Interview mit Great Escapes

Drei auf der Bühne, zwei dahinter: Great Escapes besteht laut Bassist und Sänger Maik Osterhage, Sänger und Gitarrist Frederik Tebbe und Schlagzeuger Maik Pohlmann (v.l.n.r.) aus mehr Mitglieder als nur sie selber – ihre beiden Mercher Julian Schmidt und Kilian Spinneker dürfen schließlich nicht vergessen werden! Im Songwriting sind die beiden allerdings nicht involviert, auch nicht bei den Songs für ihre kommende neue EP. Wir haben uns mit der Punkrock-Band unter anderem über Akustik-Sets und ihr Programm im Tourbus unterhalten.

Ihr schreibt sowohl englische, als auch deutsche Texte. Ist es so, dass ihr zwei Songwriter habt oder ergibt sich das einfach?

Frederik: Das ergibt sich. Hauptsächlich schreibe ich die Texte und das ist wirklich frei nach Laune, meistens habe ich eine Zeile, auf die ich aufbaue. Bei Great Escapes war es irgendwann mal so, dass ich auch was auf Deutsch hatte und so auch deutsche Texte entstanden sind. Es ist auch keine Formel, dass wir sagen, wir bräuchten drei deutsche und acht englische Songs.

Hat sich das auch mal so entwickelt, dass die Sprache im Arbeitsprozess nochmal geändert wurde?

Frederik: Nee, das gar nicht.

Maik P.: Das ist aber auch immer davon abhängig, was man für Musik selber gerade Zuhause hört – das ist zumindest bei mir so. Wenn ich viel deutsche Musik höre, dann schreibe ich auch auf Deutsch.

Für Dressed In Black habt ihr "X" auch mal als Akustik-Version gespielt. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, generell ein paar Akustiktracks ins Repertoire aufzunehmen?

Maik O.: Wir haben schon drüber nachgedacht, es nicht mehr so viel zu machen (alle lachen), weil wir uns auch sehr schwer damit getan haben, die Songs wieder auf Akustikgitarre zurückzuschreiben. Oft entstehen sie zwar auf Akustikgitarre, aber wenn wir sie für die Band umschreiben und einspielen ist es schwierig, nachher wieder auf die Akustikgitarre zurückzukommen. Als Maik mal krank war, haben Fred und ich alleine ein Akustik-Set gespielt, bei dem aber auch nur er Gitarre gespielt hat. Anders hätte es gar nicht geklappt.

Frederik: Einmal haben wir auch beide Gitarre gespielt – aber da reden wir besser nicht drüber (alle lachen).

Es geht wahrscheinlich arg viel verloren, oder?

Frederik: Ja. Einfach, weil du viele Riffs nicht cool rüberbringen kannst. Und alles, was du auf den hohen Lagen spielst, klingt auf der Akustikgitarre auch nicht schön.

Maik O.: Und ohne den Schlagzeuger ist es auch blöd.

Maik P.: Eben!

In dem Video von Dressed In Black bist du – Pardon – ja auch eigentlich nur Deko.

Maik P.: Ich habe einen Schellenkranz! Aber es stimmt schon, ja. Wir haben auch lange überlegt, wie wir das Video trotzdem zu dritt machen können, was da Sinn macht. Die erste Überlegung war, es genau wie Hal Johnson zu machen und mich da zum Biertrinken hinzusetzen. Dann haben wir aber den Schellenkranz ausprobiert.

Frederik: Es war aber ganz cool, weil es das im Vergleich zu den anderen Akustik-Sachen, die wir bisher gemacht haben, nochmal rumgerissen hat. Weil zumindest der Schellenkranz noch ein bisschen Beat mitreingebracht hat.

Ihr wart erst vor Kurzem im Studio, um eine neue EP aufzunehmen. Seid ihr da anders rangegangen als noch bei dem Album "To My Ruin I'll Go Gladly"?

Maik O.: Wir konnten so viel mehr noch an den Songs arbeiten. Bei dem Album war es so, dass wir die Songs vorher alle geschrieben und aufgenommen haben. Jetzt haben wir uns Zeit gelassen und sie auch ein paar Mal vorher aufgenommen, um zu gucken, wo man vielleicht nochmal was ändern kann. Die Vorbereitungszeit war viel größer und intensiver.

Maik P.: Beim Album sind wir bewusst den Schritt gegangen, dass wir die Songs so aufgenommen haben, wie wir sie im immer Proberaum gespielt haben. Dass wir sie auch so stehen lassen und alles bewusst minimalistisch machen. Jetzt haben wir die andere Richtung eingeschlagen und haben die Songs nach unserem Gusto nochmal komplett durchproduziert und immer wieder umarrangiert.

Frederik: Wir haben mit Bastian Hartmann, "Basto", aufgenommen, der auch mit Idle Class und City Light Thief arbeitet, und mit Lukas von Rivershores. Die beiden waren ein paar Mal bei uns im Proberaum und haben mit uns die Songs durchgearbeitet – nichts war in Stein gemeißelt, alles wurde nochmal auf den Kopf gestellt. Sie haben mit uns an den Songs gearbeitet und entsprechend hört man das auch.

Gehören die beiden zu den Leuten, die noch viel umwerfen?

Maik O.: Es geht (lacht). Weil wir die Songs schon sehr lange im Proberaum hatten, waren wir auch einfach betriebsblind und haben eingeschlichene Fehler immer mitgespielt – da wurden dann nochmal Sachen angepasst. Aber dass wir einen Song komplett neu gemacht haben, würde ich nicht sagen.

Was mir bei aufgefallen ist, ist, dass ihr eure Mercher Julian Schmidt und Kilian Spinneker ganz oft mit zur Band dazuzählt. Ist Great Escapes für euch ein Freundeprojekt, bei dem drei auf der Bühne stehen und zwei dahinter?

Maik P.: Mittlerweile ist das so, glaube ich. Es fühlt sich zumindest danach an.

Maik O.: Als wir gestartet sind, war Kilian noch in Neuseeland und hat alles nur aus der Ferne mitgekriegt, Julian war von Tag 1 dabei. Inzwischen zählen wir sie als feste Mitglieder dazu – es ist auch schade, wenn sie nicht dabei sind, zu dritt ist es schon eine kleine Runde.

Frederik: Es ist nicht so, dass die beiden an den Songs mitschreiben, aber wenn wir Shows spielen, ist es fest, dass die beiden mit dabei sind, wenn sie Zeit haben. Julian war, wie gesagt, von Anfang an dabei und hat auch die ersten Fotos gemacht, weil er Hobbyfotograf ist. Er hat mitangepackt und ist gefahren, wenn es sein musste.

Dann ist auch automatisch mehr los im Tourbus.

Frederik: Es ist lauter und es ist dümmer (alle lachen).

Maik P.: Aber auch schöner!

Das Interview ist für die Sendung "Auf den Punk gebracht" – was hat euch denn auf den Punk gebracht? Zum großen Genrekonstukt des Punk?

Maik O.: Tony Hawk Pro-Skater 2 (lacht)!

Frederik: Da würde ich mitgehen (lacht). Und dann Bands wie Green Day, Blink, Sum 41 und die Donots. Von den Donots ging es dann zu Muff Potter und von da aus zu Hot Water Music.

War eine bestimmte Band auch der Grund, warum ihr selber Musik machen wolltet?

Maik O.: Ich habe damals Gitarre gelernt und kannte Maik auch schon, der wiederum Frederik kannte. Fred hat Maik irgendwie dazu gebracht, Schlagzeug zu lernen. Und Maik ist dann zu mir gekommen und hat gefragt, ob ich nicht Bock hätte, mit den beiden zusammen Musik zu machen - hatte ich!

Frederik: Ich wollte mit meinem besten Kumpel Alex schon seit der sechsten Klasse eine Band gründen – das hat aber vier Jahre gedauert und wir hatten keinen Schlagzeuger. Dann habe ich Maik bei ICQ gefragt, ob er nicht Bock hätte, dafür Schlagzeug zu lernen (lacht). Maik hat dann einen Sommer bei der Müllabfuhr gearbeitet – sehr magisch – hat sich ein Schlagzeug gekauft, es gerlernt und dann haben wir unsere erste Band gegründet, Pavement Poetry. 2014 haben wir dann mit der Band aufgehört und mit Great Escapes weitergemacht. Insgesamt machen wir seit 2009 zusammen Musik.

Wenn ihr eine Playlist fürs Auto macht: Was muss da rein?

Frederik: Studio Braun – 24/7!

Maik O.: Wir hören wenig Musk, weil wir viele Telefonverarschen hören. Wir hören die auch alle hundertmal hintereinander und lachen trotzdem noch (lacht).

Frederik: Und so langweilig das auch klingt, stellen wir sonst einfach Spotify auf Shuffle und hoffen, dass wir heile ankommen. Wir haben auf jeden Fall keine fixe Tourplaylist. Studio Braun geht immer – und für immer (alle lachen).


Von:
Leonie Wiethaup