Interview mit James Alex (Beach Slang)

Beach Slang sind auf Tour – schon wieder. Den größten Teil des Jahres verbringt die Punkrock-Band um Frontmann James Alex unterwegs, die restliche Zeit arbeiten sie an neuen Projekten. Wir haben uns mit dem Musiker und Rock’n’Roll-Liebhaber unter anderem über die aktuelle Veröffentlichung unterhalten: Ein Cover-Mixtape!

Ihr seid quasi immer auf Tour und habt auch erst vor ziemlich genau einem Jahr in Münster gespielt. Seht ihr dann eigentlich auch was von der Stadt? Habt ihr Zeit für Sightseeing?

Leider sehen wir kaum etwas. Wenn wir unterwegs sind, dann geht es meistens nur darum, pünktlich zum Soundcheck zur nächsten Venue zu kommen. Was würdest du uns denn empfehlen? Was sollten wir uns in Münster anschauen?

Musikfans kann ich generell nur den Greenhell Recordstore empfehlen, aber das hat ja herzlich wenig mit Sightseeing zu tun. Ansonsten gehört Münster aber auch zu den Städten mit unfassbar vielen Kirchen. Wenn ihr geschichtsinteressiert seid und Zeit habt, solltet ihr euch unbedingt mal den Dom oder die Lambertikirche mit den Wiedertäufer-Käfigen anschauen – das ist echt spannend.

Über die Käfige hatten wir uns sogar noch neulich im Tourbus unterhalten. Ich wusste nicht, dass die Kirche in Münster ist. Die müssen wir uns echt unbedingt noch anschauen!

Kann ich nur empfehlen! Aber lass uns zu Beach Slang zurückkommen. In den letzten Monaten gab es einige Änderungen im Band-Line-Up – was ist da genau passiert? Ich hatte etwas über Vorwürfe der sexuellen Belästigung gelesen.

Ja, das war der Grund für die zweite Änderung. Die erste hatte sich schon über längere Zeit schon angekündigt. Uns musste nur einfach bewusst werden, dass die Zeit für eine Änderung gekommen war, dass sie sich nicht mehr vermeiden ließ. Die zweite Änderung kam dagegen sehr plötzlich. Auf einmal sind überall die Behauptungen über unseren alten Gitarristen aufgetaucht. Weil es für mich aber extrem wichtig ist, dass Beach Slang ein sicherer Ort und frei von solchen Anschuldigungen ist, war dieser Schritt für uns unvermeidbar.

Zwei von vier Mitgliedern sind also neu dabei – aber das fühlt sich großartig an, die Energie ist super! Die beiden sind sehr gute Musiker, aber dieses Mal habe ich auch das Gefühl, dass es menschlich passt. Wenn es um neue Mitglieder sind, ist mir vor allem wichtig, dass wir gute Menschen in der Band haben und nicht nur gute Musiker. Natürlich ist es schade, dass wir diese Änderungen vornehmen mussten, aber ich denke, wir sind daraus stärker hervorgegangen. Ich glaube immer an den berühmten Silberstreif am Horizont!

Durch den Line-Up-Wechsel der Band wird sich die Musik von Beach Slang doch sicherlich auch verändern, oder?

Das glaube ich gar nicht. Wir sind uns alle einig darin, wie Beach Slang klingen soll. Der Unterschied gerade liegt vielmehr darin, dass sich die beiden neuen Mitglieder immer noch super darauf freuen, die Songs mit uns live zu spielen. Diese Energie ist sehr hilfreich, aber ich denke, dass wir immer noch nach Beach Slang klingen.

Vor wenigen Wochen ist ein Cover-Tribute von Green Day erschienen, bei dem auch ihr mit "2000 Light Years Away" beteiligt wart. Durftet ihr euch dafür eigentlich den Song aussuchen oder wurde er euch einfach aufgetragen?

Den habe ich ausgesucht. Kerrang hat uns gefragt, ob wir mitmachen wollen und ich habe direkt super aufgeregt zugesagt und gefragt, ob der Song noch frei ist. "2000 Light Years Away" war der erste Green Day-Song, den ich jemals gehört habe. Wegen dieses Songs liebe ich die Band! Deswegen fühlt es sich einfach nur gut an, mit diesem Track Teil des Cover-Tributes zu sein.

Neulich habt ihr auch euer zweites Cover-Mixtape veröffentlicht. Wie ist es für dich, Songs zu spielen, die du nicht selber geschrieben hast?

Es ist cool! Wir covern nur Songs von Bands, die ich wirklich liebe, und deswegen ist es für mich immer so, als würde ich für drei Minuten in der Haut meiner Helden stecken [lacht]. Deswegen mag ich auch unser Cover-Mixtape-Projekt so – dieses Jahr soll auch noch eins veröffentlicht werden.

Aber ich lerne dabei auch immer sehr viel! Wenn man erst einmal einen Song auseinandernimmt und schaut, wie er funktioniert und wann was passiert. Hin und wieder hat das dann auch Einfluss auf die Songs, die ich selber schreibe. Ich mag es sehr, wie wir uns im Rock'n'Roll alle gegenseitig beeinflussen und inspirieren.

Versuchst du bei einem Cover nicht nur, den Song zu kopieren, sondern so zu spielen, wie du ihn spielen würdest?

Bei den Mixtapes versuche ich, den Originalen gegenüber ehrlich und treu zu sein, weil ich es schön finde, manche Leute durch meine Cover mit den jeweiligen Bands bekannt zu machen. Mit Beach Slang mögen wir es dagegen lieber, ein bisschen schneller und rauer zu spielen.

Welche Songs oder Bands dürfen denn auf deinem eigenen Mixtape oder in deiner Playlist nicht fehlen?

Die beiden großen Bands für mich sind die Replacements und die Smiths! Aus irgendeinem Grund bleibe ich immer bei den traurigeren Sachen hängen, aber die Raplacements waren immer so betrunken, laut, roh und herrlich unperfekt. Die Smiths sind dagegen einfach traurig und technisch. Mit Beach Slang versuche ich so gut es geht, diese beiden Seiten zu kombinieren.

Welche Bands hast du auf dem Weg nach Münster gehört?

Vor allem befreundete. Im Geheimen wollte ich eigentlich immer ein Record Label gründen, weil es so viele großartige Bands gibt, die super Alben veröffentlichen, die aber einfach nicht gehört werden. Auf dem Weg hierher habe The Homeless Gospel Choir und See Through Dresses gehört.

Die meiste Zeit des Jahres seid ihr auf Tour und spielt dabei mit den unterschiedlichsten Bands zusammen. Hörst du sie dir vorher immer an?

Ja, unbedingt! Ich will informiert sein und wissen, mit wem wir auf der Bühne stehen. Das ist für mich auch der Weg, mit neuen Bands in Berührung zu kommen. Wenn ich Zuhause bin, habe ich selten die Gelegenheit, mich damit zu beschäftigen. Für uns ist es auf Tour wichtig, Local-Support zu haben. Ich finde es total toll, die lokale Szene dadurch zu unterstützen und für einen Abend auch Teil davon zu sein. Und so findet man auch immer wieder richtig gute Bands.

Ich bin immer noch so ein Rock'n'Roll-Schüler – ich liebe es einfach so sehr! Ich will niemals an den Punkt kommen, wo ich nicht mehr absolut begeistert von dem unglaublichen Leben bin, das ich leben darf. Und ein großer Teil davon ist eben, mit neuer Musik in Berührung zu kommen. Ich kann mich da wirklich glücklich schätzen.


Von:
Leonie Wiethaup