Interview mit Hal Johnson

David Adrian, Felix Overhoff, Max Boemanns und Michel Siebert sind in Kleinstädten im Münsterland aufgewachsen - hatten aber keine Lust auf Schützenfest und Stammtisch. Ihre Freizeit macht vielmehr der Punkrock aus! Seit Dezember 2015 sind sie als Hal Johnson unterwegs, wir haben die Band zum Interview und einer Akustik-Session getroffen!

Vor etwas mehr als einem Jahr habt ihr euch gegründet und gleich mit der ersten Demo "Shit It, Shit Out" ein erstes Lebenszeichen von euch gegeben. Eure Debüt-EP "Broken Empire" ist auch schon mehr als ein halbes Jahr veröffentlicht. Also, erstes Bandjahr: Was ist eure Resonanz?

Michel: Voll gut bisher, es hat sich immer weiter gesteigert! Es macht echt sehr viel Spaß! Die Konzerte laufen gut, alle sind immer voll dabei – singen mit und tanzen wie wild.

Im Promotext auf eurer Facebook-Seite steht unter anderem: "Das Ziel war sofort klar: Das verschlafene Nest in der Nähe von Münster so oft wie möglich zu verlassen, um Shows in ganz Europa zu spielen, mit Songs, die auch Stunden nach dem Auftritt noch im garantiert nassgeschwitzten Kopf hängenbleiben.". Wie sehr seid ihr denn schon in Europa rumgekommen?

Michel: In Prag habe ich eine Hal Johnson-Akustikshow gespielt. Dann waren wir in den Niederlanden, Österreich und Tschechien. Und in Deutschland natürlich. Das war's bisher.

Welche Länder stehen als nächstes an?

David: Das planen wir gerade.

Michel: Ja, das steht noch ein bisschen in den Sternen. Wir wollen aber noch weiter in den Süden fahren- Durch Österreich, eventuell auch Italien und Slowenien. Wäre prima, wenn das klappt.

Dann nochmal ganz kurz zu den Akustikshows, die du spielst, Michel. Ist es für dich sehr komisch, wenn du alleine und ohne deine drei Jungs auf der Bühne stehst?

Michel: Es ist anders. Und die Songs sind dann natürlich auch anders. Songs, die live eigentlich mehr abgehen und die eigentlich mehr Schrei-Parts beinhalten, spiele ich dann eher ruhig. Der größte Unterschied liegt aber tatsächlich darin, dass, wenn du mit der ganzen Band zusammenspielst, es nicht so schlimm ist, wenn du dich mal verspielst. Du hast ja immer noch drei andere Leute dabei, die auch den Song spielen. Dann fällt das nicht so auf. Aber wenn du mit der Akustikgitarre alleine spielst und dann verkackst, dann hast du richtig verkackt! Das ist aber auch ziemlich cool, weil das schon eine Herausforderung ist, man lernt da schon ziemlich viel. Es ist obendrein sehr entspannt, nur eine leichte Westerngitarre mitzunehmen und weder Amp, noch E-Gitarre schleppen zu müssen.

Was genau machen denn diese Songs aus, die "noch stundenlang im nassgeschwitzten Kopf hängenbleiben" sollen? Worüber schreibt ihr? Habt ihr ein explizites Konzept?

Michel: Ein Konzept gibt es da nicht wirklich. Meistens schreibe ich natürlich darüber, was mich beschäftigt. Bei unseren Songs ist Freundschaft immer ein wichtiger Teil. Es geht auf viel um Party und ums Verkatertsein. Darum, dass man Sachen verliert oder Sachen wiederfindet. Aber dann auch wieder oft um den Tod, Liebe und Fernweh. Ein tatsächliches Konzept haben wir nicht, aber in diese Richtung geht's eigentlich.

Der Heimat-Begriff taucht in euren Texten auch öfter auf – unter anderem im Song "Home". Wie passt das zusammen, wenn ihr doch unbedingt aus dem Raum Münster weg wollt?

Max: Ja, das wirkt schon ein bisschen widersprüchlich.

Michel: Für mich ist Heimat aber tatsächlich nicht so lokal und auf einen bestimmten Ort bezogen, sondern da, wo man mit seinen guten Leuten zusammen ist – wo die Familie ist oder wo die Freunde sind. Und wenn wir auf Tour sind, ist eben das die Heimat, weil wir uns da wohlfühlen. Da bin ich dann mit meinen besten Freunden zusammen, dann ist alles gut. Dann ist es auch egal, ob wir in Salzburg sind oder in Reckenfeld! [lacht]

Felix: Süß. [lacht]

Beim Durchlesen von den Lyrics auf eurer "Broken Empire"-EP ist mir auch aufgefallen, dass sie zum Teil auch echt düster sind. Manche Bands, die ähnlich schreiben, halten da dann mit super poppiger Musik gegen, ihr habt stattdessen diese "Whoa"-Parts. Ist das so eure Art, die Menschen, die euch zuhören, nicht in Depressionen verfallen zu lassen?

Michel: Das funktioniert tatsächlich so! Wenn wir zu viert proben und wir zusammen diese Parts singen, fühlen wir uns danach echt wie befreit – selbst, wenn wir eigentlich nicht so gut drauf sind. Vielleicht wirkt dieser Chor, dieses Miteinandersingen wie eine Art Selbstreinigung oder so. [lacht]

Einen Song habt ihr hier gerade schon für uns gespielt: "Places". Lasst uns über den noch ein bisschen reden. Was ist die Hintergrundgeschichte?

Michel: Ich habe den Song kurz bevor wir unsere EP aufgenommen haben geschrieben – quasi als Last Minute-Song. Eigentlich war die EP songmäßig schon abgeschlossen, eigentlich stand schon alles. Aber ich hatte dann mal wieder so einen freien Nachmittag und habe ein bisschen geklimpert und dann kam der Song dabei raus. Und weil wir den alle cool fanden, haben wir den direkt mit draufgepackt.

Textmäßig geht es, auch wenn es komisch ausgedrückt ist, um ein Gefühl. Es geht um Fernweh, aber auch darum, dass auf der Welt eine Menge falsch läuft. Und es geht eben auch wieder um Freundschaft. Es ist sehr viel wert, Freunde zu haben, auf die man sich immer verlassen kann – selbst wenn gerade alles scheiße ist.

Klingt vielleicht ein bisschen blöd, aber Freundschaft ist auf eurer EP ja auch eigentlich das einzige positive Thema.

Michel: Stimmt. [lacht] Mir fällt es aber auch leichter, depressivere Texte oder Songs zu schreiben. Fröhliche Songs liegen mir nicht so. Moll-Akkorde sind einfach schön. [lacht]

Freitag, am 20. Januar, spielt ihr dann ja in eurer lokalen Heimat, hier in Münster im Gleis 22. Seht ihr das eigentlich schon als kleine Ehre an? Schließlich will dort ja jede Punkrock-Band mal spielen.

Alle: Auf jeden Fall!

Michel: Wir freuen uns da echt tierisch drauf. Wir kommen ja aus der Umgebung – Greven, Emsdetten, die Ecke –, haben aber noch nie in Münster gespielt. Jetzt steht endlich die erste Show an und die dann sogar gleich im Gleis, das wird richtig geil! Wir haben ordentlich Bock drauf!

Das ist ja vom Münsterbandnetz organisiert, welche Bands haben sie noch für den Abend ausgesucht? Wisst ihr, mit wem ihr spielt?

David: Knietenbrink und System Paul heißen die anderen beiden Bands.

Felix: Knietenbrink machen da sogar ihren EP-Release.

Apropos EP. Über eure EP "Broken Empire" hatten wir zwar gerade schon gesprochen, aber habt ihr schon etwas Neues in Planung?

Felix: Wir sind gerade fleißig am Albumschreiben. Also ich will noch nicht zu viel verraten, aber es könnte bald etwas kommen. Der Plan ist, dieses Jahr ein neues Release zu machen. In welcher Größe, ist noch unklar, aber es kommt auf jeden Fall was Neues!

Zum Abschluss: Stellt euch vor, ihr würdet wie Tom Hanks auf einer einsamen Insel leben, hättet aber keinen Volleyball namens Wilson, sondern nur ein einziges Album dabei. Welches wäre das bei euch?

Max: Das wäre für mich auf jeden Fall die "Dead Language" von den Flatliners! Die kann ich echt rauf und runter hören

Michel: Kann ich gut verstehen.

David: Ich würde wahrscheinlich Red City Radio und "Titles" nehmen.

Felix: Im Moment würde ich die neue Joe McMahon-Platte nehmen, die höre ich seit Wochen rauf und runter. Die ist einerseits total entspannt, dann aber auch wieder nicht. Es ist nicht so leicht, das zu beschreiben, aber das Album ist echt cool! Obwohl ich mich nach drei Monaten wahrscheinlich wieder umentscheiden würde! [alle lachen] Aber vielleicht werde ich nach drei Monaten ja auch schon wieder gerettet. [lacht]

Michel: Ich glaube, ich würde auch die Flatliners mitnehmen. Aber nicht "Dead Language", sondern "The Great Awake".

Haben euch die Bands denn dann auch beeinflusst? Also in dem, was ihr jetzt macht?

Max: Die Flatliners auf jeden Fall!

Michel: Ja, die Flats auf jeden Fall. Songwritingmäßig beeinflussen mich aber auch auch The Frames aus Irland. Aber letzten Endes auch wieder alles, was man so cool findet. Die Red Hot Chili Peppers feier ich zum Beispiel auch voll ab. Ich weiß aber nicht, wie viel wir davon wirklich drin haben. Hauptsächlich aber alles aus dem Punkrock-Bereich, vor allem aus dem amerikanischen Punkrock. Wir hören privat auch viel Hardcore – was man bei unserer Musik aber vielleicht nicht unbedingt raushört.

Passt aber. Wenn man den Sound der "klassischen" amerikanischen Punkrock-Bands mit den deutschen vergleicht, könnte man schon denken, dass ihr zu ersteren gehört.

Felix: Das war der Plan! [lacht]

So viel also zur Heimat.

[alle lachen]


Von:
Leonie Wiethaup