Interview mit Fil Bo Riva


©Sophie Rudolph

Der junge Musiker Fil Bo Riva wurde einst in Italien geboren, verbrachte seine Jugend in Dublin und kam 2012 nach Berlin. Seitdem sind nun fünf Jahre vergangen und seine erste EP "If You're Right, It's Alright" wurde veröffentlicht. In Berlin lernte er außerdem den Gitarristen Felix Remm kennen, mit dem er nun gemeinsam auf der Bühne steht. Wir haben Fil Bo Riva in Münster getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt.

Du bist 2012 nach Berlin gekommen. Was hat dich zum Bleiben inspiriert?

Die wahre Geschichte ist folgende: Ich war Silvester 2011 zufällig mit Freunden in Berlin. Wir hatten uns einfach dazu entschlossen, dorthin zu fahren. Ich war damals das erste Mal dort, fünf oder sechs Tage am Alexanderplatz in einem sehr ranzigen Hostel und fand die Atmosphäre sehr schön - wenn auch sehr kalt! Die Leute und die Bars waren einfach nice. Das war mein Grund, später dorthin zu ziehen.

Ich habe gelesen, dass du 2014 dein Studium abgebrochen hast. Uns als Studentenradio interessiert da natürlich brennend, was du studiert hast und was dein "Breakingpoint" mit der Uni war!

Ich habe Produktdesign studiert. Deswegen bin ich auch eigentlich nach Berlin gezogen, um Musik und Studium gleichzeitig zu machen - hat nicht geklappt! Deswegen war ich irgendwann dazu gezwungen mich für eins von beidem zu entscheiden und da war Musik die Nummer 1.

Deine EP ist letzten Herbst rausgekommen. Du hast als Straßenmusiker angefangen, wie hat sich dann der Studioprozess für dich angefühlt? War es schwierig, Songs, die eigentlich für die Straße ausgelegt waren, dann auf einmal in einem Studio zu vertonen?

Wir haben eigentlich die ganzen Songs, die auf der EP sind, nicht sehr oft auf der Straße gespielt, sondern eher noch ältere Sachen, die ich hatte. Das war noch so eine Anzahl von etwa fünf Songs, die ich vorher mal geschrieben hatte und die haben wir dann auf der Straße gespielt. Die neuen Songs habe ich entweder alleine gespielt, oder dann mit Felix. Sie sind dadurch tatsächlich im Proberaum und im Studio entstanden.

Also sozusagen dann auch wirklich für das Studio ausgelegt?

Ja, die ganzen Songs wurden sehr akustisch-minimalistisch Zuhause vor dem Spiegel im Bad gestaltet. Wir haben die Songs auf jedem Konzert sehr unterschiedlich gespielt und da klingen sie dann auch ganz anders als auf der EP!

Was inspiriert dich denn, wenn du deine Songs schreibst?

Meistens sind's traurige Sachen - ich weiß nicht wieso. Ich finde traurige Sachen haben irgendwie mehr Charme als glückliche. Ich bin als Mensch schon sehr positiv, würde ich sagen, aber traurige Sachen sind viel schöner, wenn man sie auf die Kunst bezieht. Wenn man dann Songs schreibt, finde ich es viel romantischer und auch angenehmer, das so rüberzubringen.

Passt ja auch besser zu deiner Art, Musik zu machen. Du warst der Support von AnnenMayKantereit. Hast du eine gute Zeit mit ihnen gehabt?

Ja, auf jeden Fall! Es waren jetzt nicht viele Konzerte, sondern einzelne Shows vor zwei Jahren, aber es sind super angenehme Leute. Natürlich auch eine mega Chance für uns, dass wir für sie den Support spielen konnten!

Gibt es da irgendeinen Moment, der dir aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben ist? Irgendwas Bewegendes oder Lustiges?

Es sind mehrere Sachen passiert. Henning meinte einen Abend zu mir, nachdem ich nach dem Konzert mit offenem Hemd und vollgeschwitzt rauskam, ich solle mir meinen Schal anziehen, sonst würde ich am nächsten Tag nicht mehr singen können. Ich hab's natürlich nicht gemacht. Und naja, er hatte wohl recht. Man muss sich auf jeden Fall sehr um sich selber kümmern, obwohl das wahrscheinlich sehr spießig klingt.

Gab es mal einen überraschenden oder bewegenden Kommentar zu deiner Musik von irgendjemandem?

Die meisten Leute sagen nach dem Konzert nur: „Gute Musik, schöne Show" - also sehr einfache Sachen. Über Email oder private Nachrichten in den sozialen Netzwerken kommen dann die bewegendsten Kommentare, finde ich. Obwohl das schade ist. Wahrscheinlich, weil sich Leute nicht trauen, das persönlich zu sagen. Dadurch, dass nach den Konzerten immer so ein Stress ist und es keine freien Minuten gibt, um sich persönlich mit dir zu unterhalten. Das Schönste, was mir geschrieben wird, ist, dass die Musik sie so sehr berührt, dass sie sie nachvollziehen können und die Sachen, über die man schreibt, anderen auch passiert sind.

Lass uns über die Zukunft sprechen – ist etwas neues in Planung? Wovon träumst du als ganz normaler Mensch?

Im Prozess ist unser Album, das nehmen wir gerade auf. Es wird auch sicherlich noch ein halbes Jahr - eher ein ganzes - dauern, bis es raus ist. Das ist das, was mir gerade am meisten Spaß macht. Die ganzen Ideen und Skizzen, die ich die letzten drei Jahre gesammelt habe, jetzt aufzunehmen! Aber gerade bei der Musik verändert sich so vieles autark. Ich schreibe die Sachen sehr gerne in mein Skizzenbuch, mache Pläne mit Daten und so weiter. Mein Kalender ist auf jeden Fall immer voll mit Uhrzeiten, wann probe ich, wann wasche ich meine Wäsche - bisschen freakig, aber ja so ist das!


Von:
Amélie Becker