nicht daran denken. Man sollte sich darauf konzentrieren, was man selber tun kann, was man als Band und was man als Musiker tun kann. Bei uns hatte jeder seine Rolle und jetzt sind wir mit dem Ergebnis sehr glücklich.

Einer meiner persönlichen Favoriten des Albums ist "Honey", zu dem ihr auch ein Video veröffentlicht habt. Was gibt es über den Song zu wissen?

Kyle: Es war tatsächlich einer der einfachsten Songs von "Blush" und war auch eigentlich nicht dafür bestimmt, eine der Singles zu werden - es ist einfach passiert. Bevor wir ins Studio gegangen sind, hatten wir die meisten Songs schon als Demo aufgenommen. Bei "Honey" hat uns allerdings zum Beispiel noch der gesamte Refrain gefehlt und als wir uns dann zusammengesetzt und uns die Melodie für die Texte überlegt haben, war uns sofort klar, dass der Song absolut eingängig werden würde und auch ganz weit vorne auf dem Album sein sollte. Das ist auch wieder ein gutes Beispiel für das Songverständnis, das wir eben schon besprochen hatten. Die Musik ist ziemlich poppig, die Texte aber nicht unbedingt nett. Bei "Honey" kommt es definitiv darauf an, wie man den Song hört - er hat quasi zwei Seiten.

Ihr wart immer mehr oder weniger eine Mischung aus Pop Punk- und Emo-Band, ersteres mit der Musik, letzteres mit den Texten. Gerade mit dem neuen Album sticht der Pop Punk aber immer stärker hervor. Seht ihr das genauso?

Glenn: Ich weiß nicht. Mit "Blush" waren wir so ehrlich wie noch nie, das ist sicher. Mir ist es eigentlich egal, wie man unsere Musik nennt, wir machen einfach das, was wir machen wollen. Aber klar, das Album ist auf jeden Fall poppiger geworden, aber wie du schon sagtest, die Texte sind nichts Leichtes, sie sind nicht glücklich.

In 2014 habt ihr eine Split mit Departures veröffentlicht, die ja auch gerade erst ihr Album "Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love" veröffentlicht haben. Mir kam es immer so vor, als gäbe es textlich keine richtige "Abgrenzung" zwischen Emo und Hardcore. Habt ihr euch ausgetauscht, als eure Alben noch in Arbeit waren?

Glenn: Ich stimme dir total zu! Ich finde auch, dass es bei Hardcore und Emo absolut keine wirkliche Grenze gibt, weil bei beiden Genre die Menschen unglaublich ehrlich schreiben und ihre Sicht der Dinge beschreiben. Und sicher, immer wenn du etwas schreibst oder machst möchtest du natürlich auch, dass die Leute das Ergebnis mögen, aber es sollte nicht nur darum gehen. Ich glaube, das macht nur Angst.

Kyle: Ich glaube, niemand wird jemals nur eine Art von Musik hören und gerade dein Beispiel mit Hardcore und Emo zeigt, wie einfach es ist, zwischen verschiedenen Genre hin- und herzuspringen - auch wenn sie noch so unterschiedlich sind. Ich habe mich direkt über alles in den Titel des neuen Departures-Albums, "Death Touches Us, From The Moment We Begin To Love", und in das Artwork verliebt. Ich glaube, manchmal ist es schön, mit Freunden über solche Dinge reden zu können, aber es ist auch schön, erst das fertige "Produkt" sehen zu können. Als ich gesehen habe, was für Bundles Departures mit ihrem neuen Album anbieten wollten, bin ich dahingeschmolzen, weil es mir einfach so gut gefallen hat - obwohl es ja komplett anders ist als das, wofür wir uns mit "Blush" entschieden haben.

Um nochmal auf die Wichtigkeit von Texten zurückzukommen. Denkt ihr, dass sie wichtiger sind als die Musik?

Kyle: Ich glaube, das kommt alles darauf an, wie man sich entscheidet, einen Song zu hören. Wenn die Musik schrecklich wäre, würde man sich einen Song bestimmt nicht anhören. Die Pop-Musik beweist dagegen aber, dass schreckliche Texte kein Grund sind, sich einen Song nicht anzuhören - wenn denn die Musik gut ist (lacht).

Was hört ihr denn gerade so?

Kyle: Sowohl Altes, als auch Neues. Eddy [Brewerton; Gesang, Gitarre] hat zum ersten Mal Spotify heruntergeladen, er hatte es tatsächlich noch nicht. Wir haben das neue Taking Back Sunday-Album heruntergeladen, was echt gut ist - obwohl ich es mir ganz anders vorgestellt habe. Und "The King Of Whys" habe ich auch noch runtergeladen, das ist das neue Album von Owen, dem Solo-Projekt von Mike Kinsella. Das ist schon im Juli oder so rausgekommen, aber komplett unter meinem Radar gewesen.

Glenn: Wir hören sehr viele unterschiedliche Sachen. Eddy hört zum Beispiel auch Rap - Kanye West und so. Ich höre momentan auch das neue Field Mouse-Album, das ich auch sehr mag. Wir hören echt so ziemlich alles, das wir irgendwie in die Finger bekommen können. Perfekt, um die vielen Stunden im Tour-Van irgendwie zu überbrücken (lacht).

Schafft ihr es denn auch, wenn ihr so viel auf Tour seid und in so vielen Städten spielt, nicht vollkommen in einer Tour- und Band-Blase zu enden, sondern auch tatsächlich noch auf dem neuesten Stand zu bleiben? Also auch was die Musik angeht?

Glenn: Manchmal, ja (lacht).

Hilft euch Spotify dabei?

Kyle: Auf jeden Fall (lacht)! Ich nutze es aber auch noch nicht so lange, ich bin großer Fan von physischen Sachen. Aber auf Tour ist Spotify klasse! Es ist super, um alles einfach schnell einmal durchzublättern. Und man findet manchmal auch alte Sachen wieder. Einmal sind wir mit einem Freund, der eine wahnsinnig große Spotify-Playlist hat, durch Amerika getourt. Nachts hat er dann alle möglichen Songs angemacht, die wir dann ganz laut mitgesungen haben und so irgendwie wach geblieben sind. Das hat aber auch sehr viel Spaß gemacht!

Fotos im Text: Andre Teilzeit; Lizensiert unter CC BY-NC 3.0


Von:
Leonie Wiethaup