Interview mit Cosmo Thunder

Am 20. Mai durfte Dominik Wagenführ, alias Cosmo Thunder, die Akustikbühne auf dem B58 Fest in Braunschweig eröffenen. Die gewohnte Nervosität machte sich bereits einige Stunden zuvor bemerkbar - im mindestens demselben Maße aber auch die Vorfreude darauf, wieder auf der Bühne zu stehen. Cosmo Thunder ist der Punk, der Olli Schulz wohl immer sein wollte, aber es zumindest bislang nicht geschafft hat zu sein. Wir haben uns mit ihm unter anderem über seine EP "Stadt/Land/Flucht" und das Publikum auf Singer/Songwriter-Shows unterhalten.

Was machst du, um deine Nervosität vor Konzerten in den Griff zu bekommen?

Ich bin immer nervös. Ich versuche zu trinken, aber das geht dann meistens nach hinten los. Es ist aber ganz schön, nervös zu sein – ist so ein vertrautes Gefühl, das man hat.

Ist es Zuhause dann nochmal schlimmer, wenn Freunde da sind?

Da geht's, das ist super! Es ist immer ganz gut, wenn bekannte Gesichter auf Konzerten sind, die ich volllabern und damit vertuschen kann, dass ich nervös bin. Es ist ein bisschen besser, aber trotzdem nicht ganz weg (lacht).

Echt? Ich habe von anderen Bands schon häufiger gehört, dass sie es schlimmer finden, wenn sie Zuhause vor Freunden spielen. Dass es dann wirklich uncool wäre, wenn sie sich verspielen.

Ich verkack' meistens immer irgendwas und ich lasse es auch die Leute merken, die mich nicht kennen. Ich höre dann immer auf zu spielen und fange an zu lachen.

Vor ein paar Monaten hast du deine EP "Stadt/Land/Flucht" veröffentlicht, auf der neben Gitarre und Gesang auch noch andere Instrumente eingespielt sind. Hast du darauf geachtet, dass es Instrumente sind, die du live zum Beispiel durch die Mundharmonika auch noch irgendwie anders rüberbringen kannst?

Nee, gar nicht. Wir wollten die EP nur mit Stimme und Gitarre machen, hatten dann aber noch Ideen mit einer Trompete, wofür wir dann Jakob Lassak von Final Impact rangeholt haben – der hat auch überall noch Bass eingespielt. Zusammen mit Tobi habe ich "Stadt ohne Sterne" hier in Braunschweig geschrieben. Eine Freundin von mir hat dann noch Akkordeon eingespielt. Till, der das Ganze produziert hat, hatte eine Idee für eine Leadgitarre und konnte außerdem noch ein Cello organisieren, das sie dann in einer Kirche aufgenommen haben. Jonas hat bei ein, zwei Lieder Percussion eingespielt. Es wurde einfach auf einmal immer mehr. Mein bester Freund, mit dem ich großgeworden bin, hat das Artwork gemacht. Es ist total schön zu sagen, dass das nicht nur ich bin, sondern auch meine Freunde. Ohne sie wäre es nicht so geworden, wie es ist.

Gibt es denn einen Grund, warum du auf das Schlagzeug verzichtet hast?

Wir wollten es Singer/Songwriter-mäßig lassen und mit der Percussion langt das dann auch.

Du bringst sowohl auf Platte, als auch live eine gewisse Punk-Attitüde mit. Hast du früher mal in Punk-Bands gespielt?

"Punk" kann man nicht sagen – wir wussten selber nicht, was wir da eigentlich machen – aber wir kamen alle aus dem Punkrock. Punk ist das Geilste, was es gibt. Es ist schön, das beizubehalten.

Fehlt dir denn dann beim Publikum bei Singer/Songwriter-Shows etwas, was man von Punk-Shows kennt?

Dass sie die Schnauze halten! Wenn man mit der Gitarre dasteht, ist das meistens nur für nebenbei und die Leute fangen an zu quatschen – wie in einer Kneipe. Was mir auf der Bühne fehlt, ist die Wucht, die man als Band rüberbringen kann, das ist schon was ganz Anderes.

Denkst du, dass die Leute dich nicht richtig ernstnehmen, wenn sie auf deinen Shows zu reden anfangen?

Es ist schade. Aber man gewöhnt sich dran, zu Anfang hat mich das mehr genervt. Freunde von mir sind neulich zu einer Show in Göttingen nachgereist und haben dann auch mitgesungen. Wenn sie den Text nicht konnten, haben sie aber gequatscht, worüber ich mich dann aber auch beschwert habe. Ich nehme mich da aber selber nicht so ernst.

Als ich hier im B58 mit Finder gespielt habe, kam einer, den ich nicht kannte, nach dem Konzert zu mir und meinte: "Meine Freundin hat gerade mit mir Schluss gemacht und es war so geil, das gerade zu hören!" Er hat sich so verstanden gefühlt und es war einer der schönsten Momente, die ich mit diesem Musikding hatte. Dass Leute auf mich zukommen und sagen, dass sie sich genauso fühlen.

Du hast mir mal von deinem Vorhaben erzählt, jeden Monat einen Song zu schreiben. Ist das noch aktuell, klappt das?

Das klappt tatsächlich. Es ist aber gerade ein bisschen stressig, weil man die dann auch draufhaben muss und ich auch immer noch dran feile. Es läuft, aber wegen des Studiums ist da gerade nicht so viel Zeit. Die Thematik wiederholt sich bei mir auch ganz oft. Deswegen lasse ich das jetzt vielleicht erstmal, erlebe was Neues und schreibe dann auch mal glückliche Lieder.

Aber ist es denn schlimm, nur ein Thema zu haben, wenn es clever und auf den Punkt gebracht vermittelt wird?

Ich habe durch die Musik ein Ventil, mit dem ich Sachen verarbeiten kann, wenn ich traurig bin oder etwas Doofes passiert ist. Vor ein paar Monaten hat sich ein Kumpel von mir vor einen Zug geworfen und ich habe keine Träne vergossen, ich war nur am Schreiben und Musikmachen. Es ist krass, dass man das so verarbeiten kann und deswegen durch ein glücklicheres Leben läuft.

Das ist jetzt keine Frage von mir, sondern von Gideon von GR:MM. Er möchte wissen, ob du noch die Spieleabende in der Klaue machst.

(lacht) Viel zu selten, seitdem ich studiere. Ich glaube, ich habe bisher vier mitgemacht. Eigentlich möchte ich jeden Dienstag in der Klaue sein und schön Rommé kloppen. Ich werde auch schon besser (lacht)!

Das Interview ist für "Auf den Punk gebracht" – was hat dich denn zum Punk gebracht?

Das Rock Café in Wittingen. Eigentlich hieß es immer, dass da die Rocker sind und ich da nicht reingehen sollte. Als ich dann aber mit 14 auf dem Weg zu einem Kumpel dran vorbeigegangen bin, hing da ein Plakat, was jetzt auch immer noch in meinem alten Zimmer hängt. Das war von Toxic Vapors aus Fassberg und es stand ganz groß "Punkrock und Power-Pop" drauf. Ich habe dann meine Mama gefragt, ob ich da bitte, bitte hingehen dürfte. Ich habe mir die Show angeguckt und die haben komplett abgerissen und es war so geil. Dann wollte ich mehr! Ich hatte vorher schon ein bisschen was gehört, aber das zu erleben war echt cool.

Es ist auch die Familie, die man im Punk hat. Wenn man Leute aus Münster kennenlernt, die auf einmal vor einem sitzen und einem ein Mikrofon ins Gesicht halten (lacht). Es verbindet einfach, wenn man sich über Musik unterhalten kann. Punk ist geil!

Was war denn die erste Punk-Platte, die du dir bewusst selber gekauft hast?

(überlegt lange) Ich glaube "Smash" von The Offspring. "Self Esteem" ist da drauf und den wollte ich unbedingt haben.

Obwohl du in Braunschweig wohnst, besteht natürlich trotzdem die Gefahr, dass du dich auf dem Rückweg richtig schlimm verläufst und auf einer einsamen Insel landest. Welches Album würdest du dann bei dir haben wollen?

Von Hot Water Music "No Division". Es ist mein Lieblingsalbum einer meiner vielen Lieblingsbands. Da sind nur Hymnen drauf!

Foto: http://bit.ly/2rMNpDC


Von:
Leonie Wiethaup