Interview mit The Dirty Nil

Punk oder nicht Punk - im letzten Jahr war das für The Dirty Nil die meistgestellte Frage. In eine bestimmte Schublade lassen sich Schlagzeuger Kyle Fisher, Sänger und Gitarrist Luke Bentham und Bassist und Sänger Ross Miller noch immer nicht stecken, romantische Punk-Erinnerungen haben sie dennoch. Während des Uncle M Fests 2017 hatten wir die Gelegenheit, uns mit ihnen über diese zu unterhalten.

Ihr habt vor allem im letzten Jahr viele Interviews gegeben, in denen es vor allem darum ging, ob ihr denn nun eine Punk-Band seid, oder nicht? Ist das Thema heute immer noch so präsent?

Luke: Auf jeden Fall, wir werden fast in jedem Interview darauf angesprochen. Es ist witzig, weil ich mich inzwischen so von dem, womit ich ursprünglich angefangen habe, geschieden fühle. Wir sind an dem Punkt, wo wir sagen, dass es egal ist, welchem Genre wir zugeschrieben werden – das spielt keine Rolle! Wir möchten nur nicht als Punk-Band abgestempelt werden, weil wir die Freiheit haben wollen, die Musik machen zu können, die wir möchten. Wir wollen nicht als etwas Bestimmtes klassifiziert werden! In erster Linie ist es natürlich verdammt cool, wenn uns Leute überhaupt hören. Und wenn sie sich dann auch noch bemühen wollen, uns einem Genre zuzuordnen, freut uns das – und das ist ernst gemeint!

Diesen Januar ist die zweite Benefiz Split zugunsten von Sea Shepherd über Uncle M Music erschienen, für die ihr Bob Dylans "When I Paint My Masterpiece" – warum diesen?

Kyle: Ganz einfach, weil wir diesen Song lieben. Auch die Version, die die kanadische Band The Band veröffentlicht hat.

Luke: Unser Ziel bei Cover-Versionen ist, die Songs zu ruinieren und ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen.

Das ist aber schon ein bisschen punk.

Luke: Ja, wahrscheinlich (lacht).

Wie hat es eigentlich mit euch angefangen? Wie seid ihr mit dem Punk in Berührung gekommen?

Kyle: Für mich hat alles mit den Ramones angefangen. Sie wurden damals viel im Radio gespielt und weil wir Zuhause viel Radio gehört haben, ist dann eins zum anderen gekommen. Ich fand ihre Rock-Musik von Anfang an gut.

Ross: Viele meiner älteren Freunde haben Hardcore gehört und irgendwann habe ich ausversehen eine 7-Inch gekauft – ich wusste nicht, dass es eine Platte ist, ich fand nur das Cover cool (lacht). Diese Musik hat mich dann mit Bands wie Bad Brains, Minor Threat und den Descendents in Berührung gebracht. Ich glaube, ich war da 16 Jahre alt.

Luke: 2002, als ich zwölf Jahre alt war, haben Nirvana ein schwarzes Album rausgebracht – so etwas wie ein Greatest Hits-Album. Als Promo haben sie dafür eine Demo veröffentlicht, die sie kurz vor Kurts Tod aufgenommen hatten – sogar inklusive Video mit Live-Footage. Der Song hieß "You Know You're Right". Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich mit meinen Eltern eines Morgens gefrühstückt habe, ich mich für die Schule und sie sich für die Arbeit fertiggemacht haben, der Fernseher im Hintergrund lief und auf einmal "You Know You're Right" von Nirvana gespielt wurde. Meine Eltern waren von dem Sound entsetzt, ich fand ihn verdammt cool! Ich habe meine Eltern zuvor noch nie so angewidert von Musik gesehen (lacht). Ich erinnere mich wirklich noch gut daran, wie ich am Küchentisch saß, mit meinen Eltern und meinen Cornflakes, und dachte, dass das etwas ist, was wichtig für mich werden könnte.

Wie romantisch, dass du dich noch an jedes Detail erinnerst.

Luke: Ja, nicht wahr? Ich erinnere mich an alles. An die Musik, an die Cornflakes. An meine Mutter – so angewidert (lacht).


Von:
Leonie Wiethaup