Interview mit Dennis Müller (KMPFSPRT)

Nach "Jugend Mutiert" (2014) hat die Punkrock-Band KMPFSPRT vergangenes Jahr ihr aktuelles Album "Intervention" veröffentlicht – das zweite Full Length-Werk, der zweite Drummer der Truppe. Doch nun hat auch Nico van Hamme die Segel gestrichen und seinen Austritt verkündet. Ein neuer Schlagzeuger ist bereits gefunden, ein bisschen blöd sei es aber schon, hat Bassist Dennis Meyer im Interview beim Uncle M Fest 2017 zugegeben.

Morgen, am 29. April, wird "Intervention" ein Jahr alt – wird das gefeiert?

Nein (lacht). Es war auch Zufall, dass das Uncle M Fest heute stattfindet. Wir geben uns da relativ emotionslos, glaube ich (lacht). Wir gucken eher nach vorne und sind auch schon dabei, neue Sachen zu schreiben.

Ich habe mir vor ein paar Wochen sagen lassen, dass euer Drummer Nico van Hamme die Band verlässt. Was ist da dran?

Ja, das ist richtig, wir haben auch schon jemand Neues. Nach etwas mehr als einem Jahr hört Nico leider auf – einfach wegen Job und Zeit. Ich glaube, er hat den Zeitaufwand für die Band ein bisschen unterschätzt und war auch nicht mehr glücklich was das angeht. Aber da sind wir auch alle alt genug, dass wir von niemandem die Zeit verschwenden wollen. Es muss niemand etwas machen, womit er nicht glücklich ist – wir sind alle cool damit. Als er es uns gesagt hat, waren wir, glaube ich, alle erleichtert. Wir hatten schon gemerkt, dass gerade lange Fahrten und Touren nicht das Richtige für ihn sind. Aber dadurch, dass wir jetzt die letzten Shows noch gemeinsam spielen, sieht man ja auch, dass alles cool ist, wir sind da immer noch guter Dinge. Es ist natürlich ein bisschen blöd, dass wir für das dritte Album schon wieder einen neuen Schlagzeuger haben, dass wir für jede Platte einen neuen Schlagzeuger haben.

Wir haben tatsächlich überlegt, dass, falls wir niemanden finden, wir einfach zu dritt weitermachen und mit einem Drum-Computer Songs schreiben – natürlich nur im Proberaum und nicht live. Im Freundeskreis hat sich dann aber relativ schnell etwas ergeben und von daher arbeiten wir jetzt schon an Songs für das neue Album.

Ist der neue Drummer dann schon im Songwriting involviert?

Ja, klar. Weil wir noch Shows mit Nico spielen, hat unser neuer Schlagzeuger auch schon gesagt, dass es sich für ihn so anfühlt, als wäre man die neue Freundin von jemandem, der noch was mit seiner Ex-Freundin hat – also obwohl Schluss ist, läuft da noch was (lacht). Aber das ist natürlich nur Spaß.

Ist er sehr eifersüchtig?

Nee, gar nicht. Er ist eigentlich ganz froh, dass wir jetzt mit komplett neuen Sachen anfangen und er sich nicht noch die alten Sachen draufschaffen muss. Früher oder später muss er das natürlich, aber das hat jetzt erstmal Zeit. Wir haben dieses Jahr inklusive heute vier Konzerte, den Rest der Zeit werden wir nur Songs schreiben und dann irgendwann aufnehmen gehen.

Das Interview ist für unsere neue Sendung "Auf den Punk gebracht", in der es rund um Punk, Emo, Hardcore und Alternative geht. Was hat dich zum Punk gebracht?

Die erste Punk-Platte, die ich gehört habe, war "The Longest Line" von NOFX – das war irgendwann Mitte der 90er. Wir kommen alle ursprünglich aus Bonn und da gab es auch immer die RhEINKULTUR, ein riesiges Umsonst-Festival. Und wenn du als 13-, 14-Jähriger ein großes Festival vor der Tür hast, was keinen Eintritt kostet, dann gehst du da auch natürlich hin. Da habe ich dann auch Bands wie NOFX und Lagwagon gesehen, was musikalisch gesehen für mich der Schritt zum Punk war.

Die Einstellung kam erst später, weil man dann erst gerafft hat, worum es den Bands eigentlich geht. Mit 15, 16 war mein Englisch noch nicht so gut – versuch mal, mit 15, 16 eine Propagandhi-Platte zu verstehen. Teilweise bekommt man es mit, teilweise weiß man aber nicht genau, was sie meinen. Man hatte damals auch nicht das Internet und wusste nicht, wie die Bands drauf sind. Mit dem Verständnis kam das nach und nach und die Texte haben mich dann schon maßgeblich beeinflusst.

Wo du gerade schon die Einstellung mancher Bands erwähnt hast: Was sagst du dazu, dass bisher kein wirklicher musikalischer Output zu Trump gekommen ist – also außer den 30 Songs vor der Wahl und den 100 Songs während seiner ersten 100 Tage als Präsident.

Das ist ein bisschen schwierig. Ich glaube, der eigentliche musikalische Aufruhr gegen Trump steckt ein bisschen fest. Ich habe das Gefühl, dass die ganzen Bands, die sich damals so krass gegen Bush gestellt haben, ihr Pulver verschossen haben – klingt heftig, aber ein bisschen kommt es einem schon so vor. Es hat damals nichts gebracht, Bush wurde wiedergewählt. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass man das Ganze einfach nur so hinnehmen sollte. Ich glaube, es gibt immer noch Bands, die da ein Auge drauf haben.

Trump-Bashing ist aber eh populär geworden, da musst du dir nur die ganzen amerikanischen Late Night-Shows ansehen. Gefühlt mag niemand den Typen und von daher ist er auch ein leichtes Ziel, was es allerdings wieder ein bisschen schwierig macht. Es steht natürlich vollkommen außer Frage, dass der Typ ein Riesenidiot ist, aber dasselbe sieht man auch in Deutschland mit der AfD. Alle sagen "Fuck AfD!", aber aus der Punk-Szene fehlt mir was. In der Kohl-Zeit hattest du den Deutsch-Punk a la Toxoplasma und Slime, wobei Slime mit „Schweineherbst" ein tolles, intelligentes und immer noch aktuelles Album geschrieben haben, was erschreckend ist.

Die ganzen Deutsch-Punk-Bands von damals sind alt geworden und die Deutsch-Punk-Bands von heute haben einen Emo-Einschlag – auch inhaltlich. Da wird sich weniger um Politik gekümmert, sondern um das Kleinteilige. Da können wir uns auch eigentlich selber an die Nase fassen, obwohl wir immer beides haben. Wobei die politischen Texte zum Teil vielleicht ein bisschen zu verschrobelt waren, sodass man sie nicht sofort verstanden hat. Das haben wir jetzt auch erst wieder bemerkt, als David auf der Anti-AfD-Demo in Köln war und uns deswegen Leute entliked haben. Anscheinend muss man es also noch klarer sagen, dass man gegen die AfD ist, weil die Leute es einfach nicht raffen.

Mit den Frei.Wild-Fans hat sich das auch nicht wirklich gebessert, soweit ich das mitbekommen habe, oder?

Das stimmt, aber ich weiß so langsam auch nicht mehr, was wir da noch tun sollen – noch offener können wir unsere Abneigung gegen die Band nicht zeigen. Ich bin da aber auch zwiegespalten. Auf der einen Seite will man die Leute nicht haben, auf der anderen Seite ist es eigentlich gut, dass sie nicht komplett den Kopf verschließen und auch noch andere Bands mitbekommen. Uns wurde mal geschrieben "Ich höre Frei.Wild, ich höre aber auch ZSK und euch" – und das passt überhaupt nicht zusammen! Aber wenigstens hat derjenige noch den Blick für die andere Richtung offen. Diese Leute sind also noch nicht komplett verloren.

 Fotos: Elliott Tender


Von:
Leonie Wiethaup