Interview mit GR:MM

Hardcore, Jazz, Indie, Punk – die vier GR:MM-Mitglieder haben nicht nur bereits alle in Bands gespielt, sondern sich scheinbar auch schon in allem ausprobiert. Auch ihre Debüt-EP "GRMM“ besticht durch pure Abwechslung. Wir haben Alexander Wulf, Markus Daume, Gideon Rothmann und Andreas Rodemann (v.l.n.r.) zum Interview getroffen und unter anderem über die Musikszene in ihrer Heimat Braunschweig und den Verbleib potenziell negativer Rezensionen gesprochen

Im November vergangenen Jahres habt ihr eure Debüt-EP "GRMM" veröffentlicht, euer Live-Set besteht aber aus mehr als den fünf Tracks der EP. Trotzdem passen die Songs, so unterschiedlich sie auch sind, wunderbar zusammen. Sind sie alle im selben Zeitraum entstanden?

Markus: Die Ideen sind eventuell schon parallel entstanden, die Songs an sich aber erst danach. Mal schauen, was damit noch passiert, ob sie auf die nächste Platte kommen.

Alexander: Wir versuchen aber, dem Sound auch treu zu bleiben und nicht viel nach oben, unten, links oder rechts auszuschlagen oder auszupendeln. Wahrscheinlich wird es auch nie eine Ballade von uns geben, wir wollen schon einen straighten Sound haben.

Aber den habt ihr doch gar nicht – zumindest nicht auf der EP.

Alexander: Die Songs sind mega unterschiedlich, aber vom Gesamtkonzept passen sie ja schon zusammen. Das versuchen wir auch bei den neuen Songs, die wir schreiben, beizubehalten.

Bereits vor Release ist bei einem Online-Musikmagazin ein Review erschienen, was sehr positiv war und ihr auch gleich bei Facebook geteilt habt. Ward ihr euch dessen bewusst, dass ihr auch die negativen teilen müsst, wenn ihr schon damit anfangt?

Markus: Ja. Und wir haben vor, wenn wir ein richtig schlechtes kriegen, das als Titelbild bei Facebook zu nehmen. Es kann natürlich jemand sagen, dass er das nicht gut findet. Dann mögen wir den halt auch nicht [alle lachen].

Als du Teil von der Band wurdest, Gideon, hast du auch gleich einige Demos mitgebracht. Wie viel ist von den Ursprungsideen noch übriggeblieben?

Gideon: Ich weiß das gar nicht mehr. Es wäre aber mal interessant, die Anfangsidee dem Endsong von der Platte gegenüberzustellen. Ich bin aber eigentlich froh, wenn es nicht so bleibt, weil sonst wahrscheinlich jeder Song gleich klingen würde. Wenn man sich meine Demos anhört, merkt man sofort, dass sie von mir sind. Aber wenn jeder noch eine Idee miteinbringt, wird es erst zu einem Song von einer Band.

Ihr seid alle zwischen 20 und 30, mitten im Studium, berufstätig oder sogar selbstständig. Wie bekommt ihr da noch eine Band unter?

Alexander: Das hängt meistens von mir ab, weil meine Arbeitszeiten komplett konträr zu den meisten anderen Arbeitszeiten sind. Aber einen Abend in der Woche halte ich mir immer für die Jungs frei, was auch ganz gut klappt. Ich kann auch ziemlich gut planen, wann ich mal ein Wochenende frei brauche – und dann fahren wir los, trinken und machen ein bisschen Punkrock.

Euer Zuhause ist Braunschweig – eine Stadt, die einem nicht sofort in den Kopf schießt, wenn man über die Musikszene in Deutschland nachdenkt.

Alexander: Früher gab es schon ein paar Bands, die aus Braunschweig kamen, früher war das mal eine Adresse. Aber das ist leider vorbei.

Wie schaut es denn jetzt aus?

Alexander: Wenn man Deutschland als Ganzes sieht, hat man das bestimmt nicht so auf dem Zettel, aber in Braunschweig und Umgebung gibt es schon sehr viel Musik – auch sehr breit gefächert. Braunschweig ist in Sachen Musiker gut aufgestellt, in Sache Locations und Venues nicht so, aber das liegt ja leider nicht in der Hand der Musiker selber.

Wie viele Venues habt ihr denn, wo überhaupt noch was passiert?

Alexander: Ich würde auf Anhieb mal drei sagen – also wo Bands wie wir spielen, wo Gitarrenmusik erklingt. Aber Braunschweig ist ja auch nicht so groß, ist zwar eine Studentenstadt, aber technisch ausgelegt und nicht kulturell wie zum Beispiel Münster.

Aber hat man als Band dann nicht super schnell alle Orte durchgespielt?

Alexander: Wir müssen ja nicht jeden Monat in Braunschweig spielen. Wenn wir zwei-, dreimal im Jahr Zuhause spielen und vielleicht dann noch irgendwelche Bands, die wir unterwegs kennengelernt haben, supporten können, dann reicht uns das auch. Dafür sind die Locations, die es so gibt, dann auch ausreichend.

Wenn ihr dann aber Musiker-technisch gut aufgestellt seid, müssen immerhin nicht immer dieselben Local-Support machen.

Markus: Außer Forkupines [alle lachen], aber das ist nicht böse gemeint, wie lieben die. Aber zu Hardcore-Zeiten, 2008, 2009, war es so, dass es immer Local-Support gab. Jetzt ist das gar nicht mehr so.

Andreas: Aber ganz oft werden ja auch keine Locals gesucht.

Markus: Stimmt. Man kommt da gar nicht mehr rein, weil irgendwelche Booking-Agenturen dahinterstecken und die Bands dann ihre eigenen Supports auf Tour mitnehmen.

Obwohl es euch noch nicht so lange gibt, habt ihr mit eurer EP und den Shows mit unter anderem Captain Planet und Light Your Anchor schon ein bisschen von euch Reden gemacht. Ist euch dabei bewusst geworden, dass ihr schon ein bisschen als Geheimtipp geltet?

Markus: Nein, ist das so?

Alexander: Und ist aber auch nicht bewusst, dass wir schon mit so vielen Bands gespielt haben, weil das alles so schnell passiert ist. Wir haben einfach Glück, gute Kontakte und gute Freunde zu haben, die uns diese Shows ermöglichen. Selbst wenn man live gut ist, wären wir trotzdem nicht in der kurzen Zeit an die Shows gekommen. Das ist wirklich den Kontakten und Freunden zu verdanken.

Stellt euch zum Schluss bitte nochmal vor, ihr würdet wie Tom Hanks auf einer einsamen Insel stranden, hättet aber keinen Wilson dabei, sondern nur ein einziges Album – welches wäre das?

Andreas: Tiny Moving Parts, "Celebrate"!

Markus: Ich würde "Rubber Soul" von den Beatles mitnehmen.

Alexander: Ich weiß es nicht. Mir schießen gerade so viele Bands durch den Kopf, es würde aber auf jeden Fall irgendein Punkrock-Album sein. Irgendwas von Red City Radio vielleicht, irgendwas, das gute Laune macht. Wenn man auf einer einsamen Insel ist, braucht man gute Laune. Und wenn ich Punkrock höre, kriege ich gute Laune.

Markus: Du könntest auch ein Hörbuch mitnehmen - "Wie man ein Floß baut".

Gideon: Ich würde von Title Fight "The Last Thing You Forget" mitnehmen.

Foto: Stefan Büsse


Von:
Leonie Wiethaup