Interview mit Lower Than Atlantis

Einmal mit Größen wie Blink-182 und A Day To Remember die Bühne teilen - für die britische Alternative-Rock-Band Lower Than Atlantis ist vor wenigen Tagen Realität geworden. Wir haben Bassist Dec Hart und Drummer Eddy Thrower in der König Pilsener Arena in Oberhausen zum Interview getroffen. Ein Gespräch, das die Band sicher so schnell nicht vergessen wird.

Macht ihr euch mit den Anschlägen in beispielsweise Paris und Manchester im Hinterkopf Sorgen, in großen Arenen zu spielen, wie sie Blink-182 und A Day To Remember nun mal füllen?

Eddy: Nein, überhaupt nicht. Wir gehen immer davon aus, dass die zuständigen Leute alles unter Kontrolle haben und sprechen daher auch gar nicht erst darüber. Wir haben auch keine Lust, deswegen Angst zu haben.

In den letzten Jahren sind so viele Bands gekommen und wieder gegangen, wodurch es schwierig wird, im Gedächtnis der Hörer zu bleiben. Seid ihr euch beim Schreiben bewusst, dass es immer wichtiger wird, möglichst einzigartig zu klingen?

Dec: Ja, zu 100 Prozent! Wir versuchen uns immer zu verändern, stellen uns selbst vor Herausforderungen – denn darum geht es bei Rock-Musik und mit dem Begriff kann man uns wahrscheinlich am besten beschreiben. Man muss interessant bleiben, die Fans halten und immer überlegen, was man als nächstes machen und ausprobieren könnte.

Aber setzt man sich damit nicht selber unter Druck?

Eddy: Der Druck ist sowieso da, weil alle etwas Gutes von uns erwarten – wir selber ja auch.

Dec: Manches wird durch einen gewissen Druck aber auch erst gut!

In einem anderen Interview habt ihr mal gesagt, dass es gut sei, dass Alternative- und Rock-Musik ihren Weg in den Mainstream findet, weil dadurch Major-Labels auf Bands aufmerksam werden. War es immer euer Plan, einen Deal mit einem Major zu bekommen?

Dec: Nicht konkret. Es war beim ersten Mal natürlich super, was uns dadurch für viele, tolle Sachen passiert sind, aber wenn man zurückschaut, macht das eigentlich nichts aus. Beim zweiten Mal war es nämlich nicht so, dass wir unbedingt ein Major-Label wollten, sondern einfach eines, mit dem wir gut arbeiten können – deswegen waren wir auch nicht mehr ganz so überwältigt. Letzten Endes macht es einfach keinen großen Unterschied, ob du bei einem Major- oder bei einem Indie-Label bist.

Also stimmt es tatsächlich, wenn ihr sagt, ihr wollt selbst heute noch so gut es geht eine DIY-Band sein?

Eddy: Auf jeden Fall! Uns ist es wichtig, so viel wie möglich selber zu machen – zumal es auch niemanden gibt, der es sonst machen würde. Und wenn, dann nur als Bonus, sprich: Du musst denjenigen bezahlen.

Ist euch jemals im Nachhinein aufgefallen, dass eure Songs denen einer anderen Band ähneln?

Eddy: Oh, ja! "Far Q" klingt wie fast jede Hardcore-Band – nur besser (lacht).

Dec: Meistens ist es aber einfach eine Timing-Sache. Wir haben uns mit den Jahren zwar immer verändert und weiterentwickelt, aber ich glaube, auch bei uns hängt es viel damit zusammen, was wir in der Zeit selber gehört haben.

Ist euch denn jemals aufgefallen, dass ein Song einer anderen Band einen von euren ähnelt?

Eddy: Bisher nicht, denkst du an jemanden Bestimmten?

An Flash Forward. Ein Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Intro von "Control" einem Song von euch sehr ähnelt. Ich spiele ihn euch mal vor, vielleicht kommt ihr ja drauf.

(spielt Flash Forward – "Control", beide lachen)

Eddy: "(Motor)Way Of Life"! Selbst das Timing bei den Drums (lacht)!

(Frontmann Mike Duce kommt in den Raum, hört den Song)

Mike: Was ist das für eine Band? Kennt man die in Deutschland? Warum macht man sowas?

Dec: Es ist witzig. Ich weiß nicht, ob ich angepisst bin oder mich geschmeichelt fühle (lacht).

Mike: Cunts (verlässt den Raum).

Apropos Inspiration: Wie habt ihr Punk und Hardcore für euch "entdeckt"?

Dec: Vor allem durch die Shows, die wir selber gespielt haben.

Eddy: Und durch die Leute im Freundes- und Bekanntenkreis. Bei mir ist vieles dadurch gekommen, was mich umgeben hat. Ob es nun Menschen, Musik oder Anderes war.

Welches Album dürfte nicht fehlen, falls ihr euch mal auf eine einsame Insel verirren würdet?

Dec: Michael Jackson – "Thriller"!

Eddy: Damit kann ich auch sehr gut leben, da ist alles drin, was man braucht. Es darf jedenfalls auf keinen Fall etwas Trauriges sein, sonst bringt man sich irgendwann nur selber um (lacht).


Von:
Leonie Wiethaup