Interview mit Kyle Gass (Tenacious D)

Seit 2011 ist Kyle Gass, den man normalerweise zusammen mit Jack Black als Rock-Duo Tenacious D kennt, mit seiner Kyle Gass Band unterwegs. Letztes Jahr ist ihr zweites Album ''Thundering Herd'' erschienen, mit dem sie jetzt auf großer Europa-Tour sind. Dabei haben sie auch in Münster Halt gemacht und dem Skater's Palace ordentlich eingeheizt. Wir haben uns mit Kyle Gass zum Interview getroffen und neben Ironie und Blödsinn auch ernste Themen aus ihm herauskitzeln können.

Ich treffe backstage auf einen kleinen Mann mit Vollbart und in Jogginghose. Das ist Kyle Gass? Der King of Rock? ''Hey Jonas, take a seat on our love couch! You know why it's called love couch? We make love on it...'' - Okay, er ist es.

Ihr seid im Moment auf Europatournee, gestern habt ihr in Amsterdam gespielt, heute Münster, morgen Bielefeld. Wie sieht euer Tag auf Tour aus?

Hast du den Film ''Und täglich grüßt das Murmeltier'' mit Bill Murray gesehen? Das ist ein großartiger Film! Jeden Tag passiert das gleiche - da gibt es viele Ähnlichkeiten. Die meiste Zeit bist du unterwegs, dann musst du zum Soundcheck, isst was, dann gibt es meistens noch ein Interview und dann spielst du deine Show. Aber das ist eine wunderbare Routine, denn am Ende des Tages spielst du deine Show! Das ist quasi der Leckerbissen, der Grund warum du das alles mitmachst.

Aber Zeit, um euch die Städte anzusehen, bleibt da nicht?

Nein, wir sind einen Tag hier, am nächsten Tag völlig woanders. Manchmal bleibt ein bisschen Zeit für Sightseeing. Mittlerweile waren wir aber schon so oft hier, dass wir ein bisschen gespoilert sind. Da ist es dann nicht so wichtig, uns die Städte jedes Mal anzusehen. Außerdem bin ich alt, es ist ganz schön anstrengend, ein Rocker zu sein. Deswegen versuche ich meistens zu schlafen.

Lass uns über euer neues Album ''Thundering Herd'' sprechen. Das ist im letzten Jahr erschienen, war Album Nummer zwei. Wie lang hat's gedauert, bis das Ding im Kasten war?

Es hat etwas mehr als ein Jahr gedauert. Wir haben nicht am Stück durchgearbeitet, jeder von uns hat noch andere Projekte - hat ganz schön lange gedauert. Aber wir mussten das durchziehen. Das Management hat gesagt: "Macht das jetzt!", und dann mussten wir das machen.

Wie entstehen denn die Songs in der Kyle Gass Band? Ist das Teamwork?

Ganz klar Teamwork. Wir arbeiten meistens zusammen, manchmal hat auch jemand alleine was geschrieben. Alles was dabei rauskommt, ist gut.

Gibt's da Unterschiede zu Tenacious D?

Ja, Jack ist nicht dabei! Das ist ein großer Unterschied. Aber weißt du, eigentlich läuft das schon sehr ähnlich ab. Es ist beides Rock, beide haben viel Humor im Sound. Es gibt schon mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede.

In der Kyle Gass Band fällt schon auf, dass ihr alle unterschiedlich alt seid. Nimmst du irgendwelche Generationsunterschiede wahr?

Klar, das merke ich schon. Aber ich mag das. Ich gucke gerade auf unser jüngstes Mitglied, Tim. Er ist so jung, mit seiner weichen Babyhaut - das erinnert mich daran, wie alt ich bin. Aber ich glaube, das ist gut so. Wir bringen Generationen zusammen!

Früher gab's viele Bands, vor allem Folk- und Progressive-Rockbands, die die Flöte in ihre Musik eingebracht haben. Das machst du in der Kyle Gass Band auch so.

Stimmt! Da fühlt man sich in die 60er/70-er Jahre zurückversetzt. Ich bin so alt, ich kann mich da gut dran erinnern, ich bin in der Zeit aufgewachsen. Jethro Tull, Canned Heat [fängt an zu singen und ist kaum zu stoppen] - das waren die großen Bands damals.

Waren die Gruppen deine Idole? Oder wie bist du auf die Idee gekommen, die Blockflöte in eure Musik einzubinden?

Weißt du, das ist doch alles Musik, Noten, Töne - man muss auch mal über den Tellerrand blicken. Musik ist einfach eine Sammlung von Tönen, die auf verschiedene Stimmen aufgeteilt sind. Und wenn du genug damit experimentierst, klingt es vielleicht auf einmal nach Rock'n'Roll! So einfach ist das.Radio Q-Reporter Jonas Gutsche mit Kyle Gass. Haben denselben Friseur.

Du bist Teil der ''Greatest Band in the World''...

Ja, genau! [nickt heftig]

...ist die Kyle Gass Band dann nur so ein Hobby für dich? Ein Zeitvertreib?

Naja, wir haben uns da immer mehr reingehängt und ich hab mich auch selbst damit herausgefordert. Ich glaube, wir sind jetzt offiziell die zweitbeste Band der Welt. Und ich kann gar nicht glauben, dass ich in beiden Bands bin. So gut bin ich doch gar nicht! Aber irgendwas scheint zu passieren, wenn ich Teil der Band bin.

Was sind denn eure Zukunftspläne mit der Kyle Gass Band? Stell dir vor, ihr startet eure nächste Tour. Da werden ihr dann als ''die zweitbeste Band der Welt'' angekündigt. Wer würde eure Vorband sein? Paul Mc Cartney? Die Rolling Stones?

Vorband? Sowas mögen wir nicht. Also können die Stones gerne Zuhause bleiben und nicht ihren ''shit ass old crap'' in unsere Show bringen.

Neben der Musik hast du ja noch dein zweites Standbein: Du schauspielerst sehr viel. Was bist du lieber? Musiker oder Schauspieler?

Musiker. Aber Schauspiel macht auch wirklich Spaß. Wir in Hollywood sagen immer: "Great work if you can get it". Du wirst überbezahlt und bekommst deinen eigenen Wohnwagen. Wie viele Jobs kennst du, bei denen du einen Schlafplatz bekommst, wenn du müde bist? Nur als Musiker und Schauspieler bekommst du Schlafplätze. Vielleicht ist das der Grund, warum das meine Lieblingsberufe sind.

Stell dir vor, Tenacious D und die Kyle Gass Band würde es nicht geben. Was würdest du heute machen?

Oh nein! Warum muss ich mir sowas Trauriges vorstellen? Ich glaube, ich müsste mir echt den Arsch als Schauspieler abarbeiten, oder versuchen eine Band zu gründen.

Zum Glück ist es ja nicht so. Was war die verrückteste Show, die du je gespielt hast? Hast du da irgendwelche Erinnerungen an prägende Momente?

Ja, das war ein gemeinsamer Auftritt für eine Veranstaltung, die hieß ''The Blind Date''. Und da gab es vorher einen Wettbewerb. Und die Gewinner dieses Wettbewerbs durften zu einem Konzert in Las Vegas. Es gab Freibier und die Leute sollten mit einer namenhaften Band überrascht werden. Zum Beispiel die Stone Temple Pilots, oder andere Bands, die damals bekannt waren. Dann haben sich die Veranstalter einen Scherz daraus gemacht, uns als die Headliner anzukündigen: Und hier sind sie, die bekannte Band! Und dann standen wir da. Die Leute, die keiner kannte. Das war wirklich ein Albtraum. Wir wurden vom Publikum angeschrien, ausgebuht, die Leute haben ihr Freibier auf uns geworfen! Aber wir wurden für den Gig  wirklich überbezahlt und mussten das Ding durchziehen. Das war wirklich unvergesslich, so gehasst zu werden und trotzdem weiter zu spielen. Das hat uns ein bisschen traumatisiert.

Zum Schluss noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft - können wir uns schon auf ein neues Tenacious D-Album freuen?

Wir arbeiten gerade an einer Animationsserie. Aber das darf ich dir eigentlich gar nicht verraten, also erzähl das bitte nicht so vielen Leuten - aber es wird bahnbrechend sein! Es wird die Art, wie wir über Unterhaltung denken, grundlegend verändern!

 


Von:
Jonas Gutsche